Ukraine: Kampf um den großen Kuchen
Bezahlte Schlägertrupps, gekaperte Hotels: Vor der Fußball-EM in der Ukraine gerät auch das Gastgewerbe in Verruf. Gespräch mit einer Managerin, die selbst bedroht wurde
© Joern Pollex/Getty Images

Blick auf das Olympiastadion in Kiew: Hier soll am 1. Juli das Endspiel der Fußball-EM ausgetragen werden.
DIE ZEIT: Vor der Fußballeuropameisterschaft im Juni steht auch die Hotelbranche der Ukraine in der Kritik: Zimmerpreise steigen angeblich um ein Vielfaches. Die Mafia, heißt es in der hiesigen Presse, bringe ganze Hotels gewaltsam unter ihre Kontrolle, um während des Turniers abzukassieren. Auch das Kiewer Hotel Turist, dessen Managerin Sie bis vor Kurzem waren, wurde überfallen. Was genau ist passiert?
Michailina Horozowa: Ende Januar stürmten etwa 20 Schlägertypen den Bürotrakt des Hotels. So was nennt man in der Ukraine eine Maskenshow. Die Männer trugen Sturmhauben und Uniformen, sahen aus wie staatliche Spezialeinsatzkräfte, hatten aber keine Ausweise. Sie durchsuchten fast wortlos die Büroräume und sagten nur, es gebe eine Anordnung, mich zu entlassen. Kollegen konnten die Polizei verständigen. Daraufhin verließ die Truppe das Hotel. Ein paar Tage später wurden mein Vertrag und der unseres Geschäftsführers einfach aufgelöst. Die Kündigung kam aus der Chefetage des Gewerkschaftsbundes, dem das Turist gehört.
ZEIT: Wer steckte hinter dem Überfall?
Horozowa: Ich weiß es nicht. Über die Hintermänner solcher Attacken erfährt man selten etwas. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass der Überfall mir persönlich galt. Womöglich versucht jemand, das Hotel an sich zu reißen. Aber darüber kann ich letztlich nur spekulieren.
ZEIT: Inwieweit mischt dabei die Mafia mit?
Horozowa: Der Begriff Mafia ist irreführend. In der Ukraine reden wir eher über »Raider-Attacken«. So wird es genannt, wenn ein Hintermann oder eine Organisation eine Schlägertruppe beauftragt, um Hotels oder Firmen zu überfallen. In unserem Land kann man solche Truppen bestellen und überall hinschicken. Das soll rund 300.000 Dollar pro Einsatz kosten.
ZEIT: Auch im Kiewer Hotel Slawutitsch gab es Ende Februar eine Raider-Attacke. Der Überfall führte zum sofortigen Besitzerwechsel. Auf der Homepage des Slawutitsch stand: »Wir sind gekapert worden.« Es soll auch Verletzte gegeben haben.
Horozowa: Beim Slawutitsch streiten zwei Investmentgesellschaften schon seit Jahren darum, wem das Hotel gehört. Bis vor Kurzem wurde der Streit vor Gericht ausgetragen. Jetzt hat sich eine der beiden Seiten das Haus kurzerhand gewaltsam genommen.
ZEIT: Gibt es einen Zusammenhang zur nahenden Fußball-EM?
Horozowa: Für einen Hotelier ist so ein Turnier ein Hauptgewinn. Da geht es um sehr viel Geld. Raider-Attacken sind an sich nichts Neues in der Ukraine, aber die Meisterschaft hat deren Zahl noch einmal erhöht, das weiß ich aus zahlreichen Gesprächen mit Kollegen. Es ist im Zweifelsfall leichter, sich ein Hotel einfach unter den Nagel zu reißen, als es zu kaufen. Der Staat unternimmt häufig nichts gegen das Unrecht, sondern seine Angestellten profitieren noch davon.






"Ein paar Tage später wurden mein Vertrag und der unseres Geschäftsführers einfach aufgelöst. Die Kündigung kam aus der Chefetage des Gewerkschaftsbundes, dem das Turist gehört."
"Bei so viel medialer Aufmerksamkeit möchte der ukrainische Staat das Land von der besten Seite zeigen. Man wird Wege finden, die Raider-Truppen zu kontrollieren."
Mir deutet beides aber ziemlich auf eben doch eine Mafia hin, deren Begriff Frau Horozowa eher als "irreführende Bezeichnung" sieht.
Aber es ist im Prinzip auch egal, wie man organisierte Kriminalität benennt und wie sie dann heißt, wenn Staat und Gewerkschaften in sie verstrickt sind.
Viel Glück mal in Georgien, jedenfalls!
P.S.: @Redaktion, planen Sie Berichte über andere Branchen - Gastronomie, Lebensmittel- und Getränkehandel, Souvenirhandel, Nachtleben, Prostitution, EM-Merchandising (beliebig erweiterbar)?
Das Interview enthält doch einige überraschende Aspekte.
„... viele Verträge mit TUI wurden 2009 verhandelt und orientierten sich an den damaligen, niedrigen Preisen.“ – Von niedrigen Preisen in 2009 kann keine Rede sein. Die Hotelpreise in Kiew lagen 2009 bereits auf Londonniveau, allerdings qualitativ weit unter Londonniveau.
„...Übernachtungspreise werden am Ende um etwa 25 Prozent heraufgesetzt.“ – Es gibt bereits Berichte, daß Hotelzimmer um 200 bis 300 % erhöht wurden.
„...Bei so viel medialer Aufmerksamkeit möchte der ukrainische Staat das Land von der besten Seite zeigen. Man wird Wege finden, die Raider-Truppen zu kontrollieren.” – Das Image der Ukraine interessiert die „Businessmen“ hier weniger. Auch den Präsidenten dürfte in erster Linie sein eigener finanzieller Vorteil sowie den seiner Schützlinge interessieren. Also von wegen, man wird Wege finden, die Raider-Truppen zu kontrollieren.
„Auch bei »normalem« Betrieb wird regelmäßig von Mitarbeitern der Stadtverwaltung Schmiergeld kassiert ...“ – geschieht so ebenfalls in vielen andere Branchen. Hiesiege Anwaltskanzleien sind mit solchen Fällen mehr als ausgelastet.
Ja wenn jemand einen Deal durchgeführt hat,dann sagt der
manchmal "haltet den Dieb".
Bei der Feuerwehr ist es manchesmal so,dass aktive
Feuerwehrleute auch den Brand gelegt haben.
Wenn man den Entscheidungsträgern der Ukraine und
Rußland unter dem Beifall des gesamten Westens
die "Wirtschaftliche Radikalkur" leider ohne Rücksicht
auf damals kommunistische Gesetze gelehrt hat,so darf man sich nicht wundern, dass ohne Rücksicht auf Verluste gewirtschaftet
worden ist und weiter gewirtschaftet wird.
Der Spiegel berichtete ca 1997 auch über die
US-Amerikanischen Wirtschaftberater Jelzins,die
den "Neoliberalismus" als Heilmittel gegen den
verkrusteten Kommunismus gelehrt haben.
Doch noch während der Rubelkrise war der weitgehend
uneingeschränkte Rat z.B von Clinton der,die
"nötigen Wirtschaftsreformen" voranzutreiben.
Ohne gesetzliche Grundlage während große Teile Bevölkerung
ohne Lohn ,Arbeit mit zusammengebrochenem Gesundheitssystem und oft nahe am Hunger waren bzw verhungerten. Die Situation hat sich vielleicht geringfügig gebessert,die AIDS Zahlen sind
Europaspitze und die Anzahl an Straßenkindern ohne Eltern riesig.
Der Preis der orangen Revolution mit durchaus Beachtung der Menschenrechte, war der Kampf um die Nato.
Ein Kampf mit dem größten Wirtschaftspartner des Landes,nämlich
Rußland.Ein Schiff ohne Führung.
Die Gasprinzessin gegen den Kohlenprinz ?
Beide durchaus Kinder ihrer rechtlosen Zeit.
Was tun?Positive Perspektiven selbstlos ohne so
große Zäune zeigen !
Wer ein Hotel braucht in der Ukraine schmiert also Polizei und Politiker und prügelt dann Besitzer und Angestellte aus dem Gebäude, Angelegenheit erledigt, Besitzer gewechselt.
Erstaunliche Verhältnisse, bin doch etwas überrascht.
Zum Glück gibts TV, dass man da nicht vor Ort sein muß.
Wie kommt man eigentlich auf die Idee in so einem Land eine EM zu veranstalten???
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
In Südafrika wurde die WM abgehalten. Da passieren ca. 95 Morde(offizielle Zahl) pro Tag. Kriminalität ist exorbitant hoch, Korruption ist Mittel der Wahl.
Und trotzdem war die WM dort.
Gerade weil so ein Ereignis Dinge ändern kann, find ich das auch nicht weiter schlimm.
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
In Südafrika wurde die WM abgehalten. Da passieren ca. 95 Morde(offizielle Zahl) pro Tag. Kriminalität ist exorbitant hoch, Korruption ist Mittel der Wahl.
Und trotzdem war die WM dort.
Gerade weil so ein Ereignis Dinge ändern kann, find ich das auch nicht weiter schlimm.
ist für mich ziemlich unwichtig geworden.
Es handelt sich ohnehin um eine Verkaufs- und Werbeveranstaltung. Die Spieler sind nicht gerade Vorbilder und verdienen um den Faktor 10 zu viel. Wäre alles noch erträglich. Aber mafiöse Strukturen unterstützen...nein.
dass die UEFA ihren wichtigsten Wettbewerb ausgerechnet in einem hochgradig korrupten und von mafiösen Strukturen zerfressenen Land wie der Ukraine ausrichtet, ist eine Schande. Die Fußball-EM 2012 wird ganz offensichtlich zum Bereicherungsprogramm für Kriminelle, und Fußballfans aus Deutschland, Frankreich und den übrigen zivilisierten Ländern Europas sollen das durch ihre Aufmerksamkeit und rege Teilnahme auch noch befördern.
Da hilft nur eines: EM-Enthaltsamkeit und rote Karte für die UEFA-Verantwortlichen, die mit ihrer peinlichen Vergabe-Entscheidung völlig unverantwortlich gehandelt haben.
...es ist EM und keiner geht hin!
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
In Südafrika wurde die WM abgehalten. Da passieren ca. 95 Morde(offizielle Zahl) pro Tag. Kriminalität ist exorbitant hoch, Korruption ist Mittel der Wahl.
Und trotzdem war die WM dort.
Gerade weil so ein Ereignis Dinge ändern kann, find ich das auch nicht weiter schlimm.
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