Kunstmesse FriezeReisende Händler

Die Kunstmesse Frieze findet jetzt zum ersten Mal auch in New York statt. Wer braucht diese neue Messe?

Eine Besucherin in der 303 Gallery

Eine Besucherin in der 303 Gallery

Gehe ich dieses Jahr nach Hongkong oder aber Shanghai? Nach Köln oder Brüssel? London und Paris? Oder doch nur nach Basel? Grund zum Grübeln, sowohl für Galeristen wie für die Sammler zeitgenössischer Kunst. Es geht um die Frage, wo man diese Kunst am besten sehen und zeigen, kaufen und verkaufen kann.

Es gibt Old-School-Sammler, die auch heute noch am liebsten in den Galerien selbst einkaufen – wenn es schon nicht in den Ateliers der Künstler geht. Dann gibt es aber auch jene Sammler, die von Kunstmesse zu Kunstmesse reisen, weil sie hier stets gebündelt an einem Ort, in einer Halle, einen Überblick über die auf dem Markt angebotene Ware bekommen und sich dabei mit Händlern und Kuratoren über die neuesten Trends austauschen können.

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Und so ist es für das Geschäft eines Galeristen heute nicht mehr nur von elementarer Bedeutung, in welchem Viertel seiner Stadt er den eigenen Laden aufmacht. Heute stellt sich für ihn vor allem auch die Frage, an welchen der wichtigen Kunstmessen – es sind inzwischen Dutzende weltweit – er teilnimmt. Denn schon lange machen die Galerien einen Großteil ihrer Umsätze auf diesen Messen. Ohne Auslandsmessen, so Nicole Hackert von Contemporary Fine Arts in Berlin, könnten gerade die erfolgreicheren Berliner Galerien nie überleben. Erst die Verkäufe im Ausland haben sie zu den mittelständischen Unternehmen werden lassen, die sie heute sind. Aber auch die Großgalerien aus New York und London nehmen teilweise an einem Dutzend Kunstmessen im Jahr teil. Florieren können diese Galerien auch in Zukunft nur, wenn sie überall nach neuen Absatzmöglichkeiten suchen, ist ihre Ware doch auf hoch spezialisierte Geschmäcker und einen letztlich recht kleinen potenziellen Kundenstamm ausgerichtet. Für die großen Werke bekannter Künstler kommen als Käufer nur Institutionen, Reiche und Superreiche infrage.

Von heute an bis zum 7. Mai suchen 180 international renommierte und zahlungskräftige Galeristen ihr Glück in New York, in einem gigantischen, schlangenförmig angelegten Zelt auf Randall’s Island, einer grünen Insel im East River, die bisher vor allem von Festivals, Sportlern und den Patienten der nahe gelegenen Nervenheilanstalt genutzt wurde. Hier will nun die erfolgreiche Frieze Art Fair aus London, 2003 gegründet von Amanda Sharp und Matthew Slotover, den Herausgebern des britischen Kunstmagazins Frieze, auch New York beglücken. Jene Stadt also, über die nicht wenige sagen, dass sie gar keine Kunstmesse brauche, weil sie mit ihren Hunderten von Galerien und Tausenden von ansässigen Sammlern eine einzige, das ganze Jahr über laufende Kunstmesse sei. Die stets im März stattfindende Messe Armory Show verlor spätestens seit dem Erfolg der Art Basel Miami Beach an Bedeutung, sie wurde zunehmend von führenden Galerien aus New York, aber auch von aufstrebenden Junggaleristen gemieden.

Nun aber beteiligen sich an der mit Fähren oder einem Busshuttle zu erreichenden Insel-Frieze auch die großen, in New York beheimateten Player wie Larry Gagosian und David Zwirner. »Wir haben jedes Jahr seit der Gründung an der Frieze in London teilgenommen, stets mit Erfolg«, sagt David Zwirner, »und so rechnen wir auch mit einem Erfolg auf der New Yorker Frieze. Wir wollten mit unserer Teilnahme aber auch die Macher der Messe und die Stadt unterstützen.« David Zwirner wird an seinem Stand auf der Messe eine kleine Ausstellung mit Klassikern der minimalistischen Kunst zeigen: zwei Leuchtinstallationen von Dan Flavin, Holzschnitte und eine Box von Donald Judd sowie Arbeiten von John McCracken, Fred Sandback und Sol LeWitt (alle Preise auf Anfrage).

Aus Deutschland etwa reisen mehrere Galerien an, Contemporary Fine Arts zeigt an ihrem Stand ausschließlich neuere Gemälde von Anselm Reyle, Werke aus der Reihe Malen nach Zahlen etwa oder bunte Drip Paintings, die nicht wirklich getropft, sondern fein säuberlich mit dem Pinsel fabriziert sind. Gisela Capitain aus Köln stellt Werke von zwei Künstlerinnen aus, die derzeit nicht von einer New Yorker Galerie vertreten werden: die für ihre fragil-spröden Installationen bekannte Britin Karla Black und die amerikanische Foto-Künstlerin Zoe Leonard. Capitain wird aber auch noch zwei Werke von Martin Kippenberger mitnehmen. Kunstware, deren Verkauf die Anreise zu einer lohnenden Investition machen würde.

Ein Besuch der Kunstmesse kostet den Kunstliebhaber immerhin 40 Dollar. Für die Galeristen allerdings ist die New Yorker Frieze eine der teuersten Kunstmessen überhaupt, ihre Ausgaben können sich – gerade wenn sie mit ihrer Kunst anreisen müssen – schnell auf einen sechsstelligen Euro-Betrag summieren. Sollten die Galeristen also in den kommenden Tagen hier in New York nichts verkaufen, werden sie wohl im nächsten Jahr nicht wiederkommen.

In London, Basel und Miami sind die Kunstmessen in den vergangenen Jahren zu populären Events geworden, zu denen Zehntausende anreisen. Die Museen eröffnen dort zeitgleich zu den Messen wichtige Ausstellungen, die Zeitungen sind voller Kunst. Für die Bürgermeister, Hoteliers, Taxifahrer und womöglich auch für die Kokaindealer sind die Kunstmessen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. In New York wird es diesmal zur Premiere der Frieze noch keine synchronisierte Kunstaufregung geben, die Ausstellungen etwa im MoMA (eine sehenswerte Retrospektive von Cindy Sherman) oder im Whitney Museum (eine misslungene Biennale) laufen bereits seit Wochen. Dafür haben die Messemacher den Termin der Frieze direkt vor die bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips de Pury stattfindenden Auktionen für zeitgenössische Kunst gelegt. Vielleicht, so die Hoffnung, fährt der eine oder andere für die Auktionen angereiste Sammler auch nach Randall’s Island. Wenn nicht, dann wird man die Sammler in zwei Wochen treffen, auf der Art Hong Kong. Oder aber spätestens im Juni, auf der Art Basel, dem Konsenstermin aller Kunstmessenfahrer.

 
Leserkommentare
  1. 1. Frieze

    Kunst begegnet Dir immer und überall.

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