LebensmittelSpiel mit der Angst
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Die meisten glauben, sie täten sich etwas Gutes

Laut der Gesellschaft für Konsumforschung ist nur jeder fünfte Käufer laktosefreier Produkte tatsächlich laktoseintolerant. Die meisten glauben, sie täten sich etwas Gutes. Viele Betroffene wissen auch nicht, dass kleine Laktosemengen trotz Intoleranz meist unproblematisch sind. »Wenn man ein bisschen Laktose zu sich nimmt, wird das in der Regel toleriert«, sagt Wolfgang Holtmeier, Chefarzt der Gastroenterologie an einer Kölner Klinik. Der Vertrieb vieler laktosefreier Produkte sei daher »schlichte Geldmacherei«.

Menschen mit besonderer Empfindlichkeit sind sehr selten. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stellt fest, dass die meisten laktoseintoleranten Menschen beschwerdefrei Einzeldosen bis zu 12 Gramm Laktose vertragen. Ein kleines Glas Milch oder fast 400 Milliliter Sahne wären also problemlos. Wer strenger vorbeugen will, kann neben laktosefreien Produkten auch Laktasekapseln in der Apotheke kaufen. Dann darf man sogar Milchprodukte schlemmen.

Hinter den Produkten von MinusL steckt die Molkerei Omira. Auf die Nachfrage, was MinusL-Käse oder -Butter den Kunden bringen sollen, reagiert ein Mitarbeiter wortkarg. Er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen und versichert: »Da ist schon ein Zusatznutzen dabei.« Schließlich dankten Verbraucher regelmäßig seiner Firma.

Die Verbraucherzentralen fordern eine bessere Kennzeichnung: Auf jedem milchhaltigen Produkt solle der Laktosegehalt zu lesen sein. »Das würde endlich Transparenz schaffen«, sagt Silke Schwartau.

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Leserkommentare
    • Chrina
    • 04. Mai 2012 14:35 Uhr

    Ich stimme zu, was die Geldmacherei und das Lifestylephänomen betrifft. Es ist mittlerweile ja richtig schick, laktoseintolerant zu sein. Ich selber wurde mal positiv getestet, kann mittlerweile aber wieder praktisch alle Milchprodukte auch in größeren Dosen essen, obwohl die Ärztin sagte, das Problem werde sich nie von selber lösen. Scheint so, als sei das Ganze bisher auch nicht so richtig erforscht?

    6 Leserempfehlungen
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    und es ist auch keine Krankheit und auch keine Abnormität, sondern völlig natürlich.
    Im Artikel steht doch, dass das Enzyms, welches Laktose aufspaltet von Säuglingen in ausreichender Menge produziert wird, da Muttermilch oder Muttermilchersatz die einzige Nahrung der ersten Wochen ist.
    Die Natur wird sich schon was bei gedacht haben, dass die Produktion dieses Enzyms zurückgefahren wird (beim einen stärker, beim anderen weniger), sobald das kleine Menschling und erst recht Erwachsene was anderes verdauen können.
    Für Erwachsene ist das Konsumieren von Käse eh sinnvoller, als sich hektoliterweise Milch in den Schlund zu kippen.
    Dass sich die Menschen jetzt von laktosefreien Produkten verdummbeuteln lassen ist nur konsequent, haben sie sich doch Jahrzehnte vorher von der Milchwirtschaft verdummbeuteln lassen.
    Dazu kommt auch noch die moralische Bigotterie.
    Ein Erwachsener der noch an der Mutterbrust nuckelt ruft Abscheu hervor, aber am Kuheuter nuckeln, über den Umweg Tetrapack ist in Ordnung.

    MfG
    AoM

  1. Laktosefreie Milch ermöglicht mir seit ein paar Jahren wieder, endlich morgens meine Haferflocken essen zu können, ohne naschließend eine halbe Stunde auf dem Klo verbringen zu müssen. (Die gibt es für kaum teurer Geld bei jedem Disocunter - de Milch der Firma MinusL ist doppelt so teuer wie normale Milch!). Andere laktosefreie Lebensmittel habe ich noch nie gekauft. Gerade mit Fertigprodukten, Salatsaucen, aromatisiertem Wasser usw. habe ich große Probleme - aber es ist auch eine Ernähung OHNE diese Lebensmittel möglich! Und fürs auswärtige Essen gibt es bereits genannte Laktosetabletten.

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    • em-y
    • 04. Mai 2012 18:42 Uhr

    kann man auch ohne Milch sehr lecker zubereiten. Man muss nur organische Vollkornflocken kaufen und sie über Nacht in Wasser einweichen lassen (Verhältnis 1:1). Am morgen noch ein Teil Wasser dazugeben, eine Prise Salz, unter rühren aufkochen und fertig ist ein leckerer, cremiger, dicker Haferbrei. Mit Obst, Nüssen oder was einem sonst so schmeckt - steht mit Milch zubereiteten Flocken in nichts nach. Ich Vertrage milcheiweiss nicht und leide wirklich ohne Butter, Sahne und Käse, aber wenigstens Mein Frühstuck lässt nichts zum wünschen übrig.

    • em-y
    • 04. Mai 2012 18:43 Uhr

    Organische Vollkornflocken scheinen mehr von der milchigen Substanz abzusondern als herkömmliche Flocken und der Brei wird cremiger.

    ... und womöglich auch noch trinkt ...

  2. sind generell laktosefrei. Und Haferflocken schmecken mit Soja,Hafer,Reis,Dinkel-Milch auch.

    Ich finde dese laktosefreie Welle grotesk.

    4 Leserempfehlungen
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    Ich verstehe die Argumentation nicht: laktosefreie Milch kostet einen Bruchteil mehr als normale Milch und hilft den Betroffenen, weder Schmerzen noch zeitaufwendigen und darmschädigenden Stuhlgang zu haben. Die von Ihnen genannten Alternativen sind a) teuer und b) geschmacklich mindestens fragwürdig.
    Für Menschen, die kein Gluten vertragen, gibt es doch auch Alternativen. Da würde keiner auf die Idee kommen, das "grotesk" zu nennen.

  3. und es ist auch keine Krankheit und auch keine Abnormität, sondern völlig natürlich.
    Im Artikel steht doch, dass das Enzyms, welches Laktose aufspaltet von Säuglingen in ausreichender Menge produziert wird, da Muttermilch oder Muttermilchersatz die einzige Nahrung der ersten Wochen ist.
    Die Natur wird sich schon was bei gedacht haben, dass die Produktion dieses Enzyms zurückgefahren wird (beim einen stärker, beim anderen weniger), sobald das kleine Menschling und erst recht Erwachsene was anderes verdauen können.
    Für Erwachsene ist das Konsumieren von Käse eh sinnvoller, als sich hektoliterweise Milch in den Schlund zu kippen.
    Dass sich die Menschen jetzt von laktosefreien Produkten verdummbeuteln lassen ist nur konsequent, haben sie sich doch Jahrzehnte vorher von der Milchwirtschaft verdummbeuteln lassen.
    Dazu kommt auch noch die moralische Bigotterie.
    Ein Erwachsener der noch an der Mutterbrust nuckelt ruft Abscheu hervor, aber am Kuheuter nuckeln, über den Umweg Tetrapack ist in Ordnung.

    MfG
    AoM

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    • Pangea
    • 04. Mai 2012 15:32 Uhr

    Woraus denn nur?

    • cvnde
    • 04. Mai 2012 15:32 Uhr

    Also das mit dem Abscheu verstehe ich jetzt nicht.

    • ASasse
    • 04. Mai 2012 21:39 Uhr

    ... von laktosefreien Produkten verdummbeuteln lassen suggeriert, genauso wie der Artikel oben, der Kunde wäre zu dumm.

    Ich finde laktosefreie Milchprodukte preiswert, auch wenn sie mehr als das doppelte kosten. Der Mehrpreis ist es mir wirklich wert. Liegt aber auch daran, dass ich jahrelang echt gelitten habe, und nur .... Ärzte hatte, die es einfach nicht erkannt haben und die meine durchaus schmerzhaften Magenprobleme als psychosomatische Beschwerden abgetan haben.

    So gesehen meine ich, dass die aktuelle Marketing-Kampagne für laktosefreie Produkte auch sinnvoll ist, denn sie rückt das Thema ins Bewusstsein. Was auch nötig ist (hier in den Kommentaren tauchte ja als Beispiel auch der Irrtum mit der Ziegenmilch auf, den Uninformierte als Hilfe bei Laktoseintolleranz wähnen).

    Die Forderung der Verbraucherzentralen, auf jedem milchhaltigen Produkt solle der Laktosegehalt zu lesen sein geht nicht weit genug: ahnt doch niemand, dass lose verkaufte Bratwurst, oder Pommes Frites "milchhaltige Produkte" sind. Der Lactosegehalt sollte auf jedem Lebensmittel stehen.

    • ManRai
    • 04. Mai 2012 14:56 Uhr

    Mir wurde ueber Jahre nach Genuss von industriell vergewaltigten Milchprodukten schlecht. Nachts habe ich den Gott der Wasserspuelung auf Knien angebetet oder in Hotels den Klo geputzt. Lactoseintoleranz. Quatsch, industriell aufgearbeitete Milchprodukte, vergewaltigt, erzeugen unverdauliche und sogar toxische Zuckerstrukturen und die machen Probleme. Seit ich das weis, und ich bin Biochemiker, kann ich "gute" Milchprodukte ohne Probleme essen, hatte gerade jetzt Sahnesosse mit Gorgonzola zu/an Nudeln und keine Probleme. Die Milchindustrie mit ihrer Werbung beluegt uns staendig, verkauft uns Produkte die schon toxisch sind fuer einige.
    Oetzi war wirklich Lactoseintolerant und wurde fuer seine Zeit uralt.

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    • em-y
    • 04. Mai 2012 18:46 Uhr

    Ich stimme Ihnen zu. Meine Probleme haben vor Jahren angefangen als ich zum ersten mal im leben pasteurisierte Produkte zu essen anfing. Ich habe aber meine gesundheitlichen Probleme nie damit in Verbindung gebracht. Erst jetzt nach der Diagnose hat's geklickt. Nun ist das Problem so schwer, dass ich Milchprodukte meiden muss. Die Hoffnung für die Zukunft besteht aber.

  4. Ich bin selbst Laktoseintolerant und muss sagen, dass ich doch glücklich mit der Vielfalt an laktosefreien Produkten bin. Man muss sehen, was für einen am besten ist und eben ein paar Tricks kennen: Ziegenmilch enthält zum Beispiel keine Laktose, und viele Kuhmilchkäsesorten wie Gouda gibt es auch mit Ziegenmilch, und die schmecken genauso gut, während MinusL-Käse in Scheiben längst nicht so gut ist. Fabrik-Eis á la Langnese, Schöller etc schmeckt auch auf Soja-Basis, von MinusL braucht man wirklich nur das nötigste, Butter und Milch (die es aber auch im Discounter von anderen Marken günstiger gibt) etc...und ab und zu kann man sich eine Tafel Schokolade gönnen. Ja, es ist ungerecht, und der Aufpreis ist nicht gerechtfertigt, aber wenn man sich ein wenig mit dem Thema auseinandersetzt kann man sich viel Geld und viele nächtliche Gänge zum Klo sparen.

    Eine Leserempfehlung
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    • Mia10
    • 04. Mai 2012 18:53 Uhr

    JEDE Säugetiermilch enthält Laktose, ist doch die Laktose der primäre Energielieferant für Jungtiere jeder Säugetierart. Ziegenmilch ist bei Kuhmilch(eiweiß-)allergie eine Alternative, DAS hat aber mit Laktose nichts zu tun.

  5. Wo kämen wir den hin, wenn wir vor jedem überteuerten Produkt warnen wollten?

    Wie ich den Text lese, habe ich den Eindruck, dass ausser den überhöhten Preisen die Produkte nicht schlechter sind.

    Geld für unnützen Konsum andererseits gibt es D mehr als genug, (nur nicht bei allen gleichermaßen).

    • Pangea
    • 04. Mai 2012 15:32 Uhr

    Woraus denn nur?

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    • Chrina
    • 04. Mai 2012 15:56 Uhr

    ... dass die Laktose im Käse praktisch nicht mehr vorhanden ist, weil der Reifungsprozess sie schon spaltet, steht auch oben im Text.

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