Lebensmittel : Spiel mit der Angst
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Die meisten glauben, sie täten sich etwas Gutes

Laut der Gesellschaft für Konsumforschung ist nur jeder fünfte Käufer laktosefreier Produkte tatsächlich laktoseintolerant. Die meisten glauben, sie täten sich etwas Gutes. Viele Betroffene wissen auch nicht, dass kleine Laktosemengen trotz Intoleranz meist unproblematisch sind. »Wenn man ein bisschen Laktose zu sich nimmt, wird das in der Regel toleriert«, sagt Wolfgang Holtmeier, Chefarzt der Gastroenterologie an einer Kölner Klinik. Der Vertrieb vieler laktosefreier Produkte sei daher »schlichte Geldmacherei«.

Menschen mit besonderer Empfindlichkeit sind sehr selten. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stellt fest, dass die meisten laktoseintoleranten Menschen beschwerdefrei Einzeldosen bis zu 12 Gramm Laktose vertragen. Ein kleines Glas Milch oder fast 400 Milliliter Sahne wären also problemlos. Wer strenger vorbeugen will, kann neben laktosefreien Produkten auch Laktasekapseln in der Apotheke kaufen. Dann darf man sogar Milchprodukte schlemmen.

Hinter den Produkten von MinusL steckt die Molkerei Omira. Auf die Nachfrage, was MinusL-Käse oder -Butter den Kunden bringen sollen, reagiert ein Mitarbeiter wortkarg. Er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen und versichert: »Da ist schon ein Zusatznutzen dabei.« Schließlich dankten Verbraucher regelmäßig seiner Firma.

Die Verbraucherzentralen fordern eine bessere Kennzeichnung: Auf jedem milchhaltigen Produkt solle der Laktosegehalt zu lesen sein. »Das würde endlich Transparenz schaffen«, sagt Silke Schwartau.

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Kommentare

40 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Eine Frage der Perspektive

... von laktosefreien Produkten verdummbeuteln lassen suggeriert, genauso wie der Artikel oben, der Kunde wäre zu dumm.

Ich finde laktosefreie Milchprodukte preiswert, auch wenn sie mehr als das doppelte kosten. Der Mehrpreis ist es mir wirklich wert. Liegt aber auch daran, dass ich jahrelang echt gelitten habe, und nur .... Ärzte hatte, die es einfach nicht erkannt haben und die meine durchaus schmerzhaften Magenprobleme als psychosomatische Beschwerden abgetan haben.

So gesehen meine ich, dass die aktuelle Marketing-Kampagne für laktosefreie Produkte auch sinnvoll ist, denn sie rückt das Thema ins Bewusstsein. Was auch nötig ist (hier in den Kommentaren tauchte ja als Beispiel auch der Irrtum mit der Ziegenmilch auf, den Uninformierte als Hilfe bei Laktoseintolleranz wähnen).

Die Forderung der Verbraucherzentralen, auf jedem milchhaltigen Produkt solle der Laktosegehalt zu lesen sein geht nicht weit genug: ahnt doch niemand, dass lose verkaufte Bratwurst, oder Pommes Frites "milchhaltige Produkte" sind. Der Lactosegehalt sollte auf jedem Lebensmittel stehen.

Milchalternativen

Ich verstehe die Argumentation nicht: laktosefreie Milch kostet einen Bruchteil mehr als normale Milch und hilft den Betroffenen, weder Schmerzen noch zeitaufwendigen und darmschädigenden Stuhlgang zu haben. Die von Ihnen genannten Alternativen sind a) teuer und b) geschmacklich mindestens fragwürdig.
Für Menschen, die kein Gluten vertragen, gibt es doch auch Alternativen. Da würde keiner auf die Idee kommen, das "grotesk" zu nennen.