MadonnaMy Donna
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Sie ist sehr beweglich

Papa Don’t Preach

Madonna kenne ich nur von YouTube , also aus dem Internet. Im Fernsehen ist die nicht mehr so oft, weil die schon ziemlich alt ist. Bestimmt 54. Aber sie ist sehr beweglich. In ihren Videos hüpft und springt sie die ganze Zeit herum. Berühmt sein ist generell sehr anstrengend, glaub ich: Man muss immer auftreten, singen, und alle Leute auf der Straße wollen einen anfassen und Fotos machen. Mein Papa sagt, dass Madonna die erfolgreichste Sängerin der Welt ist. Meine Freundinnen kennen sie trotzdem nicht. Die meisten kennen nur Michael Jackson von früher, aber der ist schon tot. Meine Lieblingslieder von Madonna sind Music und Give Me All Your Luvin’. Weil sie in diesen Liedern auch versucht, so Musik zu machen wie Justin Bieber und Selena Gomez – zum Mitsingen und Mittanzen.

Als Mutter würde ich Madonna nicht haben wollen, denn bei ihr zu Hause herrscht Zucker- und Fernseh-Verbot. Mein Papa sagt das immer, wenn er mich vom Fernseher wegscheucht, weil ich schon zu lange da sitze. Und auch, dass ich eigentlich froh sein kann, dass ich sein Kind bin und nicht das von Madonna. Bin ich auch.

Maria Dallach, 9, lebt in Hamburg und geht in die Grundschule. Ihr Lieblingslied ist »Baby« von Justin Bieber. Sie kann es auswendig mitsingen. Ihr Vater, der für diese Ausgabe Madonna interviewt hat , inzwischen auch

Cherish

Madonna zog bei uns ein, als ich zwölf war. In voller Lebensgröße. Acht Wochen lang hatte ich die Teile für den Bravo- Starschnitt gesammelt. Ich ließ mir eine Dauerwelle machen, um dem Ideal an der Wand näherzukommen. Dazu trug ich einen Minirock mit passenden rot-weiß geringelten Leggings. Ich fühlte mich wunderbar frei. Es war Ende 1985 und der Anfang einer lebenslangen Verbindung.

Madonna ist für mich wie die große Schwester, die bei den Eltern schon die Regeln für Taschengeld und Discobesuche verhandelt hat und den Weg bereitet. Sie konfrontierte die Menschen mit ihren eigenen Vorurteilen und hat die Welt damit toleranter gemacht. Madonna ermutigte eine ganze Generation von Frauen, ihre weibliche Seite auszuleben und gleichzeitig selbstbestimmt zu sein. Und als sie ihr erstes Kind bekam, zeigte sie: Man kann beruflich engagiert sein und eine gute Mutter. Madonna hat sich nie kleinkriegen lassen. Sie hält Kritik aus und nimmt Rückschläge mit Humor.

Mit ihren aktuellen Auftritten entlarvt sie wieder Verkrampftheit und Doppelmoral. Skandal! Eine Frau jenseits der fünfzig im knappen Outfit! Eine Frau mit einem deutlich jüngeren Partner! Meine große Schwester wird das aushalten. Ich werde es ihr danken.

Stefanie Hauer, 39, lebt in Hamburg und ist Verlagsleiterin der ZEIT. Als Teenager war sie für einen Sommer als Babysitterin in New York – auch, um dort Madonna aufzulauern

Leserkommentare
  1. wenn man sich und seinen Körper zur Marke macht, entzieht sich mir - und natürlich wird auch Madonna älter und wird irgendwann künstliche Hüftgelenke brauchen; Lifting und Botox sind vermutlich schon passiert.
    Ich würde Madonna nicht unbedingt als Emanze sehen - eher als die höchste Stufe einer sich-selbst-Vermarkterin; ein normales Leben dürfte inzwischen unmöglich sein. Sie erinnert mich an Greta Garbo und Marlene Dietrich, die ab einem gewissen Alter sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückzogen, da sie den von ihnen gesetzten Normen einfach nicht mehr entsprechen konnten. Madonna bedient ebenso wie Greta und Marlene verschiedene Klischees - Heilige und Hure, das alte Frauenbild. Ich sehe nicht, daß sie dagegen verstößt, indem sie dieses Rollenbild grundsätzlich in Frage stellt.
    Aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren.

  2. wirkt heute auf mich wie eine Frau, die krampfhaft versucht gegen ihr Alterwerden anzukämpfen. Damit ist sie weder ein Vorbild für junge Frauen noch für Frauen ihrer Generation.

    In den 80ern war sie die perfekte Botschafterin der Maxime:"Sex sells". Immer noch ein bisschen gewagter und vulgärer als andere. Das hat vor allem den jungen Männern gefallen.:)
    Mich als damals junge Frau hat das eher geärgert, denn sie hat ja nichts anderes getan als in die bekannte KLischeekiste zu greifen um Erfolg zu haben, nur dass sie halt noch etwas "tiefer" reingegriffen hat.

    Mich beeindrucken junge Sängerinnen wie die von Gossip, die selbstbewusst damit umgehen, dass sie nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.

  3. 3. Damals

    Mir gefällt von Madonna nur der Titel „Holiday“, bzw. der Liveauftritt dazu in der US-Musiksendung Solid Gold (zu sehen auf youtube), weil sie dort nicht mehr sein will, als sie ist: Die kleine, nett anzuschauende Frau und gesanglich limitierte Künstlerin. Ihre weiße Haut und ihr bleiches Make-up bilden einen wunderbaren Kontrast zu ihrem wavigem, schwarzen Outfit, ihr Tanz wirkt natürlich und ist noch keinem choreografischen Größenwahn zum Opfer gefallen, die Musik klingt frisch,fröhlich,funky, geeignet, um sich in den Sommerurlaub zu stürzen, und nicht wie der langweilige Ikonengesang der späteren Kunstfigur. Jugend siegt sowieso immer.

  4. 4. superb

    Madonna ist schon alt, das stimmt, aber sie ist immer noch ein SUPERSTAR, ganau so wie Michael Jackson and Whitney H.

    • whale
    • 09. Mai 2012 11:30 Uhr

    Ich glaube, "Superstar" im dem Sinne, überaus bekannt/berühmt zu sein innerhalb der allgegenwärtigen Popkultur, wie z.B. auch Michael Jackson, beruht vor allem auf der Fähigkeit, sich mit den geballten Mitteln einer Marketingindustrie zur Projektionsfläche für die Fantasie und Träume, ja auch zur Quelle der Selbstbestätigung eines möglichst großen Publikums ("Mainstream") zu machen. Umso erfolgreicher gelingt dies, je schlichter und offensichtlicher bedient wird, was bedient werden soll (was bei Madonna oft als "provokant" bezeichnet wird, ist eine geschickte Form der Plakativität).
    Wirkliche Fähigkeiten im klassischen, "handwerklichen" Sinne, das Genre betreffend (hier Musik und Tanz) mögen vorhanden sein, sind aber nebensächlich bis unterdurchschnittlich, gemessen an dem, was andere, auch eher Unbekannte, zu bieten haben.

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