Das besondere Madonna-Gefühl
Hanky-Panky
Madonna, eine Frauenrechtlerin? Wie kommt man denn darauf? Vielleicht war sie mal ein sehr freches Mädchen, ich erinnere mich dunkel an sie. Kalkulierte Tabubrüche und der tiefe Griff in »die Mottenkiste der Männerfantasien«, wie eine kluge Kollegin meinte, macht die Marke Madonna aus. Wenn ich mich frage, was hängen bleibt vom perfekten Spektakel, sind das mächtige Bilder, so konventionell, man mag es kaum hinschreiben: die Heilige und die Hure und die Domina und was sonst noch so seit Ewigkeiten begehrt ist.
Margrit Gerste, 68, lebt in Hamburg und ist im Ruhestand. Früher war sie Textchefin bei der ZEIT
Frozen
Zuletzt, während ihres Bombastauftritts in der Halbzeitpause des Superbowl, befiel mich wieder dieses besondere Madonna-Gefühl.
Madonna turnte durch eine römische Chippendales-Legion. Das Outfit selbstverständlich so maximal minimalistisch, wie es die Regularien der USA zulassen: schwarzer Body, Strumpfhosen, Stiefel. Die übliche Kostümierung der Pop-Domina. Ihr Körper, kein Gramm Fett, pilatesgestählt, unter rhythmischem Beckenzucken. Der Balztanz einer ewigen Jugend.
In Momenten wie diesen überlege ich dann jedes Mal, ob da nicht noch mehr sein müsste. Ob diese Frau in mir nicht eigentlich den großen Hormonzirkus auslösen sollte. Kinnlade runter, Gehirn aus, Testosteron-Theater. Ist ja immerhin Madonna, das Sexsymbol. Aber da ist nichts. Dabei bin ich eigentlich im besten Toyboy-Alter.
Lucas Vogelsang, 26, lebt in Berlin und arbeitet als freier Journalist. Ihn erinnert Madonna inzwischen an Skeletor, den Gegenspieler seines Kindheitshelden He-Man








wenn man sich und seinen Körper zur Marke macht, entzieht sich mir - und natürlich wird auch Madonna älter und wird irgendwann künstliche Hüftgelenke brauchen; Lifting und Botox sind vermutlich schon passiert.
Ich würde Madonna nicht unbedingt als Emanze sehen - eher als die höchste Stufe einer sich-selbst-Vermarkterin; ein normales Leben dürfte inzwischen unmöglich sein. Sie erinnert mich an Greta Garbo und Marlene Dietrich, die ab einem gewissen Alter sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückzogen, da sie den von ihnen gesetzten Normen einfach nicht mehr entsprechen konnten. Madonna bedient ebenso wie Greta und Marlene verschiedene Klischees - Heilige und Hure, das alte Frauenbild. Ich sehe nicht, daß sie dagegen verstößt, indem sie dieses Rollenbild grundsätzlich in Frage stellt.
Aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren.
wirkt heute auf mich wie eine Frau, die krampfhaft versucht gegen ihr Alterwerden anzukämpfen. Damit ist sie weder ein Vorbild für junge Frauen noch für Frauen ihrer Generation.
In den 80ern war sie die perfekte Botschafterin der Maxime:"Sex sells". Immer noch ein bisschen gewagter und vulgärer als andere. Das hat vor allem den jungen Männern gefallen.:)
Mich als damals junge Frau hat das eher geärgert, denn sie hat ja nichts anderes getan als in die bekannte KLischeekiste zu greifen um Erfolg zu haben, nur dass sie halt noch etwas "tiefer" reingegriffen hat.
Mich beeindrucken junge Sängerinnen wie die von Gossip, die selbstbewusst damit umgehen, dass sie nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.
Mir gefällt von Madonna nur der Titel „Holiday“, bzw. der Liveauftritt dazu in der US-Musiksendung Solid Gold (zu sehen auf youtube), weil sie dort nicht mehr sein will, als sie ist: Die kleine, nett anzuschauende Frau und gesanglich limitierte Künstlerin. Ihre weiße Haut und ihr bleiches Make-up bilden einen wunderbaren Kontrast zu ihrem wavigem, schwarzen Outfit, ihr Tanz wirkt natürlich und ist noch keinem choreografischen Größenwahn zum Opfer gefallen, die Musik klingt frisch,fröhlich,funky, geeignet, um sich in den Sommerurlaub zu stürzen, und nicht wie der langweilige Ikonengesang der späteren Kunstfigur. Jugend siegt sowieso immer.
Madonna ist schon alt, das stimmt, aber sie ist immer noch ein SUPERSTAR, ganau so wie Michael Jackson and Whitney H.
Ich glaube, "Superstar" im dem Sinne, überaus bekannt/berühmt zu sein innerhalb der allgegenwärtigen Popkultur, wie z.B. auch Michael Jackson, beruht vor allem auf der Fähigkeit, sich mit den geballten Mitteln einer Marketingindustrie zur Projektionsfläche für die Fantasie und Träume, ja auch zur Quelle der Selbstbestätigung eines möglichst großen Publikums ("Mainstream") zu machen. Umso erfolgreicher gelingt dies, je schlichter und offensichtlicher bedient wird, was bedient werden soll (was bei Madonna oft als "provokant" bezeichnet wird, ist eine geschickte Form der Plakativität).
Wirkliche Fähigkeiten im klassischen, "handwerklichen" Sinne, das Genre betreffend (hier Musik und Tanz) mögen vorhanden sein, sind aber nebensächlich bis unterdurchschnittlich, gemessen an dem, was andere, auch eher Unbekannte, zu bieten haben.
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