Martenstein : "Die Kunst des Niederwalzens ist nicht nur Männern gegeben"

Harald Martenstein über eine Kolumnistin und ihre feministischen Thesen
Alle Kolumnen von Harald Martenstein aus dem ZEITmagazin zum Nachlesen © Nicole Sturz

Klar, ich schreibe nicht nur, ich lese auch. Zum Beispiel hin und wieder die Kolumnen auf Spiegel Online . Dort äußert sich regelmäßig die Schriftstellerin Sibylle Berg . Auch zu Günter Grass hat sie etwas geschrieben : »Dieses Rätsel, wie Männer es immer wieder schaffen, an die Spitze zu kommen, allein weil sie es eben wollen. Im Fall Grass ist es weder die künstlerische Leistung noch die bestechende Intelligenz, die ihn so weit brachte.«

Ja, sicher, ohne ein gewisses Maß an Willen macht kein Mensch Karriere, egal in welchem Beruf, egal ob Mann oder Frau. Was ist daran rätselhaft oder kritikwürdig? Es wäre doch geradezu menschenfeindlich, Spitzenpositionen zwangsweise mit Personen zu besetzen, die gar keine Spitzenposition haben wollen. Was ich ein bisschen unappetitlich finde, ist die Tatsache, dass Frau Berg Günter Grass die »künstlerische Leistung« sowie »Intelligenz« abspricht. Selbst wenn man die Blechtrommel für ein schlechtes Buch hält, muss man einräumen, dass es sich um einen mit dem Nobelpreis gekrönten Weltbestseller handelt. Wer behauptet, das könne jeder Depp schaffen, der oder die soll es halt einfach mal nachmachen.

Weiter im Text: »In der Welt der Männer langt es vermutlich, das Kinn nach vorne zu schieben, den Gegner beiseite zu walzen, nicht zuzuhören, keine Rücksicht auf Verluste... Eine Strategie, die keiner Frau einfiele, wage ich zu behaupten... Männer würden nie auf die Idee kommen, einer Autorin oder Philosophin den Spitzenplatz einzuräumen... Langt es doch, dass sie sich durch den Anblick der Frau ständig an die Peinlichkeit der eigenen Geburt erinnern lassen müssen.«

Ich wage zu behaupten, dass man über »die Frauen« nicht in dieser Tonlage schreiben dürfte, jedenfalls nicht in einem deutschen Mainstream-Medium. Ich möchte hinzufügen: Zum Glück. »In der Welt der Frauen langt es vermutlich, mit der Hüfte zu wackeln und über die bösen Männer zu jammern« – nein, so was ist einfach nur unintelligent und voller Ressentiment. Mag sein, dass die Männer einer Frau wie Sibylle Berg nicht »den Spitzenplatz einräumen« – Wie geht das eigentlich bei Autoren? Per Akklamation? –, aber zum Ausgleich darf sie immerhin im Spiegel ein Zeug veröffentlichen, das man keinem Mann abkaufen würde. Das ist doch auch schon mal eine nette Geste.

Wer tatsächlich glaubt, die Kunst des Niederwalzens sei nur den Männern gegeben, möge sich einfach ein paar alte Talkshows mit meiner verehrten Freundin Alice Schwarzer , mit Désirée Nick oder mit der schwäbischen Schwertgosch Herta Däubler-Gmelin anschauen. Es gehört für mich zu den Rätseln der feministischen Theorie, wieso die Geschlechtsunterschiede einerseits gesellschaftlich bedingt sein sollen, andererseits aber Frauen, wenn sie in der gleichen gesellschaftlichen Position sind wie Männer, als Chefin, sich angeblich anders verhalten, weiblich, was dann ja nur biologisch bedingt sein kann. In puncto Logik ist der Feminismus manchmal auf etwa dem gleichen Level wie der Islamismus.

Kein Mann kommt auf die Idee, einer Frau den Spitzenplatz einzuräumen? Ich muss uns mal loben. In der Geschichte hat kaum je eine soziale Gruppe einen Teil ihrer Macht freiwillig abgegeben. Die Frauenquoten aber werden fast überall gegen relativ geringen männlichen Widerstand eingeführt. Wenn aber ein Mann eine Frau betrachtet, dann denkt er mal an dieses, mal an jenes, aber er denkt, verehrte Frau Berg, so gut wie nie an die Peinlichkeit seiner eigenen Geburt. Meine Geburt war übrigens total schön, ich denke da gerne dran.

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Kommentare

53 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Quote ist das Zauberwörtchen!

Hallo Herr Martenstein,
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Zitat: "... muss man einräumen, dass es sich um einen mit dem Nobelpreis gekrönten Weltbestseller handelt. Wer behauptet, das könne jeder Depp schaffen, der oder die soll es halt einfach mal nachmachen"
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Noch ein Zitat: "Die Frauenquoten aber werden fast überall gegen relativ geringen männlichen Widerstand eingeführt."
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Quote ist das Zauberwörtchen! Damit geht's!

Wortfeld des Bösen

Hallo Herr Martenstein,
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Zitat: "In puncto Logik ist der Feminismus manchmal auf etwa dem gleichen Level wie der Islamismus."
Mit der Forderung nach mehr Logik überzeugen Sie keine einzige Feministin. "Logik" ist in dieser Ideologie nämlich nicht die Essenz des klaren Denkens, für die sie von uns Männern gehalten wird. "Logik" ist ein Kollektivsymbol, ähnlich wie "Beton", oder wie "Technik". Alle drei gehören zum geächteten Wortfeld des Bösen, sie werden mit Zerstörung assoziiert, mit Gewalt.
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Logik gilt als ein Mittel zur Sicherung der Männerherrschaft. Ein Mann, der beim Argumentieren auf Logik besteht, will seine Gegnerin übertrumpfen und kleinreden.
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Können Sie sich ein lyrisches Gedicht vorstellen, in dem das Wort "Logik" vorkommt? Ein Gedicht, das nicht schrullig oder ironisch ist?
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Für eine hartgesottene Feministin ist es ein Kompliment, dass sie nicht logisch argumentiert. Es zeigt ihr, dass sie auf dem rechten Weg ist.

Was, bitte schön,

kann man mit diesem Kommentar anfangen, außer dass man erhebliche Ressentiments des Verfassers konstatieren muss?
Was lastet auf ihm, wenn er sich zu folgendem Satz hinreißen lässt: "Für eine hartgesottene Feministin ist es ein Kompliment, dass sie nicht logisch argumentiert."?
Warum heimst er nicht Hohn und Spott, sondern 5 Leser-Empfehlungen ein?
Und was soll man halten von einem, der ein "lyrisches Gedicht" ins Spiel bringt?

Mögen Sie keine Logik?

>>Was lastet auf ihm, wenn er sich zu folgendem Satz hinreißen lässt: "Für eine hartgesottene Feministin ist es ein Kompliment, dass sie nicht logisch argumentiert."?

Warum heimst er nicht Hohn und Spott, sondern 5 Leser-Empfehlungen ein?<<

Nun sind es schon 8 Leserempfehlungen!

Logik steht offensichtlich hoch in Kurs!

Könnte es sein, dass sich immer mehr Leute anfangen zu fragen, ob das, was uns der Feminismus erzählt, wahr ist?

Z. B. die Gender-Pay-Gap-Lüge!

Nein, es geht nicht um die 24%, die gibt es tatsächlich!

Aber nur in den alten Bundesländern! Da, wo fast 30% der weiblichen Bevölkerung hauptsächlich aus Ehegatten- und Kindesunterhalt lebt!

In den neuen Bundesländern beträgt der GPG 6%! Da wo die Löhne niedrig sind und beide Eltern arbeiten gehen müssen, um zu überleben.

Es wird nämlich behauptet, dass Frauen bei gleicher Arbeit und Qualifikation, 24% weniger Lohn bekommen, als Männer!

Können Sie das Muster der feministischen Unlogik erkennen?

Nicht nur, dass die Zahlen diese Schlussfolgerung nicht hergeben, selbst die Statistiken die beweisen, dass Frauen mehr Geld zur Verfügung haben, werden gefälscht: http://www.abgeordnetenwa...

Mehr noch! Der Mann und Vater, der genau so viel Betreuungsarbeit, wie die Mutter leistet, muss dafür bezahlen: siehe Kommentar 34: http://blog.beck.de/2012/...

Kommt nun die Logik langsam zu ihrem Recht?

Stolzig. Pardon: stolzgewohnt ...

Zitat: "Meine Geburt war übrigens total schön, ich denke da gerne dran."
Ist an dem Satz was "dran"; genauer "da" ... "dran"?
Ja, als Pointe!
Aber nicht als stilistisch überzeugender Ausdruck. (Oder wäre an "überzeugend" zu viel Logik, Logik der Rhetorik, der stolzen Männerei?)

Schöner sänge ich Herrn Martensteins Glück der eigenen Geburt so:

'Meine Geburt war übrigens total schön, ich denke gerne an sie zurück; dürfte ich denn logisch so unsinnig formulieren, wie eine stolzige Feministin. Ohne meine Mutter nach diesem Perinatalum zu fragen.'

P.S. Die Berg hat schon seit Jahren abgeschafft... (Schauen Sie mal nach der Zahl ihrer Leser; dass sie jetzt wieder auf Männerkloppe macht, halte ich für verständlich. - Mit Grass-Urinade wg. eines einzigen, missverstandenen Gedichts es den sangestollen Männern der Feuilletonerei nachzumachen, ist wohl unfein.)