RechtsterrorismusWer übersah Spur 195?

Falsche Tipps aus Ankara, falsche Rücksicht auf Ängste deutscher Türken: Der NSU-Ausschuss erforscht die Irrwege der Nazi-Mord-Ermittler. von 

Wenn der Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) das nächste Mal tagt, wird es brisant, aus mehreren Gründen. Zum einen wird der frühere bayerische Innenminister Günther Beckstein , CSU , vorgeladen. Beckstein wird belastet von dem einzigen Helden, den das NSU-Drama bisher hervorgebracht hat: von Wolfgang Geier , dem damaligen Leiter der "Sonderkommission Bosporus ", die wegen der neun Morde in ganz Deutschland ermittelte. Geier war der einzige Beamte, der in den Jahren 2006 und 2007 an der These festgehalten hat, die Mordserie sei von einem rechtsextremistischen Einzeltäter begangen worden.

Alle anderen beteiligten Behörden gingen trotz etlicher Ungereimtheiten und Widersprüche jahrelang von der "Organisationstheorie" aus, vermuteten die Mörder also in Kreisen des Organisierten Verbrechens. Als Geier vergangene Woche während seiner Vernehmung vor dem Ausschuss auf Nachfrage von SPD und Linken einen von Hand beschriebenen Zettel aus der Tasche holte, hielt der ganze Saal die Luft an. Auf dem Zettel stand: "Minister sieht Einzeltätertheorie als kritisch für die Öffentlichkeit."

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Beckstein hatte damals angeblich gewarnt, die Behörden sollten mit der Veröffentlichung der Rechtsextremismus-Hypothese keine Angst in der türkischen Bevölkerung schüren – ein folgenschwerer Paternalismus. Außerdem, so habe Beckstein eingewandt, bestehe das Risiko, durch zu viel Publizität "Trittbrettfahrer" zu ermutigen. Es war der Sommer 2006, Deutschland feierte sein Fußballmärchen. Wie hätten Gerüchte über rechtsextreme Serienkiller da gewirkt?

Läuft also im NSU-Untersuchungsausschuss alles darauf hinaus, wie die SPD-Abgeordnete Eva Högl gelegentlich anzudeuten scheint, dass die Bayern – sprich: "die Rechten" – auf dem rechten Auge blind waren und die Gefahr verharmlost haben, die von der Zwickauer Terrortruppe ausging?

Neonazi-Terror in Deutschland
Morde, ungeklärte Anschläge und Reaktionen
1996 und 1997

© Frank Doebert/Ostthueringer Zeitung/dpa

Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe fallen 1996 zum ersten Mal auf. Sie sollen eine Puppe mit gelbem Davidstern an einer Autobahnbrücke aufgehängt haben. 1997 deponieren sie einen mit Hakenkreuz bemalten Sprengstoffkoffer in der Jenaer Innenstadt.

Januar 1998

© Heinz Hirndorf/dpa

In Jena hebt die Polizei die Bombenwerkstatt der drei mutmaßlichen Rechtsterroristen aus. Das Labor war in einer Garage versteckt. Die Fahnder stellen Rohrbomben sicher, die mit dem Sprengstoff TNT gefüllt sind. Das Trio flieht. Noch offen ist, wer ihnen bei der Flucht half.

28. September und 19. Dezember 1998

© Wolfgang Kumm/dpa

Auf das Grab des früheren Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, werden zwei Anschläge verübt. Der Fall wurde nie aufgeklärt, die Ermittler untersuchen mögliche Verbindungen zu den drei Neonazis.

1999 bis 2011

© Polizeidirektion Gotha/dpa

14 Banküberfälle werden Böhnhardt und Mundlos zugeordnet: Chemnitz: 6. und 27.10.1999, 30.11.2000, 23.9.2003, 14. und 18.5.2004, 22.11.2005; Zwickau: 5.7.2001, 25.9.2002 und 5.10.2006; Stralsund: 7.11.2006 und 8.1.2007; Arnstadt: 7.9.2011; Eisenach: 4.11.2011. Sie fliehen mit dem Fahrrad. 

27. Juli 2000

© Christian Ohlig/dpa

Ungeklärt ist auch der Splitterbombenanschlag an einer Düsseldorfer S-Bahn-Station. Zehn Einwanderer aus Osteuropa werden schwer verletzt, eine Frau verliert ihr ungeborenes Kind. Der Anschlag läuft ähnlich ab wie der in Köln 2004. War auch hier das Jenaer Trio beteiligt?

9. September 2000

© dpa

In Nürnberg wird der 38-jährige türkische Blumenhändler Enver S. erschossen. Eine der verwendeten Waffen ist die bei allen folgenden Taten genutzte Pistole, eine Ceska, die später in der Zwickauer Brandruine gefunden wird. Enver S. ist das erste Opfer der Mordserie.

19. Januar 2001

© Jan Woitas/dpa

Eine Deutsch-Iranerin wird in einem Kölner Lebensmittelgeschäft durch einen in einer Keksdose versteckten Sprengsatz schwer verletzt. Hinweise darauf, dass das Trio hinter dem Anschlag steckte, finden sich auf der in der Zwickauer Brandruine (Bild) gefundenen DVD.

13. Juni 2001

© dpa

In Nürnberg stirbt der 49 Jahre alte, türkische Änderungsschneider Abdurrahim Ö. Er wurde mit zwei Kopfschüssen niedergestreckt. Ein Komplize des Täters soll draußen in einem Auto gewartet haben.

27. Juni 2001

© dpa

In Hamburg wird der 31-jährige Gemüsehändler Süleyman T. in seinem Laden ermordet. Drei Schüsse haben ihn in den Kopf getroffen. Die Polizei geht von zwei Tatwaffen aus.

29. August 2001

© dpa

In München wird der 38 Jahre alte, türkische Gemüsehändler Habil K. erschossen. Auch er wird in den Kopf getroffen, mit zwei Schüssen.

25. Februar 2004

© dpa

In Rostock wird der 25 Jahre alte Dönerladen-Aushilfsverkäufer Yunus T. ermordet. Der Türke war erst zehn Tage in Deutschland.

9. Juni 2004

© Federico Gambarini/dpa

Durch einen Nagelbombenanschlag in Köln werden 22 Menschen verletzt. Im November 2011 wird der bislang ungeklärte Fall neu aufgerollt, weil die Neonazis sich auf ihrer DVD zu dem Anschlag bekannt haben.

9. Juni 2005

© dpa

In Nürnberg stirbt an seinem Dönerstand der 50 Jahre alte Besitzer Ismail Y. Ein Kunde findet ihn hinter der Theke. Fünf Schüsse haben ihn getroffen. Zeugen sagen, zwei Männer hätten auf ihn geschossen.

15. Juni 2005

© dpa

Der 41-jährige Theodorus B. wird in seinem Laden, einem Schlüsseldienst in München, erschossen. Er stammt als einziges Opfer aus Griechenland.

4. April 2006

© dpa

In Dortmund wird in den Mittagsstunden an einer vielbefahrenen Straße der türkischstämmige Kioskbesitzer Mehmet K. mit mehreren Kopfschüssen getötet. Der 39-Jährige hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

6. April 2006

© Uwe Zucchi/dpa

Halit Y., der 21 Jahre alte türkische Betreiber eines Internetcafés in Kassel, wird ebenfalls mit Kopfschüssen getötet. Am Tatort befand sich ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes. Er soll auf dem Dachboden seines Hauses Bücher zur Nazizeit gehortet haben.

25. April 2007

© Norbert Försterling/dpa

In Heilbronn wird Michèle Kiesewetter, eine aus Thüringen stammende, 22 Jahre alte Bereitschaftspolizistin, erschossen. Ihr Kollege überlebt schwer verletzt.

4. November 2011

© Carolin Lemuth/dpa

Nach einem Banküberfall werden Bönhardt und Mundlos tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil bei Eisenach gefunden. In Zwickau geht ihre Wohnung in Flammen auf. In den Trümmern werden Waffen und eine DVD entdeckt, mit Bekenntnis zu den Morden und einigen Anschlägen.

8. November 2011

© Jan Woitas/dpa

Beate Zschäpe stellt sich der Polizei in Jena und wird wegen dringenden Verdachts der Gründung der Neonazi-Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) festgenommen. Seither sitzt die 36-Jährige in Untersuchungshaft.

13. November 2011

© Franziska Kraufmann/dpa

Holger G. wird in Niedersachsen festgenommen. Er soll Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) sein und dem Trio Ausweise überlassen haben. Holger G. wurde schon 1999 observiert, doch der niedersächsische Verfassungsschutz stufte ihn nur als Mitläufer ein.

15. November 2011

Die CDU fasst auf ihrem Parteitag in Leipzig einstimmig den Beschluss, ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD zu prüfen. Auch die SPD fordert wieder, die Partei zu verbieten. In dem Zusammenhang wird auch diskutiert, ob der Einsatz der V-Leute vom Verfassungsschutz überprüft werden muss. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will ein Zentralregister einrichten, in dem alle Informationen über Neonazis gespeichert werden sollen.

Am gleichen Tag wird bekannt, dass das Neonazi-Trio eine Liste angefertigt hatte, auf der auch Politiker verzeichnet waren.

16. November 2011

© Polizei Sachsen/dpa

Beate Zschäpe trägt nichts zur Aufklärung der Mordserie bei. Sie schweigt. Derweil wird die Liste der Fahndungspannen immer länger. Polizei und Verfassungsschutz hatten offenbar Dutzende Chancen verpasst, die Neonazi-Gruppe zu finden.

18. November 2011

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger will als Reaktion auf die Ermittlungspannen die Zahl der Verfassungsschutzämter in Deutschland reduzieren. Die Länder sind dagegen. Vereinbart wird auf einem Krisengipfel aber, ein Abwehrzentrum Rechts und eine zentrale Neonazi-Datei einzurichten.

21. November

© Christof Stache/AFP/Getty Images

Es wird bekannt, dass Uwe Mundlos durch eine Behördenpanne an gefälschte Ausweispapiere kam. BKA-Chef Ziercke verwirrt mit der These, die Polizistin Michèle Kiesewetter sei doch gezielt getötet worden. "Unsinn", heißt es dazu aus Thüringen.

22. November
Kristina Schröder

© Sean Gallup/Getty Images

Die Mittel für Initiativen gegen Rechtsextremismus sollen, anders als von Familienministerin Kristina Schröder ursprünglich geplant, nun doch nicht gekürzt werden. Zudem will die Bundesregierung die Angehörigen der Opfer entschädigen.

24. November

© Franziska Kraufmann/dpa

In Brandenburg wird der 32-jährige André E. festgenommen. Er soll die Bekenner-DVD der NSU produziert haben. Im Mai 2009 soll er dem Trio Bahncards überlassen haben, die auf ihn und seine Frau ausgestellt waren.
 

29. November

© Uli Deck/dpa

Der ehemalige NPD-Funktionär Ralf W. wird in Jena verhaftet. Dem 36-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen, der Neonazi-Gruppe eine Schusswaffe und Munition besorgt zu haben. W. war bis Mai 2008 Vize-Chef der thüringischen NPD.

11. bis 13. Dezember

Der mutmaßliche Unterstützer Matthias D. wird gefasst. Der 36-Jährige, der wie André E. aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt stammt, soll in Zwickau zwei Wohnungen für die Gruppe angemietet haben.

Derweil wächst bei Schwarz-Gelb die Skepsis gegenüber einem erneuten NPD-Verbotsverfahren. Man fürchtet angesichts der vielen V-Leute in der NPD (offenbar mehr als 130) einen erneuten Misserfolg.

In den folgenden Tagen wird bekannt, dass die Ermittler auch Spuren der Terrorzelle nach Berlin und in die Schweiz untersuchen. Möglicherweise war sie an einem Mord in Zürich beteiligt.

Januar 2012
01 Sebastian Edathy im Untersuchungsausschuss

© Sean Gallup/GettyImages

Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages geht den Ermittlungsfehlern nach. Dabei kommt heraus, dass die bayerische Polizei bei der Fahndung gar einen Dönerimbiss betrieb. Auch in Thüringen und Sachsen untersuchen die Parlamente die Vorgänge.

Februar 2012
Staatsakt

© Sean Gallup/Getty Images

In einem Staatsakt wird der NSU-Opfer gedacht. Eine Straße in Kassel soll nach einem der Opfer benannt werden. Jetzt untersucht auch eine Bund-Länder-Kommission die fehlgeschlagene Suche nach dem Trio.
 

März 2012
02 Beate Zschäpe

© BKA/dpa

Die Bundesanwaltschaft arbeitet daran, Beate Zschäpe eine direkte Beteiligung an den Morden nachweisen zu können. Zschäpe soll der Motor der Gruppe gewesen sein, Haushalt und Finanzen verwaltet haben.

2. Mai 2012
03-Untersuchung nach Mord

© Marcus Föhrer/dpa

Acht Männer türkischer Abstammung ermordeten die Rechtsextremen. Doch auch die türkischen Behörden glaubten nur an ein kriminelles Killerkommando aus dem eigenen Land, wie die ZEIT herausfindet.

15. Mai 2012

In Thüringen wurde bei der Suche nach den untergetauchten Terroristen von 1998 bis 2001 geschlampt, urteilt ein Gremium der Landesregierung unter Vorsitz von Ex-Bundesrichter Gerhard Schäfer. Bereits zu Jahresbeginn haben die Landesverfassungsschützer eingeräumt, dass über einen Mittelsmann Geld an die Neonazis fließen sollte, um an deren Tarnidentitäten zu kommen. Der Plan scheiterte. Für die Observation des Trios stellt auch die Parlamentarische Kontrollkommission des Sächsischen Landtages dem eigenen Verfassungsschutz ein verheerendes Zeugnis aus.

Ende Mai 2012

Der mutmaßliche NSU-Helfer Holger G. ist auf freiem Fuß. Er soll den drei Rechtsextremisten Waffen besorgt haben. Der Bundesgerichtshof entschied: G. wusste eventuell nicht, wofür sie eingesetzt werden. Zwei Wochen später werden auch Carsten S. und Matthias D. aus der Untersuchungshaft entlassen. Im Juni wird der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen NSU-Helfer André E. aufgehoben. Er soll an dem Bekennervideo der NSU mitgearbeitet haben, der BGH hält ihn aber nicht für dringend tatverdächtig

2. Juli 2012
Die Terrorzelle

© BKA/dpa

Ein Referatsleiter des Bundesverfassungsschutzes hat im November 2011 Akten zu V-Leuten aus dem Umfeld der NSU vernichtet. Bis Ende Juni war das dem Geheimdienstchef angeblich nicht  bekannt.

Juli 2012

Als Konsequenz aus der "Reißwolf-Affäre" bittet Verfassungsschutzchef Fromm um seine frühzeitige Pensionierung. Wenige Tage später verliert der Präsident des Thüringischen Geheimdienstes, Thomas Sippel, seinen Posten. Auch der Leiter der sächsischen Behörde, Reinhard Boos, tritt zurück.  Protokolle einer Telefonüberwachung des Bundesamtes von Ende 1998 waren nicht an die Untersuchungsausschüsse weitergegeben worden.

5. Juli 2012

Fromm spricht vor dem Bundestagsausschuss. Er offenbart Chaos in seiner Behörde, weiß nicht, warum sensible Akten vernichtet wurden. Die Vermutung der FDP, Zschäpe sei als Informantin angeworben worden, wird dementiert.

Juli 2012

© Michael Gottschalk/dapd

Noch nachdem die Straftaten des NSU bekannt wurden, sind zahlreiche weitere Akten zu den drei Rechtsextremisten vernichtet worden. Die Behörden erklären das mit dem Datenschutz, die Opposition vermutet Vertuschung.

Juli 2012

© Jim Lo Scalzo/EPA/dpa

Zwei Kollegen der Polizistin Michele Kiesewetter sind zeitweise Mitglieder im rassistischen Ku-Klux-Klan (KKK) gewesen. Einer von ihnen war ihr Gruppenführer, wusste also, wo sie sich aufhielt. Einen Zusammenhang mit dem Mord schließt der Innenminister Friedrich aus.

September 2012

© BKA/dapd

Der Militärgeheimdienst MAD hat 1995 eine Akte über die rechtsextreme Gesinnung des Wehrdienstleistenden Uwe Mundlos erstellt. Der Verteidigungsminister wusste dies seit März. Der Bundestagsuntersuchungsausschuss wurde nicht informiert.

14. September 2012

© Steffi Loos/dapd

Ein früherer Vertrauter des NSU hat jahrelang für das LKA Berlin gespitzelt. Thomas S. lieferte 2002 Hinweise auf den Aufenthaltsort der Truppe in Thüringen. Innensenator Frank Henkel wusste seit März von S., gab die Information aber nicht an den Ausschuss weiter.

Ganz so einfach ist es nicht. Denn zu den 30 Millionen Daten, die die Kriminaler bis zum Sommer 2006 bereits gesammelt hatten, gehörten auch Ermittlungsergebnisse aus der Türkei . Ermittlungsergebnisse, die es in sich hatten: Es waren türkische Behörden, die den "Bosporus"-Beamten eine Verbindung der Opfer zum Organisierten Verbrechen nahegelegt hatten. 3000 Hinweise in Richtung Organisierte Kriminalität waren auch aus deutschen Haftanstalten eingegangen, nachdem die Sicherheitsbehörden eine entsprechende Belohnung ausgesetzt hatten.

Leserkommentare
  1. die haben alles noch komplizierter gemacht! Warum wird Otto Schily nicht mehr in die Mangel genommen?

    Ich finde vor allem die Grünen um Cem Özdemir sollten hier ganz ruhig sein. Die Grünen haben bis heute keinen Innenminister/senator gestellt. Sie spielen hier die "wir wissen alles besser" Fraktion.

    Alle haben versagt, weil man auch Angst vor einem deutschen FBI hat das in unserem geographisch kleinen Land (Australien, USA sind ja nur ein bissal grösser) ja sehr schlimm wäre.

  2. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als Relativierung oder Leugnung rechter Gewalt verstanden werden. Danke, die Redaktion/fk.

    2 Leserempfehlungen
  3. Spielwiese parteipolitischer Eitelkeiten mutiert, ist seine Arbeit von nicht geringer Bedeutung.

    Ansonsten wird man abwarten müssen, was er noch so alles zutage fördern wird.
    Eines lässt sich wohl zweifelsfrei feststellen: Es war ein glücklicher Zufall, der half, die NSU-Zelle auffliegen zu lassen.

    2 Leserempfehlungen
  4. 'Noch komplizierter wird die Sache dadurch, dass drei der Opfer offenbar tatsächlich Verbindungen zur Organisierten Kriminalität hatten. Bei einem war es die Drogenszene, bei einem anderen das Glücksspiel, ein Dritter schließlich erwies sich als Sympathisant der kurdischen Terrororganisation PKK. Man wolle diese Erkenntnisse derzeit nicht an die große Glocke hängen, hat Geier vor dem Untersuchungsausschuss gemurmelt. »Wir wollen die Opfer ja nicht ein zweites Mal viktimisieren.« '
    Es klingt, als seien die Opfer bösartige Kriminelle gewesen. Was heißt aber bitte hier Kontakt zur OK genau? War jemand von den Opfern Dealer in großem Maßstab, hatte der andere mehrere Spielsalons und seine Konkurrenten beseitigt und hat der Dritte die PKK aktiv unterstützt? Mir erscheint die Argumentation hier etwas an den Haaren herbeigezogen; ohne genauere Einzelheiten zu wissen, ist es schwer, die Einschätzung zu teilen. Wenn man aber voreingenommen an die Sachlage herangeht (und ein rechter Hintergrund wurde ja wohl explizit ausgeschlossen), dann muß man sich nicht wundern, daß Kommissar Zufall regiert.

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    Entschuldigen Sie das Missverständnis, der Kommentar wurde wieder hergestellt. Die Redaktion/fk.

  5. Es ist ja nun nicht so, als ob es Gewalt von Rechts mit Tötungsdelikten in Deutschland nie gegeben hätte; die ZEIT selber hat dazu recherchiert und ein Dossier veröffentlicht. Das Argument, man wolle die türkische Bevölkerung nicht in Panik versetzen, klingt wie eine nachträgliche Rechtfertigung und Ausrede. Es wundert mich nicht, daß ausgerechnet Herr Beckstein von der CSU bei der Frage nach rechter Gewalt abgewiegelt hat - die Positionen der CSU sind selber sehr rechtslastig. Es wäre aber sowohl seine Pflicht als auch die der Polizei gewesen, unvoreingenommen an die Morde heranzugehen und nicht von vorneherein bestimmte Theorien auszuschließen.
    Die deutsche Justiz scheint auf dem rechten Auge oftmals blind zu sein - aber das ist nichts wirklich Neues.

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    ... sondern Becksteins Aussage ist eindeutig eine Ausrede.

    Das Argument, man wolle die türkische Bevölkerung nicht in Panik versetzen, hat doch nichts mit den falschen gelenkten Ermittlungen zu tun. Die (türkische) Bevölkerung nicht in Angst zu versetzen wäre höchstens ein Grund dafür gewesen, nicht zu informieren - und selbst das zieht nicht, angesichts der Betroffenheit. Niemals ist das aber sinnvoller Grund, dann auch gleich die Ermittlungen in dieser Richtung aufzugeben.

    Das mutet an wie das Kleinkind, dass sich mit vor das Gesicht geschlagenen Händen mitten auf die Wiese stellt und "such mich" ruft.

    Rücktreten kann er ja nun nicht. Aber ansonsten wäre - wenn nicht schon längst die Sache an sich - spätestens ein Rücktrittsgrund, dass er jetzt immer noch versucht, uns und insbesondere die türkische Bevölkerung, die ihm ja so am Herzen liegt, auf den Arm zu nehmen.

  6. 6. [...]

    Entschuldigen Sie das Missverständnis, der Kommentar wurde wieder hergestellt. Die Redaktion/fk.

  7. "Ausgerechnet der Föderalismus, einst konzipiert als Gegengift zum nazistischen Zentralismus, hat zumindest erheblichen Anteil daran, dass man dem Treiben der ersten Neonazi-Terrorgruppe auf dem Boden der Bundesrepublik nicht Einhalt gebieten konnte."

    Das sehe ich zwar auch so, aber was ist die Antwort? Die "Zentrale"?

    Mir scheint das Problem in Ausbildung, ach, "Dressur", der Beamten zu liegen, die sich ja nicht vertraglich verpflichtet sondern (das heißt wirklich so) unterworfen sehen. Was ist, das ist, sagen die wohlerzogenen Staatsdiener.

    Ich habe gestandene Beamte erlebt, die sich, weil ihnen ein Ergebnis lebhaft am Herzen lag, einen Mist um Ländergrenzen und Zuständigkeiten geschert haben. Solche Leute, die mit Verstand und Impetus ihren Job machen, sind wichtig. Dann kann man den Föderalismus auch belassen und braucht die allmächtige "Zentrale" nicht.

    Mist wird immer passieren. Was beim NSU passiert ist, ist gewiss deutlich zuviel Mist, aber den sehe ich einer schlimmen Anhäufung individueller Unfähigkeit geschuldet, nicht dem Föderalismus.

    Aufregend finde ich die Wachsweichheit, mit der halbherzig versucht wird, den unglaublichen Skandal wenigstens rückwärts abzurollen, das lese ich auch tendentiell in dem Artikel. Einen Willen, das vorwärts aufzurollen, nämlich wie man ein solches Desaster künftig unwahrscheinlicher machen will, sehe ich, zumindest politisch, nicht.

    Man nehme aber den Schlapphüten die Sonnenbrille weg. Damit sie in die Sonne blinzeln müssen.

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  8. Eine falsche DNA-Spur, aufgrund derer die Fahnder zunächst den Mord an Michèle Kiesewetter in einen ganz anderen Zusammenhang stellen mußten. In Heilbronn wurde die DNA des "Phantoms" gefunden, das scheinbar über Jahre in ganz Deutschland alle Arten von Verbrechen verübte. Die DNA-Spur stellte sich allerdings viel später als Verunreinigung an ungeeignetem Zubehör zum DNA-Labortest heraus.

    http://www.zeit.de/online...
    http://www.heise.de/tr/ar...

    Dieser ganze Verbrechenskomplex ist in vielerlei Hinsicht ein kriminologischer Albtraum.

    k.

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    "ein kriminologischer Albtraum."

    Ist klugscheißerisch, ich weiß:

    ein kriminalistischer.

    Der krimonologische Albtraum ist die fortgesetzte Fehleinschätzung des oder der zu suchenden Täter, trotz, wie man heute weiß zutreffender Hinweise sogar von FBI-Seite.

    Die Nummer mit den Speichelstäbchen wird sicherlich Bestandteil des Katechismus sämtlicher künftiger Kriminalisten werden.

    Und die Juristen sollten auch nachdenklich werden. Denn es weiß jetzt die ganze Nation, dass eine Packerin dieser Stäbchenfirma mit einem Drogenproblem zu tun hat.

    Kolleteralschaden halt. Hätte ja auch einen anständigen Beruf lernen können.

    Schüttel, in wenigen Tagen soll es wieder wärmer werden, las ich.

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