Dafür, dass Gerhard Polt ungern über sich redet, ist in letzter Zeit einiges zusammengekommen. Am Montag wird er 70, weshalb man ihn mehrfach zur Retrospektive gezwungen hat. Das Münchner Literaturhaus zum Beispiel hat eine Werkschau des großen bayerischen Komikers ausgerichtet. Unter dem Titel Braucht’s des?! – das ist bayerisches Understatement. Polt hat zur Beschreibung seines Charakters seinen Fingerabdruck auf einem Papier abgegeben, weil "das beruhigt mich, wenn dann gewusst wird, dass ich doch total überschaubar bin".

Dem kürzlich erschienenen Buch Polt des Autors Gerd Holzheimer merkt man an, dass sich das Objekt des Interesses mit dem Projekt Biografie nicht anfreunden konnte: "Auf die Frage, ob er so spielt, wie er fühlt, antwortet er: 'Hm'." Ein lebender Mensch, meint Polt, verdiene keine Biografie, das sei etwas für jemanden, der tot ist. Eine bestimmte Art von Fragen hat er sowieso dick, zum Beispiel "Wie geht’s?". Das solle man ihn nach zwei Monaten fragen, da könne er beurteilen, wie es ihm jetzt gegangen sei.

Oder "Wo?". Mit Polts Satiren verhält es sich wie sonst eigentlich nur noch mit Loriot-Sketchen: Wenn man sie einmal gehört hat, fallen sie einem immer wieder ein, weil sie so fundamental mit etwas zu tun haben, das ständig vorkommt. Zum Beispiel die Szene über das "Wo?": "Das ist eine der deutschesten Fragen. Nur ein Deutscher bringt es fertig, einen Hund, wenn er am Trottoir dasitzt – zu ihm hinzugehen und ihn zu fragen: Ja, wo ist er denn? Und der Hund, weil er von der Frage überrumpelt ist, natürlich, sagt nichts. Und da sagt der Deutsche zu ihm: Ja, da ist er ja!"

Polt schätzt Momente, in denen Leute mit der größten Folgerichtigkeit die absurdesten Dinge von sich geben, und interessiert sich kaum für abstrakte Überlegungen über sein Tun oder seine Person. Für den Gesprächsband und auch sonst hat Polt der befreundeten Fotografin und Interviewerin Herlinde Koelbl aber trotzdem Auskunft über Grundsätzliches gegeben: das Wesen des Humors, den Glauben, die Mediengesellschaft. Der Eindruck verstärkt sich, dass das authentisch Tiefsinnige nicht sein Fach ist.

"Humor" sagt er, "ist immer dann, wenn er stattfindet." Die These erschließt sich, wenn man erlebt, wie Polt stattfindet. Bei der Eröffnung der Ausstellung in München steht er auf der Bühne, mit diesem Gesicht, das aussieht, als sei es geschaffen, um den Grant zu repräsentieren. Neben ihm der Leiter des Literaturhauses, der detailreich schildert, wie man die Ausstellung geplant habe, wie froh man gewesen sei, den Autor selbst zu gewinnen. Und dann habe es an einem denkwürdigen Tag, er wisse es wie heute, genau dort hinten in der Ecke ein gemeinsames Mittagessen gegeben. Polt hebt langsam das Mikrofon und sagt: "Ein Risotto". Spitzes t, bayerisches o, nur das, der Saal brüllt.

Polts Kunst besteht in einer Ökonomie des Schweigens, Schnaufens und der Sprachmelodie. Das bedarf genauer Beobachtung und vieler Übung, wie man in den Gesprächen mit Koelbl liest. Polt imitiert und fingiert Sprechweisen. In einer der bekanntesten Szenen seiner Karriere sagt Polt in einer Fernsehsendung acht Minuten lang nur, dass er nichts sagen wird. Das war 1980, der Sender hatte ihm verboten, den in eine Meineid-Affäre verwickelten Innenminister Zimmermann "Old Schwurhand" zu nennen. Das hat er durchgezogen und war dabei, wie er erzählt, sehr auf sein Publikum angewiesen: "Ein Mensch, der dasteht und eigentlich in Verlegenheit ist: So, jetzt biet was. Und diese Verlegenheit eines Menschen überträgt sich ja auf die Zuschauer, zu verschiedenen Gefühlswallungen."