ZEITmagazin: Herr Lauda, Sie waren 19 Jahre alt, als Sie anfingen, Rennen zu fahren. Geht man da nicht eigentlich noch zur Schule?

Niki Lauda: Ja. Und meine Eltern haben darauf gepocht, dass ich die Matura mache. Aber mir hat das alles zu lange gedauert, also habe ich mein Maturazeugnis gefälscht. Alle waren glücklich, und ich konnte mich auf das Rennfahren konzentrieren.

ZEITmagazin: Mussten Sie Ihr Zeugnis nicht Ihren Eltern zeigen?

Lauda: Sicher, ich habe es ihnen nur aus der Ferne gezeigt, weil man oben klar erkennen konnte, dass der Name des wirklichen Besitzers mit Tintentod weggemacht worden war. Man hat auf hundert Meter gesehen, dass da was nicht stimmt.

ZEITmagazin: Hatten Sie kein schlechtes Gewissen?

Lauda: Oh ja, aber weil ich dann gleich Rennfahrer geworden bin und meine Ideen umsetzen konnte, war das schlechte Gewissen schnell wieder weg. Meiner Mutter habe ich das erst Jahre später gebeichtet, da war ich allerdings schon erfolgreich.

ZEITmagazin: Sie stammen aus einer Industriellenfamilie, die viel Wert auf Leistung gelegt hat. Mussten Sie sich den Weg zum Rennfahrer hart erkämpfen?

Lauda: Mein Großvater war ein Despot. Mein Ansporn war, ihm zu beweisen, dass man einen anderen Weg gehen kann. Dafür habe ich jedes Risiko in Kauf genommen.

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ZEITmagazin: Hat er versucht zu verhindern, dass Sie Rennfahrer werden?

Lauda: Ja, ja, als Industrieller hat er bei meiner Bank interveniert und einen Sponsor vergrault, den ich damals dringend gebraucht hätte. Er hat ständig versucht, Einfluss zu nehmen. Er wollte, dass ich studiere. Er hat immer gesagt, über die Mitglieder unserer Familie solle man auf der Wirtschaftsseite einer Zeitung lesen können, nicht auf der Sportseite.

ZEITmagazin: Wie haben Sie reagiert, als der Sponsorenvertrag scheiterte?

Lauda: Mit ihm konnte man nicht reden. Ich bin dann meinen eigenen Weg gegangen. Ich habe bei einer anderen Bank einen Kredit aufnehmen müssen, der mir dann den Eintritt in die Formel 1 ermöglicht hat. Vier Jahre lang habe ich daran zurückgezahlt.