Internationale BeziehungenZiemlich beste Freunde

Saudi-Arabien ist eine islamische Despotie und müsste für die USA eigentlich zur "Achse des Bösen" gehören. Dennoch sind die beiden Länder seit 1945 fest verbündet. Die Geschichte einer sonderbaren Allianz von Manfred Berg

Der Präsident der demokratischen Weltmacht USA trifft den absoluten Herrscher über Saudi-Arabien: Franklin D. Roosevelt und  König Ibn Saud.

Der Präsident der demokratischen Weltmacht USA trifft den absoluten Herrscher über Saudi-Arabien: Franklin D. Roosevelt (rechts) und König Ibn Saud.  |  © Hulton Archive/Getty Images

Der König und sein Gefolge hatten fast zwei Wochen gebraucht, um im Februar 1945 von Riad im Zentrum der Arabischen Halbinsel nach Dschidda am Roten Meer zu gelangen. Dort wartete das US-Kriegsschiff USS Murphy auf Abdel Asis ibn Saud, den Herrscher über das Königreich Saudi-Arabien, das Ibn Saud 1932 nach langen Kämpfen gegen rivalisierende Beduinenstämme unter seiner Führung geeint hatte. Die Murphy sollte den König zum Großen Bittersee im Sueskanal bringen. Dort wünschte ihn US-Präsident Franklin D. Roosevelt auf der Rückreise von der Jalta-Konferenz zu treffen.

Doch die Saudis hatten eigene Vorstellungen von einer Schiffsreise. Zum Entsetzen des Kapitäns nahm Ibn Saud Dutzende Gefolgsleute, außerdem eine halbe Herde Schafe mit an Bord. Nach stürmischer Überfahrt erreichte das Schiff am 14. Februar den Bittersee, wo der absolute Herrscher eines Landes, das bislang kaum mit der Moderne in Berührung gekommen war, dem Führer der demokratischen Weltmacht Amerika begegnete. Trotz aller kulturellen Unterschiede verliefen die Gespräche in bester Atmosphäre. Zum Abschied schenkte der Präsident, der seit einer späten Kinderlähmung im Rollstuhl saß, dem leicht hinkenden König ein gleiches Gefährt – und eine DC-3 Dakota, Saudi-Arabiens erstes Verkehrsflugzeug.

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Roosevelt hatte handfeste Gründe für das Treffen. Der zu Ende gehende Zweite Weltkrieg ließ die künftige Bedeutung der Ölquellen des Mittleren Ostens klar zutage treten. Saudi-Arabien fiel eine Schlüsselrolle bei der Energieversorgung der USA und Westeuropas zu. Bereits 1933 hatte Ibn Saud der kalifornischen Standard Oil Company gegen eine jährliche Pacht von 25.000 Dollar und 1 Dollar pro Tonne Öl Bohrungen am Persischen Golf gestattet. Allerdings hatte es fünf Jahre gedauert, bis das erste profitable Feld angezapft worden war.

Wegen der hohen Kosten hatten sich 1944 mehrere US-Ölkonzerne unter dem Namen Arabian American Oil Company, kurz Aramco, zusammengeschlossen. Auch die Saudis waren am Aufbau der Ölindustrie sehr interessiert, denn das Wüstenreich verfügte bis dahin nur über eine einzige echte Einnahmequelle: die Pilgerfahrten nach Mekka. Die Amerikaner waren willkommene Partner. Im Unterschied zu ihren britischen Konkurrenten hatten sie keine kolonialen Interessen. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges stimmten die auf ihre Souveränität bedachten Saudis sogar einem US-Luftwaffenstützpunkt in Dhahran nahe den Aramco-Ölfeldern am Golf zu.

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Öl war nicht das einzige Thema zwischen Roosevelt und Ibn Saud. Als der Präsident das Gespräch auf Palästina brachte, forderte der König das Ende der jüdischen Einwanderung. Wenn die Juden einen eigenen Staat wollten, dann bitte nicht in Palästina, sondern in Deutschland; schließlich seien nicht die Araber, sondern die Deutschen für die Leiden des jüdischen Volkes verantwortlich. Roosevelt versprach, die USA würden nichts tun, was den Arabern schaden könnte. Als sein Nachfolger Harry S. Truman 1948 Israel diplomatisch anerkannte, war der König außer sich über diesen »Verrat«. Auf einen Bruch mit den USA konnten es die Saudis indes nicht ankommen lassen. Das Reich brauchte die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit.

Manfred Berg

Der Autor ist Professor für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg.

Aber auch die Amerikaner erkannten schnell, dass die Saudis ein wichtiger Verbündeter waren. »Unser Ziel ist es«, fasste 1951 ein Memorandum des State Department die Interessen in einem Satz zusammen, »für uns wie für unsere Freunde und Verbündeten die strategischen Vorteile zu sichern, die sich aus Saudi-Arabiens geografischer Lage, seinen Erdölreserven und der fortgesetzten Abneigung der Saudis gegen den Kommunismus ergeben.« Das Haus Saud sei die wichtigste proamerikanische Stimme in einer den USA ansonsten eher feindlich gesinnten Region und müsse militärisch und politisch unterstützt werden. Die Souveränität des Landes sei ebenso zu respektieren wie sein Status als Hüter der Heiligen Stätten des Islams – Mekka und Medina – und seine »lokalen Sitten«. Jeder Anschein, man wolle das Land dominieren, müsse unbedingt vermieden werden. In der Tat übte die Supermacht USA gegen keinen anderen Klientelstaat so viel politische und kulturelle Rücksichtnahme wie gegen Saudi-Arabien.

Die Saudis wollten Unterstützung bei der wirtschaftlichen Entwicklung, modernstes Kriegsgerät und sicherheitspolitische Rückendeckung im Streit mit ihren regionalen Rivalen, wachten aber stets eifersüchtig über ihre Souveränität und schotteten sich so weit wie möglich gegen den Einfluss westlicher Kultur ab. Schon der Konzessionsvertrag mit Standard Oil von 1933 verwahrte sich gegen jede Einmischung. Gleichzeitig erwarteten die Saudis, dass die Amerikaner nicht nur nach Öl bohrten, sondern Straßen, Schulen und Hospitäler bauten. Die Verpflichtung, möglichst viele einheimische Arbeitskräfte zu beschäftigen, war für die im Lande tätigen US-Firmen lange Zeit schwer zu erfüllen. Der größte Teil der Bevölkerung konnte weder lesen noch schreiben, geschweige denn mit moderner Technik umgehen. Die Amerikaner achteten gleichwohl peinlich darauf, den Stolz der Araber nicht zu verletzen. Aramco praktizierte in den fünfziger Jahren eine Sprachregelung, der zufolge Saudi-Arabien niemals als »rückständig« oder »unterentwickelt« bezeichnet werden durfte, sondern stets als eine Nation, die »an der Schwelle einer neuen Ära« stand.

Leserkommentare
  1. Meiner Meinung nach ist das Rückrat der Zeweckbeziehung zwischen USA und Saudi-Arabien das Öl und die Dollarbindung.

    Seitdem Nixon die Saudis dazu überredet hat ihr Öl nurnoch in Dollar zu handeln (im Gegenzug gab es Militärhilfe), konnte sich die USA nahezu ungeachtet der Währungsstabilität hemmungslos verschulden. Der Schulden des Vietnamkrieges, die Golddeckung des Dollars. Alles Schnee von gestern.

    Wer Öl will, zahlt in Dollar. Seine Devisen legt man am besten auch gleich in Dollar an, um Schwankungen zu entgehen.

    Die Saudis stabilisieren den Dollar. DAS ist der wichtigste Grund für diese Zweckbeziehung.

    Und wer meint er kann sein Öl in anderen Währungen handeln, ist ein Feind. Irak, Libyen, Iran. Alle wollten sie Öl ohne den Dollar handeln. Die Folgen kennen wir.

    Gerade erst war Ms. Clinton in Indien, um klarzumachen dass der Kauf von iranischem Öl ohne den Dollar (und die Abwicklung über angelsächsische Umschlagsplätze) so nicht geduldet wird. Indien kauft seit kurzem iranisches Öl ohne den Dollar und findet es spitze.

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  2. genauso wie

    Die seltsame Freundschaft von Deutschen und Iranis

  3. Die Saudis sollten mal am 1. April als "Spaß" die Meldung rausgeben, dass ab sofort auch gegen Euro, Yen und Yuan geliefert wird. Sie sollten sich aber auch mit dem Dementi beeilen, bevor sie in Schutt und Asche liegen.

    Eine Leserempfehlung
  4. Gulf Cooperation Council (GCC) states (Saudi Arabia, Qatar, Bahrain, the United Arab Emirates, Oman, and Kuwait) tanzen aber neuerdings auch nach der Pfeife der Amerikaner wenn es um militärischen Vormacht geht in der Region geht.

    Deutschalnd hat 70 Eurofighter, 70 Leopardpanzer und eine Gewehrfabrik nach Saudi Arabien verkauft. Mit diesem gestiegenen militärischen Selbsbewußtsein lassen sich dann prima Zivile Proteste in Bahrain niederschalgen (wiederholt seit 2011)und den Terror in Syien unterstützen. Desweiteren haben die Saudis eine Zusage Pakistans, dass falls sie Atomwaffen wollen diese käuflich erwerben können.

    Wer den Einfluß allein der Kataris in England sehen will versteht auch den immer noch starken Einfluß der Briten im mittleren Osten. Für Menschenrechte in diesem Club interessiert sich der Westen herzlich wenig.

    Eine Leserempfehlung
  5. Das saudische Königshaus verfügt nicht über die geringste Legitimität bei seiner Bevölkerung, es hält sich nur mit Hilfe der Öldollars und der amerikanischen Unterstützung.

    Die OPEC ist ein Papiertiger, der Ölpreis wird in Washington gemacht. Zur Ölkrise 1973 ab 1:12:38:

    http://www.youtube.com/watch?v=XwFj4wHT3jw

    Die ganze Story vom Ölembargo gegen den Westen aus Solidarität mit den Palästinensern war eine einzige Show, Washington brauchte einen hohen Ölpreis (die OPEC verkaufte Öl ausschließlich gegen $) und forderte deswegen Saudi-Arabien zu diesem Embargo auf (auch während des Embargos gab es weiterhin heimliche Öllieferungen).

    Auch der Sturz des Ölpreises in den 80ern wurde von Washington befohlen, um die Sowjetunion in die Pleite zu treiben: ab 1:21:15 (obiger Link)

    Noch ein hervorragender Artikel zum Them Petrodollar / Petrodollar-Recycling:

    http://www.studien-von-zeitfragen.net/Zeitfragen/__Collapse_in_Iran/__co...

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  6. ist alles, das was zählt in der Welt...

  7. Er erwähnt zum Beispiel 3 wesentliche Fakten überhaupt nicht.
    1. von 1938 bis 1973 kostete das Saudische Öl die Amis nur 1 US$$ das Barrel und erschütterte die gesamte westliche Welt, deren Energie auf Steinklohle aufgebaut war.
    2. US-Pres. Ronald Reagan vereinbarte 1981/82 mit den Saudis einen Pakt zum Sturz der Sowjet Union, indem die Saudis ihr Öl in den 1980er Jahren in der Produktion soweit aufzudrehen hatten, dass der Weltmarktpreis des Öls nie über 10 US$$ klettern sollte.
    Der Sinn lag darin, die Wirtschaft der damaligen USSR und des Ostblocks strategisch zu schädigen und durch die gleichzeitige Extremaufrüstung der USA und der NATO-Staaten mit diesem Rüstungswettlauf in den Bankrott zu treiben.
    Diese Strategie hat tatsächlich Erfolg ab 1985 gehabt und fand mit der Wahl Gorbatschows zum Führer der SU ihren krönenden Abschluß.
    3. Die Familien Bush u.a. sind engstens mit der Ölwirtschaft der Saudis verknüpft und damit mit den 7.000 Prinzen der Saudis.
    Ohne die Saudis und ihr billiges Öl hätten die USA nie ihre Weltherschaft etablieren können.

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte USA | Saudi Arabien | Geschichte | Erdöl
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