Jeder Lebensmittelskandal zieht weltweite Imageschäden nach sich
»Rund 5.000 Dienstleistungsprodukte« biete der TÜV Süd mittlerweile an, sagt Stepken. Zum Beispiel in Bangalore.
In der Hightech-Metropole sind es Inder, die im Dienst der deutschen Firmen alles prüfen. Das sei gar nicht so schwer, findet Kesavan Ganesan, ein Textiltechniker im weißen Kittel. Seit drei Monaten reißt der 21-Jährige im Textillabor von TÜV Süd Knöpfe ab. Vor ihm liegt ein Stapel in Indien fabrizierter Markenhemden, die für den Export nach Europa bestimmt sind. Mit einer simplen Hebelmaschine reißt Ganesan den Hemden die Knöpfe ab und misst die Kraft, die er dafür braucht. Pro Knopf muss er 20 Kilo Gewicht stemmen. Nähfehler gebe es kaum, berichtet Ganesan. Auftraggeber sind renommierte deutsche Hersteller, die auf den Tests bei TÜV Süd im fernen Indien bestehen, damit sie beim Auspacken in Europa oder den USA keine bösen Überraschungen erleben.
Die Testfabrik von TÜV Süd liegt etwas versteckt in einer schmutzigen Seitenstraße eines entlegenen Industriegebiets. Vermutlich würde kein deutscher TÜV-Angestellter hier arbeiten wollen. Aber das muss ja auch nicht sein. In Bangalore arbeiten hundert Inder für den TÜV: Unter indischen Bedingungen schuften sie wie die Deutschen.
Ganesan erledigt seine monotone Arbeit gerne, weil er weiß: Bald wird er angelernt, schwierigere Tests durchzuführen. Das hat ihm sein Laborchef Mahendra Sellamuthu im Stile eines deutschen Meisters, der seinen Lehrling betreut, versprochen. Für die Inder ist diese Lernkultur im Unternehmen etwas ganz Besonderes.
Sellamuthu, selbst erst 26 Jahre alt, führt sichtlich gerne durch sein Labor. Links steht eine amerikanische Waschmaschine, rechts eine europäische. »Wir simulieren die amerikanischen und europäischen Waschbedingungen«, erklärt Sellamuthu. Sogar Saris, die traditionellen indischen Frauengewänder, lässt er hier waschen. Er nimmt einen eingelaufenen Sari-Stoff zur Hand. »Der ist noch nicht exporttauglich«, sagt der Laborchef. Als Nächstes wird er den Hersteller anrufen und ihm andere Stoffe oder Produktionstechniken empfehlen. »Die wollen sich alle verbessern, deshalb kommen sie zu uns«, sagt Sellamuthu über die vielen kleinen Textilfabrikanten rund um Bangalore. Der junge Laborchef blickt durchaus mit indischem Nationalstolz auf seine Arbeit für eine deutsche Firma: »Wir arbeiten für die Qualität der indischen Produkte. Nur so kann die indische Wirtschaft wachsen.« Genauso könnte das wohl sein TÜV-Kollege in Vietnam oder China sagen.
Insgesamt 14 von weltweit 18 Textillaboren betreibt TÜV Süd in Asien. Allein in Indien investierte das Unternehmen in den vergangenen vier Jahren zehn Millionen Euro in vier neue Labore. Dahinter steht ein Strategiewechsel: Früher begleitete das Unternehmen vor allem deutsche Exporteure ins Ausland. Heute hilft es umgekehrt indischen Unternehmen, ihre Waren so herzustellen, dass sie im Westen die Qualitätsnormen erfüllen.
»Ja, ihr zwingt uns deutsche Werte auf!«, poltert George Gregory nur halb im Scherz. Der lautstark auftretende Textilfabrikant empfängt an diesem Tag die Qualitätskontrolleure von TÜV Süd in seiner Fabrik in Bangalore. Sie besprechen eine neue Kinderkollektion, die ein großes deutsches Modehaus bei Gregory bestellt hat. Zuerst geht es um chemische Zusätze, die als Weichmacher verwendet werden, dann um Reste von giftigen Aminosäuren, die im Polyester auftreten können. »Wenn wir tricksen wollten, würden wir die Kontrolle selbst machen«, sagt Gregory. Doch lieber ist es ihm, wenn er von den Rohmaterialien bis zum Endprodukt alles durch die Labore von TÜV Süd wandern lässt.
Das war nicht immer so. Vor zwei Jahren, erinnert sich der Textilboss, hätte er noch gesagt: »Die Deutschen haben einfach zu viele Auflagen.« Aber nun rechne er den Leuten vom TÜV hoch an, dass sie seiner Firma ein neues Qualitätsbewusstsein eingeimpft hätten. »Die Deutschen haben einfach den ehrlichsten Zugang zum Geschäft: Was die TÜV-Leute uns sagen, ist immer richtig«, sagt Gregory. Inzwischen zählen deutsche Topdesigner zu seinen Kunden.
Neben dem Textilgeschäft wächst neuerdings ein anderer Bereich in Indien sehr stark: die Lebensmittelkontrolle. Denn das Land beginnt nun seine bisher nie angewandten Lebensmittelvorschriften tatsächlich umzusetzen, und TÜV Süd ist dabei. Die Mikrobiologin Rakshita Pradip hat in Bangalore deshalb alle Hände voll zu tun.
Aus einem Kühlfach in ihrem Labor holt sie eine kleine Plastikschachtel mit orangefarbenem Inhalt: »Das sind Salmonellen, die ich im Chilipulver gefunden habe«, berichtet Pradip. Sonst sucht sie nach Enterobakterien im Milchpulver oder Schwermetallen im Tee. Bisher waren es vor allem multinationale Konzerne wie Pepsi, die ihre Produkte bei TÜV Süd in Indien testen ließen. Ihre Chefs wissen, dass jeder Lebensmittelskandal, egal, in welchem Land, weltweite Imageschäden nach sich ziehen. Neu ist, dass Pradip jetzt auch für indische Firmen testet.
Riskant bleibt die Lebensmittelproduktion in Indien immer, auch für heimische Abnehmer. Das liegt an dem oft mit Schwermetallen verseuchten Grundwasser. »Viele Slumkinder in Indien sterben am unsauberen Wasser«, sagt die Biologin. Ihnen kann sie nicht helfen, aber immerhin der wachsenden Mittelschicht in Indien. Erdnüsse, Chips, Kekse, Fruchtsäfte, eingemachte Gurken, frisches Fleisch und Gewürze aller Art versprechen für den TÜV in Indien ein großes Geschäft.




Der Exportartikel Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement entstand natürlich auch durch eine Verrechtlichung der bisher schon immer in deutschen Unternehmen durchgeführten Qualitätssicherung (ISO 9000 ff). Führten früher die eigenen Qualitätssicherungsfachleute vor Ort die Qualitätssicherungsmaßnahmen durch (z.B. Leitz-Ingenieure in Japan), werden diese Dienstleistungen jetzt eben durch die externen Dienstleister TÜV, Dekra usw. erledigt. Das ist einfach nur ein weiterer Schritt einer Arbeitsteilung, die jetzt eben auch qualitativ hochwertige Tätigkeiten umfasst. So wie es schon seit Jahrzehnten auch große Ingenieur-Dienstleister gab, welche mittelständische Firmen aber auch Weltkonzerne bei ihrer Arbeit unterstützten.
Zwei Anmerkungen:
Als Erbsenzähler werden in der Regel Kaufleute und da insbesondere Buchhalter und Controller bezeichnet, auch nicht nett und auch nicht zutreffend.
Ein promovierter Chemiker ist natürlich kein Chemielaborant, wie es in dem Artikel heißt.
Das ist bei medizinischen Dissertationen und Publikationen in Deutschland auch nicht viel anders.
Als jemand der gerade eine medizinische Dissertation schreibt frage ich mich: Was wollen Sie uns damit sagen, besonders im Bezug auf diesen Artikel?
Zum Artikel: Das klingt für mich nach einer klassischen Erfolgsgeschichte der deutschen Wirtschaft, weiter so!
Als jemand der gerade eine medizinische Dissertation schreibt frage ich mich: Was wollen Sie uns damit sagen, besonders im Bezug auf diesen Artikel?
Zum Artikel: Das klingt für mich nach einer klassischen Erfolgsgeschichte der deutschen Wirtschaft, weiter so!
Als jemand der gerade eine medizinische Dissertation schreibt frage ich mich: Was wollen Sie uns damit sagen, besonders im Bezug auf diesen Artikel?
Zum Artikel: Das klingt für mich nach einer klassischen Erfolgsgeschichte der deutschen Wirtschaft, weiter so!
"Was wollen Sie uns damit sagen, besonders im Bezug auf diesen Artikel?"
Dass wir nicht die Saubermänner sind, als die wir uns gerne darstellen. Einäugige unter Blinden sind wir.
Bleibt zu hoffen, dass TÜV und Dekra Korruptions- und Manipulationsskandale erspart bleiben.
Vor 20 Jahren hätte ich darauf gewettet.
Heute nicht mehr.
"Was wollen Sie uns damit sagen, besonders im Bezug auf diesen Artikel?"
Dass wir nicht die Saubermänner sind, als die wir uns gerne darstellen. Einäugige unter Blinden sind wir.
Bleibt zu hoffen, dass TÜV und Dekra Korruptions- und Manipulationsskandale erspart bleiben.
Vor 20 Jahren hätte ich darauf gewettet.
Heute nicht mehr.
"Was wollen Sie uns damit sagen, besonders im Bezug auf diesen Artikel?"
Dass wir nicht die Saubermänner sind, als die wir uns gerne darstellen. Einäugige unter Blinden sind wir.
Bleibt zu hoffen, dass TÜV und Dekra Korruptions- und Manipulationsskandale erspart bleiben.
Vor 20 Jahren hätte ich darauf gewettet.
Heute nicht mehr.
Prüfen auch gerne die Welt...
Wenn ich mich rechte erinnere, hat der TÜV auch Brustimplantate aus Frankreich getestet und fuer gut befunden, was sich aber leider als nicht richtig herausgestellt hat. Als Erklaerung hat man angegeben, dass man getaeuscht worden sei. Im TV wurde aber daraufhingewiesen, dass der TÜV sich aber auch vor jeder Betriebskontrolle schoen ordentlich und fruehzeitig angemeldet hat, so dass der Hersteller einen besten Eindruck hinterlassen konnte. Aber da sage ich mir, wer betrogen werden will, der muss sich nahher auch nicht wundern und selbstverstaendlich haftet der TÜV nie fuer seine Feststellungen. Und zu guter letzt sei angemerkt ich bekomme fuer auch die groesste Schrottbeule an Auto in DE eine TÜV Plakette. Neulich wurde erst im WDR wieder so ein desastroeser Test gezeigt. Es ist problematisch, wenn der zu testende bezahlt und sich dem Test ggf. einfach entziehen kann. Dementsprechend werden dann auch die Tests. Bei Rating Agenturen ist es ja auch nicht anders und jetzt haben wir das Ungemach. Oder GB bekommt AAA+ und alle Kennzahlen sind nicht besser als die von Spanien, die fast als Ramschladen eingestuft werden. Komisch oder?
Und wenn dann die ganze Welt hochqualitative Produkte hat, braucht sie dann noch deutsche zu kaufen? :)
TÜV-Zertifikate für magelhafte Sicherheit gibt es auch.
In Ungarn wurde ein Hotel vom TÜV zertifiziert - auf Nachfrage wurden nur die Anlagen der medizinischen Anwendungen zertifiziert.
Die mangelhafte Sicherheit, hier waren die Zimmertüren in den Hotels von innen nicht zu öffnen, wenn die Eltern das Zimmer verschlossen haben.
Im Brandfall stellt das eine Todesfalle dar - wurde übersehen!
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