Religionskonflikt : Liberal, nicht blöd

Von Salafisten und Rechtspopulisten darf sich der Staat nicht in die Eskalation treiben lassen.

Drohen uns hierzulande religiöse Straßenkämpfe? Gehen jetzt radikale Muslime und militante Islamhasser massenhaft aufeinander los , mit Latten und Messern, demnächst womöglich mit noch schwereren Waffen, mitten in Deutschland, im Mai 2012?

Die Bilder aus Solingen und Bonn von Glaubensfanatikern, die über die Polizei herfallen, provoziert von einer Handvoll Islamhassern, haben etwas Verstörendes. Nicht nur der bloßen Brutalität wegen – da sind manche Schlägereien in Fußballstadien eher noch schockierender. Vielmehr, weil die Gewalt religiös motiviert ist; genauer: weil die Gewalttäter ihre Straftaten religiös verbrämen. Sein Glaube, sein Gott seien beleidigt worden, hat einer der in Bonn Festgenommenen zur Rechtfertigung seiner Tat gesagt.

Religionskonflikte führen zu einem unfassbaren Hass und Furor. Diese Erfahrung hat sich dem kollektiven Gedächtnis tief eingebrannt – siehe Libanon , siehe Nordirland , siehe Balkan .

Es ist diese historische Perspektive, verbunden mit der hierzulande immer noch verbreiteten Furcht vor dem irgendwie »fremden«, irgendwie »bedrohlichen« Islam, die die Ausschreitungen von Salafisten am Wochenende in Bonn so brisant macht. 29 Beamte wurden dabei verletzt, zwei von ihnen schwer, als die radikalen Muslime mit brutaler Gewalt auf eine Mohammed-Karikatur reagierten , die Mitglieder der rechten »pro NRW «-Gruppe vor der saudischen König-Fahd-Akademie gezeigt hatten. Die Polizei spricht von einer beispiellosen »Explosion der Gewalt«, die offenbar gezielt vorbereitet worden war, die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 25-Jährigen wegen versuchten Mordes erhoben. Man mag sich gar nicht ausmalen, was geschehen würde, wenn sich derlei wiederholen sollte. Vermutlich wäre es der sichere Weg, auch in Deutschland antiislamische Populisten in die Parlamente zu bringen.

Wäre es da nicht einfacher, billiger, politisch klüger (und der Gesundheit der Polizisten förderlich), den Frieden kurzerhand zu erzwingen? Also den islamfeindlichen Rechtspopulisten von »pro NRW« zu verbieten, mit Mohammed-Karikaturen vor Moscheen zu ziehen, so wie es der Düsseldorfer Innenminister mehrfach versucht hat?

Die Antwort haben gleich mehrere Gerichte gegeben. Sie alle haben es erlaubt, die Karikaturen zu zeigen, und sie liegen richtig damit. Denn die Meinungsfreiheit ist das Fundament der Demokratie, auch Schwachköpfe dürfen sie in Anspruch nehmen, sofern sie dabei nicht gegen Gesetze verstoßen.

Ja, die paar versprengten Mitglieder von »pro NRW« sind ebenso Extremisten wie die Salafisten , sie sind ebenso Eiferer, Zündler, Verblendete. Beide Gruppen wollen die Eskalation, beide kalkulieren mit dem Fanatismus der Gegenseite, und beide gieren nach der öffentlichen Aufmerksamkeit, die ihnen die Konfrontation beschert.

Und es stimmt, Mohammed-Karikaturen ausgerechnet vor einer Moschee zu zeigen ist idiotisch. Gläubige Muslime gezielt zu provozieren ist widerlich. Aber es ist nicht verboten.

Demokratie ist keine Konsensveranstaltung, Streit ist ihr Treibstoff, solange er friedlich ausgetragen wird. Und Satire, Zuspitzung, Provokation gehören dazu, so schwer erträglich das manchmal sein mag.

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Kommentare

303 Kommentare Seite 1 von 32 Kommentieren

Lieber Markus,

das Problem ist, dass wir eben kein laizistischer Rechtsstaat sind, nicht einmal ein hundertprozentig säkularer Rechtsstaat sind wir. Das mag man schlecht oder gut finden, das Problem hinsichtlich Ihres Beitrages ist bloß, dass dieser, unserer Rechtsstaat auch nirgendwo den Anspruch erhebt laizistisch oder hunderprozentig säkular zu sein!

Aber die christlich-staatlichen Feiertage nehmen auch Sie wahrscheinlich gerne in Anspruch?

......

Ich persönlich finde das Tanzverbot am Karfreitag ebenfalls albern.

Aber so weit mir bekannt, ist deswegen noch niemand mit Zaunlatten auf Polizisten los oder gar mit dem Messer.

Als es in Frankfurt die Demo gegen das Tanzverbot gegeben hat (wo Leute tatsächlich öffentlich getanzt haben), ist kein radikaler Christ aufgetaucht und hat versucht, Tanzende oder Polizisten zu attackieren.

Man sollte tunlichst nicht Dinge miteinander vermengen, die nichts - aber auch wirklich gar nichts - miteinander zu tun haben.

Ist das ein Widerspruch?

"nicht einmal ein hundertprozentig säkularer Rechtsstaat sind wir. Das mag man schlecht oder gut finden..."

Genau das hat er geschrieben: Er findet es nicht gut. Ich auch nicht. Tatsächlich darf man sich ja wohl noch ein Bekenntnis zu einem säkularen Staat wünschen. Immerhin zieht mit den Piraten (meines Wissens) zum ersten Mal eine Partei in die Parlamente ein, die sich klar für konsequenten Säkularismus ausspricht. Sie beobachten aber richtig, dass die politischen Mehrheiten derzeit eher am Status Quo festhalten.

"Aber die christlich-staatlichen Feiertage nehmen auch Sie wahrscheinlich gerne in Anspruch?"

Gesetzliche Feiertage sind grundsätzlich eine gute Sache (wie viele es genau sein müssen, wird immer wieder diskutiert) und ich habe nichts dagegen, wenn einige davon aus historischen Gründen nach religiösen Festen benannt sind.
Dennoch sind gesetzliche Feiertage kein Verdienst irgendeiner Religion und derartige Vereinnahmung wäre höchstens gerechtfertigt, wenn eine Religionsgemeinschaft die finanziellen Mittel aufbrächte, zusätzliche Feiertage zu finanzieren (also z.B. mein Arbeitgeber den an Feiertagen meine Arbeitszeit von denen bezahl bekäme).

Nein,

... das muss kein Widerspruch sein, in meinem Beitrag ging es auch nicht darum, ob das irgendjemand gut oder schlecht findet, das ist mir gelinde gesagt auch ziemlich egal. Es ging vielmehr darum:

"Tanzen am Karfreitag bleibt in unserem ach so liberal-laizistischem Rechtsstaat natürlich verboten"

Ja, das bleibt es bzw. das kann es, weil wir eben kein "ach so liberal-laizistischer" Staat sind. Wir sind eben nur ein liberaler Staat, kein wirklich säkularer und schon gar kein laizistischer, wie es Frankreich und die Türkei sind.

worauf beruhen unsere Grundgesetze?

Die Grundgesetze der BRD beruhen auf den Geboten des Christentums. Unser Land ist ein christlich gesprägtes Land seit vielen Jahren. Menschen aus aller Welt fliehen aus islamischen Republiken um in diesem Land, das auf den von vielen angezweifelten christlichen Grundwerten beruht, unterschlupf zu finden.
Machen sie sich bewusst, dass diese Flüchtlinge fliehen um das zu finden was Deutschland hat: Frieheit, Gleichheit, Glaubensfreiheit.
Bitte informieren sie sich über den Islam, bevor sie vorschnelle Entschlüsse machen. Die Scharia, das islamische Gesetz, erlaubt es Frauen zu steinigen, ihnen Säure ins Gesicht zu schütten und für den Glauben zu morden.
Wollen wir das?

Christliche Feiertage

Schön, dass Sie darauf hinweisen. Lustig ist nämlich, dass viele unserer ach so christlichen Feiertage sehr viel älter sind als das Christentum (Weihnachten zum Beispiel ist nicht Ende Dezember, weil da Jesus Geburtstag hatte, sondern weil es die Zeit der Wintersonnenwende ist).

So macht man das als neue Religion, man lässt die Leute weiter feiern, klebt nur ein neues Label auf das Ganze und mit der Zeit wird das alte vergessen. Deshalb: Gesetztliche Feiertage sind gut sollte es geben. Das diese nach christlichen Feiertagen benannt sind ist aus historischen bzw. traditionellen Gründen gut und richtig. Christentum ist in Europa schließlich nicht nur Religion sondern auch Teil der Kulturgeschichte.

Religionsfreiheit ist bei uns garantiert. Das beeinhaltet für mich auch die Freiheit, sein Leben frei von Religion zu leben. Das wiederum heißt aber auch, dass mein Leben nicht von den religiösen Bedürfnissen einzelner Religionen beeinträchtigt werden darf.

Das Tanzverbot kommt aus einer Zeit, als Tanzvergnügen zwingend mit Lärm verbunden waren. Heutige Clubs sind von außen nicht laut, da hören Sie keine Musik und wenn Sie nicht rein gehen, sehen Sie auch niemanden tanzen. Da der gläubige Christ am Karfreitag wohl kaum einen Club besuchen wird, gibt es also gar keine Belästigung. DESHALB ist das Tanzverbot Murks. Vielleicht sollte man mal spaßeshalber gegen das Glockenläuten am Sonntag klagen, das stört doch massiv die Sonntagsruhe ;-)

Grund für das Läuten war übrigens, dass früher niemand eine Uhr hatte und es nur so möglich war, dass alle gleichzeitig in die Kirche kamen. Das Problem haben wir ja wohl nicht mehr ;-)

Keine religioesen oder religioes motivierten Gesetze

Ich will WEDER 'christliche' Gesetze wie Tanzverbote, NOCH islamische Gesetze wie die Scharia. Wir sind in einer Zeit, in der sich Religionen, und zwar alle zusammen, aus der Gesetzgebung und dem oeffentlichen Leben raushalten sollen. Und davon nehme ich keine aus.
Die ganzen Eskalationen kommen ja doch daher, dass Erwachsene drum streiten, wer den cooleren imaginaeren Freund hat.

Das mit dem Tanzverbot hat doch wohl in erster Linie

etwas damit zu tun, dass es in der Gesellschaft verwurzelt war; ob Sie es nun wollen oder nicht, früher war der Alltag in Deutschland religiös - und das war gesellschaftlicher Konsens; Karfreitag ist nicht einfach ein arbeitsfreier Tag, er hat einen religiösen Hintergrund in einer religiösen Gesellschaft, aus der Sie enstspringen. Das Tanz Achtung: Vergnügen hat einen überbordenden Charakter der Freude, und das vertrug sich nicht mit dem Trauertag, den die Gesellschaft an diesem Tag beging, und dem Sie ihren arbeitsfreien Tag verdanken.
Das ist jetzt überholt; 364 Tage Fun sind nicht genug, der letzte besinnliche Tag muss den "Anderen" genommen werden.
Das ist mittlerweile Konsens - und es wird unblutig zu einer Änderung kommen, denn es geht um einen christlichen Feiertag und christliche Besinnung.
Manceh wäre es augenscheinlich lieber, man prügelte diese Änderung des gesellschaftlichen Konsens mit der Brechstange in die eigene genehme Richtung. Gemach, jungeR FreundIn, es ist als sicher anzusehen, dass Sie den Wechsel auch noch mitbekommen in garnicht allzu ferner Zukunft, und zwar, Achtung, ich wiederhole mich: unblutig.
Ob der andere Wechsel, der Einzug der von den Salfilsten "revolutionär" vorangetriebenen Urform ihrer Religion in die Gesellschaft im Konsens geschehen wird - ich bezweifele es. Und der erste lächerliche Knackpunkt - Karikaturen - zeigt, was diesen Mitmenschen ihre Religion wert ist. Aber da "revolutionär" - viel Sympathie in den Foren. Eben: politisch.

@ 1 Markus4711

Sie Armer, was für eine grauenvolle Unterdrückung.

Verstaatlichen wir doch alle christlichen krankenhäuser und werfen die raus, die noch für Gotteslohn arbeiten. Sie werden sehen, noch mehr Kliniken werden privatisiert oder geschlossen und das gestresste laizistische Personal wird gedrückt ganz laizistisch.

Und dann schaffen wir die Feiertage ab und stellen den Sonntag als ganz normalen Arbeitstag zur Disposition.

Sollten sie nicht zum Zug kommen, schon jetzt viel Spass beim Familienausflug nach Feierabend. Oder bekommen ihre Kinder schulfrei, wenn sie in der Woche einen Ausflug machen wollen. Ach ja Ferien geht auch.

Sollten Sie keine Familie wollen oder haben. Irgendwer wird sich schon finden, der sich am gleichen Tag freinimmt wie Sie.

Verstehe, wer will!

Mei, ich habe mich doch nie darüber ausgelassen, ob das Tnazverbot "Murks", ein Geschenkgottes oder wer weiß was ist. Ich kann nur vergleiche zwischen dem Umgang mit dem Islam und dem Christentum mit dem Hinweis auf vermeintlichen Laizismus nicht mehr hören.
Wir sind eben kein laizistischer Staat, weshalb es einfach schlicht unangebracht ist, sich darüber aufzuregen - mit dem Hinweis auf unseren liberal-laizistischen Rechtsstaat!!! -, dass wir ein christlich geprägtes Tanzverbot an Karfreitag respektieren und in Gesetz gießen und anderes Moslems nicht zugestehen.
Das Christentum ist eben bei uns auch im Rechtssystem verankert.
Insofern haben - mit Verlaub - Ihre äußerst altklugen Belehrungen über den Telos des Glockenschlages und des Tanzverbotes zum einen nichts mit meinem Beitrag zu tun und zum anderen ist Ihre werte Meinung, genau wie meine, die ich wie oben, nie zum besten gab, uninteressant!

Aber,

...es wird doch nichts genommen - es geht nicht darum, 365 Tage im Jahr Party zu machen, hier geht es um ein Prinzip. jeder sollte doch jedem seine Freiheit lassen, sein Leben und seinen Alltag im Rahmen seiner Möglichkeiten selbst zu gestalten, und in D sind nun einmal 1/3 der Bevölkerung konfessionslos oder andersgläubig, und auch von den getauften, kirchensteuerzahlenden nominellen Christen ist doch nicht jeder religiös. Warum kann man den Feiertag nicht in Würde begehen, nur weil andere ihn eben anders nutzen? Jeder Christ wird doch in seiner Gemeinde auf ausreichend Gleichgesinnte treffen, um über so ein Verhalten locker zu ertragen.

Schon richtig, aber...

...die Aufklärung ist ein säkular-evolutionäres Ergebnis des "christlichen Abendlandes". Gewissermaßen dessen säkulare Antithese, die genau deswegen aber sinnhaft auf die christliche Religion bezogen bleibt. Die Synthese lautete: Trennung von Staat und Kirche bzw. Religion ist Privatsache.
Jedes Mal, wenn irgendein reaktionärer Bischof Politik von der Kanzel betreiben möchte, ist ihm der Widerspruch bzw. der Spott der durch die Aufklärung geprägten Mehrheit gewiss. Das ist im Christentum ohne weiteres anschlussfähig durch Stellen im neuen Testament wie "gebt dem Kaiser was des Kaisers ist..."
Der Konflikt zwischen dem weitgehend säkularen westlichen Staatswesen (von Kruzifixen in Schulen und ähnlichen folkloristischen Relikten sehe ich jetzt mal ab) und dem Islam besteht darin, dass der Islam keine Aufklärung kennt, sondern durch Konzepte wie die Scharia eine Geltungsmacht beansprucht, die im säkularen Staat durch das positive Recht geregelt sind. Deshalb sind Grundsatzerklärungen, wie die islamische Charta des Zentralrats der Muslime auch so begrüßenswert, weil sie einen Referenzpunkt für eine Art nachholende Aufklärung innerhalb des Islam darstellen können. Man kann dies auch als "Euroislam" bezeichnen...

Vollkommene Tatsachenverdrehung!

Unsere Werte, unser Grundgesetz, die Menschenwürde und all diese Ideen mussten in der Zeit der Aufklärung GEGEN die Kirche und die Religion erstritten werden.

Es ist ein toller PR-Coup der Kirchen, jetzt so zu tun, als ob diese Ideen christliche Ideen wären. Sind sie aber nicht. Das waren Ideen von großteils atheistichen Philosophen und Aufklärern. Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hat die katholische Kirche heftigen Lobbyismus gegen eine universelle Erklärung der Menschenrechte betrieben - mit der Begründung, dass universelle Rechte, die jeder Mensch hat und die das höchste Gut sind, nicht sein dürfen, da auch diese Rechte nicht über Gott stehen dürfen sondern Gott immer wichtiger sein MUSS als der Mensch.

Alle unsere modernen Ideale, die Menschenwürde etc basieren auf der Aufklärung. Unser Rechtsstaat und unser Grundgesetz basieren auf den Ideen des Humanismus, der GEGEN die Religion erkämpft werden musste.

Es ist eine absurde, absolut verrückte Argumentation wenn diese Werte, die Jahrhundertelang vom Christentum bekämpft wurden, nun auf einmal "christliche Werte" sein sollen. Aber mit der Wahrheit haben es die Religionen ja sowieso eh nicht so, besonders nicht die Christen ;)

Das Besondere ist eben, dass die Aufklärung im Christentum

stattfinden konnte.
Geben Sie uns einmal ein Beispiel, auf Grundlage dessen wir Hoffung hegen können das der Islam auch eine Aufklärung hinbekommt und zwar hier und jetzt - nicht erst nach Durchzug der Ultraorthodoxen Kräfte wie den Salafisten.
Gegen diese ultraorthodoxen Kräfte kann man unter Einhaltung aller rechtlichen Vorgaben mit allen legitimen Mitteln angehen. Dazu gehören angemeldete Demonstrationen; es wäre schön, wenn die friedliebende Masse der Muslime auch einmal eine Gegendemonstration gegen Religion-Rechts/Ultra auf die Beine stellen würden; zum Aufzeigen, dass man diesen Ultra-Islam nicht will.
Bisher - Fehlanzeige. Macht die ganzen schönen Reden unglaubwürdig - leider!

Beispiel gewünscht? Kein Problem!

"Geben Sie uns einmal ein Beispiel, auf Grundlage dessen wir Hoffung hegen können das der Islam auch eine Aufklärung hinbekommt und zwar hier und jetzt - nicht erst nach Durchzug der Ultraorthodoxen Kräfte wie den Salafisten."

Der Islam hatte seine Aufklärung lange vor dem Christentum. Siehe die Muʿtazila im 8. und 9. bis 11. und 12. Jahrhundert (Avicenna, Averroes etc). Leider wurde diese, an die griechische Philosophie (Aristoteles) angelehnte islamische Philosophie dann zurückgedrängt und letztendlich vollkommen ausgelöscht.

Bis zur Reformation und auch noch bis zur französischen Revolution war der Islam die weitaus modernere, weltoffener, liberarele Religion.

Der radikale, rückständige Islam a la Salafismus, Wahhabismus etc ist ein Produkt der letzten 150 Jahre. Aber der Islam an sich ist reformationsfähig und es gibt durchaus eine Chance, den Islam zu moderniesieren und liberalisieren.

"Gehen jetzt radikale Muslime und militante Islamhasser

massenhaft aufeinander (!) los?"

Nein, radikale Muslime gehen auf Polizisten los.

"provoziert von einer Handvoll Islamhassern"

Diese "Provokation" verhält sich zur ausgeübten Gewalt der Salafisten wie der Minirock zur Vergewaltigung.

Äpfel und Birnen

"Diese "Provokation" verhält sich zur ausgeübten Gewalt der Salafisten wie der Minirock zur Vergewaltigung."

Ihr Vergleich ist -entschuldigung- absolut Banane.
Sie unterstellen einer Frau mit Minirock, dass Sie bewusst ihre eigene Vergewaltigung provozieren will.

Mit diesem Vergleich relativieren Sie zugleich die psychotische, unverschämte Ausrede von Vergewaltigern als auch die extrem fremdenfeindliche Gesinnung von pro-NRW.

Anschluss an Spassmagnet

Ich hoffe auch, dass der Kommentar genau anders herum gemeint war: dass der Minirock = das Auftreten von Pro-NRW von den Salafisten als Rechtfertigung für ihr Verhalten benutzt wird. "Wer meine Libido / meinen Glauben herausfordert ist selbst Schuld".

Dass die Pro-NRW-Bewegung mehr auf Randale und die damit verbundene Medienaufmerksamkeit aus war als eine Frau im Minirock, das glaube ich trotzdem gern. Damit wir uns nicht missverstehen ;).

Die Konfrontation kann durchaus nützlich sein.

Die Konfrontation könnte der Lackmustest sein für die Kompatibilität der Muslime, die hier leben wollen, mit unserer Gesellschaft. Uns wird doch immer erzählt, die Mehrzahl sei friedlich oder gar wenig religiös. Das kann man dann ja austesten. Wer Karikaturen, Kabarett, öffentliche Debatte erträgt, kann bleiben. Wer das Messer ziehen oder Steine schleudern muß, muß gehen.

Insofern leistet Pro-NRW durch die Zuspitzung des Konfliktes einen Dienst an unserem liberalen Lande. Mehr als das politisch korrekte Zurückweichen, Augen verschließen, schönreden.

@ 7 Sie finden meinen Beitrag zu brisant? Und schreiben selbst:

"Nächstes mal sollen beide Gruppen ihre Demos in Fußballstadien abhalten. Die kann man dann von außen abschließen und eine Woche später wieder aufschließen. Entweder haben sie einen Weg gefunden miteinander oder sie haben sich gegenseitig abgemurkst. Ersteres würde mich freuen. Letzteres fände nicht besonders traurig."

Also, zum "gegenseitigen Abmurksen" habe ich nicht aufgefordert. Ich sehe den Vorteil bei der religiösen Provokation, daß echte Fanatiker sich dann outen.

Durchaus... (@3)

Und die Tatsache, daß von Millionen von Muslimen nur ein paar Handvoll ob ihrer Religion gewalttätig werden, zeigt doch, daß das gar nicht so schlecht funktioniert.

Das Problem liegt eher in der medialen Wahrnehmung. Ein friedliebender Moslem interessiert keine Sau, ein Messerstechender dagegen kommt sofort ins Fernsehen.

Letztlich sind Muslime wohl kaum mehr oder weniger gewalttätig, als andere Menschen.
Untersuchungen dazu gibt´s genug.

Pro-NRW und liberal?

"Insofern leistet Pro-NRW durch die Zuspitzung des Konfliktes einen Dienst an unserem liberalen Lande."

Na super, dass Pro-NRW, ein Verein von EX-NPDlern und REP-Funktionären, der den "Rückgang christlicher Werte" beklagt, einen "vollständigen Zuwanderungsstopp von Ausländern" fordert und das Asylrecht abschaffen will, nun die Liberalität unseres Landes sichern soll.

Deren Unterverein "Christen pro Köln" richtet sich übrigens gegen die CDU, weil die "Homosexuellen-Verbände unterstützt", sprich nicht schwulenfeindlich genug ist.

Also unter "liberal" verstehe ich dann doch etwas anderes...

Ein Beamter ...

... muss dem Staat gegenüber unbedingt loyal sein. Das ist einer der Gründe warum es Beamte gibt. Wer damit ein Probleme hat sollte einfach nicht Beamter werden - gibt ja genug andere Berufe. Es geht nicht, dass Polizisten Mitglied in Parteien, Vereinigungen oder Religionen sind, die explizit dazu aufrufen, diesen Staat abzuschaffen.

Die Suspendierung ist also vollkommen in Ordnung.

Aber Polizisten dürfen sie angreifen?

Ja. Denn sie können nicht die Nazis die "Drecksarbeit" machen lassen, um extremistische Islamisten zu "identifizieren" bzw. deren Fanatismus!
Als sogenannte "Mitte" wollen Sie selbst sich offenbar die Finger nicht schmutzig machen, aber die Nazis sollen dies und das finden Sie ok? Dafür sind die Nazis gut? Solche Ausschreitungen sind niemals gut, von keiner Seite. Gäbe es die Salafisten nicht, dann hätten Sie vermutlich doch was gegen Pro NRW. "Wir sind keine Nazis, aber wir schicken die, um die Salafisten kleinzukriegen." Darf man sich Ihre Aussage so vorstellen?

Was meinen Kommentar zum Amurksen angeht: Der wurde a) gelöscht (liebe ZEIT, Ihr übertreibt!) und b) lieber sollen die zwei Gruppen sich die Köpfe einschlagen als auf Polizisten loszugehen und diese mit Messern zu attackieren! Tut mir Leid, aber das wäre mir viel lieber als dass sich diese beiden Vollpfosten-Gruppen (die kein Mensch BRAUCHT) auf Staatskosten auch noch "austoben"!

Ja, leider

"Das Problem liegt eher in der medialen Wahrnehmung. Ein friedliebender Moslem interessiert keine Sau, ein Messerstechender dagegen kommt sofort ins Fernsehen."

Ja. Das stimmt. Ganz kurz sah man in einem TV-Beitrag, wie junge Salafisten Steine schmissen und ein älterer (auch der Gruppe zugehörend) Herr dem Jungen eine knallte und meinte "Hör auf! Das ist NICHT Islam!" Leider habe ich diesen Ausschnitt nur EINMAL gesehen, aber daran zeigt sich, dass es gescheitere unter denen gibt und was von solchen Ausschreitungen im TV gezeigt wird - meistens nur einseitig. Traurig. Den älteren Herren hätten sie ruhig mal interviewen können, seine Einstellung hätte mich interessiert.

Lieber nicht....

... nicht das diese Leute noch ihre Gemeinsamkeiten entdecken und die Salafisten eine Woche später ohne Bart und Haupthaar aus dem Stadion kommen und die Jungs und Mädels von ProNRW aus mein Ka...*hust*..."mein Koran" zitieren ;-)

@Redaktion:
"[...]Demokratie ist keine Konsensveranstaltung, Streit ist ihr Treibstoff, solange er friedlich ausgetragen wird. Und Satire, Zuspitzung, Provokation gehören dazu, so schwer erträglich das manchmal sein mag.

Ich hoffe mein Beitrag fällt unter das o.g. Zitat ;)