Der ZEIT-Aufruf : Wir sind die Urheber

Mit einem in der Wochenzeitung DIE ZEIT dokumentierten Aufruf gegen den Diebstahl geistigen Eigentums sprechen sich 100 Autoren und Künstler für die Stärkung des Urheberrechts aus. Hier lesen Sie ihre Forderungen.
Die Autorin und Moderatorin Charlotte Roche ist einer der vielen prominenten Unterzeichner. © Angelika Warmuth/dpa

Mit Sorge und Unverständnis verfolgen wir als Autoren und Künstler die öffentlichen Angriffe gegen das Urheberrecht. Das Urheberrecht ist eine historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit, und es garantiert die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen.

Der in diesem Zusammenhang behauptete Interessengegensatz zwischen Urhebern und »Verwertern« entwirft ein abwegiges Bild unserer Arbeitsrealität. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft geben Künstler die Vermarktung ihrer Werke in die Hände von Verlagen, Galerien, Produzenten oder Verwertungsgesellschaften, wenn diese ihre Interessen bestmöglich vertreten und verteidigen. Die neuen Realitäten der Digitalisierung und des Internets sind kein Grund, den profanen Diebstahl geistigen Eigentums zu rechtfertigen oder gar seine Legalisierung zu fordern. Im Gegenteil: Es gilt, den Schutz des Urheberrechts zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen.

Das Urheberrecht ermöglicht, dass wir Künstler und Autoren von unserer Arbeit leben können, und schützt uns alle, auch vor global agierenden Internetkonzernen, deren Geschäftsmodell die Entrechtung von Künstlern und Autoren in Kauf nimmt. Die alltägliche Präsenz und der Nutzen des Internets in unserem Leben können keinen Diebstahl rechtfertigen und sind keine Entschuldigung für Gier oder Geiz.

Die Erstunterzeichner

Daniel Kehlmann, Felicitas Hoppe, Roger Willemsen, Michael Lentz, Charlotte Roche, Arnold Stadler, Marion Brasch, Florian Illies, Moritz Rinke, Henning Ahrens, Mirko Bonne, Sven Regener, Mario Adorf, Andreas Steinhöfel, Thomas Glavinic, Ines Geipel, Matthias Politycki, Ralf Bönt, Christoph Peters, Martin Pollack, Peter Stamm, Ulrich Peltzer, Kurt Drawert, Michael Kumpfmüller, Eva Menasse, Thomas Hettche, Benjamin Lebert, Thommie Bayer, Jakob Hein, Niki Stein, Lutz Seiler, Thomas Brussig, Katharina Hagena, Ulrike Draesner, Christoph Ransmayr, Raoul Schrott, Jan Faktor, Peter Wawerzinek, Jürgen Flimm, Necla Kelek, Peter von Matt, Annette Pehnt, Hans Christoph Buch, Julia Franck, Elke Heidenreich, Bernd Schroeder, Bastian Bielendorfer, Angelika Klüssendorf, Michael Mittermeier, Kathrin Schmidt, Jens Sparschuh, Gerd Koenen, Harriet Köhler, Hanns Zischler, Julia Friedrichs, Moritz Netenjakob, Jenny Erpenbeck, Keto von Waberer, Uwe Tellkamp, Helmut Dietl, Natja Brunckhorst, Martin Walser, Charlotte Link, Christoph Hein, Anna Mitgutsch, Volker Klüpfel, Michael Kobr, Terézia Mora, Günter Wallraff, Karen Duve, Karl-Heinz Ott, Axel Hacke, Christoph Niemann, Norbert Bisky, Till Lindemann, Vivian Naefe, Sibylle Lewitscharoff, Michael Krüger, Anna Katharina Hahn, Angelika Overath, Frank Schätzing, Maike Maja Nowak, Björn Kuhligk, Thomas Lehr, Rabea Edel, Peter Probst, Thea Dorn, Irina Liebmann, Navid Kermani, Iny & Elmar Lorentz, Peter Prange, Manuel Andrack, Alice Schwarzer, Joseph von Westphalen, Andrea Maria Schenkel, Hans Christoph Buch, Ron Markus, Feridun Zaimoglu, Peter Merseburger, Uwe Timm

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Kommentare

220 Kommentare Seite 1 von 34 Kommentieren

es geht nicht um dieses "entweder - oder"

Als ob es um so eine "Entweder - Oder" Alternative ginge. Oder als ob dieses Thron Spektakel wirklich bevorstünde. Darum geht es aber nicht. Niemandem und gerade Kreativen nicht, die sich, um Neues zu erschaffen in der Regel viel eher in Bereichen bewegen in denen weniger normative Kontrolle ästhetischer, politischer und gesellschaftlicher Wirklichkeit zur Wahrnehmung und zum Alltagsempfinden gehört.
Wenn jemand klauen will, so wird er sich auch in Zukunft online bedienen können, auch wenn das eingeschränkt wird durch die Maßnahmnen die sich aus dem hoffentlich erwachenden Bewusstsein für dieses Problem ergeben.
Das "entweder - oder" welches so viele Kommentatoren zu einem like it Klick animiert hat ist nicht der Punkt, um den es sich dreht. Es geht darum wie man das, was hier stattfindet bewertet. Es geht um Ethik und darum, dass die Leute, die sich bereits seit langer Zeit bedienen nichts weiter tun, als ihre Klauerei ideologisch zu rechtfertigen. Indem sie vorgeben, ein politisches Progrmm anzubieten, welches Gerechtigkeit auch und gerade für die Bestohlenen beinhaltet. Diese ideologische Verblendung, die man der mangelnden Reflexion, der Jugend und dem Unvermögen, sich in die Situation der Kreativen hineinversetzen zu können zuschreiben kann, gilt es als allererstes zu beenden.
Viel Hoffnung habe ich nicht. Gewinner sind die, deren Macht und Reichtum sich schon in den letzten Jahren durch die gängige Praxis vermehrt hat. Verlierer sind unzählige kleine Künstler Fische.

Naivität auf beiden Seiten

Nicht die Künstler selbst, aber deren vermeintliche Interessenvertretungen fordern tiefgreifende Eingriffe in die Infrastruktur des Netzes, die einem etwaigen Missbrauch Tür und Tor öffnen oder gar einer staatlichen Zensur gleichkommen. In Anbetracht der ständig zunehmenden Bedeutung des Netzes und dessen Eindringen tief in Alltag und Privatleben der Menschen (mutmaßlich auch der Kunstschaffenden) gilt es die Freiheit des Internets zu verteidigen.

Sorry, aber man hat gelegentlich den Eindruck, das Denken hört nicht nur bei den Filesharern, sondern auch bei den Künstlern da auf, wo die Dicke des eigenen Portemonnaies ins Blickfeld gerät.

@2: Das ist völlig unerheblich

und hat mit dem Urheberrecht nichts zu tun, entlarvt aber Ihre Haltung zu diesem Thema.
Zum Artikel:
Endlich hat mal jemand geschrieben, dass die "Verwerter" im Auftrag der Künstler/Urheber tätig sind. Nicht jeder Künstler will/kann sich mit Vermarktung und Finanzen beschäftigen (Künstler halt).
Man würde ja auch nicht auf die Idee kommen, keine Miete zahlen zu müssen weil der Hauseigentümer eine Hausverwaltung beauftragt hat.
Und nein, ich bin weder Urheber noch in dieser Branche tätig...

Ich bin auch gegen Abzocke, was

mich jedoch stört, ist, dass den Urhebern (in den meisten Beiträgen) das Recht, mit ihrem Werk Geld zu verdienen (von mir aus auch insgesamt viel), abgesprochen wird mit der Begründung, dass die "Verwerter" (wer immer das auch ist) "zuviel" daran verdienen. Das mag ja durchaus so sein, aber trotzdem hat der Urheber das Recht auf Vergütung.
Der Vergleich mit der Miete (Vermieter und Hausverwaltung) sollte nur verdeutlichen, dass es sich bei den "Verwertern" nur um eine Zwischeninstanz handelt, die für die Diskussion um das Urheberrecht keine Relevanz hat.

Die Vergleiche werden ja immer besser...

Wahrscheinlich ist es nach ihrem Modell dann auch völlig in Ordnung, wenn die Hausverwaltung den potentiellen Mietern die Abmahnhaie an den Hals schickt, weil sie sich einfach irgendwoanders eigene Wohnungen bauen, die halt genauso aussehen wie die besagten...
Was muss denn nach Kauders peinlichem Fahrrad-fauxpas noch alles kommen, damit auch der Letzte versteht, dass eine Idee kein physischer Gegenstand ist?

99 Luftballons

Ihre Replik auf #2 (Diplo) geht fehl. Die Diskussuion geht nicht darum, ob Leute, weil sie nicht zum üblichen Canapé-und-Prosecco-Vernisage-Publikum gehören, deshalb (wie ich im übrigen auch) allenfalls von einem Viertel der Unterzeichner wenigstens schon mal den Namen gehört haben und folglich möglicherweise nicht würdig sind, zu Artikeln im ZO-Feuilleton Kommentare zu schreiben.

Die zu Beantwortende Frage lautet, wer von denen (Walser und Dietl vielleicht ausgenommen) hat jemals nachgeweisermaßen durch Internetdiebstahl seines geistigen Eigentums Schaden genommen? Ich melde hier auch berechtigte Zweifel an.

Nota Bene:

Kopieren scheint denen im Übrigen nur dann verwerflich, wenn's andere tun: Wenn die schöne runde Zahl 100 nicht erreicht wird, unterschreibt man gerne auch mal doppelt (so z.B. bloß mal kurz überflogen ein gewisser Hans Christoph Buch).

Dahinter steckt wohl schon diese geniale Idee aus der Auseinandersetzung GEMA gegen YouTube, Gebühren nach Click-Zahl zu erheben: Ich lade mein "Kunstwerk" auf YouTube hoch, und lassen dann ein Roboterprogramm 1000mal pro Tag draufklicken (von 3-14 Cent pro Click träumt die GEMA dabei). Wunderbare Geschäftsidee.

Ach was?

"Die zu Beantwortende Frage lautet, wer von denen (Walser und Dietl vielleicht ausgenommen) hat jemals nachgeweisermaßen durch Internetdiebstahl seines geistigen Eigentums Schaden genommen? Ich melde hier auch berechtigte Zweifel an."

Sie dürfen sich also nur über Verbrechen aufregen, bei denen sie selbst Schaden genommen haben? Kurzum und höflich: Nein.

Mal 5 Minuten zum Nachdenken: Wer kauft sich ein urst teures Studio mit richtig viel Technik, lernt jahrelang Instrumente spielen oder so etwas und opfert große Teile seines Lebens, wenn er dann im Endeffekt davon garantiert nicht leben könnte? Ja, es gibt bestimmt 5 Menschen auf der Welt, bei denen das so ist, aber welche Qualität liefern die ab?

Keiner sagt, dass das gegenwärtige Urheberrecht sinnvoll ist, aber die unbedingte Bedingung für eine Lösung ist: Die Künstler und Urheber dieses geistigen Eigentums müssen realistisch davon leben können.

Btw: Wenn sie die Fragen wollen, die wirklich davon betroffen sind, müssen sie die Leute fragen, die gerade versuchen, sich eine Künstlerexistenz aufzubauen, die Newcomer. Das sind nämlich die, die nicht hochkommen können wegen geistigen Diebstahls.

MfG

Baradin

Was zahlen die 1500 Unterzeichner denn an Tim Berners-Lee?

Da haben Sie den Kern Ihre Mißkonzeption sehr schön formuliert:

"Die Künstler und Urheber dieses geistigen Eigentums müssen realistisch davon leben können."

Müssen?

Wo steht das geschrieben?

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Das höchste Bestreben unbekannter Künstler muß darin liegen möglichst bekannt zu werden. Früher mußten sie dazu mirt eigenem Zeitaufwand kostenlose Handzettel produzieren und verteilen. Heute nützen sie das Internet.

Sind sie dann berühmt, dann - so sie z.B. Musiker sind - kommt dann schon zahlendes Publikum in ihre Konzerte. Der wahre Fan will seine Künstler live erleben und der Künstler kann davon - sofern er wirklich gut ist - hervorragend leben. Bei bildenden Künstlern will jeder Sammler Orignale haben und gibt zusätzlich Geld aus, um sich dies von Experten bestätigen zu lassen.

Für keinen Künster aber kann man aus Naturrecht oder göttlichem Recht ableiten, daß er ein geborenes Anrecht auf Zusatzeinkünfte hat, die auf technischen Fortschritten beruhen, zu denen er selbst nicht den geringsten Beitrag geliefert hat. Das wäre sehr nahe am Schmarotzertum.

Wenn sie dann noch dazu daherkommen und von der Gesllschaft forden, sie solle ihnen - unter Einschränkung der Bürgerrechte - kostenfrei jegliche infrastrukturelle Unterstützung bereitstellen, um bei jeder sich bietenden Gelegenheit immer und überall abzukassieren, müssen sie sich nicht wundern, wenn sich da Widerstand formiert.

Ungewissheit

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Das kann man in seiner Plattheit doch nicht ernst nehmen. Gerade in einer Gegenstellungnahme zu etweigen "Entrechtern", die alles für Umme wollen, sollte man doch differenzierter argumentieren als mit "[...]global agierenden Internetkonzernen, deren Geschäftsmodell die Entrechtung von Künstlern und Autoren in Kauf nimmt.".

Bitte, liebe Künstler, argumentiert nicht mit Unwahrheiten und setzt euch mit Angeboten wie genanntem Youtube auseinander, bevor ihr diese des Diebstahls bezichtigt. Und macht euch bewusst, dass in Deutschland unzählige Videos zu "EUREM SCHUTZ" nicht erreichbar sind. Da sollte die Kasse doch klingeln oder?

Passend auch das Titelbild, "Feuchttgebiete" hat sich laut Wikipedia über 1,3 Millionen mal verkauft. Da sehe ich Frau Roche absolut in der Position, sich über Kopien zu beschweren. Ist aber auch ein ganz großes Stück Kultur.