Der ZEIT-AufrufWir sind die Urheber

Mit einem in der Wochenzeitung DIE ZEIT dokumentierten Aufruf gegen den Diebstahl geistigen Eigentums sprechen sich 100 Autoren und Künstler für die Stärkung des Urheberrechts aus. Hier lesen Sie ihre Forderungen.

Die Autorin und Moderatorin Charlotte Roche ist einer der vielen prominenten Unterzeichner.

Die Autorin und Moderatorin Charlotte Roche ist einer der vielen prominenten Unterzeichner.  |  © Angelika Warmuth/dpa

Der Aufruf

Hier lesen Sie, wie es zu der Aktion der Künstler zur Stärkung des Urheberrechts in Zusammenarbeit mit der Wochenzeitung DIE ZEIT kam.

Künstler und Urheberrecht: Eine Serie auf ZEIT ONLINE

Die Debatte über die Reform des Urheberrechts beschäftigt Politiker, Kulturschaffende und Nutzer. Ihr Ausgang wird Auswirkungen auf die Kultur und das freie Internet haben. In der ZEIT-ONLINE-Serie Künstler und Urheberrecht gehen wir gemeinsam mit Gastautoren der Frage nach, wie die Wertschöpfungsketten im Kulturbetrieb funktionieren, wie sie sich durch die digitale Revolution verändert haben und wie eine Reform des Urheberrechts aussehen könnte:

Urheberrecht: Das Ringen um eine Reform

Wie funktioniert der Musikmarkt?

Filesharing: "Urheberrecht darf im Alltag keine Rolle spielen"

Streaming-Portale: Billiger als kaufen, besser als klauen

Mark Splinter: Des Künstlers Waffe gegen Ausbeutung

Conrad Fritzsch: Wir müssen die Spielregeln ändern

Wer hat die Rechte an Filmen?

Miguel E. Riveros Silva: Youtube ist nicht das Internet

Mit Sorge und Unverständnis verfolgen wir als Autoren und Künstler die öffentlichen Angriffe gegen das Urheberrecht. Das Urheberrecht ist eine historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit, und es garantiert die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen.

Der in diesem Zusammenhang behauptete Interessengegensatz zwischen Urhebern und »Verwertern« entwirft ein abwegiges Bild unserer Arbeitsrealität. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft geben Künstler die Vermarktung ihrer Werke in die Hände von Verlagen, Galerien, Produzenten oder Verwertungsgesellschaften, wenn diese ihre Interessen bestmöglich vertreten und verteidigen. Die neuen Realitäten der Digitalisierung und des Internets sind kein Grund, den profanen Diebstahl geistigen Eigentums zu rechtfertigen oder gar seine Legalisierung zu fordern. Im Gegenteil: Es gilt, den Schutz des Urheberrechts zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen.

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Das Urheberrecht ermöglicht, dass wir Künstler und Autoren von unserer Arbeit leben können, und schützt uns alle, auch vor global agierenden Internetkonzernen, deren Geschäftsmodell die Entrechtung von Künstlern und Autoren in Kauf nimmt. Die alltägliche Präsenz und der Nutzen des Internets in unserem Leben können keinen Diebstahl rechtfertigen und sind keine Entschuldigung für Gier oder Geiz.

Die Erstunterzeichner

Daniel Kehlmann, Felicitas Hoppe, Roger Willemsen, Michael Lentz, Charlotte Roche, Arnold Stadler, Marion Brasch, Florian Illies, Moritz Rinke, Henning Ahrens, Mirko Bonne, Sven Regener, Mario Adorf, Andreas Steinhöfel, Thomas Glavinic, Ines Geipel, Matthias Politycki, Ralf Bönt, Christoph Peters, Martin Pollack, Peter Stamm, Ulrich Peltzer, Kurt Drawert, Michael Kumpfmüller, Eva Menasse, Thomas Hettche, Benjamin Lebert, Thommie Bayer, Jakob Hein, Niki Stein, Lutz Seiler, Thomas Brussig, Katharina Hagena, Ulrike Draesner, Christoph Ransmayr, Raoul Schrott, Jan Faktor, Peter Wawerzinek, Jürgen Flimm, Necla Kelek, Peter von Matt, Annette Pehnt, Hans Christoph Buch, Julia Franck, Elke Heidenreich, Bernd Schroeder, Bastian Bielendorfer, Angelika Klüssendorf, Michael Mittermeier, Kathrin Schmidt, Jens Sparschuh, Gerd Koenen, Harriet Köhler, Hanns Zischler, Julia Friedrichs, Moritz Netenjakob, Jenny Erpenbeck, Keto von Waberer, Uwe Tellkamp, Helmut Dietl, Natja Brunckhorst, Martin Walser, Charlotte Link, Christoph Hein, Anna Mitgutsch, Volker Klüpfel, Michael Kobr, Terézia Mora, Günter Wallraff, Karen Duve, Karl-Heinz Ott, Axel Hacke, Christoph Niemann, Norbert Bisky, Till Lindemann, Vivian Naefe, Sibylle Lewitscharoff, Michael Krüger, Anna Katharina Hahn, Angelika Overath, Frank Schätzing, Maike Maja Nowak, Björn Kuhligk, Thomas Lehr, Rabea Edel, Peter Probst, Thea Dorn, Irina Liebmann, Navid Kermani, Iny & Elmar Lorentz, Peter Prange, Manuel Andrack, Alice Schwarzer, Joseph von Westphalen, Andrea Maria Schenkel, Hans Christoph Buch, Ron Markus, Feridun Zaimoglu, Peter Merseburger, Uwe Timm

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Leserkommentare
  1. aber nach dem Tod fällt das selbst dem begabtesten Künstler schwer und 70 Jahre nach dem Tod könnte das höchstens für die Reinkarnation gelten.

    Antwort auf "Geiz und Gier"
    • Adur
    • 10. Mai 2012 16:51 Uhr

    Mich wundert es schon, dass einige Kommentatoren hier meinen, sie könnten darüber entscheiden, wieviel ein Autor verdienen darf oder nicht. Vielleicht ist das aber auch nur der Versuch, die immer noch illegalen Downloads moralisch irgendwie gerade zu biegen.
    Ich persönlich bin gegen Abmahnwellen, wo Anwälte irgendwelche Leute mit Musterschreiben abziehen. Aber ich bin ganz eindeutig auch dagegen, dass jeder einfach selbst entscheidet, was er sich kostenlos irgendwo besorgt. Und ob der Autor dann vorher schon ein normales Gehalt oder ein paar Millionen verdient hat, das geht mich überhaupt nichts an.

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    aber wenn sie eine Swatch für 10 Euro kaufen, wandern sie auch nicht in den Knast, obwohl sie wissen könnten, dass die falsch ist!

    Wissen sie wer die Piraten auch wählt? Familien die von einer feigen oder auch korrupten Gesetzgebung alleine gelassen wurden.

    Es gibt wohl nur wenige, die Autoren vorschreiben möchten, wieviel sie verdienen dürfen. Allerdings verstehe ich auch jene, die sich nicht als Gelddruckmaschine mißbrauchen lassen wollen. Und defacto wird das Urheberrecht dazu mißbraucht, um die eigene Tatenlosigkeit zu begründen marktfähige Konzepte zu entwickeln.

    Auch sind die Autoren (Musiker, Künstler und andere) die einzigen in dieser Gesellschaft, die dem Endkunden vorschreiben möchten, was sie nach dem Kauf des Produktes mit diesem anstellen dürfen und was nicht. Verdeutlicht nochmals am Beispiel des Milchbauerns. Niemand schreibt ihm vor, wieviel er verdienen darf. Wie hoch sein Einkommen ist hängt davon ab, welchen Endpreis er am Markt über seinen Abnehmer erzielen kann. Im nachinhein noch Geld vom Endverbraucher zu verlangen ist aberwitzig. Aber genau das tut das Urheberrecht mit seinen Lizenzen eingetrieben durch die GEMA. Es kann nicht sein, das Künstler wieder und wieder und wieder für ein und das gleiche Endprodukt finanziell entlohnt werden. Der einfache Konsument hat nicht die gleichen Vorraussetzungen bei Bewältigung seiner Arbeit. Sind Künstler eine Gesellschaftgruppe der ersten Kathegorie und stehen mit ihrem Erzeugnis über Andere?

    • zeie
    • 11. Mai 2012 1:16 Uhr

    Wieso sollte ich, die ich diejenige bin, die Autoren über vielfälltige Kanäle bezahle, ihnen nicht "vorschreiben" dürfen, was sie verdienen dürfen?

    Das der Gehaltszahler bestimmt, wie hoch das Gehaltsempfängers sein soll, ist in jeder Branche ein ganz normaler Vorgang.
    Es melde sich hier bitte der, der nicht Künstler, sondern eben ein ganz normaler Arbeitnehmer ist, wo der Arbeitgeber nicht schon vor dem Einstellungsgespräch sein Gehalt festgelegt hat. OK - manchmal ist das nicht der Fall. Dann wird das Gehalt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausgehandelt. Aber es ist eigentlich nie der Fall, dass der Lohn-Empfänger (=Arbeitnehmer) seinen Lohn alleine festlegt und der Lohn-Geber (=Arbeitgeber) ihn entweder nur komplett ablehnen kann oder bitte den kompletten vom Arbeitnehmer vorgeschlagenen Lohn zu bezahlen hat.

    • rvn
    • 10. Mai 2012 16:51 Uhr

    Man sollte sich als denkender erwachsener Mensch einfach mal selbst fragen, wie man das handhaben soll. Da hat jemand z.B. eine Software geschrieben, die man gerne haben möchte, weil sie einfach GUT ist. Dann sollte man sie auch einfach kaufen.

    So einfach ist das. Die Tatsache, dass man fast alles cracken kann heisst nicht, dass man seiner Faulheit, Geiz, Gier oder seinem Spieltrieb nachgeben sollte.

  2. dieses Aufrufs erstaunt mich am meisten. Man kann zum Urheberrecht stehen, wie man will, aber ohne jeden Zweifel wird sich durch das Internet Einiges ändern im Verhältniss von Kreativen, Verwertungsindustrie und Kunden. Doch anstatt daran, an die Wirklichkeit, auch nur einen einzigen Gedanken zu verschwenden, fordert man, dass alles für alle Zeiten so bleiben soll, wie es immer war.
    Da fällt mir nur noch Gorbi ein: Wer zu spät kommt....

  3. Verantwortlich für den Brief ist offenbar Matthias Landwehr, ein Literaturagent, der sich hier geschickt hinter den "Urhebern" versteckt, die nichts weiter tun mussten, als ihren Namen dafür herzugeben. Wenn man schon schreit "Wir sind die Urheber!", dann sollte man vielleicht auch einfach mal eine wirkliche eigene Initiative starten.

    Und auch der Herr Landwehr sollte, wenn er was zu sagen hat, das doch bitte in seinem eigenen Namen tun.

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    • cvnde
    • 10. Mai 2012 20:26 Uhr

    Haben sie eine Quelle?

  4. mich jedoch stört, ist, dass den Urhebern (in den meisten Beiträgen) das Recht, mit ihrem Werk Geld zu verdienen (von mir aus auch insgesamt viel), abgesprochen wird mit der Begründung, dass die "Verwerter" (wer immer das auch ist) "zuviel" daran verdienen. Das mag ja durchaus so sein, aber trotzdem hat der Urheber das Recht auf Vergütung.
    Der Vergleich mit der Miete (Vermieter und Hausverwaltung) sollte nur verdeutlichen, dass es sich bei den "Verwertern" nur um eine Zwischeninstanz handelt, die für die Diskussion um das Urheberrecht keine Relevanz hat.

  5. aber wenn sie eine Swatch für 10 Euro kaufen, wandern sie auch nicht in den Knast, obwohl sie wissen könnten, dass die falsch ist!

    Wissen sie wer die Piraten auch wählt? Familien die von einer feigen oder auch korrupten Gesetzgebung alleine gelassen wurden.

    Antwort auf "Merkwürdig"
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    die Uhr könnte beschlagnahmt werden und es könnte für Sie unangenehm werden (Unterstützung von Hehlerei usw.)

    passiert überhaupt nichts noch nicht einmal eine Beschlagnahme - was sie meinen ist Diebstahl und genau um das handelt es sich beim Kopieren von Daten eben nicht.

    Falls sie da noch Verständnisprobleme haben, bitte ich sie sich auf wiki schlau zu machen - sonst reden wir hier aneinander vorbei.

    Noch mal kopieren ist kein Diebstahl! Das ist die Rechtsauffassung aller - zumindest der Juristen!

    • hairy
    • 10. Mai 2012 16:58 Uhr

    ist gewiss keine bestmögliche Vertretung der Urheberinteressen durch die Vermarkter und Verwerter. Die Unterzeichner sollten diese ihre Arbeitsrealität nicht als "gegeben" hinnehmen.

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    während des Schaffensprozesses von den "bösen Verwertern" einen erklecklichen Vorschuss erhalten oder die Produktionskosten etragen werden etc. Und das wird dann eben verrechnet. Ob das gerecht ist oder nicht kann doch aber bei Urheberrechtsfragen keine Rolle spielen.

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