Pfand»Die Tour wird eine Gaudi«
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Flaschensammeln, eine Wissenschaft für sich

Seine Arbeitskleidung besteht aus ein Paar Bundeswehrhosen, 14 Jahre alten Turnschuhen, schwarzen Feinrippshirts, Baskenmützen und dicken Wollpullovern: »Alles, was schmuddelig werden kann und leicht waschbar ist.«

Die erste Schicht beginnt für den Pfandsammler gegen fünf Uhr früh. Etwa drei Stunden lang sammelt er Dosen. »Die Leute lassen einfach alles liegen oder werfen es unterwegs weg, auf den Wegen zum Festivalgelände und vor den Zelten findet man das meiste Zeug.«

Danach ruht sich Lüning aus oder genießt die Musik. Gegen 17 Uhr beginnt die zweite Schicht, bei der er noch einmal etwa drei Stunden sammelt. Seine persönliche Vorliebe ist Reggae, doch Reggae-Festivals seien unattraktiv für Dosenpfandsammler: »Da bestimmt noch die gute alte Bierflasche die Trinkkultur, und die bringt nur acht Cent«, sagt Lüning. Für eine leere Bierdose hingegen gibt es 25 Cent.

Der Pfandsammler hat herausgefunden, dass dreimal so viele Dosen in einen Müllsack passen, wenn sie zerdrückt sind. Also hat er seine eigene Methode entwickelt: »Vorwärtsgang, Rückwärtsgang.« Dabei legt Lüning die Dosen so auf die Seite, dass das Logo der Deutschen Pfandgesellschaft von oben zu sehen ist, und fährt mit seinem Wohnmobil über die Dosen, bis sie platt sind. Das Logo verpflichtet den Inhaber eines Supermarktes oder einer Tankstelle, das Pfandgut anzunehmen, egal wie beschädigt die Dosen sind, sofern er das Getränk im Sortiment hat.

Eine ehrbare Arbeit

Die platt gewalzten Dosen schafft Eduard Lüning zu den Tankstellen und Supermärkten der umliegenden Orte. Nicht immer macht er den Ladenbesitzern eine Freude, wenn er vorfährt und einen Sack nach dem anderen auslädt, vollgepackt mit seiner Beute. Martin Nientied zum Beispiel, Filialleiter eines Rewe-Supermarktes in Münster, erinnert sich noch an seine erste Begegnung mit dem Dosenpfandprofi vor zwei Jahren. Erst wollte er die Müllsäcke gar nicht annehmen, doch Lüning habe ihm die Pfandverordnung vor die Nase gehalten. »Das war schon ein Schauspiel, zumal wir den siffigen, müffelnden, schmierigen Inhalt per Hand zählen mussten. Eine ziemlich eklige Angelegenheit«, sagt Nientied. Aber eine lukrative. In den Müllbeuteln steckten damals genau 4.479 Dosen, weiß Lüning noch heute. Das macht exakt 1.197,75 Euro Pfand.

Inzwischen geht Lüning behutsamer zu Werke. »Ich habe gelernt, dass man den Ladeninhabern nicht immer gleich mit der Pfandverordnung kommen muss.« Mit einigen habe er vereinbart, nicht öfter als zwei- oder dreimal im Jahr vorbeizuschauen. »Es ist schön, dann mit den Menschen vor dem Leergutautomaten oder den Geschäftsleitungen ins Gespräch zu kommen«, sagt Lüning.

Er fragt sich, warum nicht mehr Menschen unter die Pfandsammler gehen. »Der Kuchen ist doch groß genug und reicht bestimmt für 1.000 Kandidaten«, sagt er. Das Pfandsammeln sei eine lohnende und ehrbare Arbeit: »Man tut niemandem weh und der Umwelt gut.«

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leserkommentare
  1. Und dazu noch das bedingungslose Grundeinkommen und Herrn Lüning gehts noch besser. Auch in Krisenzeiten!

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    • rws
    • 22.05.2012 um 18:16 Uhr

    Ich dachte, die Idee beim BEK sei, dass entsprechend das Arbeitseinkommen abgesenkt wird. D.h. da bleibt nicht viel, die Tätigkeit ist ja steuerpflichtig (sonstigea Einkommen). D.h. das Dosenpfandsammeln müsste konsequenterweise analog zu Einkommen aus Kapital behandelt werden .... Alternativ bliebe die Analogie zur Landwirtschaft. Aber auch ein Bauer wird das BEK nicht on-top bekommen.

    • rws
    • 22.05.2012 um 18:16 Uhr

    Ich dachte, die Idee beim BEK sei, dass entsprechend das Arbeitseinkommen abgesenkt wird. D.h. da bleibt nicht viel, die Tätigkeit ist ja steuerpflichtig (sonstigea Einkommen). D.h. das Dosenpfandsammeln müsste konsequenterweise analog zu Einkommen aus Kapital behandelt werden .... Alternativ bliebe die Analogie zur Landwirtschaft. Aber auch ein Bauer wird das BEK nicht on-top bekommen.

  2. sie verbeißen regelrecht die lokalen Jugendlichen, die sich ein paar Euro mit Sammeln verdienen wollen und haben zum Teil heftige Methoden, ihrer Unternehmung Raum zu verschaffen.

    Ich fand das bei den Festivals der letzen Jahre bedrückend, zu sehen, was sich da zum Teil abspielte.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

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    bei Bankern und ähnlichen habe ich schon schlimmeres als diese Bezeichnung gelesen.

    Und wer sich ab und an auf Festivals rumtreibt, hätte mir vermutlich sogar zugestimmt.

    bei Bankern und ähnlichen habe ich schon schlimmeres als diese Bezeichnung gelesen.

    Und wer sich ab und an auf Festivals rumtreibt, hätte mir vermutlich sogar zugestimmt.

  3. Es fehlen die bei Berufsvorstellungen üblichen Angaben über Ausbildung, Gehaltserwartungen etc. am Ende des Artikels.

    ;-)

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  4. bei Bankern und ähnlichen habe ich schon schlimmeres als diese Bezeichnung gelesen.

    Und wer sich ab und an auf Festivals rumtreibt, hätte mir vermutlich sogar zugestimmt.

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  5. hat der Mann! Er hat eine "Marktlücke" gefunden, die ihm ein Dach über dem Kopf und die Butter aufs Brot zahlt, hat die Initiative ergriffen, hat investiert und ist ein Risiko eingegangen, hat also alles, was ein Unternehmer haben muss. Mehr davon!

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  6. und jede Dose die nicht in unserer Landschaft herumfliegt ist eine "Gute Dose".

    Das er dafür noch Steuern zahlt ist schon ziemlich erbärmlich, allerdings eine gute Geschäfts Idee. Zumindest ehrlicher als die Gemeinden die mit 1 € Jobbern ihre Straßen reinigen Gebühren kassieren und Stellen der Straßenreinigung abbauen.

    Ich wünsche ihm noch viele Dosen und Pfandflaschen..

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  7. ich habe wieder was zum meckern gefunden.
    Mir stellt sich die Frage, ob die Dose, die um 05:00 vor dem Zelt liegt nicht vllt. doch von den Zeltinsassen, später aufgesammlt worden wäre.
    Das ich die nicht ausgetrunkene, Dose im Zelt haben will und abends nicht unbeding Lust habe die ordentlich aufzustabeln (interssiert den Dosensammler das überhaupt), sondern das vllt. erst am nächsten Morgen/Vormittag mache.
    05:00 Uhr kommt mir ein wenig so vor, da muß ich nicht groß fragen.

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    Also ich hab die Pfanddosen eigentlich immer in einem separaten Müllsack gesammelt. Da ist bis jetzt nie einer ran gegangen. Sollte sich das ändern, wirds dreist.

    Aber prinzipiell finde ich den Mann und seine Lebensart voll okay. Ich mein hey, der kann am Ende vom Jahr sagen er war auf jedem größeren Festival und ist mit genug Plus raus gekommen um den Rest vom Jahr davon leben zu können! Wer kann das schon von sich behaupten?

    Also ich hab die Pfanddosen eigentlich immer in einem separaten Müllsack gesammelt. Da ist bis jetzt nie einer ran gegangen. Sollte sich das ändern, wirds dreist.

    Aber prinzipiell finde ich den Mann und seine Lebensart voll okay. Ich mein hey, der kann am Ende vom Jahr sagen er war auf jedem größeren Festival und ist mit genug Plus raus gekommen um den Rest vom Jahr davon leben zu können! Wer kann das schon von sich behaupten?

  8. Also ich hab die Pfanddosen eigentlich immer in einem separaten Müllsack gesammelt. Da ist bis jetzt nie einer ran gegangen. Sollte sich das ändern, wirds dreist.

    Aber prinzipiell finde ich den Mann und seine Lebensart voll okay. Ich mein hey, der kann am Ende vom Jahr sagen er war auf jedem größeren Festival und ist mit genug Plus raus gekommen um den Rest vom Jahr davon leben zu können! Wer kann das schon von sich behaupten?

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    Antwort auf "Meckerfritz"

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