Bologna-ReformIch bin dann mal da

An vielen Unis wird die Anwesenheit der Studenten kontrolliert: Wie sinnvoll ist das?

Das Gerät ähnelt dem Scanner einer Ladenkasse. Handgroß, schwarz-gelb, auf Knopfdruck verschickt es einen Laserstrahl und scannt den Barcode auf der Plastikkarte des Studenten. Es tutet, und der Student ist im Computersystem der Uni als anwesend erfasst. »Das ist ganz normal, wenn man es nicht anders kennt«, sagt Matthew Reuter, Medizinstudent im vierten Semester an der Universität Münster. »Ob ich nun auf einer Liste unterschreibe oder meine Karte scannen lasse, irgendwie muss die Präsenz von Studenten ja festgestellt werden.« Aber: Muss sie das wirklich?

Seit Jahren gibt es Streit um diese Frage. Die Anwesenheitspflicht war ein heftig diskutiertes Thema bei der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge und den Studentenprotesten 2009. Als der Arbeitsaufwand für die verschiedenen Studiengänge bestimmt wurde, vergaben die Hochschulen Leistungspunkte für die Lernzeit, und dazu gehörte auch die Zeit, die Studenten im Unterricht verbringen. Infolgedessen hielten es immer mehr Dozenten für nötig, die Anwesenheit in ihren Kursen auch zu kontrollieren. Zu oft gefehlt hieß vielerorts: nicht bestanden oder nicht zur Prüfung zugelassen.

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Wäre es bei solchen Regeln geblieben, die Scanner aus Münster hätten möglicherweise auch in anderen Massenfächern dankbare Abnehmer gefunden. Doch die Studenten wehren sich bis heute gegen eine Präsenzpflicht, und auch viele Dozenten halten eine Kontrolle für überflüssig – lässt sich Geistesgegenwart doch ohnehin nicht erzwingen.

»Jeder kann selber am besten entscheiden, ob er zu einer Vorlesung gehen muss, den Stoff lieber alleine oder in einer Lerngruppe durchnimmt«, sagt Franziska Traube, Biochemiestudentin an der TU München und Sprecherin der bayerischen Landesstudierendenvertretung. »Alles andere ist eine Bevormundung und eine Einschränkung der Flexibilität.« Studieren mit Kind, Nebenjob oder kranken Angehörigen oder auch ein Doppelstudium, so die Gegner, werde durch übertriebene Anwesenheitspflichten unmöglich gemacht.

Die Sache schien endgültig im Sinne von Franziska Traube und ihren Mitstreitern erledigt zu sein, als im Angesicht der Bildungsstreiks immer mehr Hochschulleitungen und die Politik den Studenten beipflichteten. So kritisierte die Kultusministerkonferenz im Oktober 2009 die »zu hohe Anwesenheitspflicht«. An der TU Dresden stellte das Rektorat kurz darauf klar, dass eine Anwesenheitspflicht ausschließlich in den Lehrveranstaltungen zulässig sei, in denen sich die Studenten aktiv beteiligen, etwa bei Laborpraktika oder Exkursionen. Ansonsten verstoße sie gegen das Recht der Studierfreiheit. Auch Margret Wintermantel, bis vor Kurzem Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, ist der Meinung, dass eine generelle Präsenzpflicht »nicht sinnvoll« sei, »weil sie den Studierenden die Verantwortung dafür nimmt, wie sie ihr Studium gestalten«.

Doch nun, nur zweieinhalb Jahre nach den Bildungsstreiks, werden Stimmen laut, die trotz allem eine Anwesenheitspflicht fordern. Eines der genannten Argumente ist die Planbarkeit. Ohne Präsenzpflicht sei es kaum möglich, passende Räume zu vergeben, weil die Teilnehmerzahlen so stark schwankten, sagt Axel Polleti, Geschäftsführer des Sprachenzentrums an der Uni Passau. Ein anderes Argument ist die Leistung. »Der Notendurchschnitt sinkt«, sagt Polleti. »Die Zahl derer, die indiskutable Arbeiten abgeben, hat extrem zugenommen, seit die Studenten nicht mehr anwesend sein müssen.« Vor allem die Englischdozenten würden über einen erhöhten Korrekturaufwand klagen.

Muss man Studenten wie Schulkinder zum Lernen zwingen?

Das Grundproblem bei der Diskussion: Es gibt keine Untersuchungen dazu, ob es sich mit oder ohne Präsenzpflicht besser lernt. Stattdessen verweisen selbst Hochschulforscher auf ihre persönliche Erfahrung im Seminarraum. Klaus Wannemacher vom Hochschul-Informations-System (HIS) hat den Eindruck, dass »zu starke Freiräume möglicherweise ausgenutzt werden«.

Leserkommentare
  1. ... gegenüber der Schule ist definitiv die Freiheit, denen man den jungen Erwachsenen ermöglicht. Es ist eben nicht so, dass die Universität wie die Schule 'Babysitter' spielen muss und die Studenten zur Anwesenheit zwingt.
    Ab wann soll die Eigenverantwortung anfangen? Im Berufsleben erst? In dem sehr wohl eigenständiges und verantwortliches Handeln gefragt wird. Und woher soll die dafür notwendige Erfahrung kommen, wenn man sein Leben lang zu seinem eigenen 'Glück' gezwungen wird?

    Abgesehen davon werden verschiedene Lerntypen zugunsten auditiver Lerner vollständig ignoriert. Ich persönlich bin ein miserabler Zuhörer und lerne nur gut im stillen Kämmerchen - trotzdem mit guten Leistungen. Mich ärgert es gezwungen zu werden, bestimmte Vorlesungen zu besuchen, da sie für mich eine reine Zeitverschwendung darstellen. Und gemessen am Zeit-/Lern-Aufwand kaum an Unnutzen zu überbieten sind.

    Daher sollte man die Pädagogik schön im Dorf lassen und junge Erwachsene in ihrem Weg zum Erwachsenwerden bestärken - durch mehr Eigenverantwortlichkeit und Freiheiten.

    26 Leserempfehlungen
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    ...die Anwesenheit messen und als Gradmesser für die Qualität der Lehrveranstaltung nutzen. Nur um mal einen anderen Blickwinkel in die Diskussion zu bringen.

    Also nicht den Studenten gängeln, sondern die verantwortliche Lehrkraft. Wenn eine überwiegende Mehrzahl der Studenten zu Hause lernt, darf man sich die Frage stellen, was Vorlesungen noch für einen Sinn machen, sie werden zu reiner Folklore (sind sie imho längst, die anachronistischste und untauglichste Lehrmethode die ich kenne)

    Ich habe Vorlesungen erlebt die nutzlos, totlangweilig, teilweise veraltet waren und oft nichts mit der Prüfung zu tun hatten, die dann entsprechend am Semesterende als Schicksalschlag über einen hereinbricht. In solchen Vorlesungen saß man dann idR nur, um sich zu vergewissern, dass man nichts wichtiges verpasst, während man nebenher Aufgaben löste oder versuchte ein Buch durchzuarbeiten.

    Es gibt ganz unterschiedliche Lerntypen; nach dem Abi ist sicherlich so gut wie jeder so weit, für dich herauszufinden, wie er/sie am besten lernt. Ich selbst gehe so gut wie nie zu Vorlesungen und habe stets sehr gute Noten. Ich kann gut zu Hause oder in der Bibliothek lernen, in meinem Tempo, mit der Aufmerksamkeit für meine Fragen. Wenn ich mal eine Vorlesung gibt, kann ich gute 5-10 Minuten zuhören, außer sie wird spannend aufbereitet, was leider selten der Fall ist. Am Schluss kann ich mich an so gut wie nichts erinnern. Ich kenne aber Leute, die sehr davon profitieren, Veranstaltungen zu besuchen. Die gehen aber auch hin und brauchen keine Anwesenheitspflicht.
    Ich bin froh, dass es an meiner Uni in meinem Fach keine Anwesenheitspflicht gibt. Sie würde mir nur Zeit stehlen, die ich für sinnvolles Lernen brauche.

    ...die Anwesenheit messen und als Gradmesser für die Qualität der Lehrveranstaltung nutzen. Nur um mal einen anderen Blickwinkel in die Diskussion zu bringen.

    Also nicht den Studenten gängeln, sondern die verantwortliche Lehrkraft. Wenn eine überwiegende Mehrzahl der Studenten zu Hause lernt, darf man sich die Frage stellen, was Vorlesungen noch für einen Sinn machen, sie werden zu reiner Folklore (sind sie imho längst, die anachronistischste und untauglichste Lehrmethode die ich kenne)

    Ich habe Vorlesungen erlebt die nutzlos, totlangweilig, teilweise veraltet waren und oft nichts mit der Prüfung zu tun hatten, die dann entsprechend am Semesterende als Schicksalschlag über einen hereinbricht. In solchen Vorlesungen saß man dann idR nur, um sich zu vergewissern, dass man nichts wichtiges verpasst, während man nebenher Aufgaben löste oder versuchte ein Buch durchzuarbeiten.

    Es gibt ganz unterschiedliche Lerntypen; nach dem Abi ist sicherlich so gut wie jeder so weit, für dich herauszufinden, wie er/sie am besten lernt. Ich selbst gehe so gut wie nie zu Vorlesungen und habe stets sehr gute Noten. Ich kann gut zu Hause oder in der Bibliothek lernen, in meinem Tempo, mit der Aufmerksamkeit für meine Fragen. Wenn ich mal eine Vorlesung gibt, kann ich gute 5-10 Minuten zuhören, außer sie wird spannend aufbereitet, was leider selten der Fall ist. Am Schluss kann ich mich an so gut wie nichts erinnern. Ich kenne aber Leute, die sehr davon profitieren, Veranstaltungen zu besuchen. Die gehen aber auch hin und brauchen keine Anwesenheitspflicht.
    Ich bin froh, dass es an meiner Uni in meinem Fach keine Anwesenheitspflicht gibt. Sie würde mir nur Zeit stehlen, die ich für sinnvolles Lernen brauche.

  2. "Früher" war, soweit ich es überblicke, die Angelegenheit klar:

    - zu Vorlesungen kommt man oder nicht

    - bei seminaristischen Veranstaltungen, in Laboren und bei Exkursionen herrscht Anwesenheitspflicht (unterschiedlich rigide gehandhabt, aber im Grundsatz vorhanden)

    Dies leuchtete auch von der Veranstaltungsstruktur her unmittelbar ein: wo das Veranstaltungskonzept basal auf aktiver Mitarbeit der Studierenden beruht, müssen diese "vor Ort" sein. Wo nicht (also Vorlesung), ist es relativ egal.

    Mir scheint, die Extremisten beider Seiten haben sich im Rahmen der Studienreform in Stellung gebracht: einerseits die radikalen Präsentisten und Kontrollfreaks, andererseits die radikalen (sorry) Faulpelzinnen und Faulpelze.

    Wenn man sich in der Mitte träfe (siehe oben), wäre die Angelegenheit im Sinn des Bewährten geklärt.

    Selbstverständlich vereinbar mit Bologna, dem Grundgesetz etc., auch wenn die Protagonisten beider Extreme mitunter etwas anderes behaupten.

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    Dies hatte auch einen praktischen Vorteil: Wenn man - von der Fachschaft - wusste, bei Professor E. bringt die Vorlesung ohnehin Nichts, da liest man besser das Script von Professor G., das Buch von E. und rechnet die Klausursammlung durch, dann verlor man nicht unnötig Lernzeit...
    Lediglich bei Ptraktikumsversuchen und Seminaren ging es ohne Anwesenheit nicht, da hörte man ja auch nicht einfach zu und schrieb mit, da kam es auf den eigenen Anteil an, nicht nur ob man schnell genug schreiben konnte, um mit W. mitzukommen oder in der Lage war G.s Schrift zu lesen...

    Dies hatte auch einen praktischen Vorteil: Wenn man - von der Fachschaft - wusste, bei Professor E. bringt die Vorlesung ohnehin Nichts, da liest man besser das Script von Professor G., das Buch von E. und rechnet die Klausursammlung durch, dann verlor man nicht unnötig Lernzeit...
    Lediglich bei Ptraktikumsversuchen und Seminaren ging es ohne Anwesenheit nicht, da hörte man ja auch nicht einfach zu und schrieb mit, da kam es auf den eigenen Anteil an, nicht nur ob man schnell genug schreiben konnte, um mit W. mitzukommen oder in der Lage war G.s Schrift zu lesen...

  3. bei uns an der uni bzw im institut waren die bachelor studierenden die einzigen die keine anwesenheitpflicht hatten :D

    generell halte ich von einer anwesenheitspflicht gar nichts. ich lerene zb auch am besten in der bibliothek bzw zu hause im arbeitszimmer. - auch wenn man natürlich prüfungstipps nur im hörsaal mitbekommt.

    Eine Leserempfehlung
  4. Seit ich nicht mehr in jede Vorlesungen gehe, sondern mir den Stoff zuhause selbst aneigne, komme ich viel besser mit. In den ersten Semester kann man anhand der Übungsblätter super überprüfen, ob man auf demselben Stand ist wie die Vorlesung, und danach besucht man ja sowieso die Veranstaltungen, an denen man persönlich interessiert ist (und ist dementsprechend anwesend oder liest sich zumindest die Folien durch).

    Wenn man unbedingt erzwingen möchte, dass die Studenten unter dem Semester mitlernen, dann führt man in den entsprechenden Modulen einfach verpflichtende Übungsscheine ein. Übungsblätter kann jeder Student unabhängig von Überschneidungen und/oder Lerntyp bearbeiten.

    Eine Anwesenheitspflicht schränkt mich nur in der Auswahl der Vorlesungen ein und raubt mir Zeit, die ich viel sinnvoller mit dem Bearbeiten von Übungsblättern oder dem Lesen von passenden Lehrbüchern verbringen könnte. Außerdem ist es unglaublich ermüdend, den ganzen Tag größtenteils langweilig vorgetragene Vorlesungen zu hören, so dass man dann am Ende des Tages häufig keine Lust mehr hat die Vorlesungen nachzuarbeiten, damit sich der Stoff auch tatsächlich einprägt.

    3 Leserempfehlungen
  5. Ich kann nicht von anderen Studiengängen sprechen, aber gerade bei Jura ist es so, dass man in den Vorlesungen zwar viel "nice to have" - Wissen vermittelt bekommt, was einem aber für die Klausuren kaum etwas bringt. Auf die muss ich mich mit Skripten vorbereiten, damit ich da Punkte hole.

    Gerade wenn ich auf eine Klausur täglich mehrere Stunden lernen will, kann ich meine Konzentration nicht in der Vorlesung verschwenden. Ich kann nun mal nicht 10h am Tag konzentriert sein und daher verwende ich da lieber 4h auf Lernen und mache die Vorlesungen blau.

    Hinzu kommt noch, dass eine Vorlesung nur dann etwas bringt, wenn man wirklich 90 Minuten gerne zuhört. Aber das ist ja nur selten der Fall. Entweder vollbringen Profs wissenschaftliche Glanzleistungen, die aber die Studenten nicht verstehen. Oder sie verlieren sich so sehr in Details, dass nicht mal sie selbst noch mitkommen. Oder sie lenken ständig mit Einwürfen vom eigentlichen Thema ab, sodass man abgelenkt wird. Oder aber sie nuscheln so leise in ihren Bart, dass man sie kaum versteht. Oder sie haben eine so öde Art des Redens, dass man nach fünf Minuten schläft.

    Sicher gibt es Professoren, die sehr gut und spannend vortragen können. Aber wenn man mit diesen nicht gesegnet ist, sollte man sich wirklich überlegen, ob sich die Vorlesung lohnt.

    Ich habe zum Glück keine Anwesenheitspflicht und mache davon auch stark Gebrauch und gehöre trotzdem zu den besten 20% meines Jahrgangs.

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    "Ich habe zum Glück keine Anwesenheitspflicht und mache davon auch stark Gebrauch und gehöre trotzdem zu den besten 20% meines Jahrgangs."

    Da sind wir beide vermutlich keine Einzelfälle. Wenn ich mich in den Hörsälen so umschaue, trifft man dort vor allem diejenigen Studenten regelmäßig an, die Angst haben ohne die Vorlesung den Stoff nicht zu verstehen. Übermotivierte gibt es zwar auch, aber die sind meistens in der Unterzahl.

    "Ich habe zum Glück keine Anwesenheitspflicht und mache davon auch stark Gebrauch und gehöre trotzdem zu den besten 20% meines Jahrgangs."

    Da sind wir beide vermutlich keine Einzelfälle. Wenn ich mich in den Hörsälen so umschaue, trifft man dort vor allem diejenigen Studenten regelmäßig an, die Angst haben ohne die Vorlesung den Stoff nicht zu verstehen. Übermotivierte gibt es zwar auch, aber die sind meistens in der Unterzahl.

  6. "Ich habe zum Glück keine Anwesenheitspflicht und mache davon auch stark Gebrauch und gehöre trotzdem zu den besten 20% meines Jahrgangs."

    Da sind wir beide vermutlich keine Einzelfälle. Wenn ich mich in den Hörsälen so umschaue, trifft man dort vor allem diejenigen Studenten regelmäßig an, die Angst haben ohne die Vorlesung den Stoff nicht zu verstehen. Übermotivierte gibt es zwar auch, aber die sind meistens in der Unterzahl.

    Eine Leserempfehlung
  7. Es haben nicht alle Studierenden die Disziplin, die es braucht, um sich den Stoff selbständig anzueignen. Ich kenne das aus meinem ersten Studium: man geht nicht hin, weil man sich sagt, dass man daheim mit Lehrbüchern viel effektiver arbeitet. Ich habe das dann aber nicht in der notwendigen Regelmäßigkeit gemacht, sondern aufgeschoben. Man bekommt sehr schnell große Lücken, wenn man nicht dranbleibt. Und dann sind die Lücken zu groß, die Prüfungen versemmelt und der Studienabbruch da.

    Dass laut einem alten "Zeit"-Artikel die Abbrecherquoten der Fern-Uni Hagen besonders hoch sind, hat sicher auch damit zu tun, dass es viel mehr Disziplin kostet, selbstorganisiert zu studieren und regelmäßig etwas zu tun, als wenn man Veranstaltungen und Lerngruppen besucht.

    Mein Fazit: ein Teil der Studierenden kommt gut ohne Anwesenheitsheitpflicht in den Veranstaltungen zurecht. Ein anderer Teil behauptet das nur. Zu welchem Teil ein Studierender gehört, sieht man dann erst daran, ob er/sie den Abschluss schafft oder nicht.

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    und weil Sie nicht die nötige Disziplin für ein selbständiges Studieren haben, sollen alle Studenten in eine Anwesenheitspflicht gezwängt werden?
    Dass zu einem Studium auch das Lernen von Selbstorganisation und Selbstmotivation gehört, davon haben Sie vermutlich auch noch nichts gehört, hm?

    Wie wäre es in dem Fall mit einer Ausbildung oder einer Lehre?

    >Dass laut einem alten "Zeit"-Artikel die Abbrecherquoten der Fern-Uni Hagen besonders hoch sind, hat sicher auch damit zu tun, dass es viel mehr Disziplin kostet, selbstorganisiert zu studieren und regelmäßig etwas zu tun, als wenn man Veranstaltungen und Lerngruppen besucht.<

    Liegt die hohe Abbrecherquote nicht eher daran, dass Studierende an der Fernuni Hagen, zumeist berufsbegleitend studieren?! Ich denke wenn ich einen Vollzeitjob, womöglich körperlicher Art am Tage nachgehe und dann am Abend noch lerne. Dann sieht das mit der Belastung ganz anders aus. Da kann man hinter seinem Schreibtisch noch so schön schreiben und sagen, die brechen ja alle das Studium ab. Ich für meinen Teil mir war schon ein Nebenjob mehr als genug und ich bewundere diese Menschen, die sich auf ein in ihrer kurz bemessen Freizeit noch ein Teizeitstudium einlassen.

    Ein Dozent sagte mir: "was soll ich mit all den körperlich anwesenden Menschen?" Auch eine Art Qualitätssicherung der Lehre: Wenn eine Veranstaltung wirklich gut ist, kommen die Studenten auch ohne Anwesenheitspflicht zu Hauf.

    Best E.

    • dth
    • 15.05.2012 um 16:13 Uhr

    Eine der wesentlichen Qualifikationen eines Studiums ist ja die Fähigkeit, studieren zu können.
    Das vermittelt man nicht, indem man weiter Schule macht.
    Natürlich bedeutet Freiheit, dass man auch scheitern kann.
    Ich halte es auch für duchaus sinnvoll, gewisse Dinge vorzugeben, um eine Orientierung zu bieten.
    (Etwa einen Studienplan, der empfielt, wann man welche Vorlesungen hört und Prüfung ablegt, sowie einen gewissen Zwang, mit den Prüfungen auch voran zu kommen).
    Außerdem sollte man Studenten erlauben, auch das ein- oder andere zu versemmeln. Man darf das eben nicht als Zeitverlusst sondern als Teil des Ausbildungskonzeptes sehen.

    und weil Sie nicht die nötige Disziplin für ein selbständiges Studieren haben, sollen alle Studenten in eine Anwesenheitspflicht gezwängt werden?
    Dass zu einem Studium auch das Lernen von Selbstorganisation und Selbstmotivation gehört, davon haben Sie vermutlich auch noch nichts gehört, hm?

    Wie wäre es in dem Fall mit einer Ausbildung oder einer Lehre?

    >Dass laut einem alten "Zeit"-Artikel die Abbrecherquoten der Fern-Uni Hagen besonders hoch sind, hat sicher auch damit zu tun, dass es viel mehr Disziplin kostet, selbstorganisiert zu studieren und regelmäßig etwas zu tun, als wenn man Veranstaltungen und Lerngruppen besucht.<

    Liegt die hohe Abbrecherquote nicht eher daran, dass Studierende an der Fernuni Hagen, zumeist berufsbegleitend studieren?! Ich denke wenn ich einen Vollzeitjob, womöglich körperlicher Art am Tage nachgehe und dann am Abend noch lerne. Dann sieht das mit der Belastung ganz anders aus. Da kann man hinter seinem Schreibtisch noch so schön schreiben und sagen, die brechen ja alle das Studium ab. Ich für meinen Teil mir war schon ein Nebenjob mehr als genug und ich bewundere diese Menschen, die sich auf ein in ihrer kurz bemessen Freizeit noch ein Teizeitstudium einlassen.

    Ein Dozent sagte mir: "was soll ich mit all den körperlich anwesenden Menschen?" Auch eine Art Qualitätssicherung der Lehre: Wenn eine Veranstaltung wirklich gut ist, kommen die Studenten auch ohne Anwesenheitspflicht zu Hauf.

    Best E.

    • dth
    • 15.05.2012 um 16:13 Uhr

    Eine der wesentlichen Qualifikationen eines Studiums ist ja die Fähigkeit, studieren zu können.
    Das vermittelt man nicht, indem man weiter Schule macht.
    Natürlich bedeutet Freiheit, dass man auch scheitern kann.
    Ich halte es auch für duchaus sinnvoll, gewisse Dinge vorzugeben, um eine Orientierung zu bieten.
    (Etwa einen Studienplan, der empfielt, wann man welche Vorlesungen hört und Prüfung ablegt, sowie einen gewissen Zwang, mit den Prüfungen auch voran zu kommen).
    Außerdem sollte man Studenten erlauben, auch das ein- oder andere zu versemmeln. Man darf das eben nicht als Zeitverlusst sondern als Teil des Ausbildungskonzeptes sehen.

    • DrNI
    • 15.05.2012 um 13:38 Uhr

    Es war einmal ein Absolvent, der konnte selbstständig arbeiten. Er konnte sich seine Zeit einteilen, so dass seine Aufgaben machbar wurden und er konnte sein Wissen selbst finden und es in die passende Form kneten. Größere Aufgaben konnte er in kleine Teile zerlegen und diese einzeln mit dem gekneteten Wissen verbinden und bearbeiten. Man erkannte ihn an seinem Diplom.

    Klar, viele sind auch daran gescheitert, oben genanntes nicht zu können. Aber eigentlich war das nicht falsch. Der Bachelor-Student macht halt weil man ihm sagt, dass er muss. Sagt ihm keiner, dass er muss, dann macht er auch nix. Dafür darf er dann beim Career Service, oder wie die Einrichtung eben an Eurer Uni heißt, sich den Schlüsselqualifkationskurs "Zeitmanagement" in den Ferien reintüten. Nachdem der Schein abgeholt ist, ist der Inhalt vergessen, also genau der Inhalt, den man früher ein ganzes Studium lang ohne Kurs geübt hatte.

    Daraus resultieren dann Master-Studenten, die ohne Punkt-für-Punkt-Anleitung nichts können und die in Hausarbeiten abschreiben. Als Dozent fragt man sich, wie und warum man denen einen Abschluss geben soll.

    Die innere Einsicht, sich etwas erarbeiten zu müssen, kann eben nicht durch eine von außen kommende Anwesenheitspflicht ersetzt werden.

    12 Leserempfehlungen
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    ...man mag ja vom Bachelor halten was man will, aber die Lobhudelei fürs Diplom ist doch ein bisschen durchsichtig (sicher hast du eins, gelle ?)

    Ich kenne viele Diplomanten die nicht halb so selbstständig denken, wie sie immer behaupten. Und wenn man den Nachwuchs auf Bulemiewissen konditioniert, dann muss man sich nicht wundern, dass die nur noch das machen.

    Es geht schliesslich nur darum, möglichst schnell einen möglichst guten Abschluß zu bekommen. Wenn ich dafür Liegestütze machen muss, mache ich halt Liegestütze. Eine Identifikation mit dem Fach oder Stoff ist doch längst die Ausnahme, auch deshalb weil heute jeder alles können soll. Der Naturwissenschaftler soll nicht nur sein Fach und ein bisschen Mathe beherrschen, sondern auch noch englisch, BWL, Softwareentwicklung und Präsentation und dann wundert man sich, dass alles oberflächlicher wird.

    Abseits der Lehrveranstaltungen sind die jungen Leute dann oft kreative und selbstständige Köpfe, vom Hacker bis zum ehrenamtlich Engagierten. Bildung macht man in D, weil man es für einen einigermaßen fair bezahlten Job braucht, nicht weils Spass macht oder man einen tieferen Sinn darin entdeckt (Geisteswissenschaften ausgenommen).

    Dann sollten Sie doch wissen wie es aussieht.
    Nur mal ein Beispiel: Für die meisten Kurse brauche ich lediglich die BNs, doch ich habe auch einige extrem harte Prüfungen auf die ich mich monatelang vorbereiten muss.

    Wie läuft das dann? Fehlzeiten maximal ausnutzen, Vertiefung kann nicht gehen, da ich a) arbeiten muss, b) lernen muss und c) dafür auch keine Zeit habe. In den Kursen selbst sitze ich lediglich aufgrund der Anwesenheitspflicht und lerne nebenbei für meine relevanten Klausuren.

    Ist das der Sinn?
    Das hat nichts mit Einstellung zu tun...Glauben Sie mir, ich würde jederzeit gerne einmal mich mit den Themen vertiefend beschäftigen. Wenn ich das aber tue leiden entweder meine Noten oder meine Studienzeit darunter.
    Die Folge ist: Ich gehe lediglich obligatorisch zur Universität und dann kommt genau dieses Problem: Ich erscheine kaum bis gar nicht motiviert da ich einfach andere Dinge habe um die ich mich kümmern muss.

    Zusatzkurse? Praktika? Zusatzkurse sind meistens wieder eine Zeitverschwendung bezogen darauf, dass man in der Zeit lernen muss. Praktika? Geht nur über Vitamin B und selbst dann ist es kaum zu schaffen neben 15 Stunden Arbeit und dann noch Klausuren in den Semesterferien.

    Das Problem ist, dass das Konzept vorne und hinten nicht stimmt. Man hat meistens leider den Stoff eines Diploms in den Bachelor gepackt. (Hier: Nicht die Fertigkeiten die man im Master erst lernt!)

    ...man mag ja vom Bachelor halten was man will, aber die Lobhudelei fürs Diplom ist doch ein bisschen durchsichtig (sicher hast du eins, gelle ?)

    Ich kenne viele Diplomanten die nicht halb so selbstständig denken, wie sie immer behaupten. Und wenn man den Nachwuchs auf Bulemiewissen konditioniert, dann muss man sich nicht wundern, dass die nur noch das machen.

    Es geht schliesslich nur darum, möglichst schnell einen möglichst guten Abschluß zu bekommen. Wenn ich dafür Liegestütze machen muss, mache ich halt Liegestütze. Eine Identifikation mit dem Fach oder Stoff ist doch längst die Ausnahme, auch deshalb weil heute jeder alles können soll. Der Naturwissenschaftler soll nicht nur sein Fach und ein bisschen Mathe beherrschen, sondern auch noch englisch, BWL, Softwareentwicklung und Präsentation und dann wundert man sich, dass alles oberflächlicher wird.

    Abseits der Lehrveranstaltungen sind die jungen Leute dann oft kreative und selbstständige Köpfe, vom Hacker bis zum ehrenamtlich Engagierten. Bildung macht man in D, weil man es für einen einigermaßen fair bezahlten Job braucht, nicht weils Spass macht oder man einen tieferen Sinn darin entdeckt (Geisteswissenschaften ausgenommen).

    Dann sollten Sie doch wissen wie es aussieht.
    Nur mal ein Beispiel: Für die meisten Kurse brauche ich lediglich die BNs, doch ich habe auch einige extrem harte Prüfungen auf die ich mich monatelang vorbereiten muss.

    Wie läuft das dann? Fehlzeiten maximal ausnutzen, Vertiefung kann nicht gehen, da ich a) arbeiten muss, b) lernen muss und c) dafür auch keine Zeit habe. In den Kursen selbst sitze ich lediglich aufgrund der Anwesenheitspflicht und lerne nebenbei für meine relevanten Klausuren.

    Ist das der Sinn?
    Das hat nichts mit Einstellung zu tun...Glauben Sie mir, ich würde jederzeit gerne einmal mich mit den Themen vertiefend beschäftigen. Wenn ich das aber tue leiden entweder meine Noten oder meine Studienzeit darunter.
    Die Folge ist: Ich gehe lediglich obligatorisch zur Universität und dann kommt genau dieses Problem: Ich erscheine kaum bis gar nicht motiviert da ich einfach andere Dinge habe um die ich mich kümmern muss.

    Zusatzkurse? Praktika? Zusatzkurse sind meistens wieder eine Zeitverschwendung bezogen darauf, dass man in der Zeit lernen muss. Praktika? Geht nur über Vitamin B und selbst dann ist es kaum zu schaffen neben 15 Stunden Arbeit und dann noch Klausuren in den Semesterferien.

    Das Problem ist, dass das Konzept vorne und hinten nicht stimmt. Man hat meistens leider den Stoff eines Diploms in den Bachelor gepackt. (Hier: Nicht die Fertigkeiten die man im Master erst lernt!)

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