Hoch über den Köpfen von uns Kursteilnehmern tobt ein Kampf der Bildungstitanen: Neben Udacity bieten die großen US-Unis offene Online-Kurse an: Das MIT (Massachusetts Institute of Technology) wird im Herbst gemeinsam mit Harvard die Bildungsplattform edX starten . Coursera , ein Unternehmen zweier weiterer renommierter Stanford-Professoren, Andrew Ng und Daphne Koller , öffnete soeben seine Homepage-Pforten. »Wir werden Bildung weltweit ändern«, heißt es auch hier.

Das Unternehmen bietet neben Stanford-Kursen Vorlesungen aus Berkeley, Princeton, Pennsylvania und anderen namenhaften Universitäten an. »Unsere Verbündeten sind eher die Studenten als die Unis«, sagt Thrun, Udacity stelle das Prinzip auf den Kopf. Man müsse vom Quiz, nicht von der Vorlesung her denken, um die Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Eine Vorlesung zu filmen – das sei doch so, als hätte sich der Kinofilm damit zufrieden gegeben, Theateraufführungen abzufilmen. 

Wenn man wild in die Zukunft fantasiert, alles noch interaktiver, noch personifizierter denkt, könnte Uni-Unterricht nicht irgendwann aussehen wie die Kampfsport-Trainingseinheiten im Kultfilm Matrix ? Anne Thillosen muss kurz lachen. Die Wissenschaftlerin vom Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen ist Co-Leiterin von e-teaching.org , einem Infoportal für den Einsatz digitaler Medien an deutschen Universitäten. »Das ist hier eher so down to earth«, sagt Thillosen. Es gehe darum, den Lehrbetrieb durch digitale Komponenten zu erweitern. Wer online lernt, muss sich viel stärker selbst organisieren, eigene Lernziele setzen, das schult. Aber Anwesenheit an der Uni, der intensive, persönliche Austausch zwischen Studenten und Lehrenden – unersetzbar. Kurse wie die von Udacity und Coursera beobachtet sie wie ein interessantes, aber fernes Experiment.

100.000 Dollar aus seinem Privatvermögen investierte Thrun vergangenes Jahr in den Testlauf. Künftig, so erklärt er das Geschäftsmodell, würden sich die Kurse bei den Teilnehmerzahlen schon rentieren, wenn Udacity ein halbes Prozent seiner besten Studenten an Arbeitgeber vermitteln würde, für 200 Dollar pro Person. Eine weitere Einnahmequelle: offizielle Zeugnisse nach Abschlussprüfungen mit Präsenz- und Ausweispflicht. Denn wie sollte man sonst überprüfen, dass die Kursteilnehmer, die allein an ihren Computern sitzen, bei den Prüfungen nicht schummeln – und dass sie überhaupt sie selbst sind?

Nach sieben Wochen weiß ich, welche Komponenten zu einer Suchmaschine gehören. Didaktische Tricks haben mich dahin geschubst, selbst Algorithmen zu schreiben, und ich hangele mich durchs Examen – online. Deswegen gibt’s statt eines Zeugnisses ein Zertifikats-pdf, zugemailt, natürlich, von Hal. Mit Unterschriften von Thrun und Evans. Und, anstelle einer dritten Unterschrift, einem riesigen Roboterbild.