Bundeskanzlerin: Wie lange noch?
Angela Merkel steht im Zenit ihrer Macht – und weiß: Jetzt wird es ganz eng. Der kommende Sonntag, wenn Nordrhein-Westfalen wählt, könnte für sie ein Schicksalstag werden.
© Sean Gallup/Getty Images

Angela Merkel im November 2011
Wann stürzen Kanzler, wann geht ihre Ära zu Ende? Immer etwas zu spät, könnte man sagen. Nicht dann, wenn es am schönsten ist, sondern wenn es langsam unerträglich wird. Helmut Schmidt hatte seine Machtbasis in der eigenen Partei längst verloren, als er schließlich vom liberalen Koalitionspartner gestürzt wurde. Gerhard Schröder fand, nachdem er im Jahr 2003 die Agenda 2010 durchgesetzt hatte, ebenfalls keinen Rückhalt mehr bei seinen Genossen. Zwei Jahre später beendete er seine Amtszeit selbst, indem er Neuwahlen ausrief, von denen er wusste, dass er sie verlieren würde.
Am längsten zerdehnte Helmut Kohl seinen Abgang. Mit der deutschen Einheit, der Erweiterung der Europäischen Union und dem Beschluss, den Euro einzuführen, stand er im Zenit seiner Macht. Danach hätte er gut abtreten können. Stattdessen stellte er sich 1994 noch einmal einer Bundestagswahl. Die Wahlplakate zeigten ihn als den Mann ohne Brille und ohne Worte, dafür mit bananenbreitem Lächeln, in voller Harmonie mit den Deutschen und mit sich selbst. Er wollte nichts mehr von seinen Bürgern, und die fanden das gut, denn sie hatten das Gefühl, die Einheit sei schon Stress genug gewesen. Kohl gewann die Wahl und verbrachte die kommenden vier Jahre erfolgreich damit, überfällige Reformen zu verhindern.
Wenige Tage nach seiner Wahlniederlage saß Angela Merkel in ihrem Bonner Umweltministerium beim Frühstück. Um sie herum wurde schon alles abgewickelt, bald würde sie das Haus verlassen müssen. War sie traurig? Bedrückt? Nein, Merkel traktierte mit Vehemenz ihr Frühstücksei und wütete. Über Kohls Versäumnisse der letzten Jahre, über ausgelassene Chancen – alles messerscharf analysiert. Kohl muss ihr furchtbar auf die Nerven gegangen sein mit seinem Bleiben ohne echtes Wollen. Das war ein interessanter, offener Moment, auch für einen Reporter, weil der Vorhang der Macht zerriss und plötzlich die Frage im Raum stand: Was kann aus dieser Frau noch alles werden?!
Sie wurde dann noch alles, was man politisch werden kann in diesem Land.
Sie hatte sich zu Beginn ihrer Kanzlerschaft etwas geschworen: nicht so lange wie Kohl, keine 16 Jahre, bestimmt nicht. Und nicht so lange nach dem Zenit, auf keinen Fall.
Aber warum steht das alles hier? Und warum jetzt? Angela Merkel ist die beliebteste deutsche Politikerin, sie wird respektiert, sogar gemocht. Außerdem ist sie die mächtigste Frau Europas oder der Welt, ganz genau kann man das nicht sagen. Die Union steht hinter ihr, keine innerparteiliche Konkurrenz weit und breit, und bei der SPD spielen drei Männer Räuberleiter, damit vielleicht doch einer von ihnen an die Kanzlerin heranreicht. Wer soll da, um Himmels willen, auf die Idee kommen, dass Merkels Macht in Gefahr sein könnte?
Sie selbst kam drauf, die Kanzlerin.
Vor ein paar Wochen beschlossen wir bei der ZEIT, ein längeres Porträt über Angela Merkel zu schreiben. Natürlich stellte sich die Frage, ob es da überhaupt etwas Neues zu sagen gebe. Vorsichtige Antwort: Ja, schon. Irgendwie ist zwischen der Kanzlerin und den Deutschen etwas Besonderes entstanden, eine weitere Stufe, die man »Hegemonie und Harmonie« nennen könnte. Was auf so eine Redaktionsidee folgt, ist reine Routine: Bestellungen im Archiv, Termine machen mit Menschen, die sie gut kennen, Wahlkampfauftritte heraussuchen, schließlich der Anruf beim Regierungssprecher für eventuelle Reisebegleitungen und natürlich für ein Gespräch mit der Kanzlerin.
Wie gesagt, alles wie immer, doch dann geschah etwas, das es mit ihr noch nicht gegeben hat. Es ging um den Zeitpunkt der Veröffentlichung. Jemand aus Merkels Umgebung wollte wissen, ob das Porträt vor oder nach den Wahlen in Nordrhein-Westfalen erscheinen werde. Und das war keine reine Informationsfrage, ja, es entstand beinahe der Eindruck, ein Gespräch mit ihr sei nur möglich, wenn der Artikel vor den Wahlen gedruckt werde. »Aber was ist schon sicher im schnelllebigen Geschäft des Journalismus?«, gaben wir zurück. »Und was bitte ist überhaupt die These des Porträts?«, fragten Merkels Berater. Schwer zu sagen, denn genau kennen Journalisten die These erst nach der Recherche, nicht vorher.
Was war der Grund für dieses ungewöhnliche Insistieren? Konkret wird das nie gesagt, aber ein bisschen politische Algebra aus dem Merkelschen Lehrbuch hilft: Die CDU-Chefin ging offenbar davon aus, dass erstens die CDU die Wahl in NRW verliert, dass zweitens die FDP in Düsseldorf nicht ins Parlament kommt oder aber – noch schlimmer – reinkommt und mit SPD und Grünen eine Ampelkoalition eingeht, was drittens zu einer neuerlichen Destabilisierung der Berliner Koalition führen dürfte und einen Lagerwechsel der FDP einläuten würde. Das wiederum würde bedeuten, dass die Union ihre strategische Mehrheit verlöre, weil die anderen Parteien selbst bei einem guten Wahlergebnis von CDU und CSU jederzeit eine Mehrheit gegen die Kanzlerinnenpartei schmieden könnten. Merkel allein zu Haus, das wäre dann der öffentliche Tenor – Merkel im kalten Abendlicht ihrer Karriere, Merkel im Zenit und zugleich im Abgang. Soll sie zu einem solchen Porträt noch eigene Worte spenden?
Das ist natürlich ihre Sache, wir werden es sehen. Interessanter sind andere Fragen: Ist ihre Kanzlerschaft überhaupt in Gefahr? Und falls ja: Wäre es denn gut, wenn Angela Merkel gehen müsste, oder wäre es zu früh? Ist sie in ihrem Zenit, oder hat sie ihn in diesen Mai-Wochen schon überschritten? Immerhin verliert ihre schwarz-gelbe Koalition gerade ihre zehnte und elfte Landtagswahl in Folge. Und immerhin nutzen in Frankreich und Griechenland die ersten Europäer, die eine Chance dazu bekommen, ihre Stimme zu einem Votum gegen Merkels Fiskalpakt.
Fest steht: Wenn man anfängt, das Ende mitzudenken, erscheint ihre Karriere in einem anderen Licht.





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Wieviel Male hat denn Frau Merkel solche Wahlen überstanden?
Enfach einmal abwarten und sehen, was passiert.
"Außerdem ist sie die mächtigste Frau Europas oder der Welt, ganz genau kann man das nicht sagen."
Diese Behauptung wird nicht wahrer, nur weil sie hunderte Male wiederholt wird:
Wenn Friede Springer oder Liz Mohn es wollten, wäre Angie in drei, vier Wochen weg vom Fenster.
Entfernt. Bitte setzen Sie sich argumentativ mit den Inhalten des Artikels auseinander statt Verdächtigungen und Spekulationen anzustellen. Danke. Die Redaktion/kvk
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die Zukunft unseres Landes und die Zukunft jedes Deutschen zu zerstören. Wenn Griechenland aus dem Euro ausscheidet, dann kostet uns das dato 77.000.000.000 €.
http://www.focus.de/finan...
Das haben wir unsere Kanzlerin, unserer Regierung und Merkels Lieblingsopposition (Grüne und SPD) zu verdanken. Merkel ist nicht auf dem Weg die größte Kanzlerin unseres Landes zu werden, sondern ganz im Gegenteil zu einer enormen Belastung für unser Land und jeden Einzelnen.
Wieviel kostet es uns, wenn Griechenland im Euroraum
verbleibt? Man sollte jedes Ding zu ende denken!
Im übrigen hat nicht Merkel uns in dieses Griechenlandproblem
gebracht. Die dafür Verantwortlichen sind schon längst vom
Acker aber erlauben sich ab und an, die Kanzlerin zu kritisieren, die nun die Suppe auszulöffeln hat, die jene uns allen eingebrockt haben. Allein mit billiger simpler Kanzlerinaversion hat man noch nicht ein solch diffiziles Problem gelöst.
Wieviel kostet es uns, wenn Griechenland im Euroraum
verbleibt? Man sollte jedes Ding zu ende denken!
Im übrigen hat nicht Merkel uns in dieses Griechenlandproblem
gebracht. Die dafür Verantwortlichen sind schon längst vom
Acker aber erlauben sich ab und an, die Kanzlerin zu kritisieren, die nun die Suppe auszulöffeln hat, die jene uns allen eingebrockt haben. Allein mit billiger simpler Kanzlerinaversion hat man noch nicht ein solch diffiziles Problem gelöst.
was soll dieses Porträt der unsäglichen Kanzlerin? Sie wird einem weder menschlich noch fachlich näher gebracht.
Dass sie Europa in den Abgrund führt, hat der Autor leider völlig übersehen (wollen?).
Dass sie uns mit nicht verfassungskonformen Verträgen (Fiskalpakt und ESM) auf gänzlich undemokratische Weise belastet, dass sie Geld der Steuerzahler und derer Kinder und Kindeskinder ungefragt und somit auch wieder undemokratisch verteilt, nichts davon steht in diesem Artikel.
Was also will Herr Ulrich uns eigentlich sagen?
diesen Jubeljournalismus satt. Da gibt es ja in China kritischeren Journalismus als hier in Deutschland. Mancher Diktator würde sie so eine Presselandschaft wünschen.
die Presse eines Diktators hat sie nicht verdient...
Mir scheint, Ihnen sind die Zustände in China nicht sonderlich gut bekannt...
Als jemand, der sich das Ende ihrer Teflon-Kanzlerschaft wünscht, muss ich doch auf die Absicht des Autors hinweisen, das Politiksystem Merkels tiefgründiger herauszuarbeiten, als das sonst geschieht. Man macht es sich viel zu leicht, über ihre Chamäleon-Politik, ihre Unbestimmtheit und Orientierungslosigkeit zu spotten. Dahinter steckt eben die Annahme, dass Positionen den eigenen Handlungsspielraum einengen.
Für die europäische Vielfalt an Positionen und jeweiligen innenpolitischen Situationen mitten in einer tiefen wirtschaftlichen und politischen Krise gilt das natürlich erst recht. Jede deutliche Positionierung ruft Gegenkräfte hervor, kann eine Lösung im eigenen Sinne erschweren.
Ob diese Strategie Politik als solche nicht sinnentleert, entkernt, langfristig schadet, besonders wenn sie jeder so betreiben würde - ich persönlich habe keinen Zweifel daran.
Aber solange nur einer sie betreibt, ist sie effektiv.
... doch nur, weil jemand gelobt wird, dessen politische Grundausrichtung Sie offenbar nicht teilen. Ihnen bleibt aber gar nichts anderes übrig als dies hinzunehmen.
Stimme uneingeschränkt zu ! Jedes Geschichtsbuch, jedes Symbol, jedes Denkmal verliert an Kontur und Wertigkeit wenn eine nichtsagende, unglaubwürdige, machtorientierte Politikerin wie Frau Merkel weiter hochgelobt wird.
Es wäre mal Zeit dass die Presse den Lebensweg und die Leistung(en ?) von Merkel genauer betrachtet.
Und wo sie ihren " Radiergummi " versteckt hat.
Ein kleiner Test : Versuchen Sie mal liebe Leserin, lieber Leser die aktuellen Minister/ Ministerinnen aufzuzählen - in Verbindung mit Ergebnissen und Aussagen in den letzen 3 Monaten ( Beispiel Rösler, Wirtschaftsminister ) ....
Komisch oder : Ihnen fällt zur aktuellen Regierung immer nur Merkel, von der Leyen ein ....
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz
die Presse eines Diktators hat sie nicht verdient...
Mir scheint, Ihnen sind die Zustände in China nicht sonderlich gut bekannt...
Als jemand, der sich das Ende ihrer Teflon-Kanzlerschaft wünscht, muss ich doch auf die Absicht des Autors hinweisen, das Politiksystem Merkels tiefgründiger herauszuarbeiten, als das sonst geschieht. Man macht es sich viel zu leicht, über ihre Chamäleon-Politik, ihre Unbestimmtheit und Orientierungslosigkeit zu spotten. Dahinter steckt eben die Annahme, dass Positionen den eigenen Handlungsspielraum einengen.
Für die europäische Vielfalt an Positionen und jeweiligen innenpolitischen Situationen mitten in einer tiefen wirtschaftlichen und politischen Krise gilt das natürlich erst recht. Jede deutliche Positionierung ruft Gegenkräfte hervor, kann eine Lösung im eigenen Sinne erschweren.
Ob diese Strategie Politik als solche nicht sinnentleert, entkernt, langfristig schadet, besonders wenn sie jeder so betreiben würde - ich persönlich habe keinen Zweifel daran.
Aber solange nur einer sie betreibt, ist sie effektiv.
... doch nur, weil jemand gelobt wird, dessen politische Grundausrichtung Sie offenbar nicht teilen. Ihnen bleibt aber gar nichts anderes übrig als dies hinzunehmen.
Stimme uneingeschränkt zu ! Jedes Geschichtsbuch, jedes Symbol, jedes Denkmal verliert an Kontur und Wertigkeit wenn eine nichtsagende, unglaubwürdige, machtorientierte Politikerin wie Frau Merkel weiter hochgelobt wird.
Es wäre mal Zeit dass die Presse den Lebensweg und die Leistung(en ?) von Merkel genauer betrachtet.
Und wo sie ihren " Radiergummi " versteckt hat.
Ein kleiner Test : Versuchen Sie mal liebe Leserin, lieber Leser die aktuellen Minister/ Ministerinnen aufzuzählen - in Verbindung mit Ergebnissen und Aussagen in den letzen 3 Monaten ( Beispiel Rösler, Wirtschaftsminister ) ....
Komisch oder : Ihnen fällt zur aktuellen Regierung immer nur Merkel, von der Leyen ein ....
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz
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