Energiepolitik : Ein Blackout ist möglich

Die Politik muss die Rahmenbedingungen ändern, damit die Energiewende nicht zum Drahtseilakt wird.
Hochspannungsmast in der Nähe von Werl © dpa

Die Energiewende ist seit fast einem Jahr beschlossene Sache. Dennoch verschwinden die Zweifel an dem Projekt nicht. Das Vorhaben verschlinge Unsummen, heißt es. Strom werde zum Luxusgut. Windräder und Stromleitungen verschandelten die Landschaft; schöner werde Deutschland jedenfalls nicht. Obendrein sei in Zukunft nicht einmal sicher, ob jederzeit Strom aus der Steckdose komme.

Das Problem ist, dass an manchen der Zweifel etwas dran ist – allerdings bei Weitem nicht genug, um die Energiewende grundsätzlich infrage zu stellen. Der Kern des Vorhabens, dessen Vollendung mehrere Dekaden beanspruchen wird, besteht schließlich in der Abkehr von jenen Energien, deren Nutzung nur auf Kosten zukünftiger Generationen möglich ist. Dadurch soll dann den Menschen geholfen werden, die von den Auswirkungen der Erderwärmung oder von möglichen Reaktorunfällen betroffen sind. Sie werden nämlich durch die Folgen der Erzeugung und des Verbrauchs von kohlenstoffhaltigen oder atomar erzeugten Energien de facto enteignet.

Es ist wichtig, sich dieses fundamentalen Zusammenhangs bewusst zu sein, um den Stellenwert der Bedenken gegen das Projekt richtig einzuordnen. Dass die gegenwärtige Energieversorgung eigentlich unbezahlbar ist, weil ihr Schadensrisiko »die gesamte Regenerations- und Regelfähigkeit der Erde bedroht«, wie es schon vor zwanzig Jahren in einer Expertise für das Bundeswirtschaftsministerium hieß, wird nämlich gerne vergessen. Besser: verschwiegen.

Selbstverständlich ist es eine enorme Herausforderung, die fossil-atomaren Strukturen in ein weitgehend regeneratives Energieversorgungssystem zu überführen – zumal dann, wenn sich zentrale Akteure so verhalten, als sei der Kurs gar nicht geändert worden. Dass sich ein Bundesumweltminister, so wie es Norbert Röttgen jüngst tat, für die Erhöhung der Pendlerpauschale stark macht, ist ein bemerkenswerter Vorgang – ebenso wie der Umstand, dass der zuständige Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sich weigert, für mehr Energieeffizienz zu sorgen. Nicht umsonst hat Bundeskanzlerin Angela Merkel jüngst eine Runde von Managern und Experten versammelt, um sich Klarheit über die akuten Herausforderungen des Energiewendeprozesses zu verschaffen – ohne die beiden Minister.

Bei dem Kolloquium ist herausgekommen, dass unter den Bedingungen des Status quo Strom-Blackouts nicht auszuschließen sind. Wie angespannt die Lage ist, hat Anfang der Woche auch die Bundesnetzagentur zum wiederholten Mal wissen lassen – jene Behörde, die für das Funktionieren des Strommarktes zu sorgen hat.

Warum könnten die Lichter ausgehen? Weil die Regierung nach der Fukushima-Katastrophe das Ruder praktisch von heute auf morgen herumriss und acht Kernkraftwerken das endgültige Aus verordnete. 6.000 Megawatt an Kapazität für die Stromerzeugung gingen so kurzfristig endgültig vom Netz.

Zu einem Blackout kam es bisher dank der Eingriffe der Netzbetreiber trotzdem nicht, auch nicht während der kalten Tage im Februar. Dennoch, anzunehmen, Deutschlands Stromversorgung sei jederzeit sicher, weil inzwischen viele Wind- und Solarkraftwerke gebaut worden seien, wäre falsch. Erstens erzeugen sie Strom nur dann, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht. Zweitens stehen sie oft nicht da, wo der Strom gebraucht wird. Und drittens fehlen in wichtigen Regionen die für den Transport großer Mengen Elektrizität nötigen Leitungen.

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Kommentare

93 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Nach dem Lesen dieser blauauegigen Analyse

kann man nur Black-outs am Horizont sehen. Von der notwendigen Speichertechnologie gibt es weit und breit noch keine Spur und Gaskraftwerke und Gasversorger, die bereit sind auf Abruf nur hunderte von Stunden im Jahr gebraucht und bezahlt zu werden muessen auch erst noch "erfunden" werden.

Re: Gasversorger

"Gasversorger, die bereit sind auf Abruf nur hunderte von Stunden im Jahr gebraucht und bezahlt zu werden muessen auch erst noch "erfunden" werden."

Das könnte recht schnell gehen, wenn man Vergütungssysteme einführen würde, die sich nach dem tatsächlichen Bedarf richten. Zur Zeit hat man allerdings solchen Blödsinn wie die Tatsache, daß Biomasse-Anlagen rund um die Uhr laufen, weil der Entgelt derselbe ist - obwohl spät in der Nacht niemand zusätzlichen Strom braucht, und diese Kapazitäten eigentlich für die Spitzenzeiten reserviert werden sollten.

So schnell wohl auch nicht,

weil die Speicherkapazitaet fuer Spotgas in Deutschland nicht ausreicht und weil Lieferungen aus anderen Laendern prinzipiell nicht zuverlaessig sind. Selbst in den USA mit einer ungleich besseren Gas Versorgungs Infrastruktur, kommt es bei Hurricanes, die eine Evakuierung der Foerderplattformen im Golf von Mexiko notwendig machen, zu Versorgungsunterbrechungen. Kennen Sie Murphy's Law?

Er hat VWL und Soziologie studiert, der Herr Vorholz

[...]

Wenn er die Umwelt schützen will, dann sollte er zumindest einmal bedenken, dass die Menschen die mit dem Windrad-Wahnsinn leben müssen auch zur Umwelt gehören.
Einmal abgesehen vom finanziellen Disaster der einkommenschwächeren Schichten, die von dem Irrsinn stärker betroffen sind als die Mittel u. Oberschicht.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

Versäumnisse von Rösler und Röttgen

Ganz glücklich sind die Franzosen mit ihrem Atomstrom aber auch nicht: Wenn es im Sommer zu heiß wird und die Kühlleistung der Flüsse sinkt, müssen sie ihre Atomkraftwerke drosseln - und Solarstrom aus Deutschgland zukaufen (kein Scherz).

Es stimmt allerdings, dass die Bundesregierung es versäumt hat, ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Z.B. die Erforschung von Wasserstoff als Speichermedium oder von Methanisierung wird nicht energisch gefördert, wie es nötig wäre, wenn man bedenkt, dass Putins Gasvorräte in 40, höchstens 45 Jahren erschöpft sein werden...

Auch intelligente Verknüpfungen, etwa der Betrieb von Klimaanlgen über PV-Anlagen oder die Nutzung von PV-Eigenverbrauch zur Netzentlastung werden nicht in einem Gesamtkontext betrachtet und Förderinstrumente darauf ausgerichtet.

Die nicht-fluktuierende Kleinwasserkraft wird derweil von den Fischereiverbänden ausgebremst (Interessenabwägung), Gezeitenkraftwerke werden ebenfalls nicht richtig erforscht. Stattdessen willkürliches Reinkürzen ohne Konzept, so wird das in der Tat problematisch.

@ Kaffeebecher

"...Wenn es im Sommer zu heiß wird und die Kühlleistung der Flüsse sinkt, müssen sie ihre Atomkraftwerke drosseln - und Solarstrom aus Deutschgland zukaufen (kein Scherz)."

Das ist kein Scherz, sogar ganz bestimmt nicht. Aber was ist es dann ?

Zum Artikel kann man ja noch sagen das sich "Steuererhöhung" wesentlich kürzer schreiben und leichter verstehen ließe.

Aber "Solarstrom" gibt es in Deutschland gar nicht, nur eine Versuchsanlage, und PV-Strom wird in kein Übertragungsnetz gespeist.
Es gibt aber eine Börse an der sich Unternehmen gegenseitig was verkaufen. Da gibt es Banken wie Energieunternehmen und sogar die Lichtblick AG ist als Akteur aufgelistet.

zur weiterne Erläuterung

@ Kaffeebecher
"Ganz glücklich sind die Franzosen mit ihrem Atomstrom aber auch nicht: Wenn es im Sommer zu heiß wird und die Kühlleistung der Flüsse sinkt, müssen sie ihre Atomkraftwerke drosseln - und Solarstrom aus Deutschgland zukaufen (kein Scherz)."

Die Drosselung ist natürlich ein Vorgang der den Flusswassertemperaturanstieg begrenzen soll, den Tieren zuliebe. Die Kraftwerke könnten mit einer höheren Temperatur immer noch fahren, müssten nur einen kleinen Teil der Leistung drosseln wegen der verminderten Kühlung.
Zudem ist dies kein Alleinstellungsmerkmal der Kernkraftwerke - hätte Frankreich zu 75% Kohlekraftwerke müssten diese ebenfalls gedrosselt werden. Natürlich nur die an Flüssen, die am Meer bleiben wie gehabt in der Nennleistung.

Ebenen

Irrtum. Dass der Strom nicht direkt auf die Hoch- oder Höchstspannungsebene eingespeist wird, heißt nicht, dass er nicht durch Transformatoren hochgespannt wird.
Es wird eine Menge PV-Strom in das Niederspannungsnetz und mitunter sogar in das Mittelspannungsnetz eingespeist, der wirkt über Transformatoren auch in die höheren Spannungsebenen.

Was an der Strombörse passiert ist natürlich eine rein kaufmännische Angelegenheit, aber die Elektronen, die aus ihrer Steckdose kommen, haben auch keinen Absender außer Kupferkabel.

Unmd für die Strommenge, die irgendwo in Frankreich Strom dem Netz entnommen wird, muss zeitgleich woanders wieder Strom ins Netz rein. Wenn genug PV-Strom ins Netz geht, dann sparen wir dafür anderen Strom ein, der sonst da rein müsste.

Deutschland bleibt weiterhin die meiste Zeit des Jahres Stromexporteur.

"Spannungs"- Ebenen

So heißt das. Und PV-Anlagen, besonders die, die am Mittelspannungsnetz hängen, brauchen Erzeugernahe Verbraucher.
Sie können gerne über's Internet alle einschlägigen Vorschriften einsehen, falls Sie selbst so eine Anlage errichten wollen.

Auch wird nirgendwo "Strom eingespeist". So wie Sie es geschrieben haben, tun einem ja die Augen beim lesen weh.

Der Rest ist zumindest dem kaufmänischen Teil entsprechend richtig. Ansonsten kommen keine Elektronen irgendwo aus der Leitung. Es gibt nur und ausschließlich geschlossene Stromkreise in denen der "Strom" stets eine nur indirekt meßbare Größe ist. Das ist also eine Versinnbildlichung um der hydraulischen Analogie entsprechen zu können.
Ganz geschickter Weise ist das alles auch noch mit Wechselspannung realisiert und so kann man sich einfach vorstellen das die Elektronen hin und her schwingen.
Das ganze etwa in Lichtgeschwindigkeit und bei einer Anzahl von 100 Richtungswechselsn pro Sekunde. Da können Sie ja mal ausrechnen wie weit so Elektron maximal "fließt".

Es gibt jenseits der Vereinfachung von Vereinfachungen auch halbwegs für Laien verständliche Angaben. Selbst die Angabe von abgegebener Leistung die der zugeführten Leistung eines Verbundnetzes zu jedem Zeitpunkt entsprechen muß um die Leitungen nicht zu überlasten, ist vereinfacht gesagt, aber wesentlich stimmiger. Also, es geht kein Strom "rein" und auch keiner "raus". Es fließt ein solcher im geschlossenen Stromkreis. Sonst nicht.

Aehem...

"Ansonsten kommen keine Elektronen irgendwo aus der Leitung. Es gibt nur und ausschließlich geschlossene Stromkreise in denen der "Strom" stets eine nur indirekt meßbare Größe ist. Das ist also eine Versinnbildlichung um der hydraulischen Analogie entsprechen zu können."

Der elektrische Strom ist dann schon etwas anderes wie eine bloße Modellvorstellung. Definitionsgemäß ist es das Integral der Stromdichte über eine Fläche (also z.B. der Querschnittsfläche eines Leiters). Oder einfacher und für elektrischen Strom in Haushaltsanwendungen durchaus gültig: Die Anzahl der Ladungsträger pro Zeiteinheit, die eine Fläche durchströmen. Da Ladungsträger (also z.B. Elektronen) nachweislich quantisiert ("zählbar") sind, also finde ich, dass Stromstärke als Ladungsträger pro Zeiteinheit eine durchaus "greifbare" Größe ist.

"Das ganze etwa in Lichtgeschwindigkeit und bei einer Anzahl von 100 Richtungswechselsn pro Sekunde. Da können Sie ja mal ausrechnen wie weit so Elektron maximal "fließt"."

Die Geschwindigkeit von Elektronen in einem metallischen Leiter beträgt (statistisch gesehen) etwa 1x10^6 m/s. Die Lichtgeschwindigkeit beträgt ca. 3x10^8 m/s. Da ist schon noch ein gewaltiger Unterschied. Wenn man so will, wird die Information der Potentialänderung mit Lichtgeschwindigkeit übertragen, aber Ladungsträger eben nicht.

Es sorgt halt eher für Irritationen, dass die Übertragung elektrischer Energie gerne mit "Strom" bezeichnet wird.

Schön,....ergänzt zu werden

Ich wüßte aber ehrlich nicht wie und wo ich das "Aehem.." einordnen soll.

Sie müßten schon irgendwo widersprechen, sonst verrate ich Ihnen auch nicht das es Leistung heißt, was da als übertragen bezeichnet wird, und nicht "Energie" wie Sie geschrieben hatten:"Es sorgt halt eher für Irritationen, dass die Übertragung elektrischer Energie gerne mit "Strom" bezeichnet wird."

Aber der Tendenz dieses Satzes stimme ich zu. ;)

Vielleicht können Sie ja auch ergänzen wie es der Autor des Artikles verstanden haben möchte, ein Plus für den Strompreis mit einem Minus von Strom selbst, durch Verzicht z.B. auf Kühlzeiten, zu irgend einem sinnvollen Ergebnis zu verquicken ?

"buiseness as usual" ist laut Gewerbeordnung keine Erlaubnis wert um irgend ein Gewerbe betreiben zu dürfen.
Da reicht zwar auch die Absichtserklärung Gewinn erziehlen zu wollen, also ähnlich wie bei Strom eine indirekte