FinanzkriseWachstum für die WG
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Es ist leicht, zu beschreiben, was in Europa derzeit nicht geht

Der Euro hat den Europäern diesen Weg versperrt. Die Staaten der Währungsunion haben keine eigenen Notenbanken mehr. Ihnen droht deshalb die Pleite – und den Investoren ein Totalverlust ihres Einsatzes. Deshalb kaufen sie kaum noch Anleihen aus Europa.

Ohne eigene Währung ist die Sache mit dem Ankurbeln also ziemlich kompliziert.

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Das Geld für ein Wachstumsprogramm müsste aus den reichen Nordländern kommen. Eine Vergemeinschaftung der Schulden oder frische Kapitalspritzen für die angeschlagenen Banken könnten dem Süden den Zugang zu Krediten öffnen. Doch für die Deutschen sind solche Transfers nur vorstellbar, wenn die Mitgliedsstaaten zugleich auf ihre haushaltspolitische Souveränität verzichten – und das zeichnet sich nicht ab.

Ohne eigene Währung ist die Sache mit dem Ankurbeln recht kompliziert

Alternativ könnten die Nordländer das Geld auch selbst ausgeben, statt es in den Süden zu transferieren. Damit würden sie im eigenen Land einen Boom fabrizieren, der die Nachfrage nach Gütern aus Italien oder Spanien erhöhen würde. Finanzminister Wolfgang Schäuble hat bereits signalisiert, dass er Lohnzuwächse in Deutschland befürwortet, weil diese »zum Abbau von Ungleichgewichten innerhalb Europas« beitrügen. Die Bundesbank ist sogar bereit zu akzeptieren, dass die Teuerungsrate hierzulande wegen steigender Lohnkosten weiter zulegt. Doch die Effekte dürften sich in Grenzen halten. Ein europaweiter Boom mit kräftigen Lohnerhöhungen, wie er damals den Deutschen das Exportieren erleichterte, ist derzeit nicht in Sicht.

Es ist leicht, zu beschreiben, was in Europa derzeit nicht geht. Es ist ziemlich schwer, zu beschreiben, was gehen könnte.

Als kompromissfähig gilt, die vorhandenen Mittel aus den EU-Haushalten verstärkt in den Krisenstaaten auszugeben. Auch wird die Europäische Investitionsbank wohl mehr Geld und zusätzliche Kompetenzen bekommen. Das Luxemburger Institut fördert etwa den Ausbau der Infrastruktur und vergibt dazu zinsgünstige Kredite an Unternehmen und staatliche Stellen.

Doch die Summen, die derzeit in der Diskussion sind, reichen nach Einschätzung der meisten Ökonomen nicht aus, um in den Südländern die Lage schnell zu verbessern. Das Verfahren für die Vergabe der Mittel ist kompliziert, und niemand weiß, ob Förderkredite überhaupt nachgefragt werden. Schließlich müssen die Staaten ja selbst sparen, und die heimischen Unternehmen halten sich wegen der unsicheren Lage auch zurück. Dazu kommt, dass etwa in Spanien schon zu viele Straßen und Brücken gebaut wurden. Das Land brauchte eher Geld für Weiterbildungsmaßnahmen oder die Sanierung seiner Banken.

Wahrscheinlich wird die EU zumindest einigen Schuldenstaaten auch mehr Zeit für den Abbau der Defizite einräumen. Die deutsche Seite hat bereits signalisiert, dass sie im Fall Spaniens einer Lockerung der Vorgaben zustimmen könnte. All das dürfte dem Süden etwas Erleichterung bringen, aber es führt wohl nicht dazu, dass die Arbeitslosigkeit bald sinkt oder das Wachstum rasch zurückkehrt.

Deutschland benötigte rund fünf Jahre, um seine Wirtschaft auf Vordermann zu bringen – und das unter ziemlich idealen Bedingungen. Kein Wunder daher, dass an den Finanzmärkten die Auflösung des Währungsverbunds ein Thema ist.

 
Leserkommentare
  1. Die Finanzmärkte gehören streng reguliert, die Transaktionen besteuert.
    Schluss mit Spielcasino und Funny Money.

    Den Tanz ums goldene Kalb, den die Mainstream-Medien und die Politik veranstalten, ist einfach nur noch skurril.

    Dadurch auch logischerweise der Bruch mit der Bevölkerung, was sich jetzt auch in den Wahlergebnissen niederschlägt.

    Die wirklichen Lösungsmöglichkeiten werden in dem Artikel mal wieder nicht genannt.

    Es muss eine Umverteilung von Oben nach Unten stattfinden. Dafür müssen die Steuern für Reiche und Unternehmen erhöht werden. Und nicht wie die letzten 20 Jahre gesenkt.

    Alternativ können auch Schuldenschnitte stattfinden.
    Wie auch immer: Im Resultat würden Vermögen und Schulden sinken.

    Oder man fährt den jetzigen Kurs weiter, der unausweichlich in den Crash führt. Mit unkalkulierbaren Folgen.

    Europe’s Economic Suicide
    http://www.nytimes.com/20...

    3 Leserempfehlungen
    • essilu
    • 10.05.2012 um 18:56 Uhr

    ...da ein Weg!

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  2. es ist doch langweilig, immer von wachstum zu reden, und wie doll es ist, wenn menschen mehr und mehr konsumieren, weil sie sonst unglücklich sterben.
    dann sollen die südstaaten aus der EU raus, weniger importieren und trotzdem gut leben.
    was ist es für eine lebenseinstellung, die in der presse den menschen suggeriert wird?
    wo jeder klein angestellte angeblich ahnung von hochfinanz hat, und kommentare in "wir" form schreibt, als ob man ihn jemals mehr involviert hätte, ausser sich an der rechnung zu beteiligen.

    fakt ist, dass waren auch abnehmer brauchen, sonst enden sie als ladenhüter. deswegen sollte man seine kunden nicht vergraulen.

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  3. Aus dem Artikel: "Ohne eigene Währung ist die Sache mit dem Ankurbeln also ziemlich kompliziert." Richtig! Hier ein paar zusätzliche Bemerkungen:

    1. Problem: die Krisenländer haben alle strukturelle Leistungsbilanzdefizite, weshalb ihnen Euro fehlen und sie ihre Schulden nicht bezahlen können. Eine Wirtschaftsbelebung würde diese Defizite verschlimmern. Dilemma: bessere Konjunktur heißt mehr Verschuldung, weniger Verschuldung heißt schlechtere Konjunktur. Lösung: Auflösen der Währungsunion, so dass Abwertungen die Exporte fördern trotz gleichzeitiger Konjunkturbelebung.
    (Das Problem ist analog zum Goldstandard in der Weltwirtschaftskrise, wo die Nationen sparen mussten, um außenwirtschaftlich nicht pleite zu gehen.)

    2. Problem: Das Geld für eine Konjunkturbelebung muss entweder vom Norden geborgt oder von der EZB gedruckt werden. Im ersten Fall steigt die offene Verschuldung, im zweiten Fall droht Inflation für die gesamte Eurozone *und* (via Targetsalden) eine versteckte Verschuldung dem Norden gegenüber. Das heizt politisch-wirtschaftliche Verteilungskonflikte und die üblichen Ressentiments an. Lösung: Auflösung der Eurozone.

    Die Lösung der Krisenstaaten aus dem Euro ist kein feindseliger Akt, kein "Rausschmeißen" und keine Geste deutscher Überheblichkeit, sondern eine finanztechnische Maßnahme zur Überwindung der Krise. Europa würde seine "Verantwortung" (sofern es sie hat) gegenüber den leidenden Staaten dadurch nicht abgeben, sondern im Gegenteil wahrnehmen.

    2 Leserempfehlungen
    • Ron777
    • 10.05.2012 um 19:24 Uhr

    Wir stehen vor der schwierigen Situation, dass der Euro verschiedendste Volkswirtschaften mit unterschiedlichen Problemen und Chancen unlösbar aneinander kettet. Derzeit ist die Politik noch nicht zur Einsicht bereit, dass der Euro so auch langfristig nicht funktionieren wird und auch nicht funktionieren kann. Gleichzeitig muss Deutschland aber anerkennen, dass der momentane Sparkurs die Krisenländer immer mehr in Bredouille bringt. Also muss in der Tat Geld in die Volkswirtschaften gepumpt werden. Doch dies kann keine einseitige Veranstaltung sein. Auch Deutschland muss von dem Geldfluss profitieren, wenn in der Bevölkerung ein Rest von Akzeptanz für Europa erhalten bleiben soll. Die neu geschaffene Geldmenge sollte also anteilig auch Deutschland zugute kommen. Druckt GEld und verteilt es an alle! Die Krisenländer können damit ihre drängendsten Probleme regeln und bekommen Zeit für Strukturreformen, Deutschland könte dagegen seine Schulden tilgen und damit neue Zukunftsoptionen gewinnen. Die einsetztende Inflation hätte dabei zudem den Vorteil, dass sie insbesondere die Wohlhabenen trifft, deren Geldwert erodiert. Wer nichts hat kann schließlich auch nichts verlieren...

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    • wd
    • 10.05.2012 um 19:38 Uhr

    Eine Inflation schadet Milliardären nicht, denn ihr Vermögen ist nie Bargeld sondern Sachwerte wie z.B. Firmen, Gebäude.
    Sie schadet den kleinen Leuten mit ihren Ersparnissen und Riesterrenten.
    Außerdem steigen mit der Inflation die Zinsen für Schulden.

    • wd
    • 10.05.2012 um 19:38 Uhr

    Eine Inflation schadet Milliardären nicht, denn ihr Vermögen ist nie Bargeld sondern Sachwerte wie z.B. Firmen, Gebäude.
    Sie schadet den kleinen Leuten mit ihren Ersparnissen und Riesterrenten.
    Außerdem steigen mit der Inflation die Zinsen für Schulden.

  4. Die Vorrausetzungen für eine Vorgehensweise nach Keynes sind weder in Deutschland noch Europa gegeben. Verkürzt sind zwei Lehrsätze im Sinne Keynes miteinander verbunden. 1. In Zeiten privatwirtschaftlicher Hochkonjunktur muss der Staat sparen und Überschüsse ansammeln. 2. In Zeiten schwacher Konjunktur muss der Staat die angesammelten Überschüsse in die Wirtschaft leiten. Im Ergebnis können so Konjunkturausschläge nach oben und unten minimiert werden. Lehrsatz 1 wurde nie umgesetzt. Somit scheidet eine Wirtschaftspolitik nach Keynes auch im Ansatz aus.

    China oder Russland können im Sinne Keynes wirtschaften bzw. sie hätten die Möglichkeiten. Für Europa und die USA ist der keynesianische Zug längst abgefahren.

    2 Leserempfehlungen
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    Alternative? Neoklassizismus?
    Achja, probiert man seit Jahren. Hat zur Finanzkrise geführt bzw. ist in seiner pervertierten Form ("Neoliberalismus") dafür verantwortlich.
    Nebenbei gesagt hat sich das Say'sche Theorem in der Finanzkrise selbst empirisch widerlegt, Stichwort faule Kredite und Banken.

    Der Keynesianismus kann auch nichts dafür, dass die Nationalstaaten zu dumm sind ihre Politik mit einem Gegenkonzept zu finanzieren.
    Ich verstehe bis heute nicht wo das Problem liegen soll dabei, es gibt mehr als genügend Finanzierungsmöglichkeiten außerhalb des Sozialabbaus.
    Ach, ich vergaß. die Wurden ja im Zuge des Neoliberalismus abgebaut, da der Staat ja zu "fett" geworden ist. Deswegen wurden ja bestimmte Steuern wie Erbschafts/Vermögenssteuer usw. für nichtig erklärt...

    Alternative? Neoklassizismus?
    Achja, probiert man seit Jahren. Hat zur Finanzkrise geführt bzw. ist in seiner pervertierten Form ("Neoliberalismus") dafür verantwortlich.
    Nebenbei gesagt hat sich das Say'sche Theorem in der Finanzkrise selbst empirisch widerlegt, Stichwort faule Kredite und Banken.

    Der Keynesianismus kann auch nichts dafür, dass die Nationalstaaten zu dumm sind ihre Politik mit einem Gegenkonzept zu finanzieren.
    Ich verstehe bis heute nicht wo das Problem liegen soll dabei, es gibt mehr als genügend Finanzierungsmöglichkeiten außerhalb des Sozialabbaus.
    Ach, ich vergaß. die Wurden ja im Zuge des Neoliberalismus abgebaut, da der Staat ja zu "fett" geworden ist. Deswegen wurden ja bestimmte Steuern wie Erbschafts/Vermögenssteuer usw. für nichtig erklärt...

  5. http://online.wsj.com/art...

    oder wie man aus den fehlern der vergangenheit nichts lernt...

    Eine Leserempfehlung
    • wd
    • 10.05.2012 um 19:38 Uhr

    Eine Inflation schadet Milliardären nicht, denn ihr Vermögen ist nie Bargeld sondern Sachwerte wie z.B. Firmen, Gebäude.
    Sie schadet den kleinen Leuten mit ihren Ersparnissen und Riesterrenten.
    Außerdem steigen mit der Inflation die Zinsen für Schulden.

    5 Leserempfehlungen
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    Ich kann Kommentar 8 nur beipflichten: Inflation enteignet diejenigen, die ihr Geld "risikoarm" angelegt haben, d.h. in Werten, deren Wert sich in Geldeinheiten bemisst: Besitzer von Sparbüchern, von Staatsanleihen, von Sparplänen, von Lebensversicherungen (deren Wert von den Versicherungsgesellschaften zum großen Teil in Anleihen gesichert werden). Das sind solche Menschen, denen das Kursrisiko von Aktien zu hoch ist und deren Anlagesummen, Zeit und oft auch Expertise nicht ausreichen, ein Unternehmen oder eine Immobilie zu kaufen, zu leiten oder zu verwalten.

    Die richtig Reichen haben genug, um sich die Kursrisiken von Sachanlagen und die Expertise von professionellen Verwaltern leisten zu können. Inflation trifft also die Mitte der Gesellschaft, nicht die ganz Reichen und natürlich auch nicht die völlig Vermögenslosen.

    1. Würden die Zinsen nominal steigen, dann wären Sie real ja immer noch niedriger. (allgemein)

    Speziell:
    2. Wenn die Inflation dadurch entsteht das die Zentralbanken Geld in den Markt pumpen, dann ist das Geld billig. Also die Zinsen niedrig. Die Zinsen können ja schlecht aufgrund der Inflation steigen, wenn die Inflation durch zu geringe Zinsen ausgelöst wurden.

    Ich kann Kommentar 8 nur beipflichten: Inflation enteignet diejenigen, die ihr Geld "risikoarm" angelegt haben, d.h. in Werten, deren Wert sich in Geldeinheiten bemisst: Besitzer von Sparbüchern, von Staatsanleihen, von Sparplänen, von Lebensversicherungen (deren Wert von den Versicherungsgesellschaften zum großen Teil in Anleihen gesichert werden). Das sind solche Menschen, denen das Kursrisiko von Aktien zu hoch ist und deren Anlagesummen, Zeit und oft auch Expertise nicht ausreichen, ein Unternehmen oder eine Immobilie zu kaufen, zu leiten oder zu verwalten.

    Die richtig Reichen haben genug, um sich die Kursrisiken von Sachanlagen und die Expertise von professionellen Verwaltern leisten zu können. Inflation trifft also die Mitte der Gesellschaft, nicht die ganz Reichen und natürlich auch nicht die völlig Vermögenslosen.

    1. Würden die Zinsen nominal steigen, dann wären Sie real ja immer noch niedriger. (allgemein)

    Speziell:
    2. Wenn die Inflation dadurch entsteht das die Zentralbanken Geld in den Markt pumpen, dann ist das Geld billig. Also die Zinsen niedrig. Die Zinsen können ja schlecht aufgrund der Inflation steigen, wenn die Inflation durch zu geringe Zinsen ausgelöst wurden.

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