Rio de JaneiroSpieglein, Spieglein überm Bett

In Rio de Janeiro gibt es nicht genügend Gästezimmer. Jetzt knipsen die Love-Motel-Besitzer ihr Rotlicht aus und werben um neue Kunden. Ein Interview mit dem Hotelier Secundino Lema von 

Der Stadtteil Barra da Tijuca liegt am Strand von Rio de Janeiro.

Der Stadtteil Barra da Tijuca liegt am Strand von Rio de Janeiro.  |  © Sergio Moraes/Reuters

DIE ZEIT: Während der UN-Umweltkonferenz Rio+20 im Juni werden in Ihrer Stadt die Zimmer knapp. Jetzt haben Sie zusammen mit Hunderten weiterer Love-Motel-Betreiber angeboten, Ihre Stundenhotels für Kongressbesucher zu öffnen. Mal ehrlich, Herr Lema – ist das nicht etwas gewagt?

Secundino Lema: Ich sehe das als Beitrag zum öffentlichen Gemeinwohl. Unsere Motels liegen ja in der Nähe des Konferenzzentrums.

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ZEIT: Welche Gegend ist das?

Lema: Barra da Tijuca, ein relativ neuer und sehr moderner Stadtteil am Strand.

ZEIT: Machen Sie da nicht enorme Verluste? Stundenweise können Sie die Zimmer doch sicher viel teurer vermieten.

Lema: Für uns macht das eigentlich keinen Unterschied. In unseren Love-Motels gibt es ja ohnehin auch Tarife für die ganze Nacht ...

ZEIT: ... und die berechnen Sie dann den Kongressbesuchern?

Lema: Nein, die müssen natürlich mehr bezahlen. Wir nehmen den Preis für die Übernachtung und rechnen dann die einzelnen Stunden des Tages dazu.

ZEIT: Müssen die Zimmer für die politisch korrekten Besucher einer Klimakonferenz sehr verändert werden? Auf erotisches Mobiliar und Sexspielzeug legen die ja wahrscheinlich weniger Wert.

Lema: Nein, wir bauen nichts um. Unsere Motels haben sowieso eher eine neutrale Einrichtung, nicht den typischen Look eines Love-Motels. Bei uns gibt es keine runden Betten oder Wassermatratzen.

Leserkommentare
  1. "Secundino Lema: Ich sehe das als Beitrag zum öffentlichen Gemeinwohl. Unsere Motels liegen ja in der Nähe des Konferenzzentrums."

    Ich wohne in Berlin- Friedrichshain und habe heute meine fristlose Kündigung bekommen, nachdem alle Stalinbauten von israelischen Investoren (Home Center Liegenschaften) gekauft wurden.
    Hier wie dort wird den Leuten das systematische Rausmobben der angestammten Bevölkerung als Gemeinwohl und Aufwertung verkauft. Der eigentliche Grund ist aber das Media-Spree-Projekt, was viele Juppis mit viel Geld anziehen wird.

    Eine Leserempfehlung

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