Kulturpolitik: Verwahrloste Finanzen
Die Zeiten des kulturellen Wohlstands am Rhein sind vorbei: Vier Opernhäuser bangen um ihre Existenz.
Es waren geruhsame Zeiten, als der Musikfreund durchs Land fuhr und wusste: An jeder zweiten Gießkanne steht auch ein Opernhaus. Hier, am rheinischen Rhein, dem Wohlstandsgebiet der kulturellen Grundversorgung, waren sie seit je besonders funkelnd aufgereiht – die Häuser in Bonn, Köln, Düsseldorf, Duisburg. Zwar sorgten sie selten für Kritikerschlagzeilen, aber die Finanzen stimmten, und die Opernfreunde waren zufrieden.
Jetzt ist binnen Monatsfrist die pure Existenznot über die vier Bühnen hereingebrochen. Duisburg steht unter einem Haushaltssicherungsplan, der dem Kämmerer bis 2016 die Sparsumme von 60 Millionen Euro abverlangt – und der Kulturdezernent sieht keine andere Wahl, als die Aufkündigung der Opernehe mit Düsseldorf in Aussicht zu stellen. Seit 1956 sind die Städte in der Deutschen Oper am Rhein fusioniert, die ihnen für kleines Geld hohen Ertrag einbringt; Duisburg investiert 10,6 Millionen Euro und bekommt dafür 100 Aufführungen im Jahr. Kleinere Häuser würden jubeln, hätten sie solche Konditionen.
In Köln kämpft dagegen der Intendant Uwe Eric Laufenberg einen grotesk anmutenden Kampf gegen Kommunalpolitiker, die glorioses Musiktheater wünschen, aber nur begrenzt Geld ausgeben wollen. Alle paar Tage offeriert Laufenberg die Auflösung seines Vertrags, wird im Kulturdezernat erhört oder abgewimmelt – und hat bislang noch immer keinen rechtsgültigen Spielplan für 2012/13 vorstellen können. Die Künstler hat er zwar, darf ihre Verträge aber nicht unterschreiben.
Im nicht minder verwahrlosten Bonn meldet sich jetzt Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch zu Wort und ruft Fusionswünsche mit Köln aus, die dort ungehört verhallen. Düsseldorfs OB Dirk Elbers verwirft sogar die Intimfeindschaft mit Köln und schlägt eine Kooperation vor. Sehr geehrte Herren Oberbürgermeister: Unter Zwang und nicht organisch herbeigeführte Kooperationen, das lehrt die Erfahrung, bringen kaum finanzielle Entlastung. Hingegen überfordern sie jede Logistik.
Hier wie dort ist die Not hausgemacht, fast wirkt sie wie die Rache der Vielfalt. Das NRW-Publikum ist aus den geruhsamen Zeiten verwöhnt: Die spielen, ob wir hingehen oder nicht! Die Bühnen selbst sind längst aus ihrer Trägheit erwacht. Sie müssen fortwährend tricksen, um über die Runden zu kommen: Ihre Etats sind fast überall eingefroren oder verkleinert, Tarifsteigerungen müssen sie aus eigener Kraft auffangen, und weil Personalkosten den Löwenanteil verschlingen, fällt das kreative Sahnehäubchen notgedrungen dürftig aus.
Wie es anders geht, zeigt das Beispiel Bochum: Dort ist der Kulturetat unantastbar, Folge auch eines früh erwachten Bürgersinns, der sich das neue Konzerthaus aus eigener Kraft erkämpfte. Diese Ressourcen der Bevölkerung wurden anderswo zu spät mobilisiert. Dass der Duisburger Partner der Rheinoper nur 59 Prozent Auslastung erreicht, ist der Schönheitsfehler in einer Argumentation, die Besitzstand für unantastbar erklärt. Andererseits wäre Duisburgs Ausstieg aus dem Erfolgsmodell Rheinoper ein Schritt, für den es keine Revision gibt. Was einmal kastriert wurde, lässt sich später kaum wieder fruchtbar machen. Radikaleingriffe bringen auch deshalb wenig, weil das zu entlassende Personal entweder Anspruch auf (zum Teil enorme) Abfindungen oder auf Weiterbeschäftigung hat. Und was käme stattdessen? Gastspiele aus der polnischen Provinz mit einem altersschwachen Titelhelden und einer haubitzenhaften Primadonna sind keine wünschenswerte Alternative.
Das Missliche an der Debatte ist, dass Duisburg, Düsseldorf und Köln derzeit künstlerisch den Anschluss an die Spitzenklasse suchen – und auch finden. Sogar die Rezensenten der überregionalen Zeitungen besuchen wieder die Rheinopern. Und die vielen Tausend Klicks auf dem Knopf für das Petitionsbegehren, das die Rheinoper auf ihrer Internetseite an Duisburgs Politiker richtet, kommen nicht von ungefähr. Wollen Bürger ihre Opernhäuser sichern, dürfen sie die Quote nicht verschmähen. Die beeindruckt Politiker immer. Deshalb, Duisburger: Kauft Opernkarten, und geht hin!











Nur weil irgendwer behauptet, Oper sei Kultur muss das nicht stimmen. Wenn Leute aus dem Hochbürgertum das gerne sehen wollen, sollen sie das auch bezahlen. Es ist ja nicht so, dass wir Millionen für Musseen und andere Kulturstätten ausgeben. Nur die Museen werden von einigen zehntausend Leuten im Jahr besucht, die Oper von einigen hundert.
Warum soll Oper/Theater ein höheres Kulturgut als z.B. als (Rock-/Pop/???-)Musik oder ein Musical sein?
Warum muss die Allgemeinheit das Hobby der (in der Regel) besser verdienenden Schicht bezahlen. Wenn sie es wirklich wollen, können sie ja auch die vollen Kosten zahlen.
Für die Allgemeinheit sind Sportvereine/Schwimmbäder und andere Vereine (VHS, freiwillige Feuerwehr, soziale ~) viel wichtiger. Dort sollte das Geld eher ausgegeben werden!
Mit einfachen Behauptungen gießen Sie viel eher Öl ins Feuer, alldieweil in Opernhäusern nicht nur Opern oder Operetten zu sehen sind, sondern ebenso Musicals und auch durchaus sinnreiche Experimente! Hinzu kommt, daß Sie bei den Besucherzahlen weit entfernt sind, was die Realität anbelangt. Große Opernhäuser haben meist um die 1.000 Zuschauerplätze und mehr...im Jahre wird es daher ebenso bei den Opern am Rhein locker im fünfstelligen Bereich liegen, was sie Besucherzahl anbelangt. Ihr Vorurteil zum Zuschauer des "Hochbürgertums" ist längst nicht mehr zeitgemäß!
Mit einfachen Behauptungen gießen Sie viel eher Öl ins Feuer, alldieweil in Opernhäusern nicht nur Opern oder Operetten zu sehen sind, sondern ebenso Musicals und auch durchaus sinnreiche Experimente! Hinzu kommt, daß Sie bei den Besucherzahlen weit entfernt sind, was die Realität anbelangt. Große Opernhäuser haben meist um die 1.000 Zuschauerplätze und mehr...im Jahre wird es daher ebenso bei den Opern am Rhein locker im fünfstelligen Bereich liegen, was sie Besucherzahl anbelangt. Ihr Vorurteil zum Zuschauer des "Hochbürgertums" ist längst nicht mehr zeitgemäß!
Warum soll Oper/Theater ein höheres Kulturgut als z.B. als (Rock-/Pop/???-)Musik oder ein Musical sein?
Warum muss die Allgemeinheit das Hobby der (in der Regel) besser verdienenden Schicht bezahlen. Wenn sie es wirklich wollen, können sie ja auch die vollen Kosten zahlen.
Für die Allgemeinheit sind Sportvereine/Schwimmbäder und andere Vereine (VHS, freiwillige Feuerwehr, soziale ~) viel wichtiger. Dort sollte das Geld eher ausgegeben werden!
Mit einfachen Behauptungen gießen Sie viel eher Öl ins Feuer, alldieweil in Opernhäusern nicht nur Opern oder Operetten zu sehen sind, sondern ebenso Musicals und auch durchaus sinnreiche Experimente! Hinzu kommt, daß Sie bei den Besucherzahlen weit entfernt sind, was die Realität anbelangt. Große Opernhäuser haben meist um die 1.000 Zuschauerplätze und mehr...im Jahre wird es daher ebenso bei den Opern am Rhein locker im fünfstelligen Bereich liegen, was sie Besucherzahl anbelangt. Ihr Vorurteil zum Zuschauer des "Hochbürgertums" ist längst nicht mehr zeitgemäß!
Mit einfachen Behauptungen gießen Sie viel eher Öl ins Feuer, alldieweil in Opernhäusern nicht nur Opern oder Operetten zu sehen sind, sondern ebenso Musicals und auch durchaus sinnreiche Experimente! Hinzu kommt, daß Sie bei den Besucherzahlen weit entfernt sind, was die Realität anbelangt. Große Opernhäuser haben meist um die 1.000 Zuschauerplätze und mehr...im Jahre wird es daher ebenso bei den Opern am Rhein locker im fünfstelligen Bereich liegen, was sie Besucherzahl anbelangt. Ihr Vorurteil zum Zuschauer des "Hochbürgertums" ist längst nicht mehr zeitgemäß!
Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk
Ich bin nicht der Nabel der Kunstwelt, also verstehe ich das meiste was da gespielt wird nicht. Mein Portemonaise ist auch nicht der Nabel der Finanzwelt, deshalb verstehe ich auch nicht warum ich für diese Kultur zahlen soll. Wäre es nicht vielleicht erfolgreicher man suchte Programme, die weniger elitär, dafür aber besser besucht sind?
Kunst sollte doch den Menschen dienen und kein Selbstzweck sein!
Oft wird eine Eintrittskarte mit 30 € vom Steuerzahler subventioniert, d.h. der kleine Mann muss für das Hobby der oberen 10.000 bluten und dafür, dass Berufsmusiker ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und i.d.R. dafür mit 3500 € pro Monat, d.h. fürstlich, entlohnt werden.
Opernhäuser stammen noch aus einer Zeit, als es keine Fernsehübertragungen und Videos von Opern gab. In der heutigen Zeit aber, wo sich Opern mittels Kabel und Funk übertragen lassen und jeder TV und Video hat, braucht nicht jedes Dorf eine eigene Oper.
Im Übrigen sollten sich Opernhäuser wie Zeitungen, Buchverlage und Rockgruppen (diese vermitteln auch Kultur) dem Wettbewerb stellen (dies erhöht die Qualität) und ihr Geld selbst verdienen anstatt am Busen des Staates zu saugen.
Ich glaube Sie haben, mit Verlaub gesagt, keine Ahnung, was ein Musiker an einem Opernhaus verdient, bzw. in welchem Maße eine Vergütung für einen Künstler an einem Theater angemssen wäre. Es sind ja nicht nur die Orchestermusiker die bezahlt werden müssen. Sänger, Pianisten, Dirigenten bekommen häufig Anfängerverträge in denen sie für durchschnittliche Arbeitstage von 12-13 Stunden lediglich 1200 Euro (wenn überhaupt) netto verdienen. Dazu sind sie von keinerlei Gewerkschaft abgesichert und kriegen meist auf 1-2 Jahre befristete Verträge. Das heißt der lustige Bewerbungsmarathon in dem sich meist hunderte Bewerber auf eine Stelle stürzen kann mitunter ein ganzes Leben dauern. Selbst die unbefristeten Orchesterstellen werden immer rarer und über Praktikantenverträge und Aushilfen besetzt. Das ist keine prickelnde Situation für einen, der schon vor dem ersten Engagement ca. zwanzig Jahre jeden Tag unzählige Stunden übt. Ein "fürstliches" Gehalt sieht anders aus. Zumal ich selbst einen Solisten-Vertrag über 3500€ gerne sehen möchte.
Ich glaube, dass das Problem an einer anderen Stelle beginnt. Wir haben unglaublich viele Musikhochschulen die überdurchschnittlich viele Orchestermusiker ausbilden. Würden die Hochschulen/die Länder die Ausbildung von Musikern verstärkt auf die Musikpädagogik lenken, würde es auch sicherlich nicht so viel unglaublich schlicht gehaltene Kommentare auf dieser Plattform geben und das Interesse an Kultur weiter steigen, ergo höhere Publikumszahlen.
Ich glaube Sie haben, mit Verlaub gesagt, keine Ahnung, was ein Musiker an einem Opernhaus verdient, bzw. in welchem Maße eine Vergütung für einen Künstler an einem Theater angemssen wäre. Es sind ja nicht nur die Orchestermusiker die bezahlt werden müssen. Sänger, Pianisten, Dirigenten bekommen häufig Anfängerverträge in denen sie für durchschnittliche Arbeitstage von 12-13 Stunden lediglich 1200 Euro (wenn überhaupt) netto verdienen. Dazu sind sie von keinerlei Gewerkschaft abgesichert und kriegen meist auf 1-2 Jahre befristete Verträge. Das heißt der lustige Bewerbungsmarathon in dem sich meist hunderte Bewerber auf eine Stelle stürzen kann mitunter ein ganzes Leben dauern. Selbst die unbefristeten Orchesterstellen werden immer rarer und über Praktikantenverträge und Aushilfen besetzt. Das ist keine prickelnde Situation für einen, der schon vor dem ersten Engagement ca. zwanzig Jahre jeden Tag unzählige Stunden übt. Ein "fürstliches" Gehalt sieht anders aus. Zumal ich selbst einen Solisten-Vertrag über 3500€ gerne sehen möchte.
Ich glaube, dass das Problem an einer anderen Stelle beginnt. Wir haben unglaublich viele Musikhochschulen die überdurchschnittlich viele Orchestermusiker ausbilden. Würden die Hochschulen/die Länder die Ausbildung von Musikern verstärkt auf die Musikpädagogik lenken, würde es auch sicherlich nicht so viel unglaublich schlicht gehaltene Kommentare auf dieser Plattform geben und das Interesse an Kultur weiter steigen, ergo höhere Publikumszahlen.
Warum soll Oper/Theater ein höheres Kulturgut als z.B. als (Rock-/Pop/???-)Musik oder ein Musical sein?
Warum muss die Allgemeinheit das Hobby der (in der Regel) besser verdienenden Schicht bezahlen. Wenn sie es wirklich wollen, können sie ja auch die vollen Kosten zahlen.
Für die Allgemeinheit sind Sportvereine/Schwimmbäder und andere Vereine (VHS, freiwillige Feuerwehr, soziale ~) viel wichtiger. Dort sollte das Geld eher ausgegeben werden!
Eine der besten Opern der Welt, die Metropolitan Opera, kommt ohne staatliche Subventionen aus.
Ebenso bei den meisten Filmstudios in Hollywood, die viele kulturell sehr hoch hochwertige Filme produzieren im Gegensatz zur Masse der ZDF- und ARD-Eigenproduktionen, für die alle GEZ-Zahler aufkommen.
Nicht nur im Handwerk fördert Wettbewerb und Eigenverantwortung eben die Qualität.
Die MET ist eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt gehört aber nicht zu den besten.
Die MET ist eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt gehört aber nicht zu den besten.
In Zeiten wo öffentliche Armut großem privaten Wohlstand einiger weniger gegenübersteht, sollten sich doch Finanziers finden lassen, die dafür sorgen, daß die Opern gerettet werden.
Eiskalt: Macht doch die Läden zu und zwar sofort! 1.tens sind Opern Bonzenkultur, da geht nur rein, wer einen Benz in der Garage hat und wird auch noch subventioniert. Warum muss es immer so ein Gigantenzeug sein. In M war ein kleines Theater um die Ecke und irgendwo weiter weg ein Kino, dass außergewöhnliche Filme zeigte, in dem man allerdings saß wie in einem Folterstuhl - kein Problem, das waren Ereignisse. Dieses Gerausche mit Abendkleidern und Smoking in der Oper und Co.- wer steht da überhaupt drauf?! Sollen doch die Operngeher die ganzen Aufführungen selbst bezahlen und zwar komplett incl. Miete und Bühnenbildern und Schauspielern etc.. Dann wärs mir egal. Es genügt, wenn alle 100 kms so ein Haus steht, der betuchte Herr Doktor oder Rechtsanwalt kann auch dahin pilgern. Aber an jeder Ecke eine Oper? Wenn man ein Spiel von Bayern München sehen will, muss der Normalbürger auch sein Auto anwerfen und kann auch nicht erwarten, dass man vor seiner Haustür kickt. 1 Oper sind ca.50 Nachbarschaftsbühnen. Also zumachen dieses Elitezeug! Lieber Kultur für alle!
Ich gehe in die Oper, wenn ich die Gelegenheit und besitze kein Auto. Die wahre Bonzenkultur finden Sie heutzutage längst in Fußballstadien, Andrew-Lloyd-Webber-Musicals und Rockkonzerten. Das sind die Lieblingsveranstaltungen des neureichen, ungebildeten Plebs. Opernhäuser (Bayreuth und Salzburg sind nicht der Maßstab) werden in der Regel vom gebildeten Bürgertum besucht. Meiner Ansicht nach wird zuviel Geld in den Sport gesteckt. Ich sehe nicht ein, weshalb endlose Sportübertragungen und lärmende Rockkonzerte vom ÖR übertragen werden, von meinen GEZ-Gebühren. In kleineren Städten wird ohnehin jeder lumpige Sportverein von der Kommune unterstützt, während für Musikschulen und anspruchsvollere Kulturveranstaltungen kein Geld mehr da ist. Wer wundert sich da noch über PISA?
... auf einen Haufen haben SIe wohl nicht mehr gefunden? Ich bin weder Rechtsanwalt noch Arzt, befinde mich in keiner gehobenen Stellung und fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Oper, weil ich gar kein Auto habe. Einen Smoking brauchen Sie nicht; ein halbwegs vernünftiger Anzug tut es auch, und den dürfte jeder im Schrank haben. Und was Sie in der Oper, dank Subventionen zu einem vernünftigen Preis geboten bekommen, übersteigt als Kulturerlebnis so ziemlich alles, was Sie sonst geboten bekommen.
Um Menschen, die so virtuos ausgebildet sind, bezahlen zu können, bedarf es der Subventionen. Und die sind ebenso gerechtfertigt wie jeder Mietzuschuss für einen Arbeitslosen oder sonst jede staatliche Ausgabe. Hier werden alte Kulturtechniken gepflegt und am Leben gehalten, und auch das gehört zur Aufgabe eines Staates.
Dieses ewige Gegenrechnen zwischen Kultur und den "wirklich wichtigen Dingen" ist eine der größten Perfidien. Kultur IST eins der wirklich wichtigen Dinge.
Ich gehe in die Oper, wenn ich die Gelegenheit und besitze kein Auto. Die wahre Bonzenkultur finden Sie heutzutage längst in Fußballstadien, Andrew-Lloyd-Webber-Musicals und Rockkonzerten. Das sind die Lieblingsveranstaltungen des neureichen, ungebildeten Plebs. Opernhäuser (Bayreuth und Salzburg sind nicht der Maßstab) werden in der Regel vom gebildeten Bürgertum besucht. Meiner Ansicht nach wird zuviel Geld in den Sport gesteckt. Ich sehe nicht ein, weshalb endlose Sportübertragungen und lärmende Rockkonzerte vom ÖR übertragen werden, von meinen GEZ-Gebühren. In kleineren Städten wird ohnehin jeder lumpige Sportverein von der Kommune unterstützt, während für Musikschulen und anspruchsvollere Kulturveranstaltungen kein Geld mehr da ist. Wer wundert sich da noch über PISA?
... auf einen Haufen haben SIe wohl nicht mehr gefunden? Ich bin weder Rechtsanwalt noch Arzt, befinde mich in keiner gehobenen Stellung und fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Oper, weil ich gar kein Auto habe. Einen Smoking brauchen Sie nicht; ein halbwegs vernünftiger Anzug tut es auch, und den dürfte jeder im Schrank haben. Und was Sie in der Oper, dank Subventionen zu einem vernünftigen Preis geboten bekommen, übersteigt als Kulturerlebnis so ziemlich alles, was Sie sonst geboten bekommen.
Um Menschen, die so virtuos ausgebildet sind, bezahlen zu können, bedarf es der Subventionen. Und die sind ebenso gerechtfertigt wie jeder Mietzuschuss für einen Arbeitslosen oder sonst jede staatliche Ausgabe. Hier werden alte Kulturtechniken gepflegt und am Leben gehalten, und auch das gehört zur Aufgabe eines Staates.
Dieses ewige Gegenrechnen zwischen Kultur und den "wirklich wichtigen Dingen" ist eine der größten Perfidien. Kultur IST eins der wirklich wichtigen Dinge.
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