KoalitionSPD und FDP – geht das?

Im Jahr 2013 wollen die Sozialdemokraten im Bund wieder regieren. Parteichef Sigmar Gabriel hofft darauf, dass nach einem rot-grünen Wahlsieg in Nordrhein-Westfalen dieselbe Option im Bund entsteht. Doch der Aufstieg der Piraten hat die Aussicht auf Rot-Grün verstellt. In einem Sieben-Parteien-Bundestag wird eine traditionelle Zwei-Parteien-Koalition aller Wahrscheinlichkeit nach keine Mehrheit erreichen.

Wenn die SPD wieder regieren will, muss sie sich deshalb auf andere Koalitionsperspektiven einstellen. Sie wird sich mit einem ihrer politischen Gegner einlassen müssen – mit der Union in einer Großen Koalition oder mit den Liberalen in einer rot-grün-gelben Ampel.

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In der Hierarchie unangenehmer Bündnisse steht für die SPD die Große Koalition ganz oben. Aus der letzten gemeinsamen Regierung mit CDU und CSU sind die Sozialdemokraten bei den Neuwahlen 2009 mit 23 Prozent hervorgegangen. Als Juniorpartner der Union mitzuregieren ist für ihre Anhängerschaft offenbar ein Demobilisierungsprogramm erster Güte. Die SPD wird alles daransetzen, eine Neuauflage dieser Allianz zu vermeiden.

Deshalb werden sich die Sozialdemokraten langsam, fast unmerklich der Option einer Ampel mit Grünen und der FDP annähern. So harmonisch freilich wie die sogenannte Dänen-Ampel, die gerade in Schleswig-Holstein Gestalt annimmt, wird die echte Ampel nicht zu haben sein. Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), die Partei der dänischen Minderheit im Norden, ist selbst rot-grün angehaucht – was sich von der FDP bekanntlich nicht sagen lässt.

Wenn sich die Liberalen neuerdings rühmen, die einzige nicht sozialdemokratische Partei Deutschlands zu sein, ist darin bereits die Zumutung erkennbar, die eine Ampelkoalition für die SPD mit sich bringen würde. Immerhin, neben der fortdauernden Koketterie mit dem liberalen Anderssein versucht sich die FDP mit Christian Lindner in Nordrhein-Westfalen auch schon ein bisschen für ihre postideologische Ära herzurichten. Nicht ausgeschlossen, dass sich am Ende sogar ein paar Gemeinsamkeiten mit der SPD finden lassen. Einfach wird das sicher nicht.

Früher hieß es, politische Probleme suchten sich die Koalitionen, die zu ihrer Lösung geeignet seien. In einer Ampel aber wären die drei Parteien selbst das Problem. Mit dem Dreierbündnis käme ja nicht ein Programm an die Macht, sondern drei machtwillige Parteien begäben sich widerwillig auf die Suche nach inhaltlichen Überschneidungen. Dass die SPD dabei nicht nur gegenüber den Grünen ökologische, sondern nun auch noch gegenüber der FDP ökonomische Zugeständnisse machen müsste, ist klar. Aber das eigentliche Problem läge gar nicht in ein paar Kompromissen.

Die SPD tut sich seit je schwer mit den Zumutungen des Regierens. In einer Koalition mit der FDP wäre das vom Start weg zu besichtigen. Die Sozialdemokraten werden deshalb vor den Wahlen über eine Ampel nicht reden und sich danach nur unter größten Vorbehalten auf sie einlassen. Sicher, mithilfe der FDP dürfte die SPD wieder den Kanzler stellen und könnte die Union machtpolitisch isolieren. Aber insgeheim wird sie sich vom ersten Tag an für die Koalition mit der »Partei des Neoliberalismus« schämen. Der Preis, den die SPD in einer Ampel zu zahlen hätte, ist so groß wie die Verachtung, die sie gegenüber den Liberalen so lange gepflegt hat.

 
Leserkommentare
  1. Wenn man sich die "Performance" der SPD in den vergangenen 10 Jahren mal ansieht -- warum um Himmels willen sollte sich Herr Lindner das antun?

    Ein Blick nach Berlin und schon ist klar, dass die SPD für die Übernahme von politischer Verantwortung VOLLKOMMEN UNGEEIGNET ist.

    Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich vermute stark, dass die SPD im Verharren in ihrer selbst verschuldeten politischen Unmündigkeit politisch noch unreifer ist, als die Piratenpartei - bei der das der noch fehlenden Erfahrung geschuldet ist.

    Jeder, der sich mit einer SPD zum Regieren ins Bett legt, muss politisch lebensmüde sein ..

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    Meine Aussagen zur Unreife der FDP 1:1 auf die SPD zu adaptieren ist plump und lächerlich: Weder steht die SPD am erwartbaren Ende ihrer Existenz, noch ist die SPD "auch in der Regierung gleichzeitig Opposition".

    Die FDP ist einfach "durch" während die SPD sicherlich noch ein paar Jahrzehnte vor sich hat. Ich hoffe inständig, dass der Wähler in NRW heute einen sauberen Blattschuß setzt, so dass sie schon bei der Bundestagswahl in die Riege der sonstigen Parteien eingruppiert werden kann - neben den bibeltreuen Christen..

    Meine Aussagen zur Unreife der FDP 1:1 auf die SPD zu adaptieren ist plump und lächerlich: Weder steht die SPD am erwartbaren Ende ihrer Existenz, noch ist die SPD "auch in der Regierung gleichzeitig Opposition".

    Die FDP ist einfach "durch" während die SPD sicherlich noch ein paar Jahrzehnte vor sich hat. Ich hoffe inständig, dass der Wähler in NRW heute einen sauberen Blattschuß setzt, so dass sie schon bei der Bundestagswahl in die Riege der sonstigen Parteien eingruppiert werden kann - neben den bibeltreuen Christen..

  2. zu "verhindern", sondern in erster Linie zu "gestalten". Auch wenn das für eher linksorientierte etas ungewohnt ist.

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    Wir bitten von der Austragung von Privatfehden abzusehen, und zu einer themenbezogenen Diskussion zurück zu kehren. Danke, die Redaktion/au.

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  3. 19. [...]

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  4. Solange diese nicht zurückkehrt zur FDP der sozialiberalen Phase (notabene 1. Teil), solange möge sie am Orkus schnüffeln: Kein Mitleid mit den Mitleidlosen.

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  5. 21. [...]

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  6. Der Duden kennt das Wort schleimen als "schmeichelnd, heuchlerisch reden oder schreiben".

    Eben diese Attribute treffen den Nagel auf den Kopf, wenn man sich die Besetzung der FDP-Spitze seit Westerwelle ansieht (Kubucki mag eine Ausnahme sein ..). Die Krönung bzgl. schmeichelnd/heuchlerischer Selbstüberhöhung (er als Anpacker: auf jedem Schiff, das dampft und segelt, ..") hatte sich ja Herr Westerwelle seinerzeit im Bundestags-Wahlkampf geleistet - und im Augenblick der Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit angefangen, arme/Besitz-lose Mitbürger zu (externen) Sündenböcken zu machen.

    Gleiches gilt dann für Herrn Rössler, der in seiner ganzen lächerlich zur Schau gestellten Naivität ("Jepp ..") dieses schmeicheln/heucheln ebenso beherrscht wie Westerwelle. Und ebenso ist das jetzt mit dem anderen Boygroup-Lindner: Ein neuer liebster Schwiegersohn - der absehbar auch keine Politik machen (können) wird. Sollte er in irgend eine politisch Verantwortung geraten (biite nicht!), so ist absehbar, dass das gleiche wie bei Westerwelle und bei Rössler passiert: Er wird scheitern, weil das neoliberale in der FDP nicht zum Regieren taugt. Es ist nur dazu da, den Reichen ihre Gesetzt zu schreiben - denn tatsächlich verhöhnt die FDP die Marktwirtschaft: Dort wo ihre Klientel von Wettbewerb bedroht wird, schafft sie denen ihre Ausnahmen.

    Daher muss man sagen dürfen, dass die FDP möglicherweise über die 5%-Hürde "schleimt", weil sie lügt und dem Wähler das Wort redet ohne liefern zu können.

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    Antwort auf "Welche FDP?"
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    [...] Sie beschäftigen sich ja mit nichts anderem mehr als der FDP. Sie muss einen nachhaltigen Eindruck bei Ihnen hinterlassen haben. Ist Ihnen Freiheit derart suspekt?

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf provozierende Äußerungen und verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/au.

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  7. 23. [...]

    [...] Sie beschäftigen sich ja mit nichts anderem mehr als der FDP. Sie muss einen nachhaltigen Eindruck bei Ihnen hinterlassen haben. Ist Ihnen Freiheit derart suspekt?

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  8. 24. [...]

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