Sigmar Gabriel Große Koalition? Nein danke!
SPD-Chef Sigmar Gabriel über eine Wende für Europa, den Humor der Piraten – und mögliche neue Bündnisse nach der nächsten Bundestagswahl.
© Tobias Schwarz / Reuters

SPD-Chef Sigmar Gabriel
DIE ZEIT: Herr Gabriel, Sie haben den Wahlsieg von François Hollande eine Richtungsentscheidung für Europa genannt. Ist das nicht ein bisschen zu hoch gegriffen?
Sigmar Gabriel: Nein. Wir brauchen diesen Wechsel. Frau Merkel und Herr Sarkozy haben bislang die falsche Richtung vorgegeben. Das Zusammenkürzen von Staatshaushalten sollte Europa aus der Krise führen. Stattdessen bricht um uns herum nun die Wirtschaft zusammen, und auch in Deutschland gibt es die ersten Anträge auf Kurzarbeit. Mit François Hollande als Mitte-links-Präsident einer europäischen Führungsnation bekommt die Forderung nach einem Wachstumspakt enormen Schwung. Das ist der Richtungswechsel, dem sich Frau Merkel nun anpassen wird.
ZEIT: Hat sie das nicht bereits getan? Auch die Kanzlerin will inzwischen den Sparkurs mit einem Wachstumsprogramm kombinieren.
Gabriel: In der rhetorischen Anpassung war sie schon immer blitzschnell. Frau Merkel versteht unter Wachstum aber lediglich, den Arbeitsmarkt weiter zu liberalisieren, also den Druck auf die Arbeitnehmer noch mehr zu erhöhen. Die Kaufkraft in diesen Ländern schwindet dadurch vollends. Das Ergebnis dieser Politik sehen wir gerade in Griechenland: Die Rechtsradikalen und die Europa-Feinde ziehen in die Parlamente ein.
ZEIT: Sie haben angekündigt, die SPD werde zur Bundestagswahl 2013 so wenig versprechen wie noch nie – aber alles, was sie verspreche, werde sie dann auch halten. Das war nicht die Maxime, mit der Ihr Freund Hollande gewonnen hat.
Gabriel: Das müssen Sie erklären.
ZEIT: Nun, er hat versprochen, den Fiskalpakt neu zu verhandeln, die Rente mit 60 wieder einzuführen und den Spitzensteuersatz auf 75 Prozent anzuheben – das wird er kaum halten können.
Gabriel: Der Fiskalpakt wird durch einen Wachstumspakt ergänzt, das Versprechen wird er also schon mal halten. Die Franzosen haben eine weit bessere demografische Entwicklung als wir Deutschen, auch weil sie viel früher eine flächendeckende Kinderbetreuung verwirklicht haben. Deshalb können sie sich auch eine andere Rentenpolitik leisten als wir. Und 75 Prozent Spitzensteuersatz auf Einkommen über einer Million? Da kommt viel weniger heraus als bei den 49 Prozent ab 100000 Euro, die wir fordern. Ich sehe keine unhaltbaren Versprechen.
ZEIT: Hollande erweckte im Wahlkampf den Eindruck, es gebe für Europa eine Alternative zum Konsolidierungskurs. Ist das nicht unlauter?
Gabriel: Die Kritik am fantasielosen Spardiktat von Frau Merkel teilen doch längst fast alle Ökonomen. Und gerade wir Deutschen sind dafür das beste Beispiel: Wir haben doch selbst in der Krise investiert, haben Arbeitsplätze gehalten und können jetzt Schulden abbauen. Das mussten wir Sozialdemokraten damals in der Großen Koalition gegen viele aus der CDU durchsetzen. Heute profitieren wir davon.
- Datum 13.05.2012 - 13:45 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.5.2012 Nr. 20
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Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/au.
Zum Glück wählen die Leute hier Piraten und nicht die Rechtsextremen. Darüber kann man wirklich froh sein.
und leider hat die SPD nichts mit den Lebenwelten der Menschen zu tun, deren Interessen sie vertreten sollte. Alle drei mögliche Kanzlerkanidaten, sind in dieser Hinsicht ein Totalausfall.
"Die Lebenswelt der Piraten ist eine ganz andere als etwa die der Menschen in meinem Wahlkreis."
Ihre Lebenswelt, werter Herr Gabriel, ist auch eine ganz andere als die der Menschen in Ihrem Wahlkreis. Der Versuch, hier kumpelhafte Bürgernähe herzustellen, wirkt eher peinlich.
Ich entnehme Ihren ebenso wohlklingenden wie wohlfeilen Aussagen im Übrigen nichts anderes als: "Wir von der SPD dienen uns gerne auch für die nächsten Wahlen als Juniorpartner der CDU an."
Das Interview wurde wohl nur sehr flüchtig gelesen und manche Absätze geflissentlich übersehen:
"Gabriel: Eine Große Koalition hätte ebenso wie eine Ampel mit der FDP gar nicht genug Gemeinsamkeiten. Vermögensteuer, Spitzensteuersatz, Gesundheit, Pflege, Europa, Bildung – nirgendwo haben wir gemeinsame Positionen. Wenn Sie nur »an die Macht wollen« und nichts gemeinsam haben, enden Sie so wie Frau Merkel: in einer Koalition der Selbstblockade."
Das Interview wurde wohl nur sehr flüchtig gelesen und manche Absätze geflissentlich übersehen:
"Gabriel: Eine Große Koalition hätte ebenso wie eine Ampel mit der FDP gar nicht genug Gemeinsamkeiten. Vermögensteuer, Spitzensteuersatz, Gesundheit, Pflege, Europa, Bildung – nirgendwo haben wir gemeinsame Positionen. Wenn Sie nur »an die Macht wollen« und nichts gemeinsam haben, enden Sie so wie Frau Merkel: in einer Koalition der Selbstblockade."
Die BTW 2013 wird entgültig das Schicksaal der SPD entscheiden:
1. keine große Koaliton oder Ampel
2. keiner Versprechungen
3. echte Reformen bei Familie (wir brauchen verdammt nochmal einfach mehr Kinder!!), Bildung und Zeitarbeit
4. keine neuen Schulden
5. Nach außen selbstbewusstes Vertreten der Agenda2010(außer bei der zügellosen Zeitarbeit und Minijobs)
Wird ihr das gelingen überlebt sie, ansonsten...
Die SPD hat die große Chance ein linkes Bündnis anzuführen und dabei bewusst die Position der Mitte einzunehmen.
Gabriel muss sich klar machen: Er kann ohne Probleme Kanzler werden. Die Probleme mit der PDS marginalisieren sich bis dahin: Afghanistan wird sowieso beendet und Lafo ist einfach mal viel zu alt...alles andere kann man verhandeln (außerdem kann die PDS in einer Regierung ihre Hauptstrategie des SPD-Bashing kaum realisieren).
Selbst wenn er vorher sagt, dass er sich vorstellen könne mit Grünen, PDS und Piraten zu koalieren wird es keine schwarz-gelbe Mehrheit gegen ihn geben. Nur wer wagt der gewinnt auch!
"5. Nach außen selbstbewusstes Vertreten der Agenda2010(außer bei der zügellosen Zeitarbeit und Minijobs)"
Pff, entschuldigung aber genau diese zwei Punkte sind doch der Kern dessen was die Agenda 2010 und Hartz IV bezwecken sollte: Es sollte mehr Druck auf Arbeitslose ausgeübt werden UND gleichzeitig sollte eine Drohkulisse für die Arbeitnehmer aufgebaut werden, damit diese sich noch leichter, bereitwilliger und profitabler ausbeuten lassen ohne dagegen aufzumucken. Nur so konnte doch erst unter massiven Senkungen des Lohnniveaus ein gigantischer Niedriglohnsektor entstehen, der durch Leiharbeit, Minilohnen und Lohnsubventionen mittels Steuergeld denn Unternehmen riesige Gewinne bescherte.
Nein, die Agenda 2010 ist nichts was die SPD selbstbewusst vertreten sollte. Sie sollten sich lieber früher als später davon distanzieren, wenn sie denn jemals wieder das Gros ihrer vergraulten Wähler zurückgewinnen wollen.
"5. Nach außen selbstbewusstes Vertreten der Agenda2010(außer bei der zügellosen Zeitarbeit und Minijobs)"
Pff, entschuldigung aber genau diese zwei Punkte sind doch der Kern dessen was die Agenda 2010 und Hartz IV bezwecken sollte: Es sollte mehr Druck auf Arbeitslose ausgeübt werden UND gleichzeitig sollte eine Drohkulisse für die Arbeitnehmer aufgebaut werden, damit diese sich noch leichter, bereitwilliger und profitabler ausbeuten lassen ohne dagegen aufzumucken. Nur so konnte doch erst unter massiven Senkungen des Lohnniveaus ein gigantischer Niedriglohnsektor entstehen, der durch Leiharbeit, Minilohnen und Lohnsubventionen mittels Steuergeld denn Unternehmen riesige Gewinne bescherte.
Nein, die Agenda 2010 ist nichts was die SPD selbstbewusst vertreten sollte. Sie sollten sich lieber früher als später davon distanzieren, wenn sie denn jemals wieder das Gros ihrer vergraulten Wähler zurückgewinnen wollen.
dann kann man nur inständig hoffen, dass eine SPD unter dem Sieger aus dem Dreigestirn der K-Kandidaten von eigenen Gnaden, Steinbrück, Gabriel oder Steinmeier - allesamt ehemalige Schröderianer und willige Helferlein zu dessen beispielloser Desozialisierungsattacke auf die Bundesrepublik und ihre Bürger, niemals einen Regierungsauftrag durch den Wähler bekommen wird!
Noch mehr "Sozial"demokratie á la Schröder würde unsere Gesellschaft noch massiver in diese verheerende, unsere Lebensgemeinschaft zusehends zersetzende, Spaltung treiben und deformieren!
Ich nicht. Da muß ich passen. Mehr als 5 Sätze Gabriel-Sülze schaffe ich einfach nicht. Tut mir leid.
...wenn nicht mal mehr ein "Bravo"-Leser sein Gerede ertragen kann ;-)
...wenn nicht mal mehr ein "Bravo"-Leser sein Gerede ertragen kann ;-)
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