CoachingDer Trainer Gottes

Im Kloster suchten Manager bisher nur Ruhe. Jetzt beraten Ordensleute Unternehmen und machen Führungskräfte fit. Ein Besuch bei Pater Tobias Breer, der in Duisburg als Coach erfolgreich ist.

Das Kloster Hamborn liegt alles andere als lauschig. Nicht am Waldesrand oder an einem meditativen See wie bei Klöstern üblich, die man als Weltlicher gerne aufsucht, nein, mitten im lauten Duisburg: auf der einen Seite die Autobahn, verstopft wegen eines Unfalls und weil einer der Beteiligten auf der linken Spur herumhüpft und das gegnerische Auto mit Fußtritten traktiert. Auf der anderen Seite ThyssenKrupp. Zur dritten hin der Stadtteil Marxloh mit Deutschlands größter Moschee. Nur auf der vierten Seite ist es ruhig; hier ist der Friedhof.

Auch das Kloster selbst ist kein malerisches Ensemble, sondern ein Mix aus Gebäuden im Stil des 18. Jahrhunderts und der siebziger Jahre sowie einem modernen dreistöckigen Architektenentwurf. Allein die Pforte ist, wie sie sein muss: ein wuchtiges Holztor.

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Die Tür donnert zu. Endlich Stille. Durch bodentiefe Fenster geht der Blick in einen Garten, durch den Finken und Amseln flattern. Um den nächsten Innenhof verläuft ein romanischer Kreuzgang. Vor der Kirche sammeln sich Mönche zum Gebet.

Ich bin nicht zum Beten hier. Ich bin hier, um einen Coach zu treffen. Einen ganz besonderen. Einen katholischen Priester und Ordensmann, der Manager coacht. Einer der Ordensleute tritt lächelnd auf mich zu. Schmal, Schnauzer, strahlende Augen. Prämonstratenserpater Tobias A. Breer, 48 Jahre, Seelsorger, Erfolgstrainer, Gründer des »Kompetenzcenters Mensch«, das in dieser Abtei beheimatet ist. Zu ihm reisen Unternehmer, Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzende aus ganz Deutschland. Ein Geistlicher als Coach, das ist bei deutschen Führungskräften ein großer Trend. Manchmal fährt er auch zu ihnen, um sich ein Bild vom Unternehmen zu machen, schreitet in Leipzig oder München durch Großraumbüros, an den Schreibtischen vorbei. Auch mal im Ordenskleid, etwas unwirklich sieht er dann aus, als komme er aus einer anderen, nachhaltigeren Welt.

"Latein, das können Sie doch?"

»Kommen Sie, die Vesper fängt an«, sagt Pater Tobias und drückt mir ein Heft in die Hand, »Latein, das können Sie doch?«, und winkt mich durch eine Tür. Im spätgotischen, fast leeren Kirchenschiff gehe ich weit nach hinten, ich bin ein lausiger Sänger. Vorne versammeln sich die Ordensleute um den Altar.

»Dixit Dominus Domino meo«, singt der Abt. »Alleluia«, antwortet der Chor.

Hier ist die Prämonstratenserabtei doch noch eine Oase. Eine Zuflucht in einer Stadt, geprägt von Arbeitslosigkeit und Abwanderung, einer Stadt, die ihre Zukunft sucht. Ich könnte noch länger sitzen, dem Gesang zuhören, die Gedanken schweifen lassen, nichts denken – ist das schon Meditation? »Kommen Sie, jetzt können wir reden«; während ich hinter Pater Tobias durch den langen Gang eile, wirft er einen Blick auf die Uhr, die locker um sein Handgelenk baumelt.

Ein Coach ist jemand, der Menschen dabei berät, ihre Wünsche und Ziele zu verwirklichen, ihnen hilft, sich auf Situationen einzustellen, Veränderungen zu bewältigen. Coaching ist geistige Begleitung. Bei Pater Tobias ist sie zugleich geistlich. »Durch Selbstfindung, Selbstentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung«, ist auf seiner Homepage über seine Klienten zu lesen, »erreichen sie Kraft und Stärke in einer bisher nicht bekannten Art.« So ein Versprechen hat Wucht. Klingt fast übersinnlich. Warum auch nicht; Gott ist es schließlich auch.

"Führen mit Werten"

Manager scheinen dauernd ins Kloster zu gehen. Vor Jahren war noch die »Auszeit« der Renner, gern ohne Handy und Laptop, heute lässt man sich coachen, in Gruppen oder allein. In der Benediktinerabtei Münsterschwarzach gibt Pater Anselm Grün, Cellerar und Bestsellerautor, Monate im Voraus ausgebuchte Seminare zum Thema »Führen mit Werten« oder »Was mich inspiriert«. Im Kloster Andechs am Ammersee treffen Firmenlenker sich mit Mönchen zu Exerzitien. Hier wie dort kann man unter vier Augen mit einem Mönch sprechen oder sich über längere Zeit begleiten lassen. Seit 2004 sind auch die Protestanten unter der Marke »Spiritual Consulting« aktiv. Ralf Reuter und Peer-Detlev Schladebusch, Pastoren bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, wandern mit Führungskräften und bieten Seminare und Coachings an. In klösterlicher Atmosphäre.

Ordensleute, die ihren Glauben leben, die ihr Geld nicht für sich persönlich verdienen, sondern für ihre Gemeinschaft und für Bedürftige, scheinen in der Bevölkerung einen Vertrauensvorschuss zu genießen. »Vielleicht ist es auch der Eventcharakter«, sagt Reuter. Manager suchen das intensivere Erleben. Sie machen nicht einfach Urlaub, es muss Trekking in Südamerika sein. Sie fahren nicht einfach Ski, es muss Tiefschnee in Aspen sein. Und wenn es um Spiritualität geht, gehen sie nicht in die Kirche an der Ecke, sie tauchen ein in die Welt des Klosters.

Aber warum überhaupt?

Leserkommentare
  1. und bedingungsloses Leben für Gott, Glauben und Gemeinschaft. Dies erklärt den Erfolg über Jahrhunderte hinweg. Gut so wenn Ernsthaftigkeit statt Gnadenlosigkeit Einzug halten würden im Arbeitsprozess.

  2. Vielleicht sollte der Artikel lieber in " Kirche sucht neue Geschäftsfelder " umbenannt werden.
    Ich will ja keine Unruhe reinbringen, aber vielleicht wäre es besser, einige Manager würden
    sich intensiver mit den Abläufen in ihren Unternehmen auseinandersetzen, als zum Chillen ins Kloster abzutauchen.
    Als erstes sollten die Manager mal alle Abteilungen eines Unternehmens durchlaufen, damit Sie mal persönlich nachvollziehen können, was für die jeweiligen Bereiche und ihre Mitarbeiter wichtig ist (wie früher in so manchenm Familienunternehmen).
    Das reicht meistens schon.

    " Oh doch, Pater Tobias ist ein Menschenfischer. " - oder evtl.Journalistenfischer

    Herr Spörrle - bitte bleiben Sie bei ihrer satirische Kolumne „Familienglück“, die ist nicht mal schlecht.

    3 Leserempfehlungen
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    Die Kirche geht dem "Geschäftsfeld" der Seelsorge schon seit Jahrhunderten nach. Sie sieht das - nicht ganz unberechtigt - als ihre Kernkompetenz.

    und wahrscheinlich haben Sie noch nie das Gespräch mit Patres gesucht bzw. geführt - sonst würden Sie sich nicht in diesem Ton äußern.

    wenn Manager (bestes Beispiel der letzten Woche "Dr." Körtgen des Flughafens BER) alle Abteilungen durchlaufen, dann würde die Belegschaft doch sehen, was für Dünnbrettbohrer die meisten sind.

    Zu ihren Geschäftsfeldern, dieses Angebot der Kirche ist ja nun nicht neu, dass gab es schon seit es Klöster in D gibt, früher gingen dort Kaiser,Könige und Feudalherren hin um zu sich zu finden und heute machen es die selben Leute, die bloß andere Berufsbezeichnungen haben. Aber wie man hier sagt, what ever floats your boat.

    Jeder der die Kirche welcher Couleur auch immer kennt, weiß, im Geld verdienen waren diese immer schon gut, aber das ist auch gut so, denn die staatlich verordnete Zwangsabgabe für Kirchenmitglieder wird aufgrund des Austritts der Mehrzahl der D auch immer weniger, da muss man
    sich neue Geldquellen erschliessen.
    Ob sie dies aus Nächstenliebe tun sei mal dahingestellt und ist sicherlich auch diskutierbar.

    Und wenn ich als Manager Kurse wie »Führen mit Werten« oder »Was mich inspiriert« brauche, dann bin ich menschlich und gesellschaftlich eh eine Amöbe und da helfen auch die Kurse nicht. Denn so etwas bekommt man im Elternhaus mit und das sind Persönlichkeitsmerkmale, die man nicht in Kursen lernen kann. Aber der Artikel zeichnet dahingehend ein gutes Bild der dt. Unternehmenskultur.

    Die Kirche geht dem "Geschäftsfeld" der Seelsorge schon seit Jahrhunderten nach. Sie sieht das - nicht ganz unberechtigt - als ihre Kernkompetenz.

    und wahrscheinlich haben Sie noch nie das Gespräch mit Patres gesucht bzw. geführt - sonst würden Sie sich nicht in diesem Ton äußern.

    wenn Manager (bestes Beispiel der letzten Woche "Dr." Körtgen des Flughafens BER) alle Abteilungen durchlaufen, dann würde die Belegschaft doch sehen, was für Dünnbrettbohrer die meisten sind.

    Zu ihren Geschäftsfeldern, dieses Angebot der Kirche ist ja nun nicht neu, dass gab es schon seit es Klöster in D gibt, früher gingen dort Kaiser,Könige und Feudalherren hin um zu sich zu finden und heute machen es die selben Leute, die bloß andere Berufsbezeichnungen haben. Aber wie man hier sagt, what ever floats your boat.

    Jeder der die Kirche welcher Couleur auch immer kennt, weiß, im Geld verdienen waren diese immer schon gut, aber das ist auch gut so, denn die staatlich verordnete Zwangsabgabe für Kirchenmitglieder wird aufgrund des Austritts der Mehrzahl der D auch immer weniger, da muss man
    sich neue Geldquellen erschliessen.
    Ob sie dies aus Nächstenliebe tun sei mal dahingestellt und ist sicherlich auch diskutierbar.

    Und wenn ich als Manager Kurse wie »Führen mit Werten« oder »Was mich inspiriert« brauche, dann bin ich menschlich und gesellschaftlich eh eine Amöbe und da helfen auch die Kurse nicht. Denn so etwas bekommt man im Elternhaus mit und das sind Persönlichkeitsmerkmale, die man nicht in Kursen lernen kann. Aber der Artikel zeichnet dahingehend ein gutes Bild der dt. Unternehmenskultur.

  3. Die Kirche geht dem "Geschäftsfeld" der Seelsorge schon seit Jahrhunderten nach. Sie sieht das - nicht ganz unberechtigt - als ihre Kernkompetenz.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "ohne Worte"
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    • mmzz
    • 13.05.2012 um 20:31 Uhr

    Diese Geschätsbereiche dürfen Sie nicht unterschlagen:

    Raub, Mord und Vergewaltigung - Im Kirchenjargon auch Kreuzzüge genannt

    Folter - spanische Inquisition genannt

    Kinderarbeit - auch unter der Bezeichnung "Kinderkreuzzug" geläufig

    Erpressung - zu Tetzels Zeiten auch gerne als Ablasshandel bezeichnet

    Kindstötung - in den Katakomben einiger Nonnenklöster wurden Zölibatsausrutscher gefunden

    Kindsmissbrauch in unsere Zeit und natürlich Greueltaten der Missionare.

    'Ne ganze Menge von Kernkompetenzen, wie ich finde.

    • mmzz
    • 13.05.2012 um 20:31 Uhr

    Diese Geschätsbereiche dürfen Sie nicht unterschlagen:

    Raub, Mord und Vergewaltigung - Im Kirchenjargon auch Kreuzzüge genannt

    Folter - spanische Inquisition genannt

    Kinderarbeit - auch unter der Bezeichnung "Kinderkreuzzug" geläufig

    Erpressung - zu Tetzels Zeiten auch gerne als Ablasshandel bezeichnet

    Kindstötung - in den Katakomben einiger Nonnenklöster wurden Zölibatsausrutscher gefunden

    Kindsmissbrauch in unsere Zeit und natürlich Greueltaten der Missionare.

    'Ne ganze Menge von Kernkompetenzen, wie ich finde.

  4. und wahrscheinlich haben Sie noch nie das Gespräch mit Patres gesucht bzw. geführt - sonst würden Sie sich nicht in diesem Ton äußern.

    Antwort auf "ohne Worte"
  5. Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich. Danke, die Redaktion/lv

  6. Ich verstehe den Sinn der Reihe "Zukunft der Religion" nicht. Das sind bis jetzt alles interessante und spanned geschriebene Anekdoten - mehr aber auch nicht.

    Da vermarktet also einer sein Kloster für entspannungssuchende Manager. Nett. Erinnert an die vielen Mode-Wanderer auf dem Jakobsweg. Aber was hat das mit der "Zukunft der Religion" zu tun?

    Wenn die Zeit ein Thema derart aufhängt, würde ich mir den gewohnten Tiefgang erwarten; den vermisse ich hier.

    • mmzz
    • 13.05.2012 um 20:31 Uhr

    Diese Geschätsbereiche dürfen Sie nicht unterschlagen:

    Raub, Mord und Vergewaltigung - Im Kirchenjargon auch Kreuzzüge genannt

    Folter - spanische Inquisition genannt

    Kinderarbeit - auch unter der Bezeichnung "Kinderkreuzzug" geläufig

    Erpressung - zu Tetzels Zeiten auch gerne als Ablasshandel bezeichnet

    Kindstötung - in den Katakomben einiger Nonnenklöster wurden Zölibatsausrutscher gefunden

    Kindsmissbrauch in unsere Zeit und natürlich Greueltaten der Missionare.

    'Ne ganze Menge von Kernkompetenzen, wie ich finde.

    4 Leserempfehlungen
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    aber auch viel viel Gutes getan - das ist anscheinend jedoch nicht erwähnenswert. Es schickt sich nicht heutzutage pro-christlich zu denken - gut das manche Manager ihrer Zeit im voraus sind und christliche Philosophie und Anschauungen wieder schätzen lernen.

    Kaum erscheint ein Artikel, der das Christentum bzw. Kirche (lässt sich auch auf andere Religionen übertragen) nicht verunglimpft, wird munter gebasht, was derzeitig wohl en vogue ist und zum guten Ton gehört. Wie mein Vorredner schon anmerkte, werden die karitativen Tätigkeiten (Diakonie und Caritas sind bei uns in der Umgebung omnipräsent) gerne außer Acht gelassen und - salopp gesagt - die alten Kamellen (die jüngsten Vorfälle in der katholischen Kirche schließe ich davon aus) hervorgeholt, was eine Diskussion über das eigentliche Artikelthema in die altbekannte Richtung lenkt.

    aber auch viel viel Gutes getan - das ist anscheinend jedoch nicht erwähnenswert. Es schickt sich nicht heutzutage pro-christlich zu denken - gut das manche Manager ihrer Zeit im voraus sind und christliche Philosophie und Anschauungen wieder schätzen lernen.

    Kaum erscheint ein Artikel, der das Christentum bzw. Kirche (lässt sich auch auf andere Religionen übertragen) nicht verunglimpft, wird munter gebasht, was derzeitig wohl en vogue ist und zum guten Ton gehört. Wie mein Vorredner schon anmerkte, werden die karitativen Tätigkeiten (Diakonie und Caritas sind bei uns in der Umgebung omnipräsent) gerne außer Acht gelassen und - salopp gesagt - die alten Kamellen (die jüngsten Vorfälle in der katholischen Kirche schließe ich davon aus) hervorgeholt, was eine Diskussion über das eigentliche Artikelthema in die altbekannte Richtung lenkt.

  7. "Die Kirche geht dem "Geschäftsfeld" der Seelsorge schon seit Jahrhunderten nach. Sie sieht das - nicht ganz unberechtigt - als ihre Kernkompetenz."

    Gerade die Kirche .....
    Gewalt, sexueller Missbrauch,im Krieg auf welcher Seite auch immer,...da hat sie auch jede Menge zu tun.
    Sagen Sie das denen, die Verbrannt, Gefoltert, und auf andere Weise in den letzte Jahrhunderten mit Seelsorge behandelt wurden.

    Wie war das - hebe einen Stein auf...

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