Wie viel Spott musste der arme Willy Bogner ertragen, als seine Firma unlängst das Outfit der deutschen Olympioniken für die Sommerspiele in London vorstellte. Die Nylonjacken in Pink und Knallblau, so wurde geunkt, sähen aus wie Skianzüge – man schwitze schon beim Anblick. Außerdem wirkten die Sportler darin doch wie Bonbons im Stadion.

Das ist natürlich alles wahr, trotzdem ist die Aufregung nicht ganz nachvollziehbar. Die Firma Bogner ist seit vielen Jahrzehnten für die Ausstattung der Olympioniken zuständig – bislang allerdings nur der Wintersportler. Und Zurückhaltung war dabei nie ihre Stärke. 1972 sahen die Sportler aus wie Maos Armee, 1984 in Sarajevo trugen sie Skianzüge, die ihnen die Aura von Astronauten verliehen. 2006 in Turin wirkten die Sportler in orange-grasgrünen Jacken wie Playmobil-Männchen, 2010 in Vancouver trugen sie Kombinationen in schreiendem Hellblau-Pink-Sonnengelb. Nie wurde das groß kommentiert. Im historischen Vergleich sind die neuen Olympia-Jacken aus dem Hause Bogner ganz klar eine Verbesserung. Aber die Aufregung zeigt eben, wie wichtig die Verbindung von Kleidung und Sport mittlerweile genommen wird – in anderen Ländern allemal.

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Das Team der USA wird von Ralph Lauren eingekleidet, in Polohemden und Kleider, die an die Sportmode der vierziger Jahre erinnern. Die Italiener stecken ihre Sportler in Armani-Outfits, für das italienische Segelteam wiederum fühlt sich Prada zuständig. Wobei man zugeben muss, dass die Prada-Segeljacken, wie erste Skizzen vermuten lassen, nicht wesentlich spektakulärer aussehen als die Looks von Willy Bogner. Die britischen Gastgeber haben den Look ihrer Olympioniken Stella McCartney anvertraut. Die Designerin hat den Sportlern coole Jacken verpasst, in denen sie Farben und Elemente des Union Jack interpretiert. Prompt musste sie sich anhören, dass die Farbgebung zu blass und zu wenig nationalbewusst sei. Man kann es schwer allen recht machen, wenn man Mode entwirft, die ein ganzes Land repräsentieren soll.

Produziert werden die britischen Looks übrigens von adidas . Ein Unternehmen aus Herzogenaurach macht also Mode für die Briten. So international sind wir – das repräsentiert Deutschland eigentlich besser bei Olympia als Willy Bogner.