StilkolumneMan muss auch Mode sportlich nehmen

Tillmann Prüfer über Olympia-Mode von 

Hemd von Ralph Lauren, 129 Euro

Hemd von Ralph Lauren, 129 Euro  |  © Peter Langer

Wie viel Spott musste der arme Willy Bogner ertragen, als seine Firma unlängst das Outfit der deutschen Olympioniken für die Sommerspiele in London vorstellte. Die Nylonjacken in Pink und Knallblau, so wurde geunkt, sähen aus wie Skianzüge – man schwitze schon beim Anblick. Außerdem wirkten die Sportler darin doch wie Bonbons im Stadion.

Das ist natürlich alles wahr, trotzdem ist die Aufregung nicht ganz nachvollziehbar. Die Firma Bogner ist seit vielen Jahrzehnten für die Ausstattung der Olympioniken zuständig – bislang allerdings nur der Wintersportler. Und Zurückhaltung war dabei nie ihre Stärke. 1972 sahen die Sportler aus wie Maos Armee, 1984 in Sarajevo trugen sie Skianzüge, die ihnen die Aura von Astronauten verliehen. 2006 in Turin wirkten die Sportler in orange-grasgrünen Jacken wie Playmobil-Männchen, 2010 in Vancouver trugen sie Kombinationen in schreiendem Hellblau-Pink-Sonnengelb. Nie wurde das groß kommentiert. Im historischen Vergleich sind die neuen Olympia-Jacken aus dem Hause Bogner ganz klar eine Verbesserung. Aber die Aufregung zeigt eben, wie wichtig die Verbindung von Kleidung und Sport mittlerweile genommen wird – in anderen Ländern allemal.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick  |  © Peter Langer

Das Team der USA wird von Ralph Lauren eingekleidet, in Polohemden und Kleider, die an die Sportmode der vierziger Jahre erinnern. Die Italiener stecken ihre Sportler in Armani-Outfits, für das italienische Segelteam wiederum fühlt sich Prada zuständig. Wobei man zugeben muss, dass die Prada-Segeljacken, wie erste Skizzen vermuten lassen, nicht wesentlich spektakulärer aussehen als die Looks von Willy Bogner. Die britischen Gastgeber haben den Look ihrer Olympioniken Stella McCartney anvertraut. Die Designerin hat den Sportlern coole Jacken verpasst, in denen sie Farben und Elemente des Union Jack interpretiert. Prompt musste sie sich anhören, dass die Farbgebung zu blass und zu wenig nationalbewusst sei. Man kann es schwer allen recht machen, wenn man Mode entwirft, die ein ganzes Land repräsentieren soll.

Produziert werden die britischen Looks übrigens von adidas . Ein Unternehmen aus Herzogenaurach macht also Mode für die Briten. So international sind wir – das repräsentiert Deutschland eigentlich besser bei Olympia als Willy Bogner.

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Leserkommentare
  1. bei dem eine Bilderstrecke ausnahmsweise mal sinnvoll gewesen wäre...

  2. Wenn man sich die Spießigkeit der Bogner-Klamotten im Allgemeinen anschaut, deren Träger die Vorliebe der Marke gerne auch mit Einkäufen bei La Martina oder Gstaad verbinden, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Olympiamannschaft am Ende so aussieht, wie sie aussieht.

    Statt dass man jungen deutschen Labels eine Chance geben würde, kreative Mode auf internationalem Niveau zur Repräsentation des Landes zu kreieren, verlässt man sich auf einen Modehersteller wie Bogner - vermutlich, weil die Entscheider im Sportbund das Zeug auch noch selbst mögen.

    Aber so ist das Leben, die Amerikaner müssen auch mit Ralph Lauren Vorlieb nehmen, ähnlich kreativ wie Bogner. Irgendwie hat die deutsche Olympiamannschaft noch Glück, dass sie nicht in Jack Wolfskin Outfits auftreten muss. Aber das wäre irgendwie konsequenter...

  3. http://www.handelsblatt.c...

    Die Bilder sind doch in den Medien bereits überall gezeigt worden. Ich konnte sie jedenfalls mit diesem ganzen pink-bleu nicht mehr sehen und finde sie seltsam.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... sind wirklich grell!

    • ekbül
    • 14. Mai 2012 13:04 Uhr

    Bogner kommt halt vom Wintersport - einfach unpassend, die vollkommen falsche Anmutung. London im Hochsommer ist urban und heiß!

  4. ... sind wirklich grell!

    Antwort auf "Hier ein Link"
  5. ... sollte bei sich selbst anfangen und hier zum Beispiel die Verwendung des Begriffs "Olympionike" vermeiden, denn bei "Olypmioniken" handelt es sich ausschließlich um Olympiasieger ...

    • ekbül
    • 14. Mai 2012 13:04 Uhr

    Bogner kommt halt vom Wintersport - einfach unpassend, die vollkommen falsche Anmutung. London im Hochsommer ist urban und heiß!

    Antwort auf "Hier ein Link"
  6. aber das ist für ein Modeland wie Italien eher nichts außergewöhnliches, mal Prada, mal Armani, mal Ferre', etc..

    http://www.guardian.co.uk...

  7. Jungs = Blau
    Mädels = Rosa
    .
    So kann man/Frau doch auf den ersten Blick unterscheiden wer in welche Umkleide darf:-)) und ob es sich lohnt jemanden der vor einem geht anzu..chmm..sprechen:-))
    .
    Uralte Signalfarben, da ist fast die Welt drauf konditioniert :-)
    .
    Nach dem letzten Knall mit der/dem LäuferIn gibt es doch jetzt klare Verhältnisse: Zeig mit welchen Dress du trägst und ich sag dir in welchem Wettbewerb du antreten darfst!
    .
    GrinseGruesse
    Sikasuu

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Mode | Willy Bogner | Adidas | Astronaut | Olympia | Prada
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