In den letzten Momenten vorm Einschlafen stelle ich mir immer etwas Schönes vor, um das Bild in den Schlaf mitzunehmen. Zum Beispiel den Strand, dessen Bild ich auf meinem Laptop und meinem Telefon habe. Das Foto entstand auf den Malediven , im Urlaub mit meinem Bruder.

Ich lag auf einer Liege, schaute über den Rand meines Buchs und dachte: Das ist der perfekte Moment. Einfach nur Weiß und Blau. Der Sand und das Meer, das nahtlos in den Himmel übergeht. Kein Mensch weit und breit. Die extreme Weite und das viele Nichts. Das ist für mich ein intensives Sehnsuchtsbild. Weil es so leer ist. Es ist nicht der Gedanke: War das da schön! Sondern es erinnert mich daran, was wirklich wichtig und schön ist im Leben. Und nicht an das, wonach ich gerade hetze oder wohin ich gerade unterwegs bin, im durchgetakteten, dauerbeschallten Alltag.

Es ist ein Ort, wo nichts von mir verlangt wird. Wo ich einfach ich sein kann. Wo es mich nicht interessiert, wie ich aussehe oder was in zwei Stunden ist. Wo ich keinen Tagesrhythmus habe. Ich kann nachts um drei ins Bett gehen und morgens bis elf Uhr schlafen. Oder abends um acht schlafen und morgens um halb fünf auf der Terrasse sitzen und Delfine anschauen. Wenn ich den Kopf frei bekommen möchte, gehe ich schwimmen. Schwimmen ist mein Lieblingssport. Da ist nichts um mich herum. Nichts lenkt mich ab. Beim Schwimmen sind so gut wie alle Sinne ausgeschaltet. Ich konzentriere mich darauf, mit mir allein zu sein. Ich kann im Wasser völlig entspannen. Ich mag die langen Gleitphasen. Auch im Meer habe ich keine Angst. Ich kann mich aufs Wasser legen und in eine andere Welt eintauchen. Die Fische kommen, gucken einen an. Man guckt zurück. Sie kommen ganz nah. Man schwimmt weiter, unter einem schwimmt auch etwas. Ich kann eine halbe Stunde zugucken, wie ein Clownfisch immer wieder in seine Anemone rein- und rausschwimmt. Dabei habe ich mir schon furchtbare Sonnenbrände geholt, weil ich vollkommen vergessen hatte, wo ich gerade war.

Mein Traum ist, mir selbst mehr Zeit zu gönnen. Einfach los zu lassen. Nichts zu tun. Nichts zu planen. Nicht zu überlegen: Was wird sein? Im totalen Jetzt zu leben. 80 Prozent meiner wachen Lebenszeit sind Präsentieren. Ob im Fernsehen oder bei Veranstaltungen – ich muss mich voll konzentrieren, mir Fragen überlegen, auf Menschen eingehen, zuhören, antworten. In den ersten drei Monaten dieses Jahres habe ich schätzungsweise 600 Wetterberichte moderiert. Wir produzieren täglich neun bis zwölf Sendungen. Derzeit arbeite ich 18 Tage am Stück und habe dann frei. Wer mich gut kennt, bemerkt da auch Stimmungsunterschiede.

Wenn es mal wieder stressig wird, gönne ich mir einen Zwei-Minuten-Auszeit-Traum und beame mich auf die Malediven. Ich nehme das Telefon in die Hand oder schaue das Bild auf meinem Computer an. Ein paar Sekunden, dann bringt es mich zum Lächeln. Und ich atme einmal durch.

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