NitrateintragSchleichende Vergiftung

Düngemittel und Gülle verseuchen langsam unser Trinkwasser. Der Boom der Biogasanlagen verschlimmert das Problem.

Ein Düngfahrzeug fährt über ein Feld.

Ein Düngfahrzeug fährt über ein Feld.

Frühling in Deutschland. Statt Blütenduft liegt das Aroma von Dung in der Luft. In Schwaden weht es manchmal gar in die Städte. Landesweit spannen Bauern wieder Tanks hinter ihre Trecker und lassen stinkende Duschen auf die Felder regnen. Oder, wie der Geologe Alfons Baier von der Universität Erlangen sagt: Sie verbringen »Zeitbomben« in den Boden.

Keine appetitliche Perspektive. Was die Landwirte auf ihren Feldern verteilen, kommt irgendwann in unserem Trinkwasser an. Die meisten Stoffe bleiben auf dem Weg durch die Erdschichten hängen, Nitrat aus tierischen Exkrementen hingegen ist eine sehr bewegliche Verbindung. Sie klebt kaum an Sandkörnern oder Humusfetzen und dringt immer weiter in den Untergrund. Je nach Beschaffenheit des Bodens kommt sie unterschiedlich schnell voran. Es kann länger als ein Jahrhundert dauern, bis die Nitratfront durch dicke Lehmschichten gedrungen ist, oder weniger als fünf Jahre, bis sie unter ein paar Lagen Sand oder karstigem Boden messbar ist.

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Deutschland bekommt ein Nitratproblem. Viele ober- und unterirdische Gewässer sind bereits hoch belastet. Die Stickstoffverbindung diffundiert nicht nur aus Gülle in den Boden, sie kommt auch mit künstlichem Dünger in die Landschaft oder sickert aus schlampig abgedichteten Silagesilos. Seit einigen Jahren landet sie zusätzlich als Gärrest aus Biogasanlagen auf den Äckern.

Deren Bioreaktoren werden überwiegend mit Mais gefüttert. Ein häufiger Grund, warum Bauern Brach- und Grünland oder alte Viehweiden umpflügen und in Energieplantagen verwandeln. Das sorgt kurzfristig für hohe Nitrateinträge in den Grund, wenn das Gras verrottet, aber auch langfristig, weil neu gewonnenes Ackerland oft als Deponie für Gärreste und Gülle dient. Baier befürchtet, dass diese Umstrukturierung in einigen Jahren »zu einer verheerenden Nitratbelastung« des deutschen Grundwassers führen wird. Das vermeintlich längst gelöste Nitratproblem kehrt mit Wucht zurück.

Einige regionale Wasserversorger kämpfen damit bereits heute. Dabei dachte Egon Harms noch vor zehn Jahren, dass die Nitrate ein Problem von gestern seien. »Wir mussten in den 1980er Jahren einige Brunnen vorübergehend stilllegen, weil wir die Grenzwerte nicht einhalten konnten«, sagt Harms, der beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) für Gewässerschutz verantwortlich ist. Schutzmaßnahmen in Kooperation mit den Bauern entschärften das Problem, sodass die Brunnen wieder in Betrieb genommen wurden. Zwischen 1985 und 2005 ging die Stickstoffbelastung durch die Landwirtschaft sogar bundesweit um 22 Prozent zurück. »Jetzt droht Gefahr, dass die Erfolge wieder zunichtegemacht werden«, fürchtet Harms. Seit 2005 steigen die Nitratwerte wieder in einigen seiner Brunnen. Schuld daran sind nach Ansicht des Gewässerschützers die Biogasanlagen, die in der Nachbarschaft gebaut wurden und ihre Ausscheidungsprodukte im nächsten Umfeld verteilen.

Strom vom Bauern
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Die intensivierte Bioenergieproduktion auf den Äckern verschärft ein großflächiges Problem: 89 Prozent der Flüsse und Bäche, 57 Prozent der Seen und 38 Prozent der Grundwasserleiter in Deutschland sind nach den Kriterien der Europäischen Gemeinschaft derzeit in einem »schlechten chemischen Zustand«. Für die Verunreinigungen im Grundwasser seien »nahezu ausschließlich die Nitratbelastungen aus der Landwirtschaft verantwortlich«, konstatierte im Jahr 2010 das Umweltbundesamt. 15 Prozent des hiesigen Grundwassers lagen über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm Nitrat pro Liter. 36 Prozent wiesen »deutlich bis stark erhöhte Nitratwerte auf«, nur bei knapp der Hälfte der beprobten Wasserstellen lagen die Werte im Rahmen der natürlichen Belastung (unter zehn Milligramm pro Liter).

Manches Grundwasser kann man direkt als Dünger verwenden

Der jüngste Nitratbericht, den die Bundesministerien für Umweltschutz und Landwirtschaft gemeinsam im Jahr 2008 an die Europäische Kommission geschickt haben, zog noch ein positives Fazit. Er fasst Messdaten aus ganz Deutschland zusammen, die allerdings nicht repräsentativ sind, sondern von lediglich 160 Messpunkten mit hohen Nitratgehalten stammen. An ihnen kontrollieren die Experten, ob die verschiedenen Aktionsprogramme gegen Überdüngung greifen. Trotz steigender Konzentrationen an einzelnen Messstellen seien »überwiegend sinkende Nitratwerte« gemessen worden, heißt es in dem Bericht. Trendberechnungen und Modellbetrachtungen ließen erwarten, »dass die Belastungen auch in den nächsten Jahren weiter zurückgehen werden«.

Leserkommentare
    • Oyamat
    • 11.05.2012 um 1:01 Uhr

    Zu der Frage nach den Mengen: Ich bin im Schnitt bei ca. 3 Litern Wasser in Form von Tee, dazu kommt noch das, was mal ins Brot, in die Marmelade usw. gewandert ist.

    Es gibt eine (wenn auch wissenschaftlich wohl unseriöse) Empfehlung, etwa 2 Liter am Tag zu trinken. Wer das mit Kaffee, Tee oder anderen Getränken auf Basis von Leitungswasser abedckt, hat demzufolge die entsprechende Nitrat-Konzentration. Bei Fruchtsäften, Mineralwassern, Bier o.ä. kann die Nitrat-Konzentration schon wieder eine ganz andere sein.

    Wer sicher gehen will, holt sich am besten eine Destille und destilliert sein Wasser. Das ist, auch wenn "urban legends" anderes behaupten, komplett ungefährlich und frei von so ziemlich allen Stickstoff- und Kohlenstoffverbindungen. Wer das für völlig übertrieben hält, hat allerdings den gesunden Menschenverstand auf seiner Seite...

    MGv Oyamat

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    • GDH
    • 11.05.2012 um 8:10 Uhr

    "Wer sicher gehen will, holt sich am besten eine Destille und destilliert sein Wasser. Das ist, auch wenn "urban legends" anderes behaupten, komplett ungefährlich"

    Naja, zumindest die Schleimhäute (in Mund und Rachen kriegen die es ja unverdünnt ab) mögen, soweit ich weis, kein destilliertes Wasser (Stichwort Osmose). Womöglich sollte man nach dem Destillieren doch etwas Salz oder so zusetzen. Jedenfalls würde ich das Experiment nicht ohne weiteres als "komplett ungefährlich" empfehlen.

    • GDH
    • 11.05.2012 um 8:10 Uhr

    "Wer sicher gehen will, holt sich am besten eine Destille und destilliert sein Wasser. Das ist, auch wenn "urban legends" anderes behaupten, komplett ungefährlich"

    Naja, zumindest die Schleimhäute (in Mund und Rachen kriegen die es ja unverdünnt ab) mögen, soweit ich weis, kein destilliertes Wasser (Stichwort Osmose). Womöglich sollte man nach dem Destillieren doch etwas Salz oder so zusetzen. Jedenfalls würde ich das Experiment nicht ohne weiteres als "komplett ungefährlich" empfehlen.

  1. Ganz so einfach ist das leider nicht. Fuer eine "optimales" Pflanzenwachstum muss immer mehr Duenger ausgebracht werden als die Pflanze aufnehmen kann. Die Balance von der Sie reden funktioniert ein bisschen besser wenn der Duenger mit dem Wassser ausgebracht wird weil man dann Bedarf und Ausbringungsmenge besser abstimmen kann. In der Realitaet wird Duenger nur ein paarml im Jahr ausgebracht und die Menge and Nitrat die freigesetzt wird haengt von der Temperatur, dem Wassergehalt der Bodenzusammensetung, der Umsetzungsrate von Ammonium zu Nitrat und der Aufnahmefaehigkeit der Kulturplanzen ab.
    Das ist nicht ein Fass das ueberlaeuft sobald man einen fixen Drenzwert ueberschreitet.

    MfG

    Stefan

    • GDH
    • 11.05.2012 um 8:10 Uhr

    "Wer sicher gehen will, holt sich am besten eine Destille und destilliert sein Wasser. Das ist, auch wenn "urban legends" anderes behaupten, komplett ungefährlich"

    Naja, zumindest die Schleimhäute (in Mund und Rachen kriegen die es ja unverdünnt ab) mögen, soweit ich weis, kein destilliertes Wasser (Stichwort Osmose). Womöglich sollte man nach dem Destillieren doch etwas Salz oder so zusetzen. Jedenfalls würde ich das Experiment nicht ohne weiteres als "komplett ungefährlich" empfehlen.

    Antwort auf "@ 18: Mengenabgaben"
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    • Oyamat
    • 11.05.2012 um 12:12 Uhr

    Zu der Überlegung: "Naja, zumindest die Schleimhäute (in Mund und Rachen kriegen die es ja unverdünnt ab) mögen, soweit ich weis, kein destilliertes Wasser (Stichwort Osmose)."
    Ich habe zeitweilig Bidest-Wasser (also doppelt destilliertes Wasser) getrunken, weil das verfügbare Leitungswasser von, nun, nicht besonders toller Qualität war. Und die Bidest-Anlage ist eh ständig gelaufen, um immer Spülwasser für das Laborgeschirr zu haben. Ich fand es ganz lecker. Schleimhaut-Probleme sind nicht aufgetreten.
    Der Mund muß ja auch mit ganz anderen Sachen fertigwerden, etwa mit Speisen, die stark wasseranziehend sind (z.B. Fondant = konzentrierter Zucker, oder Salzgebäck). Die Schleimhäute sind also dafür gemacht, mit wechselnden osmotischen Verhältnissen klarzukommen. Es wird einfach solange Speichel hinzugefügt, bis es wieder "stimmt".
    Und was die Salzkonzentration insgesamt angeht, ist das kein Problem, sofern man sich normal ernährt. Mit dem ganz normalen Essen bekommt man Salze genug.

    • Oyamat
    • 11.05.2012 um 12:12 Uhr

    Zu der Überlegung: "Naja, zumindest die Schleimhäute (in Mund und Rachen kriegen die es ja unverdünnt ab) mögen, soweit ich weis, kein destilliertes Wasser (Stichwort Osmose)."
    Ich habe zeitweilig Bidest-Wasser (also doppelt destilliertes Wasser) getrunken, weil das verfügbare Leitungswasser von, nun, nicht besonders toller Qualität war. Und die Bidest-Anlage ist eh ständig gelaufen, um immer Spülwasser für das Laborgeschirr zu haben. Ich fand es ganz lecker. Schleimhaut-Probleme sind nicht aufgetreten.
    Der Mund muß ja auch mit ganz anderen Sachen fertigwerden, etwa mit Speisen, die stark wasseranziehend sind (z.B. Fondant = konzentrierter Zucker, oder Salzgebäck). Die Schleimhäute sind also dafür gemacht, mit wechselnden osmotischen Verhältnissen klarzukommen. Es wird einfach solange Speichel hinzugefügt, bis es wieder "stimmt".
    Und was die Salzkonzentration insgesamt angeht, ist das kein Problem, sofern man sich normal ernährt. Mit dem ganz normalen Essen bekommt man Salze genug.

  2. Wenn Spekulanten die Preise hochtreiben dann merkt das der gemeine Deutsche noch nicht einmal und nimmt es bestenfalls zur Kenntnis.
    Es spielt hier einfach keine Rolle, ob 1kg Reis 2Euro oder 2,30Euro kostet.

    In nicht ganz so reichen Gegenden können sich dann aber bei solchen Preissteigerungen viele Menschen auf einmal nicht mehr genügend zu essen kaufen.

    Und dass die Erzeuger von durch Spekulanten in die Höhe getriebene Endpreise nichts haben, muss doch eigentlich nicht erwähnt werden, oder?

    Antwort auf "Wie kann das sein?"
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    • GDH
    • 11.05.2012 um 12:42 Uhr

    "Und dass die Erzeuger von durch Spekulanten in die Höhe getriebene Endpreise nichts haben, muss doch eigentlich nicht erwähnt werden, oder?"

    Warum nicht? Wieso sollten denn "die Spekulanten" ihren Kram zu einem hohen Preis verkaufen können, wenn's das gleiche Lebensmittel beim Erzeuger billiger gibt?

    Der Erzeuger hat genau dann nichts davon, wenn er seine Ernte zu zeiten niedrigerer Preise per Termingeschäft verkauft hat. Dann hat er zwar Pech aber sich auf der anderen Seite halt gegen fallende Preise abgesichert.

    • GDH
    • 11.05.2012 um 12:42 Uhr

    "Und dass die Erzeuger von durch Spekulanten in die Höhe getriebene Endpreise nichts haben, muss doch eigentlich nicht erwähnt werden, oder?"

    Warum nicht? Wieso sollten denn "die Spekulanten" ihren Kram zu einem hohen Preis verkaufen können, wenn's das gleiche Lebensmittel beim Erzeuger billiger gibt?

    Der Erzeuger hat genau dann nichts davon, wenn er seine Ernte zu zeiten niedrigerer Preise per Termingeschäft verkauft hat. Dann hat er zwar Pech aber sich auf der anderen Seite halt gegen fallende Preise abgesichert.

    • Oyamat
    • 11.05.2012 um 12:12 Uhr

    Zu der Überlegung: "Naja, zumindest die Schleimhäute (in Mund und Rachen kriegen die es ja unverdünnt ab) mögen, soweit ich weis, kein destilliertes Wasser (Stichwort Osmose)."
    Ich habe zeitweilig Bidest-Wasser (also doppelt destilliertes Wasser) getrunken, weil das verfügbare Leitungswasser von, nun, nicht besonders toller Qualität war. Und die Bidest-Anlage ist eh ständig gelaufen, um immer Spülwasser für das Laborgeschirr zu haben. Ich fand es ganz lecker. Schleimhaut-Probleme sind nicht aufgetreten.
    Der Mund muß ja auch mit ganz anderen Sachen fertigwerden, etwa mit Speisen, die stark wasseranziehend sind (z.B. Fondant = konzentrierter Zucker, oder Salzgebäck). Die Schleimhäute sind also dafür gemacht, mit wechselnden osmotischen Verhältnissen klarzukommen. Es wird einfach solange Speichel hinzugefügt, bis es wieder "stimmt".
    Und was die Salzkonzentration insgesamt angeht, ist das kein Problem, sofern man sich normal ernährt. Mit dem ganz normalen Essen bekommt man Salze genug.

    • GDH
    • 11.05.2012 um 12:42 Uhr

    "Und dass die Erzeuger von durch Spekulanten in die Höhe getriebene Endpreise nichts haben, muss doch eigentlich nicht erwähnt werden, oder?"

    Warum nicht? Wieso sollten denn "die Spekulanten" ihren Kram zu einem hohen Preis verkaufen können, wenn's das gleiche Lebensmittel beim Erzeuger billiger gibt?

    Der Erzeuger hat genau dann nichts davon, wenn er seine Ernte zu zeiten niedrigerer Preise per Termingeschäft verkauft hat. Dann hat er zwar Pech aber sich auf der anderen Seite halt gegen fallende Preise abgesichert.

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    ... Reis, Milch oder Weizen beim Erzeuger gekauft?

    Es ist halt nur für einen Bruchteil der Lebensmittel möglich, sie direkt beim Erzeuger zu kaufen.
    Deshalb ist Ihr Argument eher scheinheiliger Natur...

    ... Reis, Milch oder Weizen beim Erzeuger gekauft?

    Es ist halt nur für einen Bruchteil der Lebensmittel möglich, sie direkt beim Erzeuger zu kaufen.
    Deshalb ist Ihr Argument eher scheinheiliger Natur...

  3. in Schleswig-Holstein während der Gülle-Ausbringung über Land gefahren: Der unerträglich eklige scharfe Gestank, mit dem die ganze Gegend geschwängert war, trieb mir die Tränen in die Augen und wir beschlossen, nie wieder dort über Land zu fahren, was wir auch bis heute einhalten! Wie kann man nur eine Landwirtschaft betreiben, vor der sich Mensch dermaßen ekeln muß! Geht's eigentlich überhaupt noch pervertierter? Himmel nochmal, wann wacht die Menschheit da endlich mal auf und zeigt Charakter? "Bräuche und Traditionen können die Menschen an jede Abscheulichkeit gewöhnen!" Wie recht hat da doch G.B. Shaw!

    Eine Leserempfehlung
  4. ... Reis, Milch oder Weizen beim Erzeuger gekauft?

    Es ist halt nur für einen Bruchteil der Lebensmittel möglich, sie direkt beim Erzeuger zu kaufen.
    Deshalb ist Ihr Argument eher scheinheiliger Natur...

    Antwort auf "Wieso nicht?"

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