Heute ist klar, dass es ein Fehler war, den Griechen den Euro zu geben . Vielleicht war das mit dem Euro sogar grundsätzlich ein Fehler, weil es den Staaten Europas offensichtlich schwerfällt, sich an die Regeln einer gemeinsamen Währung zu halten.

Nur hilft das bei der Frage nicht weiter, wie jetzt in der griechischen Krise weiter zu verfahren ist. Weil man erstens im Nachhinein immer klüger ist und weil für die Politik zweitens nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft den Ausschlag gibt.

Man muss die Frage nach dem Umgang mit den Griechen in zwei Teilfragen zerlegen. Die erste Teilfrage lautet: Was würde ein Austritt aus der Währungsunion für Europa bedeuten? Die optimistische Antwort: Nicht viel. Die Brandmauern halten, für die verbleibenden Länder ist der Abschied der Griechen sogar ein heilsamer Schock: Sie wissen jetzt, was ihnen droht, wenn sie mit dem Reformieren aufhören. Deutschland müsste die bisher geleisteten Hilfskredite abschreiben. Das ist bitter, wird aber die deutsche Wirtschaft nicht umwerfen.

Es würde Monate dauern, bis die neuen Banknoten in Umlauf gebracht sind

Die pessimistische Antwort: Wenn die Währungsunion ein Mitglied verliert, dann ist sie am Ende. Geld kann seine bindende Funktion nur erfüllen, wenn der Eindruck erweckt wird, es sei für die Ewigkeit bestimmt. Nur dann vertrauen die Menschen ihre Ersparnisse bedrucktem Papier an. Deshalb ist ein Austritt in den europäischen Verträgen auch explizit nicht vorgesehen.

Sobald sich aber herausstellt, dass der Euro einem Land wieder weggenommen werden kann, plündern die Menschen in ganz Südeuropa ihre Bankkonten und bringen ihr Geld zum Beispiel nach Deutschland. Dann sind auch Spanien und Italien in Gefahr. Um sie zu stützen, müssten die Deutschen noch stärker in die Haftung gehen – andernfalls hätten sie irgendwann die Mark wieder. Viel Freude würde sie nicht bereiten. Die Aufwertung der neuen Hartwährung würde deutsche Waren verteuern und der Exportindustrie den Todesstoß versetzen.

Die zweite Teilfrage lautet, was ein Austritt für Griechenland selbst bedeuten würde . Schon das positive Szenario ist hier nicht sehr rosig: Es bilden sich Schlangen vor den Banken, weil die Bürger ihre Euro-Ersparnisse in Sicherheit bringen wollen. Damit sie nicht ins Ausland abfließen, sichert das Militär die Grenzen. Tausende Kreditverträge müssen geändert, Münzen und Scheine verteilt werden. Das führt zu Komplikationen, weil es Monate dauert, bis die Noten gedruckt und in Umlauf gebracht sind.

Doch weil die neu eingeführte Währung – nennen wir sie die Neue Drachme – weniger wert wäre, springt irgendwann der griechische Export an, und der günstige Wechselkurs lockt Touristen an die Strände der Ägäis .