GriechenlandDrachme als Hiob

Zurück zur alten Währung? Sollte Griechenland den Euro aufgeben, wäre das Selbstmord aus Angst vor dem Tod. von 

Während einer Demonstration vor dem griechischen Parlament in Athen: Eine Demonstrantin versucht, wieder zu Atem zu kommen, nachdem sie Tränengas inhaliert hat.

Während einer Demonstration vor dem griechischen Parlament in Athen: Eine Demonstrantin versucht, wieder zu Atem zu kommen, nachdem sie Tränengas inhaliert hat.  |  © Louisa Gouliamaki/AFP/Getty Images

Heute ist klar, dass es ein Fehler war, den Griechen den Euro zu geben . Vielleicht war das mit dem Euro sogar grundsätzlich ein Fehler, weil es den Staaten Europas offensichtlich schwerfällt, sich an die Regeln einer gemeinsamen Währung zu halten.

Nur hilft das bei der Frage nicht weiter, wie jetzt in der griechischen Krise weiter zu verfahren ist. Weil man erstens im Nachhinein immer klüger ist und weil für die Politik zweitens nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft den Ausschlag gibt.

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Man muss die Frage nach dem Umgang mit den Griechen in zwei Teilfragen zerlegen. Die erste Teilfrage lautet: Was würde ein Austritt aus der Währungsunion für Europa bedeuten? Die optimistische Antwort: Nicht viel. Die Brandmauern halten, für die verbleibenden Länder ist der Abschied der Griechen sogar ein heilsamer Schock: Sie wissen jetzt, was ihnen droht, wenn sie mit dem Reformieren aufhören. Deutschland müsste die bisher geleisteten Hilfskredite abschreiben. Das ist bitter, wird aber die deutsche Wirtschaft nicht umwerfen.

Es würde Monate dauern, bis die neuen Banknoten in Umlauf gebracht sind

Die pessimistische Antwort: Wenn die Währungsunion ein Mitglied verliert, dann ist sie am Ende. Geld kann seine bindende Funktion nur erfüllen, wenn der Eindruck erweckt wird, es sei für die Ewigkeit bestimmt. Nur dann vertrauen die Menschen ihre Ersparnisse bedrucktem Papier an. Deshalb ist ein Austritt in den europäischen Verträgen auch explizit nicht vorgesehen.

Sobald sich aber herausstellt, dass der Euro einem Land wieder weggenommen werden kann, plündern die Menschen in ganz Südeuropa ihre Bankkonten und bringen ihr Geld zum Beispiel nach Deutschland. Dann sind auch Spanien und Italien in Gefahr. Um sie zu stützen, müssten die Deutschen noch stärker in die Haftung gehen – andernfalls hätten sie irgendwann die Mark wieder. Viel Freude würde sie nicht bereiten. Die Aufwertung der neuen Hartwährung würde deutsche Waren verteuern und der Exportindustrie den Todesstoß versetzen.

Die zweite Teilfrage lautet, was ein Austritt für Griechenland selbst bedeuten würde . Schon das positive Szenario ist hier nicht sehr rosig: Es bilden sich Schlangen vor den Banken, weil die Bürger ihre Euro-Ersparnisse in Sicherheit bringen wollen. Damit sie nicht ins Ausland abfließen, sichert das Militär die Grenzen. Tausende Kreditverträge müssen geändert, Münzen und Scheine verteilt werden. Das führt zu Komplikationen, weil es Monate dauert, bis die Noten gedruckt und in Umlauf gebracht sind.

Doch weil die neu eingeführte Währung – nennen wir sie die Neue Drachme – weniger wert wäre, springt irgendwann der griechische Export an, und der günstige Wechselkurs lockt Touristen an die Strände der Ägäis .

Leserkommentare
  1. Selbst jetzt, wo die Deutsche Wirtschaft angeblich so gut läuft, verschulden wir uns jedes Jahr aufs Neue! So wird das doch nie was!

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  2. Mark Schieritz: „Nur hilft das bei der Frage nicht weiter, wie jetzt in der griechischen Krise weiter zu verfahren ist. Weil man erstens im Nachhinein immer klüger ist und weil für die Politik zweitens nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft den Ausschlag gibt.“

    Die Aussage ist schlichtweg eine Anmaßung. Mag sein, dass der Autor im Vorhinein nicht klug war und andere Medienschreiber auch nicht, aber jede Menge andere waren es. Darunter fast alle seriösen Ökonomen.
    Nun darf man aber den zweiten Fehler nicht begehen und weiter auf die immer lernenden Unsachverständigen von der Presse hören.

    Mark Schieritz: "Sollte Griechenland den Euro aufgeben, wäre das Selbstmord aus Angst vor dem Tod."

    Auch wenn Schieritz es nicht glaubt, ein Toter kann keinen Selbstmord mehr begehen. Der Euro hat Griechenland bereits umgebracht. Warum hat denn Griechenland keine Industrie, was der Autor beklagt? (Schieritz: Griechenland hat praktisch keine Industrie mehr – und wird deshalb von den Kostenvorteilen kaum profitieren.) Antwort: Weil es im Euro ist.

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    • bayert
    • 16. Mai 2012 13:57 Uhr

    schadet der Euro.

  3. Warum sind wir jetzt Europas Sozialamt, Hegemon, Zucht- und Zahlmeister?!

    Ich habe das nicht gewollt.
    Niemand von uns hat das gewollt.

    7 Leserempfehlungen
  4. zögern?

    Da irren sie sich aber m.E. gwaltig!

    Der Unterschied ist folgender: Zuerst hätte die Banken gehaftet, jetzt haftet der Steuerzahler nahe 100%.

    Wenn die Griechen die Eurozone verlassen, erwarte ich den Rücktritt sämtlicher Politiker die dies zu verantworten hatten.

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    11 Leserempfehlungen
    Antwort auf "wann hören wir auf"
  5. Was ist es wert, dieses Europa? Vertrauen, Solidarität und Sinn für ein respektvolles Gemeinwesen, all das kann man nicht kaufen. Die Bürger Griechenlands wurden von ihren Eliten beschissen und korrumpiert. Wir werden korrumpiert, weil wir via Geld in Zwangshaft genommen werden und weil unsere Eliten nicht viel weiter als Geld denken können. Und wir alle lassen uns korrumpieren, weil wir diesen eindimensionalen Stuß nachbeten.
    Ich plädiere für eine breit angelegte Solidarität der Bürger Europas mit den Mitbürgern in Griechenland und unterstützen wir die Potentiale Griechenlands. Die Spekulanten in Politik und Wirtschaft, die uns ihre jämmerliche Feigheit aufzuschwatzen versuchen, die bitten wir freundlich und verbindlich, einfach mal die Klappe zu halten. Gibt es noch irgend wo wen, der den Unterschied zwischen Geld und Vermögen darstellen kann? Es ist sehr eingfach: Geld kommt von Vermögen, nicht umgekehrt.
    Wie kommen wir dazu, ausgerechnet den Experten, die uns in diese Krise führten, die Bewältigung derseben anzuvertrauen? Ich persönlich hielte das für möglich. Wenn ersichtlich werden würde, das da etwas gelernt wird. Bisher sehe ich nichts, als respektloses selbstvernarrtes Geschwätz. Oder ist es das Ziel, Griechenland in einen Bürgerkrieg zu treiben?

    4 Leserempfehlungen
  6. Es ist eine Illusion, das mit einem Euro-Austritt Griechenlands alles für einen wirtschaftlichen Aufschwung getan wäre. Wenn in der Realität Wirtshaftsgefälle da sind, dann werden sie sich ausgleichen. Z.B. über Mobilität der Arbeitskräfte:

    http://www.spiegel.de/wir...

    Das ist nur ein Vorgeschmack, außer wir werfen Griechenland auch gleich aus der EU. Und bauen einen Mauer.

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    ...daß alle arbeitswilligen Griechen ohnehin im Ausland leben.

    Die Mauer können Sie sich also getrost sparen.

  7. 47. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen. Danke. Die Redaktion/ag

    Eine Leserempfehlung
  8. ist im Prinzip völlig egal,..wenn die Aktuere und das System ausgeglichen wäre.

    Da dies nicht der FAll ist und auch nicht zu erwarten ist ( trotz aller technokratischen Vorstellungen) bietet die Rückkehr zu Drachme wesentliche Vorteile.:

    1. Die Eigenverantwortung kehrt ins Land zurück
    2. Ab- und Aufwertungen sind wieder möglich
    3. Eine eigenständige Fiskalpolitik ist möglich
    4. Die Identität des Landes wird gestärkt
    5. Die "Mär" vom unabkömmlichen Euro würde sich schnell verflüchtigen.
    ( Norwegen, die Schweiz, Großbritanien.. leben auch noch.

    Die Idee der gemeinsamen Währung ist ja gut und schön, doch bei nüchterner Betrachtung bringt Sie für manche Staaten viel mehr Probleme, als Chancen mit sich.
    Die Vor- bzw. Nachteile /Gefahren werden regelmäßig verharmlost oder ganz ignoriert. Dabei sind die Probleme wohl kaum noch zu übersehen.

    9 Leserempfehlungen
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    ....aber das sagt weder ein Politiker noch steht es in den Zeitungen.....andernfalls ja der Wähler in D seinen Abgeordneten fragen müsste, warum der für die "Hilfen" gestimmt hat.

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