Jack WolfskinAdler und Tatze

Das Bundesamt für Naturschutz hat einen Sponsor, dessen Produkte die Umwelt belasten. Ex-Bundesumweltminister Norbert Röttgen lobte die Zusammenarbeit.

Die Wolfstatze prangt neben dem Bundesadler, als Unterschrift zum Aufruf für den diesjährigen Deutschen Naturschutzpreis. Während der Adler Offizielles besiegelt, ist der Prankenabdruck das Markenzeichen der Freizeitmodefirma Jack Wolfskin. Im Wettbewerb der Outdoor-Firmen hat sich der weltweit drittgrößte Anbieter höchsten Beistand gesucht und gefunden: das Bundesamt für Naturschutz.

Die Bonner Behörde, die als wissenschaftliche Forschungseinrichtung zum Bundesumweltministerium gehört, schreibt seit dem vergangenen Jahr exklusiv mit Jack Wolfskin den nationalen Naturschutzpreis aus – als »gemeinsame Initiative«. Der Nutzen für die Behörde? Die eigenen Mittel für Öffentlichkeitsarbeit seien zu gering. Der Nutzen für das Unternehmen? Es kann sich seinen natursuchenden Kunden als besonders grüne, freundliche, ethische Marke präsentieren. Beide werben füreinander, Amt und Firma. Und mittendrin lobte der ehemalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen die enge Partnerschaft.

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Doch solche Verbindungen haben Schattenseiten – so auch diese.

Dem Unternehmen aus Idstein und der Behörde geht es bei dem Preis um »Naturbewusstsein und bürgerschaftliches Engagement im Naturschutz«, heißt es auf der Internetseite. »Das entspricht unserem Selbstverständnis«, bekräftigt der Jack-Wolfskin-Umweltbeauftragte Ingmar Anderson. Die Zusammenarbeit habe der Mitbegründer und langjährige Chef von Jack Wolfskin, der Bonner Manfred Hell, eingefädelt, bevor er die Firma vergangenes Jahr verließ, so Anderson. Das Preisgeld in Höhe von einer Viertelmillion Euro stiftet Jack Wolfskin. Die Firma, seit 2011 in der Hand des Finanzinvestors Blackstone, erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 355 Millionen Euro.

In diesem Jahr sollen Bürger und Vereine ihre Ideen für Naturschutzprojekte in der Stadt und im Wohnumfeld einreichen. Wiederkehrender Höhepunkt des Wettbewerbs: die Preisverleihung in Bonn, vergangenen November mit dem ehemaligen  Bundesumweltminister Röttgen. Dieser kommentierte den Einsatz von Jack Wolfskin: »Ich finde das gut und richtig, und ich finde das Engagement, das Sie leisten, vorbildlich.« Im Internetblog der Firma kann man sich das Video anschauen – neben Testberichten über die Funktionsjacken der letzten Winterkollektion.

»Normal ist das nicht«, urteilt Rudolf Speth, Lobbyismusforscher und Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin. »Das Unternehmen erkauft sich durch den amtlichen Beistand den Segen gegenüber der Öffentlichkeit«, sagt Speth, »und es ist offensichtlich, dass dadurch nicht nur der Naturschutz, sondern auch die Unternehmensziele gefördert werden.« Und die lauten bei Jack Wolfskin nun mal, Jacken und Rucksäcke zu verkaufen.

»Die wirtschaftlichen Ziele werden vom Bürger in der Regel nicht enttarnt«, sagt Wissenschaftler Speth, »die Rechnung geht für viele Unternehmen also auf. Ein gestifteter Preis ist eine relativ preiswerte Form der Kommunikation.« Für herkömmliche Werbemaßnahmen müssten Unternehmen meist deutlich mehr ausgeben. Zum Vergleich: Spezialisierte Freizeitmodeunternehmen blättern pro Jahr für klassische Werbung Millionenbeträge hin.

»Wir werden durch unser Engagement für den Naturschutzpreis nicht mehr Käufer gewinnen«, entgegnet Anderson. Jack Wolfskin sei als Hersteller für Wanderausrüstung vielmehr an einer intakten Natur interessiert. Schon 1993 habe man mit einem Wolfsschutzprojekt in Rumänien begonnen. »Außerdem sind nicht viele Unternehmen, denen der Naturschutz wichtig ist, bereit, so etwas zu stemmen«, so der Umweltbeauftragte.

Leserkommentare
  1. mit Hilfe der Bundesregierung sollte sofort verboten werden - der Verdacht der Korruption liegt hier mehr als nahe.
    Kann eine Regierung den Spendern gegenüber völlig unabhängig sein? Ich wage das zu bezweifeln. Leider reißt die Sponsoringpraxis, gerade auch im Sport, immer mehr und mehr ein; theoretisch und praktisch liefert man sich aber damit der Willkür der Sponsorenunternehmen aus.

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  2. In Sachen Stil und Mode hat Jack Wolfskin eine Schneise der Verwüstung in Deutschland hinterlassen. Mir wird immer wieder schlecht, wenn ich sehe, dass Mutti, Vati und 2 Kinder komplett in diesem Zeug gehüllt durch die Berliner Innenstadt trotten. Am besten noch in der gleichen Farbe. Schön schrecklich praktisch!

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    Mal von ökologischem Für und Wider abgesehen, und auch davon, dass ich mir schon seit den frühen Neunzigern nichts mehr bei JW gekauft habe und solche Klamotten eh nur sehr selektiv nutze sowie davon abgesehen, dass es mir eher übel aufstößt, wenn ich Bezeichnungen und Namen wie "Finanzinvestor Blackstone" lese, die unsere mittelständischen Industrien nach und nach aushöhlen und zerstören, muss ich Ihnen eine ziemliche Arroganz und einseitige Intoleranz vorwerfen (und der Redaktion eine gewisse Einseitigkeit).
    Hätten Sie, T.Steffen, z.B. zur LoveParade oder den CSD-Umzügen sinngemäß Ähnliches geschrieben und dass Ihnen bei deren "Verkleidungen" schlecht werde, dann wäre Ihr Kommentar - so vermute ich zumindest stark - in Nullkommanichts gelöscht worden und viele Foristen hätten sie verbal verrissen und der Intoleranz bezichtigt.
    Welch heuchlerische und verlogene Welt wird uns da "andressiert" ... und die Meisten scheinen sich dabei auch noch als moralisch/ethisch besser zu fühlen!

    bis Jack Wolfskin durch viele unkritische Käufer die Innenstädte flutete, waren Rentner in hornhautfarbenen Jacken ein Markenzeichen deutscher Reisender. Mittlerweile ist die jüngere Gruppe von Käufern mitsamt ihren Kindern, die vom Federmäppchen über Ranzen, Schuhen, Hosen bis hin zur obligatorischen Tatzenjacke nachgezogen und hat sich ein im In- und Ausland bezeichnendes Aussenbild an Land gezogen.

    Geschmacklos, formlos, farblich mehr als fragwürdig aber natürlich für die wüsten Widrigkeiten des Großstadtlebens gewappnet.

    Gut, dass die Menschen solche Teile, die überaus umweltschädlich sind, haben, da sie sonst wohl wie ich auf dem Rad manchmal sogar einen Tropfen spüren würden.

    Eine furchtbare Ausprägung des Zeitgeistes, die Eingang in Straßenbilder der >2000er-Jahre fand.

    Ich hoffe, es wird irgendwann wieder vergehen und die Menschen wählen vielleicht wieder etwas aus, das weniger nach Uniform aussieht und weniger schädlich ist.

    Mal von ökologischem Für und Wider abgesehen, und auch davon, dass ich mir schon seit den frühen Neunzigern nichts mehr bei JW gekauft habe und solche Klamotten eh nur sehr selektiv nutze sowie davon abgesehen, dass es mir eher übel aufstößt, wenn ich Bezeichnungen und Namen wie "Finanzinvestor Blackstone" lese, die unsere mittelständischen Industrien nach und nach aushöhlen und zerstören, muss ich Ihnen eine ziemliche Arroganz und einseitige Intoleranz vorwerfen (und der Redaktion eine gewisse Einseitigkeit).
    Hätten Sie, T.Steffen, z.B. zur LoveParade oder den CSD-Umzügen sinngemäß Ähnliches geschrieben und dass Ihnen bei deren "Verkleidungen" schlecht werde, dann wäre Ihr Kommentar - so vermute ich zumindest stark - in Nullkommanichts gelöscht worden und viele Foristen hätten sie verbal verrissen und der Intoleranz bezichtigt.
    Welch heuchlerische und verlogene Welt wird uns da "andressiert" ... und die Meisten scheinen sich dabei auch noch als moralisch/ethisch besser zu fühlen!

    bis Jack Wolfskin durch viele unkritische Käufer die Innenstädte flutete, waren Rentner in hornhautfarbenen Jacken ein Markenzeichen deutscher Reisender. Mittlerweile ist die jüngere Gruppe von Käufern mitsamt ihren Kindern, die vom Federmäppchen über Ranzen, Schuhen, Hosen bis hin zur obligatorischen Tatzenjacke nachgezogen und hat sich ein im In- und Ausland bezeichnendes Aussenbild an Land gezogen.

    Geschmacklos, formlos, farblich mehr als fragwürdig aber natürlich für die wüsten Widrigkeiten des Großstadtlebens gewappnet.

    Gut, dass die Menschen solche Teile, die überaus umweltschädlich sind, haben, da sie sonst wohl wie ich auf dem Rad manchmal sogar einen Tropfen spüren würden.

    Eine furchtbare Ausprägung des Zeitgeistes, die Eingang in Straßenbilder der >2000er-Jahre fand.

    Ich hoffe, es wird irgendwann wieder vergehen und die Menschen wählen vielleicht wieder etwas aus, das weniger nach Uniform aussieht und weniger schädlich ist.

  3. Zitat:»Mit Wachsbeschichtungen, einer PFC-freien Alternative, erreichen wir einfach nicht das Leistungsniveau«

    Und natürlich ist dieses Leistungsniveau wichtig damit Mutti und Vati in der Grosstadt oder beim Wanderurlaub auch nach 12 stündigen Regengüssen trocken bleiben ! Wahrscheinlich glaubt die verantwortlichen der Outdoor Industrie inzwischen schon selbst an ihre Werbespots mit denen sie uns Sinn und Nutzen Ihrer Kleidung nahe bringen wollen.

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    Ich stimme Ihrem Argument absolut zu. Gerade in der Großstadt (aber auch auf dem Land) ist es eher selten, dass man derart beanspruchbare Kleidung braucht.

    Alternativ könnte man sich natürlich auch eine ordentliche Wachsjacke (z.B. von Barbour) kaufen, die auch sehr gute Wetterresistenz und Schutz bietet und sich seit über 100 Jahren bewährt hat.

    Ich stimme Ihrem Argument absolut zu. Gerade in der Großstadt (aber auch auf dem Land) ist es eher selten, dass man derart beanspruchbare Kleidung braucht.

    Alternativ könnte man sich natürlich auch eine ordentliche Wachsjacke (z.B. von Barbour) kaufen, die auch sehr gute Wetterresistenz und Schutz bietet und sich seit über 100 Jahren bewährt hat.

  4. Mal von ökologischem Für und Wider abgesehen, und auch davon, dass ich mir schon seit den frühen Neunzigern nichts mehr bei JW gekauft habe und solche Klamotten eh nur sehr selektiv nutze sowie davon abgesehen, dass es mir eher übel aufstößt, wenn ich Bezeichnungen und Namen wie "Finanzinvestor Blackstone" lese, die unsere mittelständischen Industrien nach und nach aushöhlen und zerstören, muss ich Ihnen eine ziemliche Arroganz und einseitige Intoleranz vorwerfen (und der Redaktion eine gewisse Einseitigkeit).
    Hätten Sie, T.Steffen, z.B. zur LoveParade oder den CSD-Umzügen sinngemäß Ähnliches geschrieben und dass Ihnen bei deren "Verkleidungen" schlecht werde, dann wäre Ihr Kommentar - so vermute ich zumindest stark - in Nullkommanichts gelöscht worden und viele Foristen hätten sie verbal verrissen und der Intoleranz bezichtigt.
    Welch heuchlerische und verlogene Welt wird uns da "andressiert" ... und die Meisten scheinen sich dabei auch noch als moralisch/ethisch besser zu fühlen!

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    • cirre
    • 23.05.2012 um 16:23 Uhr

    Toller *Wohltäter*.
    im Jahre 2009 hat J.Wolfskin eine Abmahnwelle losgetreten gegen kleine und auch kleinste Unternehmer und Muttis, die es wagten eine Tatze auf ihre Kissen zu sticken und zu verkaufen. Dabei war es Wolfskin völlig egal, ob diese Tatzen überhaupt eine Ähnlichkei mit ihrem Markenzeichen hatten oder nicht.

    Der Sturm im internet hat allerdinsg zu SO einem großen Flurschaden geführt, dass die Sache dann irgendwie versandete.

    Mehr findet man unter wikipedia
    oder nach wolfskin-tatze-abmahnung suchen.

    3 Leserempfehlungen
  5. ich stolpere schon über den ersten Halbsatz nach dem Titel:

    "Das Bundesamt für Naturschutz hat einen Sponsor ..."

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  6. Bei der Jackendichte in der Bevölkerung bin ich schon davon ausgegangen, dass es eine gesetzliche Verpflichtung zum Tragen der Jacken dieses Herstellers gibt.

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    • Ullli
    • 23.05.2012 um 17:17 Uhr

    dass der Prankenabdruck als Markenzeichen der Freizeitmodefirma Jack Wolfskin auch im Bundesamt für Naturschutz Spuren hinterlassen hat. Wenn Ex-Bundesumweltminister Norbert Röttgen, der die Zusammenarbeit mit dieser Freizeitmodefirma ausdrücklich begrüßte, nicht bereits entlassen worden wäre, dann müsste man ihn deswegen entlassen.

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