RektorenkonferenzHippler wettert

Der neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz will kein Harmoniegetue. Das merkt man. von 

HRK-Präsident Horst Hippler

HRK-Präsident Horst Hippler  |  © KIT/Harry Marx

Horst Hippler war exakt drei Tage im Amt, als ihm gelang, was seine Vorgängerin in sechs Jahren nicht geschafft hatte: Eine überregionale Tageszeitung berichtete auf der Titelseite über ihn. »Unis müssen Downgrade fürchten« , meldete die Financial Times Deutschland am 4. Mai auf Seite eins und zitierte den neuen Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) mit der Idee, man könne doch forschungsschwache Universitäten zur Strafe zu Fachhochschulen herabstufen. Spätestens da dürfte dem letzten der 266 Rektoren, deren öffentliches Sprachrohr die HRK sein soll, klar gewesen sein, wen sie jetzt an ihrer Spitze haben.

Er wolle Schluss machen mit diesem ewigen Harmoniegetue, hatte der 65 Jahre alte Physikochemiker bereits vor seiner Wahl Ende April jedem gesagt, der es hören wollte. Eine harsche Kritik an Margret Wintermantel, die die HRK seit 2006 geführt und dabei stets auf Kompromisse gedrängt hatte. Dies war ihre Art gewesen, mit den tiefer werdenden Gräben innerhalb der Hochschullandschaft umzugehen.

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Auf der einen Seite steht die wachsende Gruppe der Fachhochschulen, die sich zunehmend auch in der Forschung engagieren – zum Unwillen vieler Unis auf der anderen Seite, die damit ihr Alleinstellungsmerkmal bedroht sehen. Innerhalb der Universitäten wiederum hat sich ein elitärer Kreis von einem guten Dutzend Einrichtungen gebildet, deren erklärtes Ziel die Weltspitze ist. Dazu gehören die bislang neun Unis, die im Exzellenzwettbewerb abgeräumt haben, sowie die »TU9« , neun Technische Unis, die sich für die besten ihrer Art in Deutschland halten. Zum Teil überschneiden sich Exzellenzuniversitäten und TU9 auch: Die RWTH Aachen und die TU München zum Beispiel gehören beiden Clubs an, genau wie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – dessen scheidender Präsident übrigens Horst Hippler heißt.

Dessen Kandidatur hat denn auch auf der HRK-Mitgliederversammlung vor drei Wochen in Hamburg die von Wintermantel mühsam zusammengehaltenen Risse auseinanderklaffen lassen. So wollten die Fachhochschulen Hipplers Wahl um jeden Preis verhindern, während einige Präsidenten der Exzellenzuniversitäten ganz offen »ihren« Mann nach vorne pushten. Das Ergebnis der Wahl spiegelte dies am Ende wider: Hipplers Gegenkandidat, der international erfahrene ehemalige Rektor der Allerwelts-Uni Duisburg-Essen, Lothar Zechlin, konnte zwar die Mehrheit der Rektoren auf seine Seite ziehen, da jedoch deren Stimmen entsprechend der Studentenzahl ihrer Hochschulen gewichtet sind, gab das Votum der großen Unis den Ausschlag.

In Hamburg hatte Hippler noch zur Beruhigung seiner Kritiker versichert, natürlich werde er als HRK-Präsident eine andere, eine ausgewogenere Rhetorik pflegen als er es als KIT-Chef und noch dazu langjähriger Vorsitzender der TU9 tat. Doch seine ersten Äußerungen im Amt deuten darauf hin, dass sich die Gewichte innerhalb der HRK verschieben. Betonte Wintermantel vor wenigen Wochen noch in der ZEIT , es sei falsch, die unterschiedlichen Hochschultypen in Kategorien wie »besser« oder »schlechter« einzuordnen, tut Hippler mit seinem Downgrading-Vorschlag genau dies. Zumindest sieht sein HRK-Vizepräsident, Micha Teuscher , das so: Teuscher ist Rektor der Hochschule Neubrandenburg und zugleich frisch wiedergewählter Sprecher der Gruppe der Fachhochschulen in der HRK.

Leserkommentare
    • Rudi01
    • 16. Mai 2012 19:21 Uhr

    HRK-Vizepräsident Teuscher, seines Zeichens FH-Rektor, sagt also »Nicht nur implizit läuft seine [Hipplers] Idee darauf hinaus, dass Universitäten für ihn die erste Liga sind und Fachhochschulen die zweite.«

    Wenn an FHs Studierende mit (im Mittel!) deutlich geringerem Anspruch an die theoretische Durchdringung des Stoffs von Lehrenden ausgebildet werden, bei deren Berufung deutlich geringere Anforderungen an die wissenschaftliche Qualifikation gestellt werden, dann sollte es doch eigentlich keine weitere Diskussion über die Verschiedenartigkeit der Institutionen FH und Uni geben. Wissenschaft wird an den Unis "gemacht" und an den FHs angewendet. Die Faktenlage ist doch klar und kaum zu bestreiten.

    Dass dieser Unterschied der Institutionen nicht ausschliesst, dass viele Studierende und Lehrende an den FHs auch den erhöhten Anforderungen an der Uni gewachsen wären, möchte ich nicht versäumen zu erwähnen.

    Ob man das nun als erste und zweite Liga ausdrücken möchte, ist eine Geschmacksfrage. Es dürfte nur wenige geben, die die Sinnhaftigkeit der Existenz beider Hochschultypen in Frage stellen -- es gibt eben Menschen mit höchst unterschiedlichen Neigungen, Fähigkeiten und Berufszielen. Und aus diesem Grunde Bildungsgänge mit unterschiedlichen Ansprüchen und Zielen.

    Aber dieses dauernde Eifern nach einer Gleichartigkeit, wo offensichtlich keine Gleichheit der Strukturen, Qualifikationen und Ziele vorhanden ist, wirkt auf die Dauer doch etwas ermüdend.

    • DDave
    • 16. Mai 2012 20:00 Uhr

    Jetzt hat die HRK einen Physikochemiker...
    Super und seine Aussagen zu Bologna, Bachelor, Master und Diplom sind hörenswert.
    Bologna hat ein Kernproblem und das besteht aus dem Trugschluss, dass jedes Modul unabhängig vom Anderen ist/sein soll.
    Gerade in den Naturwissenschaften nicht machbar...
    Ausserdem krankt das System daran, dass viele Leute sehr schnell ausgesiebt werden können, da nach einer Nachholklausur und einer mündlichen Prüfung man direkt exmatrikuliert wird. Beim Diplom gibt es auch genügend Leistungsdruck aber man hat die Möglichkeit zu mehreren Anläufen. Hier muss man nur den Missbrauch eindämmen(von Leuten mit mehr als 20 Semestern).

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