GesellschaftskritikÜber schlimme Sätze

Wie viel Unheil könnte vermieden werden, wenn Menschen jene Sätze loswerden könnten, die in ihrem Unterbewusstsein rumoren. Ein Beispiel: Der Schauspieler Fritz Wepper. von 

Fritz Wepper

Fritz Wepper  |  © Hannes Magerstaedt/Getty Images

Es gibt Sätze im Leben, die man nie vergisst. Auch wenn man glaubt, sie vergessen zu haben, rumoren sie im Unterbewusstsein weiter und richten noch Jahrzehnte später Schaden an. Meist haben sie etwas mit Liebe und Anerkennung zu tun – oder besser: mit deren Abwesenheit. Glücklich die Menschen, denen es gelingt, sich von solchen Sätzen zu befreien. Zum Beispiel die französische Künstlerin Sophie Calle . Ihr Freund trennte sich von ihr und gab ihr in seinem Abschiedsbrief mit auf den Weg: »Pass gut auf dich auf!« Dieser Satz in seiner gönnerhaften Hilflosigkeit traf sie sehr. Doch statt ihn zu verdrängen, bat sie 17 Frauen, die Worte für sie zu interpretieren, sie singend, tanzend, schreibend zu deuten. Das Ergebnis war eine ebenso komische wie (wahrscheinlich nicht nur für Sophie Calle) befreiende Installation.

Wie viel Unheil könnte vermieden werden, wenn mehr Menschen ihre schlimmen Sätze loswerden könnten. Ein Beispiel: Fritz Wepper, einer der beliebtesten Schauspieler Deutschlands. Über Jahrzehnte war er der Mann hinter dem genialen Derrick, der Wagenholer, sympathisch, unauffällig.

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Doch der private Wepper wurde immer wieder auffällig. Es weppert wieder, war dann zu lesen. Der Fritz, so die Gerüchte, ging fremd. Weppern ist in der Boulevardpresse schon fast ein Synonym fürs Fremdgehen geworden. Doch am Ende hat der Fritz immer wieder zu Angela, mit der der nunmehr 70-Jährige schon fast 40 Jahre lang liiert ist, zurückgefunden. Das letzte Weppern allerdings hatte weitreichende Folgen. Fritz zog mit einer halb so alten Schauspielerin zusammen und zeugte ein Kind, das im vorigen Jahr zur Welt kam. Angela drohte, »emotional« werde sie Fritz nie verlassen. Scheidung? Niemals!

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Nun, in diesem Frühjahr, die Wende: Fritz soll zu Angela zurückgekehrt sein. Dann wird er doch wieder bei der jungen Geliebten gesehen. Hin und her, her und hin. Fritz kann sich nicht entscheiden. Großer Klamauk in den beobachtenden Medien. Mal Pseudomitleid mit der Ehefrau, mal Pseudomitleid mit der Geliebten. Aber was ist eigentlich mit Fritz, warum tut der keinem leid? Der Mann, von dem in den letzten Monaten vor allem ein Satz im Gedächtnis geblieben ist: »Wir sind auf der Welt, um geliebt zu werden.« Ein Schrei nach Liebe. Warum braucht Wepper so viel davon?

Könnte die Ursache in einem harmlosen Satz liegen? In dem Satz: »Harry, wir brauchen den Wagen, sofort.« Ein Satz, den Derrick nur ein Mal gesagt hat, der sich aber verselbstständigt hat und der in der Form »Harry, hol schon mal den Wagen!« auf immer Weppers Platz als Nummer zwei zementiert hat.

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