Westjordanland: Wege über den Flickenteppich
Wie geht man durch das Westjordanland? Der Diplomat Stefan Szepesi hat den ersten regionalen Wanderführer verfasst – ein Gespräch über idyllische Täler und aggressive Hunde
© Stefan Szepesi

Eine Gruppe von Wanderern nahe Jenin im Westjordanland
DIE ZEIT: Herr Szepesi, Sie haben gerade den weltweit ersten Wanderführer für das Westjordanland geschrieben. Kann man dort wirklich wandern?
Stefan Szepesi: Aber ja! Es ist sogar wunderschön da. Das war auch für mich eine Entdeckung. Ich habe als niederländischer Diplomat im palästinensischen Ostteil von Jerusalem gearbeitet, erst für die EU, dann für das Nahostquartett. Die meisten Diplomaten fuhren zum Entspannen nach Tel-Aviv oder ans Rote Meer. Da war es mir viel zu voll. Ich bin einfach mit dem Auto in das Westjordanland gefahren und ausgestiegen, wo es mir gefiel. Da war ich mit der Natur häufig ganz allein.
ZEIT: Viele denken beim Westjordanland an die staubige Gegend voller Stacheldraht, die sie aus den Nachrichten kennen...
Szepesi: Ja, leider. Mit Walking Palestine will ich zeigen, dass die Region zwischen Ramallah, Nablus und Hebron mehr ist als ein Schauplatz des Nahostkonflikts. Die fruchtbaren Täler am Jordan erinnern an die Toskana. Da wachsen Orchideen, man sieht Orangenbäume und Olivenhaine. Das Westjordanland misst von Westen nach Osten nur etwa 30, von Norden nach Süden nur 150 Kilometer, aber die landschaftliche Vielfalt auf vergleichsweise engem Raum ist absolut erstaunlich.
ZEIT: Zugleich wird das Gebiet durchzogen von Sperrgebieten, Checkpoints und Militäranlagen. Ist das für Wanderer nicht kompliziert und gefährlich?
Szepesi: Zugegeben, es fühlt sich manchmal etwas kafkaesk an, auf diesem Flickenteppich unterwegs zu sein. Das Westjordanland wurde ja als Ergebnis des Oslo-Abkommens in drei Zonen eingeteilt, in denen die Palästinensische Autonomiebehörde und das israelische Militär jeweils andere Befugnisse haben. Zone C, der flächenmäßig weitaus größte Teil des Landes, untersteht dabei israelischer Kontrolle. Dort verlaufen auch die meisten Wanderrouten meines Buches..
ZEIT: Was sollte man bedenken, wenn man sich als Wanderer auf den Weg machen will?
Szepesi: Man muss sich vor Beginn jeder Tour über die aktuelle politische Lage in der Region informieren. Die kann sich täglich ändern. Checkpoints sind weitläufig zu umgehen, ebenso militärische Anlagen und israelische Siedlungen, die darf man nur mit einer offiziellen Erlaubnis der Behörden durchqueren. Die von mir empfohlenen Touren führen allerdings nicht an sensiblen Einrichtungen oder Orten vorbei.
ZEIT: Haben Sie selbst auf Ihren Wanderungen gefährliche Situationen erlebt?
Szepesi: Nur ein einziges Mal. Ich stieß auf drei wilde Hunde, die sehr aggressiv waren.
ZEIT: Wie sind Ihnen die Menschen unterwegs begegnet?
Szepesi: Die Idee, einfach nur zum Vergnügen eine längere Strecke zu laufen, ist den Palästinensern fremd. Viele Menschen im Westjordanland haben außerdem schlechte Erfahrungen mit den Checkpoints gemacht und bleiben lieber zu Hause in ihren Dörfern, wenn sie keine dringenden Besorgungen machen müssen. Häufig wurde ich deshalb wie ein Außerirdischer angestarrt, wenn ich irgendwo nach dem Weg fragte. Man riet mir, einfach ein Taxi zu nehmen. Ich habe dort als Wanderer völliges Neuland betreten.






Wie wäre es mit einem schönen Wanderweg auf den Spuren der Kreuzritter: "Von Frankreich bis nach Jerusalem"?
Der am Ende erwähnte Weg wäre möglicherweise das letzte Teilstück davon.
ist längst für Touristen entwickelt.
Ich habe vor Jahren von der Naturschutzorganisation
Jordaniens RSCN davon erfahren.
Jährlich finden geführte Wanderungen statt, mit
arabischen scouts :)
http://www.abrahampath.or...
ein sehr schönes projekt.
Ich freue mich während meinem Auslandsemester in Amman diese Wege gehen zu können.
Das Problem von aggressiven Hunden haben vermehrt Radfahrer in vielen Ländern der Welt. Wanderer sind normalerweise davon weniger betroffen, weil Hunde in Radfahrern eher eine fliehende Spezies betrachten.
Pfeffersprays sind zu teuer und sind auf die notwendige Distanz von 3 m bis 5 m meist wirkungslos.
Wenn man eine Sprayflasche mit einem weiten Zielstrahl findet, ist die sehr wirksam, ansonsten hilft eine sehr gute Wasserpistole, die mit Wasser und einer sehr geringen Beimengung von Spülmittel sehr hilfreich ist.
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