Rapper Shahin Najafi: 100 Peitschenhiebe für ein Lied
Der iranische Rapper Shahin Najafi lebt im deutschen Exil. Zu Hause wird er mit dem Tode bedroht. Ulrich Ladurner traf ihn mit Günter Wallraff in Köln zum Gespräch.
© Screenshot Vimeo

Der Rapper Shahin Najafi in einem Videointerview
Der im deutschen Exil lebende iranische Musiker Shahin Najafi wird mit dem Tode bedroht. Zwei hohe iranische Geistliche haben eine Fatwa – eine Rechtsmeinung – zu Najafis Musik abgegeben. Darin befinden sie, dass Najafi vom Glauben abgefallen sei. Die erste Fatwa spricht nur von »dem Sänger«, die zweite aber nennt Najafi beim Namen, was die ganze Sache noch gefährlicher macht. Außerdem wurde ein Kopfgeld von 100.000 Dollar ausgesetzt. Najafi ist derzeit beim deutschen Journalisten und Schriftsteller Günter Wallraff zu Gast, der ihn nach diesem Gespräch in eine sichere Unterkunft außerhalb Kölns begleitet. Er nimmt am Gespräch teil. Inzwischen steht Najafi unter Polizeischutz.
DIE ZEIT: Herr Najafi, seit wann wissen Sie, dass Sie mit dem Tod bedroht werden?
Shahin Najafi: Seit dem 8. Mai. An diesem Tag ist die erste Fatwa erschienen. Ich bin zur Polizei gegangen, um Anzeige gegen den Ajatollah zu erstatten, der diese Fatwa erlassen hat.
ZEIT: Haben Sie das Gefühl, dass die Polizei sofort die Brisanz Ihres Falles begriffen hat?
Günter Wallraff: Es hat eine Zeit gedauert, bis sie das verstanden haben. Shahin ist nicht so berühmt wie Salman Rushdie, der 1989 in einer Fatwa mit dem Tod bedroht wurde. Ich habe damals Rushdie bei mir aufgenommen. Ich wünsche mir jetzt, dass wir eine breite Solidarität mit Shahin organisieren können. Ich rufe die Künstler und Musiker dieses Landes auf, ihm zu helfen.
ZEIT: Herr Najafi, Sie haben den Iran im Jahr 2005 verlassen. Warum?
Najafi: Ich habe in meiner Musik immer auch die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse beschrieben und kritisiert...
Wallraff: Er ist für ein Lied zu 100 Peitschenhieben und drei Jahren Haft verurteilt worden.
ZEIT: Herr Najafi, 2009 kam es im Iran zu einer großen Protestbewegung gegen das Regime – der grünen Bewegung. Glauben Sie, dass sie noch Kraft zur Veränderung hat?
Najafi: Die grüne Bewegung lebt weiter. Sie braucht aber Zeit, um den Iran zu verändern.
Wallraff: Künstler wie Shahin sind die Hoffnung des anderen, jungen Irans. Er kann in Zukunft noch eine große Rolle spielen.
ZEIT: Herr Najafi, wie geht es mit Ihnen jetzt weiter? Werden Sie auftreten?
Najafi: Ich lasse mich nicht einschüchtern. Jetzt erst recht. Ich bin Musiker. Mein Publikum erwartet von mir, dass ich weitermache.
Wallraff: Shahin braucht die Bühne, er ist ja nicht wie Rushdie ein Schriftsteller, der am Schreibtisch arbeiten kann.
Najafi: Ich habe eine Einladung zu einem großen Solidaritätskonzert in Schweden. Wir werden sehen.
ZEIT: Wird Ihre Familie im Iran bedroht?
Najafi: Bisher nicht, aber seit einigen Tagen besteht keinerlei Kontakt.









Wallraf spricht anstelle des und über den Betroffenen Sahin, der doch selbst bei dem Interview dabei ist?
Ein Interview, das so einen "Erklärer" braucht, wirkt auf mich eher unrund.
Wie kann es sein, dass die Medien diese Bedrohung eines Iraners in Deutschland nicht ernstnehmen?
Der Mann lebt im eigentlcih demokratischen freien Deutschland und dennoch muss er nun um sein Leben fürchten. Sollte uns das nicht zu denken geben?
Ist so ein islamischer Gelehrter, der den Koran und begleitende Literatur in- und auswendig kennt, nun als Extremist einzuordnen, der den Glauben falsch auslegt ?
Was sagen denn unsere Imane und Mullahs dazu ?
Dazu hätte ich gern ein Zeit-interview aber inkognito, mit Angabe einer arabischen Zeitung, denn was uns erzählt wird ist doch häufig etwas anderes als Gläubigen verkündet wird.
...... Ihnen erzählt wird, sol dahin gestellt werden. Tatsache ist doch, dass es einen Ajatollah gibt, der eine Fatwa ausgesprochen hat. Da ich voraussetze, dass Ihnen bekannt ist, was eine Fatwa ist, kommt es mir bedenklich vor, solch einen Mann nicht als Extremist bezeichnen zu sollen. Es sollte doch im Übrigen vollkommen egal sein, welcher Religion solch ein Wahnsinniger angehört. Oder haben nach Ihrer Meinung islamische Gelehrte eine Ausnahmestellung?
...... Ihnen erzählt wird, sol dahin gestellt werden. Tatsache ist doch, dass es einen Ajatollah gibt, der eine Fatwa ausgesprochen hat. Da ich voraussetze, dass Ihnen bekannt ist, was eine Fatwa ist, kommt es mir bedenklich vor, solch einen Mann nicht als Extremist bezeichnen zu sollen. Es sollte doch im Übrigen vollkommen egal sein, welcher Religion solch ein Wahnsinniger angehört. Oder haben nach Ihrer Meinung islamische Gelehrte eine Ausnahmestellung?
denn egal was darin steht, es steht in keiner beziehung dazu, wovon es ablenken soll.
dem herren najafi wünsche ich alles gute aber er soll sich keine zu grossen hoffnungen bzgl deutschland machen.
Gut so. Warum sollte er sich auch von der Religion des Friedens bedroht fühlen...
Es tut mir sehr leid, dass Herr Najafi sich bedroht fühlt, das wünscht man keinem Menschen.
Aber die Berichterstattung in der FAZ zum Beispiel liest sich wesentlich weniger dramatisch:
http://www.faz.net/aktuel...
Schon immer wieder interessant wie der Iran und wie der Islam sowohl in der "ZEIT" als auch in deren Foren als Prügelknabe herhalten müssen.
Herr Najafi als Exil-Iraner, der offensichtlich auch die Praktiken seiner Regierung kennt und nicht billigt (ansonsten hätte er seine Heimat nicht verlassen), sollte sich nicht beschweren, wenn er sich beim Spiel mit dem Feuer die Finger verbrennt.
Schöne Grüsse
Schon interessant wie der Iran als auch der Islam in der "ZEIT" als auch deren Foren immer wieder als Prügelknabe herhalten müssen.
Die Berichterstattung der FAZ zum selbigen Sachverhalt liest sich dabei doch schon wesentlich moderater:
http://www.faz.net/aktuel...
Die Ängste die Herr Najafi sicher erleidet, wünscht man keinem Menschen. Aber als Iraner, der sicher auch die Gepflogenheiten seiner Regierung kennt und offensichtlich nicht billigt, darf sich nicht wundern, wenn er sich beim Spiel mit dem Feuer die Finger verbrennt.
Schade, dass es zum Video keine (deutschen) Untertitel gab. Ich kann nämlich leider kein Persisch, hätte mir aber gern einen Eindruck von dem verschafft, was Herr Najafi singt.
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