TierforschungDie Spur der Wurst

Hirnforscher haben erstmals das Denkorgan eines Hundes durchleuchtet. Was erzählen die tierischen Neuronen? von 

Bevor der Terrier Callie in den Tomografen geschoben wird, legen ihm die Forscher einen Ohrenschutz an.

Bevor der Terrier Callie in den Tomografen geschoben wird, legen ihm die Forscher einen Ohrenschutz an.  |  © Bryan Meltz/Emory University

Auf die Idee zu seinem Forschungsprojekt, erzählt Gregory Berns , sei er zum ersten Mal im Zusammenhang mit der Jagd nach Osama bin Laden gekommen. Denn zu der geheimnisumwobenen Spezialeinheit Seal ("Sea, Air, Land"), die den Terrorchef aufspürte , gehörte neben hoch trainierten Elitesoldaten auch ein ebenso hoch dressierter Hund. Der Neurowissenschaftler und Hundebesitzer Berns war elektrisiert. "Als ich sah, dass Hunde darauf trainiert werden können, aus Helikoptern oder Flugzeugen zu springen, wurde mir klar, dass wir sie auch abrichten können, in einen Kernspintomografen zu steigen, um zu sehen, was sie denken."

Gedacht, getan. Mit seinem zweijährigen Terrier Callie nahm Berns zu Hause das Training im Dienste der Hirnforschung auf. Erstes Lernziel: Callie sollte in der Lage sein, in den Nachbau eines Kernspintomografen zu klettern und dort möglichst unbeweglich liegen zu bleiben. Nach mehreren Monaten war der Terrier reif für das Labor – und eine neue Forschungsdisziplin geboren.

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Denn nun sei es erstmals möglich, "Hirnbilder eines völlig wachen, unbetäubten Hundes" zu analysieren, schwärmt Gregory Berns. "Soweit wir wissen, war dazu bisher noch niemand in der Lage. Wir hoffen, dass dies eine völlig neue Tür aufstößt, um die Kognition des Hundes und die Kommunikation zwischen Spezies zu verstehen."

Damit verschafft Berns einer alten menschlichen Sehnsucht Raum. "Es gibt Tage, da wünscht’ ich, ich wär mein Hund", sang einst der Liedermacher Reinhard Mey und brachte damit jene Hoffnung zum Ausdruck, die auch Gregory Berns antreibt. Einmal die Welt aus Sicht eines Hundes betrachten können – und sei es nur durch die vermittelte Aktivität der hündischen Nervenzellen –, das ist der Traum des Forschers, der sich an der Emory University in Atlanta normalerweise mit "Neuroökonomie" beschäftigt. Berns schwebt nicht weniger vor als "die Hund-Mensch-Beziehung aus der Sicht des Hundes zu verstehen".

Mithilfe der Kernspinaufnahmen will er etwa entschlüsseln, welche Hirnareale beim Hund aktiv sind, wenn er die Stimme seines Herrn hört. Oder: Hat mein Hund Empathie? Wie viel Sprache versteht er? Und die ewige Frage aller Hundebesitzer: Weiß mein Hund wirklich, ob ich glücklich oder traurig bin?

Noch kann Gregory Berns keine endgültigen Antworten vorlegen. Aber seine Pionierarbeit ist auf gutem Wege. Soeben ist die erste Veröffentlichung der Hundeforscher im Fachjournal PLoS ONE erschienen . Darin berichten sie vom ersten Erfolg ihrer Bemühungen: Sowohl Callie als auch der dreijährige Collie-Hündin McKenzie hätten in der lauten Kernspinröhre brav stillgehalten ("Kopfbewegungen während des Versuchs waren nicht größer als 1 Millimeter"). Derweil sei es den Forschern tatsächlich gelungen, erstmals hündische Hirnaktivität genau zu vermessen: Als sie den Hunden nämlich mittels einer vorher trainierten Handbewegung den baldigen Empfang einer Wurst signalisierten, leuchteten im Gehirn der Tiere prompt verschiedene Hirnareale auf – die, man glaubt es kaum, in Beziehung zum sogenannten Belohnungszentrum standen.

Damit kann endlich neurobiologisch als erwiesen gelten, was seither nur laienhafte Vermutung war: Hunde lieben Wurst!

Für alle weiteren Studien empfiehlt es sich, noch einmal bei Reinhard Mey reinzuhören: "Denn ich hätte zwei Int’ressen: erstens Schlafen, zweitens Fressen./ Und was sonst schöngeistige Dinge angeht, wäre ausschließlich Verdauung / der Kern meiner Weltanschauung."

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Leserkommentare
    • abot
    • 16. Mai 2012 9:29 Uhr

    Die hätten Herrn Rütter einladen sollen.

  1. Auch auf so eine Weise kann man Geld verbrennen. Als ob es nicht eine kilometerlange Liste von Zusammenhängen gäbe, die zu erforschen existenziell für unsere Zukunft sein wird. Die Frage sollte eher lauten: wie kann man Menschen davon abbringen, sich auf engem Raum Tiere zu halten. Hunde und Katzen in der Stadt sind deplaziert, mehr Grün für wild lebende Tiere wäre aus meiner Sicht wünschenswerter und zu geringen Kosten möglich. Aber um einen Hund zu erziehen, benötigt niemand einen Wissenschaftler. Das Wissen ist seit Äonen vorhanden.

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    ...als Tierfreund begrüße ich diese Art der Forschung.
    Denn dann wird endlich ein für alle mal wissenschaftlich bewiesen, ob (mMn DAS!) Tiere - oder zumindest Säugetiere - genauso fühlen und denken wie Menschen.
    Das wird hoffentlich zu einer breiten Diskussion zu Themen wie Massentierhaltung, Haustierhaltung, Tierrechten, Tierversuche, Tiertransporte etc. führen.
    Wer weis, wenn wir Tiere besser behandeln, schaffen wir das vielleicht sogar unter uns Menschen...

    "Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe."
    Rainer Maria Rilke

    • ludna
    • 16. Mai 2012 10:08 Uhr

    wird doch nur noch für die Homeland Security und die Medienindustrie entwickelt, weil geschäftstüchtige Leute irgendwelchen Trotteln mit viel Geld erzählt haben, man könne mit dem Gerät "Gedanken lesen".

    Wissenschaftlich ist mit dem Ding erst mal alles erforscht, ohne Technologieschub geht es da nicht weiter.

    Und medizinisch sind Kernspintomographen als Ergänzung zum Röntgenverfahren hervorragend, aber da bekommt man anatomische Bilder (wie beim Röntgen), keine Erkenntnisse über die Funktionsweise des Gehirns.

  2. ...als Tierfreund begrüße ich diese Art der Forschung.
    Denn dann wird endlich ein für alle mal wissenschaftlich bewiesen, ob (mMn DAS!) Tiere - oder zumindest Säugetiere - genauso fühlen und denken wie Menschen.
    Das wird hoffentlich zu einer breiten Diskussion zu Themen wie Massentierhaltung, Haustierhaltung, Tierrechten, Tierversuche, Tiertransporte etc. führen.
    Wer weis, wenn wir Tiere besser behandeln, schaffen wir das vielleicht sogar unter uns Menschen...

    "Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe."
    Rainer Maria Rilke

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    • vadeho
    • 16. Mai 2012 12:29 Uhr

    Es ist sehr fraglich, was für Ergebnisse bei dieser Forschung herauskommen werden.
    Was, wenn das Gegenteil Ihrer Hoffnung postuliert wird? Wenn das Ergebnis der Forschungen bsp. ist, das Hunde oder andere Säugetiere angeblich nicht so fühlen wie wir oder angeblich garnicht fühlen?
    Was impliziert das dann für unseren Umgang mit Ihnen? Dürften wir Sie dann guten Gewissens weiterquälen oder gar noch viel abartiger behandeln als heute?

    Das ist eine theoretische Möglichkeit, die aber nicht ganz ausgeschlossen ist, wenngleich die Meisten von uns sich ohnehin "sicher" sind, dass Tiere fühlende Wesen mit einer Erlebnisperspektive sind und es auch zu erwarten ist, dass diese Einschätzung Bestätigung findet. Aber was, wenn hier Anderes zu Tage tritt?

    Zum Zweiten, etwas philosophischer, ist die Frage, was ein anderes Wesen erlebt, nicht mit einem Scan des Gehirns zu verwechseln. Die Hirnforschung ist sehr laut im Verkünden Ihrer Erkenntnisse, aber den großen Erklärungen ist Sie noch nicht auf die Schliche gekommen und nicht wenige sehr gebildete und mit großer Argumentationsfähigkeit begabte Menschen behaupten, dass Sie das nie wird.
    Es wäre nämlich naturwissenschaftlich (physikalisch) zu erklären, was Bewusstsein ist und wie Bewusstseinszustände entstehen. Und es wäre weiterhin selbst in diesem Falle unmöglich, zu erleben, was ein anderer Mensch erlebt, geschweige denn, ein Lebewesen einer anderen Spezies. Also wie sich etwas anfühlt bei einem Anderen.

    • vadeho
    • 16. Mai 2012 12:40 Uhr

    Und das hat verschiedene Ursachen. Auch wenn Erlebnis, Bewusstsein und Fühlen ohne Materie und mikrophysikalische Vorgänge beim derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht plausibel scheint, ist absolut unklar, wie ein Materieklumpen ein Bewusstsein ausbilden kann. Wie Materie psychische Qualitäten ausbilden kann und was genau psychische Qualitäten überhaupt sind. Ja, die Vorgänge und selbst das "Material" sind noch nicht einmal identifiziert, welche dafür in Frage kommen. Es erscheint sogar so, dass, ähnlich wie bei den Revolutionen in der Vergangenheit der Physik, eine völlig neue Theorie bzw. Sichtweise der Welt nötig ist, eine neue Begriffswelt wo Begriffsumwandlungen stattfinden (man vergleiche die Historie des Begriffes "Zeit" z.B.), um diese psychischen Qualitäten plausibel zu denken. Das ist nicht in Sicht. In die heutige physikalische Weltsicht lassen sich diese psychischen zustände nicht integrieren. Diese Weltsicht macht sogar blind dafür und spart deswegen psychische Zustände aus. Eine neue objektive Weltsicht müsste ÜBER der heutigen physikalischen perspektive liegen und diese integrieren, aber auch die psychischen Qualitäten gleichermassen. Das ist alles absolut nicht in Sicht und es ist möglich, dass die Schranken niemals fallen. In jedem Fall werden wir niemals Wissen, wie es ist, wie sich z.B. ein Hund fühlt, wie er innen seine Welt erlebt. Diese Perspektive ist real, aber Sie ist nicht reduzierbar subjektiv und gleichzeitig eine Fehlstelle in der Wissenschaft.

    • vadeho
    • 16. Mai 2012 12:29 Uhr

    Es ist sehr fraglich, was für Ergebnisse bei dieser Forschung herauskommen werden.
    Was, wenn das Gegenteil Ihrer Hoffnung postuliert wird? Wenn das Ergebnis der Forschungen bsp. ist, das Hunde oder andere Säugetiere angeblich nicht so fühlen wie wir oder angeblich garnicht fühlen?
    Was impliziert das dann für unseren Umgang mit Ihnen? Dürften wir Sie dann guten Gewissens weiterquälen oder gar noch viel abartiger behandeln als heute?

    Das ist eine theoretische Möglichkeit, die aber nicht ganz ausgeschlossen ist, wenngleich die Meisten von uns sich ohnehin "sicher" sind, dass Tiere fühlende Wesen mit einer Erlebnisperspektive sind und es auch zu erwarten ist, dass diese Einschätzung Bestätigung findet. Aber was, wenn hier Anderes zu Tage tritt?

    Zum Zweiten, etwas philosophischer, ist die Frage, was ein anderes Wesen erlebt, nicht mit einem Scan des Gehirns zu verwechseln. Die Hirnforschung ist sehr laut im Verkünden Ihrer Erkenntnisse, aber den großen Erklärungen ist Sie noch nicht auf die Schliche gekommen und nicht wenige sehr gebildete und mit großer Argumentationsfähigkeit begabte Menschen behaupten, dass Sie das nie wird.
    Es wäre nämlich naturwissenschaftlich (physikalisch) zu erklären, was Bewusstsein ist und wie Bewusstseinszustände entstehen. Und es wäre weiterhin selbst in diesem Falle unmöglich, zu erleben, was ein anderer Mensch erlebt, geschweige denn, ein Lebewesen einer anderen Spezies. Also wie sich etwas anfühlt bei einem Anderen.

    Antwort auf "Keine Verschwendung..."
    • vadeho
    • 16. Mai 2012 12:40 Uhr

    Und das hat verschiedene Ursachen. Auch wenn Erlebnis, Bewusstsein und Fühlen ohne Materie und mikrophysikalische Vorgänge beim derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht plausibel scheint, ist absolut unklar, wie ein Materieklumpen ein Bewusstsein ausbilden kann. Wie Materie psychische Qualitäten ausbilden kann und was genau psychische Qualitäten überhaupt sind. Ja, die Vorgänge und selbst das "Material" sind noch nicht einmal identifiziert, welche dafür in Frage kommen. Es erscheint sogar so, dass, ähnlich wie bei den Revolutionen in der Vergangenheit der Physik, eine völlig neue Theorie bzw. Sichtweise der Welt nötig ist, eine neue Begriffswelt wo Begriffsumwandlungen stattfinden (man vergleiche die Historie des Begriffes "Zeit" z.B.), um diese psychischen Qualitäten plausibel zu denken. Das ist nicht in Sicht. In die heutige physikalische Weltsicht lassen sich diese psychischen zustände nicht integrieren. Diese Weltsicht macht sogar blind dafür und spart deswegen psychische Zustände aus. Eine neue objektive Weltsicht müsste ÜBER der heutigen physikalischen perspektive liegen und diese integrieren, aber auch die psychischen Qualitäten gleichermassen. Das ist alles absolut nicht in Sicht und es ist möglich, dass die Schranken niemals fallen. In jedem Fall werden wir niemals Wissen, wie es ist, wie sich z.B. ein Hund fühlt, wie er innen seine Welt erlebt. Diese Perspektive ist real, aber Sie ist nicht reduzierbar subjektiv und gleichzeitig eine Fehlstelle in der Wissenschaft.

    Antwort auf "Keine Verschwendung..."

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