Bevor der Terrier Callie in den Tomografen geschoben wird, legen ihm die Forscher einen Ohrenschutz an.

Auf die Idee zu seinem Forschungsprojekt, erzählt Gregory Berns , sei er zum ersten Mal im Zusammenhang mit der Jagd nach Osama bin Laden gekommen. Denn zu der geheimnisumwobenen Spezialeinheit Seal ("Sea, Air, Land"), die den Terrorchef aufspürte , gehörte neben hoch trainierten Elitesoldaten auch ein ebenso hoch dressierter Hund. Der Neurowissenschaftler und Hundebesitzer Berns war elektrisiert. "Als ich sah, dass Hunde darauf trainiert werden können, aus Helikoptern oder Flugzeugen zu springen, wurde mir klar, dass wir sie auch abrichten können, in einen Kernspintomografen zu steigen, um zu sehen, was sie denken."

Gedacht, getan. Mit seinem zweijährigen Terrier Callie nahm Berns zu Hause das Training im Dienste der Hirnforschung auf. Erstes Lernziel: Callie sollte in der Lage sein, in den Nachbau eines Kernspintomografen zu klettern und dort möglichst unbeweglich liegen zu bleiben. Nach mehreren Monaten war der Terrier reif für das Labor – und eine neue Forschungsdisziplin geboren.

Denn nun sei es erstmals möglich, "Hirnbilder eines völlig wachen, unbetäubten Hundes" zu analysieren, schwärmt Gregory Berns. "Soweit wir wissen, war dazu bisher noch niemand in der Lage. Wir hoffen, dass dies eine völlig neue Tür aufstößt, um die Kognition des Hundes und die Kommunikation zwischen Spezies zu verstehen."

Damit verschafft Berns einer alten menschlichen Sehnsucht Raum. "Es gibt Tage, da wünscht’ ich, ich wär mein Hund", sang einst der Liedermacher Reinhard Mey und brachte damit jene Hoffnung zum Ausdruck, die auch Gregory Berns antreibt. Einmal die Welt aus Sicht eines Hundes betrachten können – und sei es nur durch die vermittelte Aktivität der hündischen Nervenzellen –, das ist der Traum des Forschers, der sich an der Emory University in Atlanta normalerweise mit "Neuroökonomie" beschäftigt. Berns schwebt nicht weniger vor als "die Hund-Mensch-Beziehung aus der Sicht des Hundes zu verstehen".

Mithilfe der Kernspinaufnahmen will er etwa entschlüsseln, welche Hirnareale beim Hund aktiv sind, wenn er die Stimme seines Herrn hört. Oder: Hat mein Hund Empathie? Wie viel Sprache versteht er? Und die ewige Frage aller Hundebesitzer: Weiß mein Hund wirklich, ob ich glücklich oder traurig bin?

Noch kann Gregory Berns keine endgültigen Antworten vorlegen. Aber seine Pionierarbeit ist auf gutem Wege. Soeben ist die erste Veröffentlichung der Hundeforscher im Fachjournal PLoS ONE erschienen . Darin berichten sie vom ersten Erfolg ihrer Bemühungen: Sowohl Callie als auch der dreijährige Collie-Hündin McKenzie hätten in der lauten Kernspinröhre brav stillgehalten ("Kopfbewegungen während des Versuchs waren nicht größer als 1 Millimeter"). Derweil sei es den Forschern tatsächlich gelungen, erstmals hündische Hirnaktivität genau zu vermessen: Als sie den Hunden nämlich mittels einer vorher trainierten Handbewegung den baldigen Empfang einer Wurst signalisierten, leuchteten im Gehirn der Tiere prompt verschiedene Hirnareale auf – die, man glaubt es kaum, in Beziehung zum sogenannten Belohnungszentrum standen.

Damit kann endlich neurobiologisch als erwiesen gelten, was seither nur laienhafte Vermutung war: Hunde lieben Wurst!

Für alle weiteren Studien empfiehlt es sich, noch einmal bei Reinhard Mey reinzuhören: "Denn ich hätte zwei Int’ressen: erstens Schlafen, zweitens Fressen./ Und was sonst schöngeistige Dinge angeht, wäre ausschließlich Verdauung / der Kern meiner Weltanschauung."