GesundheitsreformDas Ende der Schweigepflicht

Mit der Gesundheitsreform sollten Krankenhäuser effizienter, billiger, transparenter werden. Die Operation ist gelungen. Aber den Patienten geht es nicht gut. Fünf Klinikärzte berichten aus ihrem Alltag von 

Ein Gespräch mit einem Arzt. Er erzählte aus einem kleinen Krankenhaus auf dem Land, in dem Patienten immer schlechter behandelt würden. Es ging dabei nicht um einzelne Pfuscher oder Kunstfehler, sondern um ein Phänomen, das jeden Winkel seiner Arbeit erreicht hatte: einen Dauer- konflikt zwischen dem Wohl der Patienten und dem der Klinik.

Ein Einzelfall? Ein Wald-und-Wiesen-Krankenhaus, das im Verteilungskampf um begrenzte Mittel besonders verantwortungslos handelte? Wenn man Ärzten in Deutschland zuhört, ergibt sich ein deutliches Bild: In den Krankenhäusern tobt ein Kampf ums Überleben. Nicht nur um das von Patienten, sondern auch um das der Kliniken selbst, die seit der Gesundheitsreform des Jahres 2000 in einen Wettbewerb miteinander gezwungen wurden, der sie effizienter machen sollte. Was auch gelungen ist: Die durchschnittliche Liegedauer wurde zwischen 2000 und 2010 von 9,7 Tagen auf 7,8 Tage reduziert; die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen in Deutschland betragen seit vielen Jahren, trotz alternder Bevölkerung, um die 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Was diese Zahlen auf den Stationen bedeuten, das haben uns fünf Ärztinnen und Ärzte geschildert. (Einige medizinisch nicht relevante Details wurden so verändert, dass sie und ihre Patienten nicht wiedererkennbar sind.)

Kreiskrankenhaus, Land, Assistenzarzt

Es ist 3.30 Uhr, als Assistenzarzt mache ich gerade die vierte Nachtschicht in Folge. An diesem Morgen bin ich in der Notaufnahme, einem Flachbau, an dem lange nichts renoviert wurde. Wenn man so übermüdet vor seinem Kaffee sitzt, hört man den Summton der Neonröhren und das Piepsen der Monitore – bis ein Martinshorn die Monotonie unterbricht. Der Rettungsdienst schiebt eine Liege herein: eine etwa 70-jährige Frau. Ihr rechter Arm und das rechte Bein sind gelähmt, sie kann nicht mehr sprechen. Der Ehemann berichtet, sie sei am Abend gegen 23 Uhr zu Bett gegangen, kurz vor drei sei er von ihren röchelnden Lauten geweckt geworden. Die Lage ist schnell klar, ein Schlaganfall , ausgelöst durch ein Blutgerinnsel im Gehirn. Die einzige Möglichkeit, die Durchblutung wiederherzustellen, also den Schlaganfall ganz oder teilweise rückgängig zu machen, wäre eine Thrombolyse: die Auflösung des Gerinnsels durch ein Medikament. Das Zeitfenster ist eng. Das Mittel darf nicht später als viereinhalb Stunden nach Beginn des Schlaganfalls gespritzt werden. Aber wann genau war der? Um zu wissen, ob mit der Lyse, wie das Verfahren im Krankenhausjargon genannt wird, noch etwas zu retten ist, brauche ich einen Kernspintomografen. Unsere Klinik besitzt ein solches Gerät. Aber jetzt steht es still: Wir haben nicht genug Personal, um es rund um die Uhr zu betreiben. Für eine Verlegung in eine andere Klinik ist es zu spät. Ich hole tief Luft und gehe zurück an das Bett der Patientin. Ihr Mann sitzt zusammengesackt am Kopfende des Bettes. Ich sage: »Wir können leider nicht mehr viel tun für Ihre Frau.«

Als es hell wird, schaue ich noch mal bei ihr vorbei. Sie scheint mich wiederzuerkennen und versucht zu sprechen. Aber es kommen nur unverständliche Laute. Sie bricht sofort ab, Tränen in den Augen.

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Ein paar Tage später. Ich habe mir einen Termin beim Geschäftsführer geben lassen. Das Wort »Problem« kommt bei ihm nicht vor. Er kennt nur »Herausforderungen«, die er »annehmen« und »am Ende des Tages« bewältigen wird. Seine Aufgabe ist es, die Klinik aus den roten Zahlen herauszuholen. Also spart er: Ein Teil der Schwestern wurde durch billige Stationshilfen ersetzt, der Koch wurde nach 30 Jahren gefeuert. Ich erzähle ihm die Geschichte der Schlaganfallpatientin. Betretenes Schweigen. Immerhin, denke ich.

Ich müsse verstehen, die Klinik befinde sich in einer schwierigen Phase der »Umstrukturierung«. Die Vorhaltung von Personal, das man brauchte, um den Kernspintomografen nachts zu betreiben, sei teuer, insgesamt sei die Abteilung aber »gut aufgestellt«. 

Ich begreife: Die Röhre muss brummen und lückenlos gefüllt sein, damit sie sich rentiert. Also wird der Kernspintomograf nur von 8 bis 18 Uhr hochgefahren, denn dann sind die Patienten für eine reibungslose Abfertigung da. Aber nachts, wenn die Maschine für Patienten da sein müsste, steht sie still. 

Aber das sage ich nicht. Ich stehe kurz vor meiner Beförderung zum Facharzt. Und der Mann mir gegenüber entscheidet mit, ob ich in ein paar Jahren Oberarzt werde.

Die Frage bleibt: Warum haben wir dieser Frau nicht geholfen? Weil an Personal gespart wird. Warum wird an Personal gespart? Weil unser Kreiskrankenhaus im Wettbewerb gegen drei andere Kreiskrankenhäuser bestehen will, die sich gegen die Zusammenlegung wehren. Lieber graben sie sich gegenseitig das Wasser ab. Um diesen sinnlosen Wettbewerb zu gewinnen, muss jedes Haus die Kosten verringern und die Einnahmen erhöhen. Und Schlaganfälle sind lukrativ: Seit Krankenhäuser nicht mehr nach Tagessätzen bezahlt werden, sondern für jeden Patienten eine Pauschale bekommen, die von seiner Diagnose abhängt, gilt die Schlaganfallbehandlung als gutes Geschäft. Bei über hundert Patienten im Jahr ist das eine wichtige Einnahmequelle für uns. Diese Fälle nachts in die eine Stunde entfernte Spezialklinik abzugeben wäre wirtschaftlicher Selbstmord. Die Frage lautet nicht: Was braucht es, um die Bevölkerung einer Region gut zu versorgen, sondern: Was ist gut für unsere Bilanz?

Leserkommentare
  1. Leider geht der Artikel kaum auf die Zusammenhänge ein. Im Zeitmagazin (hier erschien dieser Artikel) wird erst am Ende eines zweiten Artikels kurz erwähnt, dass es einfach zu viele Krankenhäuser gibt, die dann in Konkurrenz zu einander stehen. Eigentlich sollte das DRG System dazu führen, dass sich die Zahl der Krankenhäuser entsprechend anpasst. Zitat aus dem Artikel: "Alle sind sich einig: Weniger Krankenhäuser braucht das Land. Dann endlich würde der mörderische Wettbewerb aufhören, und die Krankenhäuser könnten sich wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren".

    Dazu kommt die gute Lobbyarbeit der Ärzte. Die Zahl der Ärzte steigt seit Jahren, trotzdem ist dauernd die Rede vom Ärztemangel. Auch werden regelmäßig Lohnsteigerungen auf hohem Niveau durchgesetzt. Im Artikel erzählt ein junger Arzt von einem Einstiesgeghalt von über 3.000 Euro netto, also über 60.000 Euro brutto pro Jahr + Dienstzulagen, und dann wundert er sich, dass das Geld nicht einfach vom Himmel fällt.

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    Hier werden völlig falsche zahlen in den Raum gestellt! Das Einkommen angestellter Ärzte ist tarifvertraglich geregelt. Leitfaden hierfür ist die Tarifvereinbarung des Marburger Bundes mit den Kommunen, an welchen sich in der Regel auch die privaten Kliniken orientieren. Das Einstiegsgehalt junger Ärzte beträgt ca. 3800 Euro brutto.

    Ich möchte mein Monats-Nettogehalt hier gerne öffentlich machen. Ich bin ein 35-jähriger Arzt mit beinahe 6 Jahren Berufserfahrung, kurz vor der Facharztreife stehend. Ledig, keine Kinder. Mein Nettogehalt beläuft sich auf ca. 3200 Euro. Hierin enthalten sind alle Zuschläge für eine durchschnittliche 60-Stunden-Woche mit 4-6 Nachtdiensten im Monat. Ich arbeite an 2 Wochenenden im Monat. Kein 13. Monatsgehalt, kein Urlaubsgeld. Während meiner Dienste betreue ich eine internistische Abteilung mit 76 Betten, davon 6 Beatmungsbetten auf einer Intensivstation sowie eine Notaufnahme in einem ländlichen Krankenhaus. Ich bin wohlgemerkt der einzige Internist im Haus.
    Wer bei diesen Zahlen tatsächlich von einer Überbezahlung spricht, den lade ich gerne ein, mich bei einem Wochenend- oder Nachtdienst zu begleiten. Sie werden mir nach wenigen Stunden das dreifache Gehalt gönnen und nach Hause gehen wollen!

  2. Da kann man sich ja nur wünschen in einer Großstadt zu leben, denn dort ist die Vielfalt der Krankenhäuser noch gegeben und man kann wählen. Gesundheitsverwaltung und -versorgung wäre besser in einem öffentlichen Gesundheitswesen aufgehoben, denn wenn an der Gesundheit verdient werden soll, ergeben sich solche Mißstände, wie oben beschrieben.

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    • essilu
    • 16. Mai 2012 14:40 Uhr

    ...einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit ihren schwachen und kranken Mitgliedern umgeht!
    Eine Gesellschaft, die den Menschen auf einen Kosten- bzw. Gewinnfaktor im ökonomisch-wirtschaftlichen Sinne reduziert, ist für mich eine Gesellschaft, die ihre Menschlichkeit ablegt und menschenverachtend bzw. lebensverachtend wird. Eine unmenschliche Gesellschaft demnach und sehr gefährlich, wenn sie "aktiv" wird!

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  3. Die meisten Medizinstudenten entscheiden sich für ihren Studiengang, weil sie anderen Menschen helfen wollen, Kranken wieder Gesundheit verschaffen wollen und bereit sind, mit Leidenschaft ihren Beruf auszuüben. Die finanziellen Aspekte spielen kaum eine Rolle, denn den meisten ist klar, dass die ehemals goldenen Zeiten der Ärzte vorbei sind - auch wenn das in den Köpfen vieler Menschen noch nicht angekommen ist, die unsereins immer noch als Halbgott in Weiß -anstatt der Dienstleister die wir heute sind- über Stationen wandeln glauben.
    Ich bin Ärztin und derzeit auf Stellensuche. Der vielfach angesprochenen Ärztemangel existiert nicht überall und keineswegs für alle Fachrichtungen. Das größte Problem ist jedoch nicht, dass wir zuwenig Ärzte haben, sondern dass niemand bereit ist, Geld zu investieren um neue Ärzte anzustellen. Wird eine Ärztestelle frei, wird diese in den meisten Fälle nicht neu besetzt, die BWL- Chefetage schaut erstmal, ob es nicht mit einem weniger auch irgendwie geht. Und die Spirale dreht sich weiter. Bis man sich wundert, warum die Imagekampagnen für die Klinik nichts bringen - weil alle Patienten, die einmal da waren, nie mehr wieder kommen aufgrund der unzureichenden Betreuung. Wenn neue Ärzte eingestellt werden, sind Verträge von 1-3 Monaten keine Seltenheit mehr - keine Zeit, um als Anfänger überhaupt eingearbeitet zu werden. Viele meiner Kommilitonen suchen ob dieser unverantwortlichen Zustände nach Alternativen zum ärztlichen Beruf...

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    einen Ärztemangel gibt es nur bei Lobbyisten, aber nicht in der Realität.
    Leute, die von den geschilderten Umständen überrascht sind, beweisen jedoch die gleiche Realitätsverleugung.
    Denn diese Zustände wurden verursacht von der Politik. Die Ergebnisse sind bekannt, und wie der Artikel schreibt, will man auch gar nicht so viele Zahlen haben, die diese Realität aufzeigen.
    Überraschend an dem Artikel sind nur einige Kommentare, andererseits aber auch wieder nicht, denn jeder hat immer seine eigene Agenda im Sinn.
    Leider vereinfacht der Artikel zu sehr, und vor allem versagt er völlig bei Lösungsvorschlägen.
    Wer schreibt, dass die Zahl der Krankenhäuser in den letzten Jahren abnahm, während sich die Verhältnisse im gleichen Zeitraum verschlechterten, widerspricht sich selbst, wenn er die Reduzierung der Krankenhäuser als Lösung vorschlägt.
    Die Crux ist, dass eine Lösung bedeuten würde, alle Interessensgruppen gegen sich zu haben. Denn man müsste:
    a) entscheiden wie viel Geld will ich für die Gesundheit ausgeben?
    b) was will ich mit diesen begrenzten Ressourcen bezahlen?
    c) wie erreiche ich, die erwünschte Qualität an Leistungen?
    Denn dies bedeutet, das man den Patienten sagt, dass nicht mehr alles, was technisch machbar ist, noch bezahlt wird, und den Ärzten werden genaue Vorgaben gemacht, was an Qualtät erwartet wird.
    Beides traut sich kein Politiker. Die Kommentare unterstützen diese These ebenso, wie die falsche Lösung aus dem Artikel.

    • HorFe
    • 25. Mai 2012 0:33 Uhr

    viele Menschen studieren Medizin , weil sie den 1 er Notendurchschnitt im Abi haben. Und dann meist nicht aus Idealismus sondern oft auch wegen der späteren Aufstiegs und Einkommensmöglichkeiten. Würden die meisten Mensxhen Medizin aus dem orig. Grunde studieren um später Menschen zu helfen, würden sie sich diese Entwicklung in der Medizin nicht bieten lassen und solidarisch als Ärzte/innen dagegen aufbegehren: aber was passiert : wir Ärzte sind auch unter uns unsolidarisch , ohne die nötige Courage um die Dinge beim Namen zu nenne und zu verändern. Es liegt an jeder Berufsgruppe selber zu welchen Zielen sie strebt. Der Arzt als Idealist ? Wers glaubt bleibt gesund.

  4. Ich fand es symptomatisch, dass hauptsächlich von alten Frauen über 75 die Rede war, das werde ich auch einmal sein und diese Zustände machen mir Angst. In Krankenhäusern der Sorte GmbH habe ich es erlebt, dass Patienten nicht gewaschen wurden, Visiten sehr spät bis gar nicht stattfanden, Schwestern total überfordert waren mit der Menge der Patienten, Nachlässigkeiten in der Medikamentenbereitstellung (es wurden wichtige Medikamente vergessen), man selbst wurde auch ganz vergessen.
    Auch in den Altenheimen ist es nicht anders! Mein Bruder kann Sachen erzählen, da braucht man kein Reality-TV oder Seifenopern im Fernsehen, die Wirklichkeit sprengt das Vorstellungsvermögen! Es geht um alleingelassene Sterbende - natürlich keine Zeit, versäumte Medikamente, unterlassene ärztliche Behandlungen, Dokumentationen Sprachunkundiger - man spricht russisch (nichts gegen diese Energie und Arbeitskraft dieser Menschen, aber dann muß jemand anders den Überblick behalten und dokumentieren), keine Zeit zu füttern, schmale Essensportionen, gnadenlose Überlastung des Personals (waschen im Akkord -Gespräche unerwünscht- Russischkentnisse sind auch f.d. Heimbewohner vorteilhaft!), Rechtfertigungsgespräche nach jeder krankheitsbedingten Fehlzeit, Streichung der Überstunden - man ist ja selber schuld - kurz: es spottet jeder Beschreibung! Niemand bricht eine Lanze für die Opfer dieser lieblosen u. gewinnorientierten Pflege, die wir vielleicht später selber einmal sein werden! Es lebe der Profit!!!

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  5. außer bei meiner Geburt nur ein einziges Mal unfallsbedingt 10 Tage im Krankenhaus: Wenn auch mir mit meiner Verletzung effektiv und nachhaltig dort geholfen wurde(Verletzung wurde genäht),möchte ich möglichst in meinem Leben nie wieder die Schulmedizin in Anspruch nehmen. Wer, wie ich, Angst vor diesem durchorganisierten Machtinstrument Schulmedizin hat, sollte einfach darauf achten, so (Gesundheits-)bewusst als möglich zu leben. Dabei ist die tägliche Ernährung das, was wir immer direkt selbst in der Hand haben und man kann ja unendlich viel mit ganz einfachen sog. "Hausmitteln" heilen. Das größte Problem ist, glaube ich, daß viele daran nichtmehr glauben können und vergessen haben, daß unsere Natur(also unser Organismus)immer dazu fähig und bereit ist, sich selbst zu heilen, wenn von einem Selbst dirigiert, das wieder heil werden will. Mensch sollte sich diesbezüglich nicht von einer "Wissenschaft" entmündigen lassen,die vor allem daran interessieret ist, Kosten zu sparen und Profite weiter anzukurbeln.

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  6. Wie schon im ersten Kommentar bemerkt, ist dies ein einfarbiger Strauß dunkler Blumen ohne Zusammenhang.
    Hier fehlt ein Überblick, von einer qualifizierten Bewertung ganz zu schweigen.
    1. Gegen eine effektive und effiziente standardisierte Behandlung sollte niemand etwas haben.
    2. Zusätzliche Komplikationen und Aufwendungen müssen geeignet berücksichtigt werden - dies ist ein Prozeß, der ständig verbessert werden muß.
    3. Das Gleiche gilt für die räumliche Verteilung von Allgemein- und Spezialkliniken, ebenso aufwändige Groß/Sondertechnik. Offensichtlich gibt es hier lokale und menschliche unterschiedliche Interessen bis zu politischen Widerständen.
    4. Ein Problem scheint die korrekte Bewertung der einzelnen Krankheitsfälle und der Anreiz zu ihrer Behandlung zu sein. Aber auch dies bedarf einer ständigen Nachjustierung.
    5. Es ist an der Zeit, die Prioritäten abzustimmen, welche Behandlung/welchen Aufwand wir uns als Gesellschaft für wen (abhängig von Alter und weiteren Krankheiten sowie der zu erwartenden Gesamtlebensqualität) leisten können und wollen. Öffentliche Kriterien sind ehrlicher als (wie im Artikel dokumentierte) versteckte und von außen nicht sichtbare. Eine gepriesene angebliche Gleichbehandlung (die es zu keiner Zeit und an keinem Ort gegeben hat) führt zu den in den Berichten fühlbaren Frustrationen.

  7. aus meiner eigenen alltäglichen Praxis kann ich nur jedes Wort bestätigen, ähnliche Scicksale sind mir zuhauf begegnet, erschreckenderweise scheint es wirklich so zu sein, dass allein eine solch ausschließlich ökonomisch geprägte Sichtweise nicht nur gelebte Unternehmenskultur so dramatisch verändert, sondern darüber hinaus auch noch einen ganzen Berufsstand (sowohl die Medizin als auch die Pflege...) zu Handlangern eines menschenverachtenden Systems macht,
    ...wann wachen wir endlich auf???

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    • Zeumer
    • 19. Mai 2012 11:54 Uhr

    Der "Markt" auf dem der Patient zurzeit behandelt wird als das „Huhn das goldenen Eier legt“ muss dazu gebracht werden sich wieder am Wohl des Patienten zu orientieren und nur das darf sich auszahlen: Mit der erforderlichen Qualitätskontrolle meine ich nun nicht ein neues Zertifikat odert beweihräuchernde QM Berichte, sondern Kriterien, die Gewinn und Nutzen des Patient aus einer Behandlung messen können. Ohne neue Bürokratie steht alles Wissenswerte gut aufbereitet zur Verfügung als Diagnose und Abrechnungsdaten (MDK geprüft) bei den Krankenkassen. Bei entsprechender statistischer Analyse spiegeln diese Daten sehr genau nicht nur das Ergebnis bei Entlassung, sondern den längerfristigen Erfolg, die Komplikation, die Chronifizierung wieder. Es lässt sich erkennen, wer z.B. nach einem Eingriff wieder in Arbeitet ist, behindert bleibt oder im Pflegeheim angelangt ist. All diese Daten sind von den Verursachern nicht zu manipulieren, sie sind leicht zu anonymisieren können aber dennoch mit dem verursachenden Behandler etikettiert werden. So zählt man nicht punktuelle Komplikations- und Erfolgs Erbsen, sondern betrachtet den Verlauf und das langfristige Ergebnis zum Wohle oder Schaden des Patienten. Aus der großen Zahl vergleichbarer Daten wird sich ein outcome orientiertes Benchmarking entwickeln, das den unvermeidlichen „Markt“ steuert. Eine gemeinnützge Stiftung könnten die Versicherungen ohne Einflussnahme aber zum eigenen Nutzen von den Ersparnissen finazieren.

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