PsychologieSchreck der Ökonomen

Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman erklärt, warum wir oft anders denken, als wir gerne denken möchten.

Daniel Kahneman

Daniel Kahneman

Als sich Daniel Kahneman vor mehr als 30 Jahren mit den Ökonomen anlegte, hatte er schon einiges hinter sich. Er war ein jüdisches Kind im deutsch besetzten Paris gewesen, später zog die Familie ins neue Israel, das damals täglich um seine Existenz rang. Als junger Psychologe ging er zum Militär und versuchte auch später als Berater, die Kampfkraft der jungen israelischen Armee zu stärken. Dann, als Professor in Israel und Nordamerika, nahm er es mit berühmten Kollegen auf, die nichts wissen wollten von all den systematischen Denk- und Wahrnehmungsfehlern, mit denen sich Menschen das Leben schwer machen. Mit entwaffnend einfachen Experimenten und innovativen Theorien arbeitete Daniel Kahneman sie trotzdem heraus und machte sich einen Namen in der Wissenschaft.

Hätte man also einen Forscher gesucht, der antreten sollte gegen das vollendet rationale und deshalb etwas lebensferne Menschenbild der Ökonomen – man hätte kaum jemand Besseres finden können als den konfliktgehärteten, widerspruchsfreudigen und doch so freundlichen Psychologen aus Israel.

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Es war die Zeit, als die marktgläubigen Chicago-Boys um Milton Friedman ihre erzliberale Revolution anzettelten, und Rationalität war der wichtigste Pfeiler ihrer Argumentation. Eine schöne Theorie habt ihr da, sagten Kahneman und sein Partner Amos Tversky, bloß stimmt sie leider nicht. Sie sagten das nicht als Erste, doch sie arbeiteten mit der ihnen eigenen Akribie daran, es auch für alle verständlich zu zeigen.

Merkwürdig, die angeblich so egoistischen Menschen legen Wert darauf, dass es in der Wirtschaft fair zugeht. Einen Laden jedenfalls, der den Preis für Regenschirme verdoppelt, bloß weil es gerade draußen schüttet, den meiden viele hinterher eine Weile, auch wenn sie das bares Geld kostet. Und noch merkwürdiger, selbst wenn diese Menschen ganz egoistisch das Beste für sich herausschlagen wollen, begehen sie vorhersagbare Fehler. Eigentlich sind die meisten von uns eher auf Sicherheit bedacht, weshalb sie lieber 1.000 Euro in bar nehmen als ein Los, das ihnen mit 55 Prozent Wahrscheinlichkeit 2.000 Euro einbringt – und in 45 Prozent der Fälle eben auch gar nichts. Doch wehe, ihnen droht ein Verlust. Dann allerdings gehen sie immense Risiken ein, wenn es mit geringer Wahrscheinlichkeit noch gelingen kann, diesen Verlust ganz abzuwehren.

Wir hassen Verluste mehr, als dass wir Gewinne lieben, behaupteten Kahneman und Tversky, und wer selbst einige der cleveren Fragen und Experimente mitmacht, kommt nicht umhin, ihnen zu glauben. Bloß, wo der Gewinn aufhört und der Verlust beginnt, das liegt in unserer Wahrnehmung begründet, und die lässt sich von interessierten Kreisen beeinflussen. Für Mediziner ist es ein Riesenunterschied, ob sie während einer Epidemie durch eine Impfung 2.000 von insgesamt 6.000 Dorfbewohnern »retten« können – oder 4.000 »verlieren«. 2.000 retten klingt gut, 4.000 verlieren wäre ein Desaster, obwohl es doch in Wahrheit dasselbe Ergebnis wäre. Wenn wir mit Unsicherheit zu kämpfen haben, und das ist in der Wirtschaft ständig der Fall, dann spielt es eine große Rolle, wie wir ein Problem wahrnehmen.

Und das ist nur ein Beispiel dafür, wie sich der tatsächliche Mensch vom Homo oeconomicus unterscheidet. Oft vertraut er zu sehr in die eigene Urteilskraft, was ihn vor allem als Geldanleger verarmen lassen kann. Oder er hängt alten Investments nach und verharrt wie gelähmt im Status quo. Als Kahneman und sein Partner fertig waren, war nicht mehr viel übrig vom Fundament der ökonomischen Kirche. Kahnemans gerechter Lohn war der Wirtschaftsnobelpreis im Jahr 2002, Tversky war da schon verstorben.

Erstmals hat der Preisträger jetzt ein Buch für Laien geschrieben, eines, in dem er auf die ihm eigene Art – klar, präzise, ein bisschen pedantisch und mit Sympathie für die Menschen – seinen geistigen Weg nachzeichnet: Schnelles Denken, langsames Denken. Das Buch ist lang und detailreich, aber nie länglich. Es zeigt, wie der vielleicht bedeutendste Psychologe unserer Tage tickt, wer ihn und wen er beeinflusste und was sich, Forschungsstand heute, aus seinen Ideen entwickelt hat.

Ökonomie ist dabei nur eine, wenn auch wichtige Episode. Eine direkte Linie verbindet aber den Soldaten Kahneman mit dem Ökonomenschreck. So verhinderte der junge Psychologe, dass die Luftwaffe in einem ihrer Kriege das gute und das schlechte Abschneiden einzelner Piloten untersuchte, um das ganze System zu verbessern. Ein großer Teil ist Zufall, sagte Kahneman und redete den Generälen die Idee aus. Heute noch hält er das für seinen größten Beitrag zur heimischen Kriegsführung.

Leserkommentare
  1. >>Doch oft überschätzen die Menschen den Einfluss der Managerstars auf den Profit. <<

    Das gilt auch (und vielleicht noch mehr) für die Politik. Glaubt außerhalb des Raumschiffes Berlin tatsächlich jemand ernsthaft daran, dass das Handeln von Merkel und Co. tatsächliche jene Wirkungen in der Realität Deutschlands und Europas hat und hatte, welche die Politiker uns immer glauben machen wollen?
    Auch diese Leute hängen doch nur der Illusion an, "rationales" Handeln würde rationale Ergebnisse erbringen. Sie müssen sich das allerdings so vormachen, weil sie sich sonst nicht mehr "wichtig" genug vorkommen können.

    Kahneman könnte da zu etwas mehr Bodenhaftung verhelfen, so wie es den von mir geschätzen Hans Koschnik auszeichnet. Der schnautzte einst einen Reporter an, was er denn von ihm wolle bzw. erwarte, er sei schließlich bloß Ministerpräsident und hätte nur einen kleinen Handlungsspielraum für Entscheidungen. Die wesentlichen Enscheidungen würde ohnehin die Wirtschaft treffen.
    Soviel Ehrlichkeit habe ich aus Politikermund seither nicht mehr vernommen.
    Im Übrigen belegt Kahneman in seinem Buch (wahrscheinlich - Lesen kommt noch) nur die alte Weisheit:
    Planung (als Illusion rationalen Handelns) ist nur der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum.

    So hat der Aktien-Hype von Facebook z.B. mit Rationalität nicht das geringste zu tun und ist m.E. nur die Vorstufe zum Platzen der nächsten Börsen-IT-Blase.

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  2. "Folgt man ihm, dann ist der Mensch nicht gerade perfekt darin, seine Interessen am Markt zu verfolgen, und der Staat kann ihm oft helfen."

    Wer ist denn der "Staat", der da hilft? Das sind doch dann bloß auch Politiker, Bürokraten und sog. Epxerten, die mit den gleichen Unzulänglichkeiten behaftet sind wie die Menschen, denen angeblich "oft" geholfen werden kann. Ich hoffe, Kahneman ist sich anders als der Autor dieser Widersprüche beuwsst. Es ist ein beliebtes Spiel der Linken, die Unzulänglichkeiten von Menschen und Märkten herauszuarbeiten, um daraus staatliche Eingriffe abzuleiten, die Unzulänglichkeiten der staatlichen Akteure aber zu ignorieren.

    Ansonsten ist es einfach und mittlerweile recht langweilig, sich am "homo oeconomicus" abzuarbeiten. Der "homo oeconomicus" ist ein Modell. Wie jedes Modell deckt er nicht alle Facetten der Realität ab, sonst wäre er kein Modell mehr. Es ist immer recht amüsant, wenn Menschen das groß heraus posaunen und glauben, sie hätten eine fundamentale Entdeckung gemacht. In den Wirtschaftswissenschaften glaubt deswegen auch kaum jemand, Menschen würden sich wirklich so verhalten. In der Ökonomie ist der "homo oeconomics" eine Vorstellungen davon, wie der Mensch sich unter theoretischen Idealbedingungen verhalten müsste, wenn er gewisse Eingenschaften hätte.

    Aber kaum ein Ökonom glaubt, dass Menschen tatsächlich immer rational wären. Ein erheblicher Teil der Kritik an diesem Modell ist daher fehlgeleitet.

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    @Stefan Balker
    Es lässt sich trefflich streiten was ein Staat denn wirklich ist. Wenn seine Organe am Markt agieren, handeln sie aber eben nicht wie die restlichen Marktteilnehmer. Der Staat kann damit helfen die Unzulänglichkeiten der anderen Teilnehmer auszugleichen.

    Ich weiß nicht wie sehr sie mit dem Buch des Autors vertraut sind, aber aus dem Artikel scheint nicht heraus, dass dieser sich mit einem Absolutheitsanspruch brüsten wollte. Sie scheinen vielmehr in die Falle getappt zu sein, zu glauben dass sie aus einem beschreibenden Artikel Persönlichkeit und Ansicht des Autors ableiten könnten.

    " Es ist ein beliebtes Spiel der Linken, die Unzulänglichkeiten von Menschen und Märkten herauszuarbeiten, um daraus staatliche Eingriffe abzuleiten, die Unzulänglichkeiten der staatlichen Akteure aber zu ignorieren. "

    Das ist das gleiche Elend wie bei "Liberalen", die die Unzulänglichkeiten des Marktes ignorieren, oder "Konservativen" die das Systemversagen aus Staat UND Markt nie erkennen wollen und die Schuld dem Menschen individuell zuschieben.
    Siehe Finanzkrise: Die "gierigen Banker" warens, sonst ist das bestehende System total supi.

    Es gibt im linken Spektrum aber auch anarchistische Strömungen.
    Die konzentrieren sich direkt auf die humanoiden Mängelwesen und suchen ihr Heil nicht in Staatsgebilden oder Märkten.

    @Stefan Balker
    Es lässt sich trefflich streiten was ein Staat denn wirklich ist. Wenn seine Organe am Markt agieren, handeln sie aber eben nicht wie die restlichen Marktteilnehmer. Der Staat kann damit helfen die Unzulänglichkeiten der anderen Teilnehmer auszugleichen.

    Ich weiß nicht wie sehr sie mit dem Buch des Autors vertraut sind, aber aus dem Artikel scheint nicht heraus, dass dieser sich mit einem Absolutheitsanspruch brüsten wollte. Sie scheinen vielmehr in die Falle getappt zu sein, zu glauben dass sie aus einem beschreibenden Artikel Persönlichkeit und Ansicht des Autors ableiten könnten.

    " Es ist ein beliebtes Spiel der Linken, die Unzulänglichkeiten von Menschen und Märkten herauszuarbeiten, um daraus staatliche Eingriffe abzuleiten, die Unzulänglichkeiten der staatlichen Akteure aber zu ignorieren. "

    Das ist das gleiche Elend wie bei "Liberalen", die die Unzulänglichkeiten des Marktes ignorieren, oder "Konservativen" die das Systemversagen aus Staat UND Markt nie erkennen wollen und die Schuld dem Menschen individuell zuschieben.
    Siehe Finanzkrise: Die "gierigen Banker" warens, sonst ist das bestehende System total supi.

    Es gibt im linken Spektrum aber auch anarchistische Strömungen.
    Die konzentrieren sich direkt auf die humanoiden Mängelwesen und suchen ihr Heil nicht in Staatsgebilden oder Märkten.

  3. Spieltheorie, Psychologische Statistiken, soziologische Verhaltensmuster, Neurobiologie, Stochastik.....all diese Disziplinen haben eines nicht bewerkstelligen können:

    Ernst genommen zu werden.

    Dagegen steht der IFO Geschäftsklimaindex für solide Zukunftsprognosen.

    Kein Wunder, dass unsere Politiker so unfähig sind.....es sind halt auch nur lernresistente Menschen, die aus den beschriebenen, instinktiven Reflexen heraus handeln.
    Wie beschrieben hatten die sogar mal einen Sinn: überlegt man erst, ob man vor der Säbelzahnkatze wegläuft, ist es vermutlich schon zu spät.

    Die heutigen Säbelzahntiger tragen Anzug und Krawatte, essen Sushi und wetten auf steigende Lebensmittelpreise. Flüchten kann man vor denen allerdings nicht mehr.

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    "Die heutigen Säbelzahntiger tragen Anzug und Krawatte, essen Sushi und wetten auf steigende Lebensmittelpreise. Flüchten kann man vor denen allerdings nicht mehr."

    Wir alle sind mehr oder weniger diese Säbelzahntiger - was uns unterscheidet, sind häufig nur die Gelegenheiten.

    Aber es lebt sich sicherlich gut in der Illusion, dass immer die anderen die Bösen sind.

    "Die heutigen Säbelzahntiger tragen Anzug und Krawatte, essen Sushi und wetten auf steigende Lebensmittelpreise. Flüchten kann man vor denen allerdings nicht mehr."

    Wir alle sind mehr oder weniger diese Säbelzahntiger - was uns unterscheidet, sind häufig nur die Gelegenheiten.

    Aber es lebt sich sicherlich gut in der Illusion, dass immer die anderen die Bösen sind.

  4. "Es war die Zeit, als die marktgläubigen Chicago-Boys um Milton Friedman ihre erzliberale Revolution anzettelten, und Rationalität war der wichtigste Pfeiler ihrer Argumentation."

    Den Menschen auf den homo oeconomicus zu reduzieren, hat nichts mit Rationalität zu tun. Im Gegenteil, Gier ist eine Manifestation menschlicher Pathologie und Destruktivität. Gier und rationales Verhalten verhalten sich antagonistisch zueinander.

    „Dagegen, wenn der Habgierige an nichts anderes denkt als an Gewinn und Geld, und der Ehrgeizige an Ruhm usw., so gelten diese nicht als wahnsinnig: weil sie lästig zu sein pflegen und für hassenswert erachtet werden. In Wahrheit aber sind Habgier, Ehrgeiz, Wollust usw. Arten des Wahnsinns, wenn man sie auch nicht zu den Krankheiten zählt.“
    Spinoza

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  5. man muss nicht flüchten, Ihnen aber nicht zuhören und weniger blind glauben

  6. @Stefan Balker
    Es lässt sich trefflich streiten was ein Staat denn wirklich ist. Wenn seine Organe am Markt agieren, handeln sie aber eben nicht wie die restlichen Marktteilnehmer. Der Staat kann damit helfen die Unzulänglichkeiten der anderen Teilnehmer auszugleichen.

    Ich weiß nicht wie sehr sie mit dem Buch des Autors vertraut sind, aber aus dem Artikel scheint nicht heraus, dass dieser sich mit einem Absolutheitsanspruch brüsten wollte. Sie scheinen vielmehr in die Falle getappt zu sein, zu glauben dass sie aus einem beschreibenden Artikel Persönlichkeit und Ansicht des Autors ableiten könnten.

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    "Wenn seine Organe am Markt agieren, handeln sie aber eben nicht wie die restlichen Marktteilnehmer. Der Staat kann damit helfen die Unzulänglichkeiten der anderen Teilnehmer auszugleichen."

    Hinter den Organen des Staates stehen letztlich auch immer Menschen. Sie sind wie die Marktteilnehmer mit den gleichen menschlichen Unzulänglichkeiten behaftet. Es gibt daher keinen Grund für die Annahme, sie würden immer oder auch nur oft die Unzulänglichkeiten anderer Menschen ausgleichen. Genauso ist es möglich, dass die Unzulänglichkeiten der staatlichen Teilnehmer die Unzulänglichkeiten der Marktteilnehmer verstärken oder ihnen neue hinzufügen. Eine Idealisierung des Staates und seiner Akteure ist unangebracht.

    "Ich weiß nicht wie sehr sie mit dem Buch des Autors vertraut sind, aber aus dem Artikel scheint nicht heraus, dass dieser sich mit einem Absolutheitsanspruch brüsten wollte. Sie scheinen vielmehr in die Falle getappt zu sein, zu glauben dass sie aus einem beschreibenden Artikel Persönlichkeit und Ansicht des Autors ableiten könnten."

    Ich habe über Persönlichkeit und Ansicht des Buchautors keinerlei Aussage gemacht. Mir ist daher völlig unklar, wie Sie zu dieser Bemerkung kommen.

    "Wenn seine Organe am Markt agieren, handeln sie aber eben nicht wie die restlichen Marktteilnehmer. Der Staat kann damit helfen die Unzulänglichkeiten der anderen Teilnehmer auszugleichen."

    Hinter den Organen des Staates stehen letztlich auch immer Menschen. Sie sind wie die Marktteilnehmer mit den gleichen menschlichen Unzulänglichkeiten behaftet. Es gibt daher keinen Grund für die Annahme, sie würden immer oder auch nur oft die Unzulänglichkeiten anderer Menschen ausgleichen. Genauso ist es möglich, dass die Unzulänglichkeiten der staatlichen Teilnehmer die Unzulänglichkeiten der Marktteilnehmer verstärken oder ihnen neue hinzufügen. Eine Idealisierung des Staates und seiner Akteure ist unangebracht.

    "Ich weiß nicht wie sehr sie mit dem Buch des Autors vertraut sind, aber aus dem Artikel scheint nicht heraus, dass dieser sich mit einem Absolutheitsanspruch brüsten wollte. Sie scheinen vielmehr in die Falle getappt zu sein, zu glauben dass sie aus einem beschreibenden Artikel Persönlichkeit und Ansicht des Autors ableiten könnten."

    Ich habe über Persönlichkeit und Ansicht des Buchautors keinerlei Aussage gemacht. Mir ist daher völlig unklar, wie Sie zu dieser Bemerkung kommen.

  7. "Wenn seine Organe am Markt agieren, handeln sie aber eben nicht wie die restlichen Marktteilnehmer. Der Staat kann damit helfen die Unzulänglichkeiten der anderen Teilnehmer auszugleichen."

    Hinter den Organen des Staates stehen letztlich auch immer Menschen. Sie sind wie die Marktteilnehmer mit den gleichen menschlichen Unzulänglichkeiten behaftet. Es gibt daher keinen Grund für die Annahme, sie würden immer oder auch nur oft die Unzulänglichkeiten anderer Menschen ausgleichen. Genauso ist es möglich, dass die Unzulänglichkeiten der staatlichen Teilnehmer die Unzulänglichkeiten der Marktteilnehmer verstärken oder ihnen neue hinzufügen. Eine Idealisierung des Staates und seiner Akteure ist unangebracht.

    "Ich weiß nicht wie sehr sie mit dem Buch des Autors vertraut sind, aber aus dem Artikel scheint nicht heraus, dass dieser sich mit einem Absolutheitsanspruch brüsten wollte. Sie scheinen vielmehr in die Falle getappt zu sein, zu glauben dass sie aus einem beschreibenden Artikel Persönlichkeit und Ansicht des Autors ableiten könnten."

    Ich habe über Persönlichkeit und Ansicht des Buchautors keinerlei Aussage gemacht. Mir ist daher völlig unklar, wie Sie zu dieser Bemerkung kommen.

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    "Eine Idealisierung des Staates und seiner Akteure ist unangebracht."

    Da stimme ich ihnen zu. Auch darin, dass die für den Staat handelnden Menschen keineswegs unzulänglich sind. Aber auch bei nüchterner Betrachtung ist wohl klar, dass der Staat mit anderen Intentionen und Mitteln am Markt agiert. Ein Staat kann eben nicht wie ein Unternehmen geführt werden, sein Handeln hat daher schon eine gänzlich andere Zielsetzung. Gleiche Defizite seiner Organe wirken sich daher auch anders aus. Ich habe daher auch nicht gesagt, dass der Staat die Marktwirtschaft leiten soll, es ist aber dennoch seine Pflicht ihre vereinzelt sozialschädlichen Effekte zu kompensieren.

    "Mir ist daher völlig unklar, wie Sie zu dieser Bemerkung kommen."

    Ich habe das aus diesem Satz von ihnen abgeleitet: "Es ist immer recht amüsant, wenn Menschen das groß heraus posaunen und glauben, sie hätten eine fundamentale Entdeckung gemacht." Obwohl dieser natürlich allgemein gehalten ist, ist er zum Thema nicht anders als wertend zu verstehen. Wenn sie dann noch schreiben "In der Ökonomie ist der "homo oeconomics" eine Vorstellungen davon, wie der Mensch sich unter theoretischen Idealbedingungen verhalten müsste, wenn er gewisse Eingenschaften hätte." unterstellen sie Kahneman eine abweichende Ansicht. Ich unterstelle ihm hingegen, dass er als Nobelpreisträger den Unterschied zwischen einem Model und der Realität kennt. Seine Dekonstruktion dieses Models wirkt auf mich recht überzeugend.

    "Eine Idealisierung des Staates und seiner Akteure ist unangebracht."

    Da stimme ich ihnen zu. Auch darin, dass die für den Staat handelnden Menschen keineswegs unzulänglich sind. Aber auch bei nüchterner Betrachtung ist wohl klar, dass der Staat mit anderen Intentionen und Mitteln am Markt agiert. Ein Staat kann eben nicht wie ein Unternehmen geführt werden, sein Handeln hat daher schon eine gänzlich andere Zielsetzung. Gleiche Defizite seiner Organe wirken sich daher auch anders aus. Ich habe daher auch nicht gesagt, dass der Staat die Marktwirtschaft leiten soll, es ist aber dennoch seine Pflicht ihre vereinzelt sozialschädlichen Effekte zu kompensieren.

    "Mir ist daher völlig unklar, wie Sie zu dieser Bemerkung kommen."

    Ich habe das aus diesem Satz von ihnen abgeleitet: "Es ist immer recht amüsant, wenn Menschen das groß heraus posaunen und glauben, sie hätten eine fundamentale Entdeckung gemacht." Obwohl dieser natürlich allgemein gehalten ist, ist er zum Thema nicht anders als wertend zu verstehen. Wenn sie dann noch schreiben "In der Ökonomie ist der "homo oeconomics" eine Vorstellungen davon, wie der Mensch sich unter theoretischen Idealbedingungen verhalten müsste, wenn er gewisse Eingenschaften hätte." unterstellen sie Kahneman eine abweichende Ansicht. Ich unterstelle ihm hingegen, dass er als Nobelpreisträger den Unterschied zwischen einem Model und der Realität kennt. Seine Dekonstruktion dieses Models wirkt auf mich recht überzeugend.

  8. Herr Kahneman ist mit Sicherheit nicht der "bedeutendste Psychologe unserer Tage".
    Wenn jemand auch nur ein wenig Offenheit und Menschenkenntnis besitzt und nicht von sich selbst geblendet ist, kommt überhaupt nicht auf den Gedanken, dass sich der Mensch rein rational steuert.

    Die Psychologie besitzt inzwischen ein recht fundiertes Wissen über die menschlichen "Instinkte" oder emotionalen Grundbedürfnisse, die die Menschen in ihrem Leben antreiben. Von diesen menschlichen Grundansprüchen leiten sich Wohlbefinden und Lebensglück der Menschen ab - und im politischen Bereich die Menschenrechte.

    Es ist nicht so wichtig, ob die Ökonomie ein realitätsnahes Modell des Menschen entwickelt - viel entscheidender ist, ob es der Politik gelingt, die Lebensbedürfnisse der Menschen anzuerkennen und ihre Befriedigung in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen. Welchen Zweck hat Politik, wenn nicht das Lebensglück der Menschen? Hier wartet die größte Aufgabe für die Psychologie der Gegenwart.

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    "Welchen Zweck hat Politik, wenn nicht das Lebensglück der Menschen?" Das stimmt wohl. Nur scheint sich die Politik bei dieser Frage viel stärker an der Ökonomie zu orientieren als an der Psychologie.

    Dass Kahnemann nicht der bedeutendste Psychologe unserer Zeit ist, mag stimmen. Aber er ist vielleicht der einflussreichste, weil er es mit der Ökonomie aufgenommen hat und deren Thron hat bröckeln lassen. Neben Herbert Simon (der übrigens auch schon die Grenzen der Rationalität in der Organisationswissenschaft aufgezeigt hat) soweit ich weiss der einzige Psychologe mit Nobelpreis.

    Die Psychologie hat sich in ihrer (zugegeben recht kurzen) Geschichte bisher immer noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, anstatt zu versuchen, gesellschaftlich Einfluss zu nehmen. Da hat man das Feld den Wirtschaftlern (und vielleicht Soziologen/Politologen u.a.) überlassen.

    "Welchen Zweck hat Politik, wenn nicht das Lebensglück der Menschen?" Das stimmt wohl. Nur scheint sich die Politik bei dieser Frage viel stärker an der Ökonomie zu orientieren als an der Psychologie.

    Dass Kahnemann nicht der bedeutendste Psychologe unserer Zeit ist, mag stimmen. Aber er ist vielleicht der einflussreichste, weil er es mit der Ökonomie aufgenommen hat und deren Thron hat bröckeln lassen. Neben Herbert Simon (der übrigens auch schon die Grenzen der Rationalität in der Organisationswissenschaft aufgezeigt hat) soweit ich weiss der einzige Psychologe mit Nobelpreis.

    Die Psychologie hat sich in ihrer (zugegeben recht kurzen) Geschichte bisher immer noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, anstatt zu versuchen, gesellschaftlich Einfluss zu nehmen. Da hat man das Feld den Wirtschaftlern (und vielleicht Soziologen/Politologen u.a.) überlassen.

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