Die Frage: Als Edith noch bei ihren spießigen Eltern wohnte, hat sie ihn fast täglich verführt. Klaus fand das toll. Viel Sex gehört für ihn zu einer guten Beziehung. Er hätte sich nie vorstellen können, dass ihre Leidenschaft jemals so abkühlen könnte, wie es eigentlich schon in den Flitterwochen der Fall war.

»Früher haben wir keine Gelegenheit ausgelassen, sogar den Hochsitz im Wald und eine Telefonzelle haben wir ausprobiert. Und jetzt passiert kaum mehr etwas, dabei könnten wir es so bequem haben!«, klagt Klaus. »Ich weiß nicht, aber seit wir verheiratet sind, fühle ich mich irgendwie unter Druck, das nimmt mir die Lust!«, sagt Edith.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Für Edith und Klaus zeitigt die Legierung von Sex und Pflicht in der Ehe böse Folgen. Solange Ediths Eltern ihr den Sex mit Klaus verboten, hat sich Edith ihre erotischen Wünsche ertrotzt und sich frei gefühlt. Klaus war ihr Liebster, und damit basta.

Inzwischen ist Klaus ihr Ehemann und wirkt auf sie spießiger, als ihn Edith sich vorgestellt hat. Unbewusst ist er für Edith in eine Elternrolle geraten. So hat sie ihre inneren Räume verloren, in denen erotische Fantasien gedeihen. Klaus sollte um Edith werben und ihr Selbstgefühl stärken. Ankläger sind nicht attraktiv.