Energieversorgung"Hässliches wird passieren"

Mit düsteren Thesen zur Zukunft unserer Energieversorgung tourt der Physik-Nobelpreisträger Robert Laughlin durch Deutschland. Er stößt nicht überall auf Begeisterung.

Gewann 1998 den Physik-Nobelpreis: Robert Laughlin.

Gewann 1998 den Physik-Nobelpreis: Robert Laughlin.

Früher hat Robert Laughlin die Zukunft mit Humor genommen. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, auf dem Podium des Stockholmer Nobel-Banketts 1998, witzelte er noch über die Bedeutung von Nachwuchs: »Es ist ein experimenteller Fakt, dass Zeit langsamer vergeht, wenn Babys anwesend sind.« Die Festgesellschaft lachte, der schwedische König hob höflich die Mundwinkel. Und Laughlin wirkte für einen Augenblick eher wie ein Pumuckl im Smoking als wie ein frisch gekürter Nobelpreisträger der Physik.

Zwölf Jahre später sprießt Laughlins graue Haarpracht noch immer in alle Richtungen. Aber zum Scherzen ist dem 61-Jährigen weniger zumute: »Ich will über Dinge reden, die sehr beängstigend sind.« Auf der Bühne des Deutsch-Amerikanischen Instituts in Heidelberg wirft ein Projektor das Bild zweier einsamer Geysire vor einer fernen Sonne an die Wand. Es ist das Cover der Originalausgabe seines neuen Buches Powering the Future, auf Deutsch soeben unter dem Titel Der Letzte macht das Licht aus erschienen. Darin blickt Laughlin 200 Jahre in die Zukunft, in eine düstere Zeit, in der die Öl-, Kohle- und Erdgasvorräte aufgebraucht sind. »Hässliche Dinge werden auf dem Weg dorthin passieren«, postuliert Laughlin. Die Folgen für die Menschheit seien mit denen eines Asteroideneinschlags vergleichbar.

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Mit dieser These reist er durch Deutschland. Das Land der Energiewende ist ihm nicht unbekannt. Als 19-Jähriger wurde er während des Vietnamkriegs eingezogen und schließlich nach Schwäbisch Gmünd versetzt. Dort hütete er zwei Jahre lang mit Atomsprengköpfen bestückte Pershing-Raketen. Einmal, während des arabisch-israelischen Kriegs im Jahr 1973, habe sich die Lage so zugespitzt, dass seinen Vorgesetzten die Knie schlotterten, schreibt Laughlin in seiner Autobiografie. »Junge Menschen können sich nicht vorstellen, wie das damals war«, sagt er.

»Energiewende« heiße letztlich nur, Gas aus Russland zu importieren

Diesen Jungen will er die Augen öffnen. Und Heidelbergs Studenten kommen in Scharen. Denn der Professor aus Stanford gilt als kritischer Kopf, der in seinen Büchern gern gesellschaftliche Fehlentwicklungen aufs Korn nimmt. In seinem Aufsatz Verbrechen der Vernunft warf er 2008 den wirtschaftlichen Eliten vor, Wissen zu monopolisieren. Im Jahr davor rechnete er in Abschied von der Weltformel mit dem Streben der Physiker nach einer allumfassenden Theorie zur Naturbeschreibung ab. Die Annahme, ein Urknall habe das Universum hervorgebracht, sei im Grunde nichts als Marketing, verkündete er in Interviews. Es gibt kaum einen schnelleren Weg, sich unter Physikern unbeliebt zu machen.

Auch in Sachen Energie geht Laughlin auf Konfrontationskurs. Denn das ganze Gerede vom ökologischen Umsteuern und von der Erziehbarkeit des Menschen hält er für Quatsch. »Menschen wollen immer den billigsten Strom kaufen«, sagt er. Und die meisten seien wie sein Vater, der mit seinem Auto so lange herumgefahren sei, bis er die billigste Tankstelle gefunden hatte. Soll heißen: Am Ende entscheidet nicht der gute Vorsatz, sondern schlicht und einfach der Preis. Und Kohle, Öl und Gas seien nun einmal derzeit die preiswertesten Energiequellen.

Deutschlands »Energiewende« hält er dementsprechend für Augenwischerei. »Letztendlich heißt das nur: Ihr werdet jede Menge Gas aus Russland importieren«, sagt Laughlin. Damit sei man zwar vorerst auf der sicheren Seite. Allerdings mache man sich abhängig. Und irgendwann würden auch diese Vorräte zur Neige gehen.

Der Strom aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind könne lange Zeit sehr teuer bleiben. Dann würden global operierende Energiekonzerne den Sparzwang der Menschen ausnutzen und früher oder später zur Atomkraft zurückkehren. »Wenn die Erneuerbaren zum Ende des Zeitalters der fossilen Energien nicht billiger als Atomstrom sind, werden wieder Atomkraftwerke gebaut werden«, prophezeit Laughlin. Und da auch die Uranvorkommen endlich seien, werde es zu einem Plutonium-Kreislauf kommen, mit »schnellen Brütern« in Sibirien und Nordkanada, die Brennstäbe für den gesamten Globus herstellen und wieder aufbereiten. »Wenn das passiert, wird es zu nuklearem Terrorismus und weiteren Unfällen wie in Tschernobyl kommen«, orakelt der Physiker.

Was also empfiehlt Laughlin? Da wird der Provokateur merkwürdig zurückhaltend. »Ein guter Professor sollte nicht vorschreiben, was man zu tun hat«, sagt er im Gespräch. »Ich möchte nur die Fakten ausbreiten, Entscheidungen müssen andere treffen.« Konkrete Handlungsempfehlungen wird man in seinem Buch also vergeblich suchen. Laughlin hat mehr Spaß daran, die versteckten Leichen im Keller der Zukunftsentwürfe auszugraben.

Leserkommentare
    • zappp
    • 24.05.2012 um 14:05 Uhr

    die so auch nicht eingetreten sind.

    Die Preisentwicklung wird irgendwann auch den grössten Autonarren in seine finanziellen Grenzen verweisen, vielleicht sogar innovative Technologien hervorbringen. Und zwar andere, als wir uns zur Zeit vorstellen.

    In den Entwicklungs- und Schwellenländern ist zur Zeit der Engpass nicht der Benzinpreis, sondern die Verkehrsdichte auf den unzulänglichen Strassennetzen.

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    nur diese Realität kann man nicht wegläugnen. Sie wissen garnicht, wie stark unsere Wirtschaft von Öl abhängt. Es ist nicht nur der Benzinpreis......

    nur diese Realität kann man nicht wegläugnen. Sie wissen garnicht, wie stark unsere Wirtschaft von Öl abhängt. Es ist nicht nur der Benzinpreis......

  1. Ich würde zu gern glauben, dass Sie recht haben, das ist es nicht. Ich zweifle nur daran, dass er sich gänzlich irrt. Menschen sind vom Preis getrieben. Das geht bei den Sonderangeboten los über die Tankstellensuche und hört bei Versicherungen auf. Selbst die Erzeugung grünen Stroms wird überhaupt nur vorangetrieben, weil es die Einspeisevergütung gibt, die signifikant über den Kosten einer durchschnittlichen kWh liegt. Wenn jeder seinen Strom schlicht speichern müsste, und ihn danach für lau verbrauchen dürfte, die wenigsten würden es tun. Es rechnet sich v.a. kurz- und mittelfristig nicht.

    Menschen protestieren im Angesicht von Verknappung der Primärenergie gegen neue Stromleitungen und Windräder und fröhnen dem lustvollen Autofahren. Statt Videokonferenzen setzt man sich ins Flugzeug und Strom kommt aus der Wand. Brauchen Sie noch mehr Beispiele?

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    Antwort auf " Irrtum"
  2. Wozu brauchen wir Strom?

    Doch für unsere Wirtschaft, etc. und natürlich zum betreiben von untersch. Geräten - oder nicht? Was passiert mit der Unmenge an Energie, wenn die Menschen endlich erkennen, dass Wachstum keine Lösung ist? Das wir jetzt schon im Überfluss produzieren, aber nicht unseren Nutzen erhöhen?

    Zu dem, wer weiß schon, ob die Energieeffizienz von Geräten nicht gravierend verbessert werden kann? usw. usw.

    Es sind so viele Faktoren unberücksichtigt.....

    Und Atomstrom? Vor 50 Jahren wurde uns erklärt, dass die Technologie zur Atommüllentsorgung heute bereits geben würde. Nun, wir schlagen uns immer noch mit dem Problem der "Endlagerung" (welche es einfach nicht geben kann) und die Technologie gibt es auch nicht!

  3. nur diese Realität kann man nicht wegläugnen. Sie wissen garnicht, wie stark unsere Wirtschaft von Öl abhängt. Es ist nicht nur der Benzinpreis......

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  4. diverseste gefahren der zukunft aufgezeigt
    es MUSS natürlich nicht so kommen
    denn wie im krieg erwiesen
    beweisen auch die märkte immer wieder
    es MUSS das primat der politik gelten
    immer
    das freie, willenlose,spiel der kräfte brachte noch nie etwas positives hervor

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    Die Primaten der Politik zeigen doch bereits, dass sie mit dem "unfreien, gewollten Kampf der Schwächen" überfordert sind.

    Die Primaten der Politik zeigen doch bereits, dass sie mit dem "unfreien, gewollten Kampf der Schwächen" überfordert sind.

    • gquell
    • 24.05.2012 um 14:22 Uhr

    Die Erde verfügt über genug Energie.
    Zum einen erhalten wir von der Sonne Energie im Überfluß, aber auch im Erdinneren haben wir Energie im Überfluß. Wer natürlich nur in den Dimensionen fossiler- oder Kernbrennstoffe denkt, der berücksichtigt so etwas natürlich nicht. Energie ist die Quelle des Lebens auf dieser Erde und das Leben hat sich auch an den unwirtlichsten Orten ausgebreitet. Nur sind viele Menschen nicht bereit, von der Natur zu lernen. Diese hat nämlich ein paar Milliarden Jahre mehr Erfahrung mit Energie und Optimierung. Wer glaubt, daß er sich die Erde untertan machen soll, dem fehlt der geistige Weitblick, daß diese Erde Lösungen für Probleme entwickelt hat, die wir noch nicht einmal im Ansatz verstehen. Im Verhältnis zur Weisheit der Natur sind wir schlicht und einfach dumm und unwissend.

    Wir haben mehr als genug Energie für alle auf diesem Planeten, uns fehlt nur die Intelligenz diesen Überfluß zu nutzen.

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    "Wir haben mehr als genug Energie für alle auf diesem Planeten, uns fehlt nur die Intelligenz diesen Überfluß zu nutzen."

    tesla

    "Wir haben mehr als genug Energie für alle auf diesem Planeten, uns fehlt nur die Intelligenz diesen Überfluß zu nutzen."

    tesla

  5. ... führen in ihren Extremformen "man kann eh' nichts machen" und "es wird sowieso alles gut" gleichermaßen in die Passivität. Ob man das Glas halb voll oder halb leer sieht, ist wohl eher eine Geschmacksfrage, so lange man noch bereit ist, sich zu bewegen. Vielleicht macht "halb voll" ein wenig glücklicher...

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    ... der Ausspruch "man kann eh' nichts machen" ist kein Zeichen von Pessimismus sondern von Fatalismus.
    Der Pessimist wird eher sagen "was wir machen, geht in die Hose" (rein bildlich gesprochen, versteht sich).

    ... der Ausspruch "man kann eh' nichts machen" ist kein Zeichen von Pessimismus sondern von Fatalismus.
    Der Pessimist wird eher sagen "was wir machen, geht in die Hose" (rein bildlich gesprochen, versteht sich).

  6. Wenn ich mir die schier unglaubliche Fülle verschiedenartiger Lebensformen betrachte, die die Welt schon bevölkert haben und immer noch bevölkern, fällt es mir schwer, die Story vom "harten Kampf ums Überleben" zu glauben. Es gibt jenseits unserer Einflussnahme eine Macht zumindest auf diesem Planeten, die ganz offensichtlich das Leben will und das Leben fördert.

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    Ich möchte das auch gern glauben. Was dieser Nobelpreisträger von sich gibt, interessiert mich wenig. Sein festgezurrtes Menschenbild lässt auf den eigenen Charakter schließen.

    Ich möchte das auch gern glauben. Was dieser Nobelpreisträger von sich gibt, interessiert mich wenig. Sein festgezurrtes Menschenbild lässt auf den eigenen Charakter schließen.

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