SpekulantenLasst sie ruhig zocken!

Aber Finanzkolosse wie JPMorgan müssen zerschlagen werden. Sonst könnten Fehlspekulationen erneut die Welt gefährden. von 

Der Sitz von JPMorgan Chase in New York (Archivbild)

Der Sitz von JPMorgan Chase in New York (Archivbild)  |  © Eduardo Munoz/Reuters

Kann es denn angehen, dass nicht ganz vier Jahre nach der großen Krise der Finanzkoloss JPMorgan Chase zwei Milliarden Dollar einfach so verliert? Ausgerechnet mit Kreditderivaten, jenen Papieren, die schon in der Finanzkrise eine wesentliche Rolle spielten? Haben die Banken immer noch nichts gelernt?

Man kann es sich leicht machen, die Frage mit »Nein!« beantworten und dann noch ein bisschen über die Gier der Banker schimpfen. Die richtige Antwort ist aber eine andere: Milliardenverluste wie diese stecken im System der internationalen Hochfinanz einfach drin. Sie sind dort fest angelegt. Sie gehören dazu. Und wir alle müssen uns damit abfinden.

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JPMorgans geplatzte Wette ist auch nur der jüngste in einer Reihe von Milliardenverlusten der letzten Jahre. Schon kurz nach der Pleite von Lehman Brothers, die die Finanzkrise auslöste, schockierte Société Générale die Welt mit einem Verlust von 4,9 Milliarden Euro, verursacht durch einen Trader namens Jérôme Kerviel. Vergangenen September musste die Schweizer UBS einräumen, dass unzulässige Transaktionen eines Händlers den Konzern 2,3 Milliarden Dollar gekostet hatten.

In jenen zwei Fällen konnte man sich sogar noch damit trösten, dass die betreffenden Händler gegen Vorschriften verstoßen hatten. Diesmal ist das offenbar anders.

All diese Vorfälle zeigen, wie schwierig es ist, in der Welt des Mega-Money noch die Kontrolle zu behalten. Ausgerechnet JPMorgan galt als die große Ausnahme, die einzige führende Bank, die nahezu ohne Blessuren durch die Hypothekenmisere kam. CEO Jamie Dimon war so überzeugt von sich und seinem Management, dass er in Washington und London gegen neue Regulierung agitierte. Obamas Finanzreform nannte er »völlig überdreht«. Dimon fühlte sich auch deshalb so sicher, weil JPMorgan als besonders stark im Risikomanagement galt.

Tatsächlich hat JPMorgan in den neunziger Jahren eine Methode entwickelt, um Risiko messbar zu machen. Beim Value at Risk System – kurz VaR – werden alle offenen Handelspositionen der Bank analysiert. Per Computermodell wird eine Prognose erstellt, wie hoch der maximale potenzielle Tagesverlust ausfallen würde, wenn die Position sich als Fehler erweisen sollte. Das System legt Erfahrungswerte und Wahrscheinlichkeitsrechnungen zugrunde. Es wurde zum Branchenstandard. Auch Regulierern gefiel das Konzept.

Nun hatten Kritiker schon immer davor gewarnt, solchen Systemen allzu sehr zu vertrauen. Viele Risiken in der heutigen Hochfinanz fallen einfach nicht mehr in die bekannten Muster, denen statistische Abschätzungen zugrunde liegen; viele historische Daten taugen nicht mehr als Maßstab für heute. So entstehen immer wieder Risiken, mit denen keiner rechnen kann. Sie können eine ganze Bank implodieren lassen. Lehman ist das beste Beispiel.

Leserkommentare
  1. Ja, 3 Milliarden sind viel Geld, aber JP Morgan hat letztes Jahr einen Jahresueberschuss von mehr als 18 Mrd erwirtschaftet (vgl. http://www.godmode-trader...).
    Diese Geschichte wird viel zu sehr aufgebauscht.

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    ...sind sie vom Fach? Man könnte das fast annehmen, da sie besonders Gewinn orientiert sind.

    Ich möchte sie bitten sich in Zukunft etwas genauer mit den Fundamentaldaten eines Unternehmens außeinander zu setzten. Speziell wenn sie sich darauf berufen.

    Natürlich haben sie recht was den Gewinn nach Steuern angeht. Bedenklich ist daran aber, das sie nur Augen für Gewinn und Verlust haben.

    Wenn sie sich ihre eigene Quellen mal anschauen, werden sie feststellen das es auch Angaben über die Summe des Eigenkapitals und des Fremdkapitals gibt. Setzen sie bitte diese beiden Zahlen in relation zueinander.*
    Ebenso sollten sie sich stärker mit den Passiva eines Unternehmens beschäftigen.
    Dann würde sie feststellen, das JP Morgan 2.082 Milliarden Verbindlichkeiten aufweist. Setzen sie das dann in Relation zu den 18 Milliarden Gewinn.

    Das Unternehmen macht also Gewinn, keine Frage. Die Frage die hier auftaucht und besprochen wird ist, was passiert wenn das Unternehmen Verlust macht und wie groß die Fallhöhe ist. Schauen sie sich die Verbindlichkeiten an und sie kennen die Fallhöhe.

    Ich empfehle ihnen übrigens eine andere Quelle. Sehen sie dieser hier als ergänzung und Beleg meiner Angaben an.

    http://www.boersennews.de...

    *JP Morgan hatte 2011 eine Eigenkapitalquote von 8,1 %.

    die geschichte wird nicht aufgebauscht, sondern falsch erzählt.

    die banken haben ihre gewinne und verluste nur noch auf dem papier, heiße und kalte luft. hintergrund ist die geldvermehrung die sie vornehmen, indem sie kredite vergeben. das sind keine eingesammelten gelder, das ist einfach eine illegale buchung.
    eine milliarde an X. frei erfunden.
    für die luftnummer kassieren sie aber über die zinsen echtes vermögen. glatter betrug.

    reicht denen aber nicht.
    und deshalb haben wir einen derivatemarkt, der bei geschätzt 1000 billionen dollar liegt. die wettgewinne sind viel größer, also werden die erfundenen geldmengen da reingepumt.
    nur dahinter stehen keine werte. das finanzsystem ist ein frosch der sich aufbläst, irgendwann pfeift die luft raus oder er platzt.
    dazwischen gibt es nichts.

    und wir sollten für luftrauslassen sein, indem den banken das illegalre geldvermehren sofort verboten wird.

    so einfach ist die lösung, sie wird nur nich gemacht ...

    Den Arbeitgeber suche ich auch noch, der Mich mit 50% am Gewinn beteiligt, und bei Verlust in Ruhe lässt!

  2. Na gut, fangen wir also mit "Zerschlagung" der Deutschen Bank an, die bereits in mehreren Ländern gerichtlich verfolgt wird für ihre Urheberschaft der Hypothekenkrise sowie diverse groß angelegte Betrügereien, von ihren weltweiten Spekulationen ganz abgesehen.

    15 Leserempfehlungen
  3. Wenn Großbanken wie JPM oder Goldman Sachs zerschlagen werden gewinnen Hedgefonds noch mehr an Macht, Fuld und Blankfein hätten sowieso im Hedgefond-Business viel mehr Geld machen können.
    Viele Banker nehmen aber jetzt auch ihre Verantwortung an und versuchen z.B auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zu beweisen, dass die monetaristisch-nationalistische Politik Merkels falsch ist, gerade weil sie den Märkten alle Macht gibt und den Staat die Zügel aus der Hand nimmt. Viele Finanzgrößen sprechen sich auch für eine deutlich stärkere Regulierung aus.

    Geld sammelt sich immer und mir ist es lieber, wenn das Geld in den Händen von Goldman Sachs ist, das sich z.B auch für die Homo-Ehe, Rechte von Schwarzen und Umweltschutz engagiert, als Geld in den Händen von irgendwelchen nationalistischen Briten, die in anonymen Hedgefonds den Euro vernichten wollen.

    Die amerikanischen Investment-Banken haben Großes für unsere Wohlstands- und Wirtschaftsentwicklung geleistet und für den politischen Progressivismus.

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    ihr Geld? Meinen Sie ihr privates? oder Unser aller Steuergeld?

    Darf ich ihnen ein wenig Auskunft erteilen?

    Die USA sind traditionell und nicht zuletzt sprachlich eng mit GB verbunden. Der Finanzplatz NY und die City of London tun sich nicht viel. Sie ergänzen sich aber wunderbar und macht alles etwas undurchsichtiger.
    Wussten sie, das der Finanzplatz London sonderechte besitzt, welchen ihn zum Staat im Staate macht? Quasie wie der Vatikan, nur in finanzplatztechnischer Hinsicht ungleich Attraktiver? NY ist wirkt wie der Verlängerte Arm der CoL. Sie braucht NY, um ihrem Treiben mehr politisches Gewicht zu verleihen.
    Wusten sie, daß die FED keine Staatsbank ist wie die Bundesbank ist und sich nicht in die Bücher schauen laqssen muss? Wer genau die Teilhaber sind? Drei mal dürfen sie raten. Zudem steckt im Weltweiten- Bankensystem ein Wohlfartssystem und die Bänker benehmen sich wie damals die korrupten Führungen komunistischer Regime. Sie glauben, dass es normal ist, wenn sich Banken bei Zentralbanken für einen Prozent Geld leihen, es an Privateleute/ Steuerzahler und einzelne Länder (Welche ja die eigentlichen Eigner der Zentralbanken sind, außer der FED) mit einem satten Aufschlag weiter verleihen. Schon da beginnt die Umverteilung. In diesem Sinne sammelt sich das Geld. Die Frage ist nur wo, wie und warum. Wie auch immer man diese Fragen Beantworten will. Das "warum" ist jedenfalls kein Naturgesetz in diesem Selbstbedienungsladen.

    Herzlichst, Aiki

  4. Artikelzitet: "Gewinne oder Verluste sind kein Unterscheidungsmerkmal dafür, ob es sich um Eigenhandel oder um Hedging handelt. Jede Transaktion kann im Prinzip der einen wie der anderen Absicht dienen. Und selbst wenn man strengere Kriterien erfindet, um gutes Hedging von bösem Spekulieren zu trennen, werden Banken immer Regelungslücken finden."

    Das ist so nicht ganz richtig.

    Hedging lässt sich im Prinzip ganz leicht von der Spekulation trennen, denn beim Hedge gibt es immer eine offene Position, die abgesichert werden soll. Und Spekulation zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass es keine solche Gegenposition gibt, sondern "ins Blaue hinein" gehandelt wird.

    Viel schwieriger ist es natürlich, diese prinzipielle Trennung angesichts der Vielzahl der Transaktionen an einem Tag und der Geschwindigkeit des Computerhandels auch lückenlos zu überwachen...

    3 Leserempfehlungen
  5. wäre es nicht sinnvoller eine rasiermesser scharfe trennung vorzunehmen in investment banken und traditionellen geschäftsbanken, denen wetten jederart schlicht verboten würden?

    die trennung würde, so meine vorstellung, das eigenkapital wie die haftung umfassen. selbstverständlich auch personell. zudem würden einlagen bei geschäftsbanken ggf. durch staatliche massnahmen abgesichert/gerettet während investment banken halt auch einfach konkurs gehen können. so wüßte jede/jeder bei geschäftsbanken geht es deutlich seriöser mit geringern zinsgewinnen zu und bei investmentbanken kann der verlust total sein.

    8 Leserempfehlungen
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    völlig richtig.wer braucht finanzbanken?die banken müssen dem volk dienen.

    • joG
    • 18. Mai 2012 11:07 Uhr

    .....und ich bin mir nicht sicher, was man tun sollte, ist es jetzt der falsche Zeitpunkt darüber laut zu sinnieren. Das verunsichert die Partizipanten in den Märkten weiter, weil sie nicht wissen können, was eine Bank wert sein wird, noch wann sie das wert sein wird, wenn so radikale Veränderungen in Aussicht gestellt werden in sowieso gefährlicher Zeit. Solche Anpassungen sollten in ruhiger Zeit besprochen und ausgearbeitet werden.

    Sicher ist aber, dass "Too Big To Fail" zwar bei Banken ein Problem ist. Sicherlich ist das aber nicht im Herzen der heutigen Krise. Da sitzt die Nation. Nationen haben sich überschuldet und selbst kleine wie Griechenland sind offenbar "Too Big To Fail". Wir müssen uns also mit der Problematik des Staates und dessen Verschuldung beschäftigen. Banken sind Ferner Lief.

    ...wesentliche teile der überschuldung der länder sind ursache der rettung der zockenden banken die als geschäftsbanken gerettet werden mußten, dammit die realwirrtschaft nicht kolabiert.

    ausgerechnet der sorgenfall griechenland ist hier eher die ausnahme von der regel.

  6. „Aber Finanzkolosse wie JPMorgan müssen zerschlagen werden. Sonst könnten Fehlspekulationen erneut die Welt gefährden.“

    Wie und was will man denn da noch regulieren?

    http://www.ftd.de/finanze...

    Wenn man sich die Grafiken ansieht bleibt eigentlich nur noch die Feststellung, dass das Banken- und Finanzsystem unmittelbar vor dem absoluten Supergau steht.

    Es ist eigentlich nur noch die Frage, wer oder was den Zündfunken abgibt.

    Vielleicht ist es ja schon Griechenland. Im nächsten Monat.

    3 Leserempfehlungen
    • wd
    • 17. Mai 2012 20:49 Uhr

    Eigentlich sollte eine Bank mein Geld nehmen und an kreditwürdige Menschen und Firmen verleihen. Ich habe nicht den Überblick wer kreditwürdig ist und mein Geld braucht und die Zinsen bezahlen kann. Einen Teil der Zinsen, die die Bank für das verleihte Geld verlangt hätte ich gerne als meinen Anteil. Ich verstehe, dass die Bank auch schlechte Kunden hat, die leihen aber nichts zurückzahlen. Aber die Bank sollte in meinem Auftrag ihre Kreditnehmer prüfen.
    Gibt es solche Banken noch?

    Eine Leserempfehlung
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    http://www.arbeitsgemeins...

    Sie können auch zu einer Genossenschaftsbank oder Sparkasse in Ihrer Nähe gehen.
    Da gibt es aber auch schwarze Schafe, wie beispielsweise die Kölner Stadtsparkasse, deren Machenschaften letztens in einem Artikel auf zeit-online, in Verbindung mit umtriebigen Investoren, beleuchtet wurde.

    Die Linke fordert nun schon seit Jahren eine Zerschlagung der großen Banken und eine effektive Regulierung, aber das Thema Lafontaine ist offenbar wichtiger.

    MfG
    AoM

    in Bochum

    wären auch die Genossenschaftsbanken. Die sind zwar auch nicht über jeden Zweifel erhaben - aber bislang sind die nicht durch große Zockereien aufgefallen.

    Wie man sehr gut an dem erwähnten Kölner Beispiel erkennen kann sind die (Spaß-) Sparkassen sehr eng mit der Politik verknüpft. Je nachdem haften Sie da mit für Größenwahn und Geltungssucht einiger Politiker a la Clement und Konsorten. Zudem zahlen die Sparkassen auch die Zeche für die Zockereien der Landesbanken.

    • hairy
    • 18. Mai 2012 14:37 Uhr

    GLS, Triodos und dergl.

    • Hamit
    • 17. Mai 2012 20:53 Uhr

    dieses System zum erliegen kommt, desto besser. Also seien wir dankbar für diese Großbanken, die den Prozess beschleunigen.

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