Bilder ihres Staatsbesuchs zeigen, dass sie ihm auf Augenhöhe begegnete. Auf einem stehen sie einander geradezu symmetrisch gegenüber; auf anderen lässt sich erkennen, wie sehr ihre Macht als Herausforderung empfunden wurde, da dominiert sie einschüchternd die Szene oder beugt demütig den Kopf. Sie war nicht nur mächtig, sondern auch reich, schön, klug, willensstark und wissbegierig – und entsprach so gar nicht dem, was als gottgewollte Natur der Frau galt. Stolz forderte sie ihn heraus, seinen berühmten Verstand unter Beweis zu stellen. Im Bewusstsein ihrer Würde machte sie ihm großzügige Geschenke, so brachte sie neben vielen Luxusgütern den Samen eines Baumes mit, der später von großer Bedeutung sein sollte. Er stand nicht zurück und "gab ihr alles, was ihr gefiel und was sie erbat". Ob sie eine Affäre hatten, darüber wurde viel spekuliert. Auf einem Doppelporträt halten sie einander an den Händen. Aber bezog sich das ihm zugeschriebene Gedicht, in dem sehnsuchtsvoll die Schönheit der Geliebten gepriesen wird, auf sie? Jedenfalls reiste sie zwar beeindruckt, aber so unabhängig, wie sie gekommen war, auch wieder ab.

Die Ehre ihres Besuches hatte sein Ansehen noch gemehrt, allenthalben wurde dieses Ereignis kolportiert und endlos erörtert. Und wie immer in solchen Fällen fantasievoll ausgeschmückt. Auch wie immer sprechen die Berichte Bände über die geistige Verfassung der Berichtenden. So heißt es in einer Darstellung, sie sei nicht aus freien Stücken zu ihm gekommen, sondern er habe sie geradezu vorgeladen, um sie von seiner Überlegenheit zu überzeugen. Um einen Krieg zu verhindern, den ihre Ratgeber schon für beschlossen hielten, habe sie der Aufforderung Folge geleistet. Dabei sei sie weniger von seiner Klugheit beeindruckt gewesen als von einem Zaubertrick überrumpelt worden und habe sich ihm unterworfen. Anderswo hieß es, sie habe zuvor einem Tyrannen den Kopf abgeschlagen und sich selbst zur Königin gemacht. Viele schilderten sie als Inbegriff der Verführerin, die den großen Mann mit ihrem exotischen Charme zu Fall brachte, aber aus Reue auf den rechten Weg gebracht wurde. Dann wieder wird berichtet, wie abstoßend er ihre haarigen Beine fand, als sie die Röcke raffte, um über einen Glasboden zu gehen, den sie für Wasser hielt. Manche bezeichneten sie als die vornehmste aller klugen Frauen, andere mühten sich, sie mit einer gewissen Heiligkeit zu versehen. Und immer wieder wurde gemunkelt, es sei mehr als eine Staatsaffäre gewesen, denn sie habe in der Folge einen gemeinsamen Sohn zur Welt gebracht. Dieser habe später ein Heiligtum aus dem Land seines Vaters in das der Mutter entführt, und über ihrem Palast sei ein Gebäude errichtet worden, um es zu bewahren. Trotz seiner illegitimen Geburt wurde dieser Sohn zum Vater einer Dynastie erklärt, deren letzter Spross sich noch im 20. Jahrhundert als ihr Nachkomme bezeichnete. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 20:

Mick Jagger (*26. Juli 1943), Sänger und Kopf der Rolling Stones, feiert in diesem Jahr 50-jähriges Bandjubiläum. Immer wieder wurde das Ende der Band verkündet, immer wieder gab es doch noch eine Live-Tour. Viele Songs der Stones, von "Let’s Spend The Night Together" bis zu "Angie", sind musikalische Meilensteine des 20. Jahrhunderts. Jagger mag auch Solo-Projekte; 2011 veröffentlichte er eine CD mit der neuen Band SuperHeavy , der unter anderem Joss Stone und Dave Stewart angehören. Wie sein Stones-Mitstreiter Keith Richards wuchs er in Dartford auf, pflegte stets sein Image als Womanizer, hat sieben Kinder von vier Frauen. Das Zitat stammt von Marianne Faithfull . 2003 wurde Michael Philip Jagger von der Queen zum Ritter ernannt