Das Rad ist ohne Zweifel eine der besten Ideen, die der Mensch in seiner Geschichte hatte. Zumal es tatsächlich in der Natur dafür kein Vorbild gibt. Wieso hat die Evolution nie diese geniale und energiesparende Konstruktion erfunden?

Räder funktionieren nur dann gut, wenn es auch eine Straße gibt – das weiß jeder, der mit seinem Auto mal auf einem Acker gelandet ist. Aber auf ebenen Flächen kann man sich auch in der Natur rollend fortbewegen. Das nutzen Pflanzen (die Bodenläufer, englisch tumbleweed) und Tiere wie Raupen, Gürteltiere, Salamander und Spinnen. Aber dabei rollt der ganze Körper – als Rad bezeichnen wir doch eher ein drehendes Teil an einem ansonsten festen Körper.

Und das zu konstruieren ist für Lebewesen gleich aus mehreren Gründen schwierig, wenn nicht unmöglich: Erstens geht die Evolution nicht zielgerichtet vor, sie schlägt eine Richtung nur ein, wenn schon jeder kleine Schritt dahin einen Vorteil bietet – das Rad nützt aber nur dann etwas, wenn es voll entwickelt ist. Des Weiteren wäre es ein Körperteil, das völlig separat vom restlichen Körper wäre – das gibt es in der Natur nicht. Um es mit Nährstoffen zu versorgten, brauchte es eine "leitende Verbindung", die sich hoffnungslos verdrillen würde.

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Die einzigen Wesen, die über rotierende Körperteile zur Fortbewegung verfügen, sind die prokaryotischen Bakterien. Sie haben an ihrer Außenseite fadenförmige Flagellen, die sie wie Propeller rotieren lassen. Als "Rad" kann man diese Fädchen aber nicht bezeichnen.

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