ErbgutanalyseWas Mutters Blut verrät

Ein neuer Test erleichtert die Früherkennung von genetischen Schäden bei Föten. Wird die Erbgutanalyse bei Ungeborenen zur Routine? von 

Vielleicht wird 2012 im Rückblick einmal als ein besonderes Jahr betrachtet werden. Eines, in dem sich der Blick auf werdendes Leben nachhaltig veränderte. Ähnlich wie 1978, als die Idee des Retortenbabys mit der Geburt von Louise Brown erstmals Realität wurde, könnte 2012 das Jahr sein, in dem die genetische Durchleuchtung der Leibesfrucht zum Standard zu werden begann.

In Kürze wird das Konstanzer Unternehmen LifeCodexx einen Test auf den Markt bringen, den viele als Segen, manche dagegen als Fluch empfinden dürften. Denn der »PraenaTest« soll die frühe Entdeckung von Föten mit Downsyndrom massiv erleichtern. Bereits ab der 12. Schwangerschaftswoche erhalten Eltern und Ärzte eine sichere Auskunft, ob der heranwachsende Mensch von dieser häufigsten Form angeborener geistiger Behinderung betroffen ist. Für die Inspektion des werdenden Lebens reichen ein paar Milliliter Blut der Schwangeren.

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Seit rund einem Jahr wird der Test bereits erfolgreich erprobt, nun geht mit seiner Einführung in Deutschland ein lang gehegter Wunsch vieler Frauenärzte in Erfüllung. Denn der Test kann risikobehaftete Eingriffe in den Mutterleib überflüssig machen.

Bisher lassen sich Störungen im Erbgut eines Fötus, wie etwa das Downsyndrom, nur durch invasive Fruchtwasseruntersuchungen oder Gewebeentnahmen zweifelsfrei ausschließen. Allein 31.000 Amniozentesen haben deutsche Krankenkassen 2009 bezahlt. Doch in mindestens einem von 200 Fällen führen die Prozeduren, bei der Mediziner Zellen des Fötus für die Untersuchung gewinnen, zu einer Fehlgeburt. Jahr für Jahr dürften der invasiven Diagnostik einige Hundert gesunde Föten zum Opfer fallen. Mit dem neuen Verfahren, so werben ihre Befürworter, könne die Mutter Gewissheit bekommen, ohne dass sie das Leben ihres Kind riskiert.

Chromsomenfehler

Nach der Zeugung eines Menschen kann es zu Fehlern kommen. Es kommt vor, dass in den Zellen des Nachwuchses eines der 46 Chromosomen fehlt (Monosomie) oder überzählig ist (Trisomie). Das passiert, wenn sich zuvor während der Bildung der Keimzellen der Eltern, der Chromosomensatz nicht auf 23 halbiert hat. Dramatische Chromosomenfehler führen zu einem Abort, zu einem frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft.

Dagegen können Kinder mit Trisomie 18 oder 13 lebend geboren werden, sterben aber meist sehr früh. Menschen können mit Abweichungen der Zahl des Geschlechtschromosoms X leben: Frauen mit einer Monosomie X oder Trisomie X und Männer mit zwei X- und einem Y-Chromosom (Klinefeltersyndrom).

Ebenfalls lebensfähig und häufig sind Kinder, bei denen ein überzähliges Chromosom 21 vorhanden ist: Diese Trisomie 21 führt zum Downsyndrom und kommt gegenwärtig in Deutschland bei einer von 500 Schwangerschaften vor.

Risiko einer Trisomie

Das Risiko dafür ist fast ausschließlich vom Alter der Mutter abhängig. Auch bei jüngeren Schwangeren kann der Fötus Merkmale des Downsyndroms haben, die Häufigkeit steigt aber jenseits des 35. Lebensjahres steil an: Sind bei 25-Jährigen noch deutlich unter 0,1 Prozent der Schwangerschaften betroffen, steigt die Gefahr bei Frauen mit 35 auf 0,3 Prozent. Bei Schwangerschaften im Alter von 40 Jahren hat bereits eines von hundert Kindern eine Trisomie 21, mit 48 sind es neun von hundert.

Vorgeburtliche Untersuchungen

Nach Erhebungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2004 nutzen 85 Prozent der Schwangeren die Möglichkeit vorgeburtlicher Untersuchungen. Ab 35 Jahren wird ihnen im dritten Monat die sogenannte Ersttrimester-Untersuchung angeboten. Mittels Ultraschall untersucht der Arzt den Fötus auf verschiedene Auffälligkeiten. Dazu gehören etwa die Nackentransparenz, Herzanomalien, die Größe des Kindes und die Fruchtwassermenge. Die verschiedenen Befunde gehen dann in einen Risikowert ein.

Aber selbst wenn das Ergebnis einen Verdacht auf Trisomie 21 nahelegt, trifft dieser nur in fünf bis zwölf Prozent dieser Fälle tatsächlich zu. Deshalb wird den sogenannten Hochrisikoschwangeren zusätzlich eine Punktion des Fruchtwassers angeboten, um in den im Fruchtwasser enthaltenen Zellen des Fötus eine Chromosomenanalyse durchzuführen. Erst diese Analyse liefert dann die definitive Diagnose. Das Risiko der Untersuchung ist allerdings hoch: Bei rund einem Prozent der Eingriffe kommt es zu Komplikationen mit der Folge einer Fehlgeburt.

Kritiker warnen allerdings, der Test werde nicht nur die Diagnose, sondern auch unseren Umgang mit Risikoschwangerschaften und Behinderung nachhaltig verändern. Was mit der Untersuchung auf Downsyndrom (Trisomie 21) beginnt, könnte sich bald auf andere Erbschäden ausweiten. Die unkomplizierte Anwendung des Bluttests könnte ihn in nicht allzu ferner Zukunft zur Routineuntersuchung werden lassen.

Zudem dürfte ein Abbruch leichterfallen als bisher. Denn das Verfahren kommt in einem Stadium zum Einsatz, in dem die Schwangere – der Fötus wiegt gerade vier Gramm und misst eine halbe Fingerlänge – für ihr Umfeld noch nicht als werdende Mutter erkennbar ist. Die »Schwangerschaft unter Vorbehalt«, prognostiziert der Humangenetiker Wolfgang Henn, werde künftig zum sozialen Standard.

Was Schwangere in Deutschland erwartet, hat jenseits des Atlantiks schon begonnen. Seit Oktober 2011 bietet das amerikanische Unternehmen Sequenom dort den Bluttest unter dem Namen »MaterniT21« (Werbeslogan: »klar, bequem, überzeugend«) zur vorgeburtlichen Untersuchung an. Bis zum März dieses Jahres hatten die Firmenlabors in San Diego 3.500 Schwangerschaften auf ein Downsyndrom überprüft. Inzwischen entwickeln weitere Unternehmen eigene Untersuchungsverfahren.

Leserkommentare
    • JLee
    • 21. Mai 2012 12:43 Uhr

    Geradezu lächerlich erscheint die Reaktion der Bundesregierung, hier den völlig rückständigen Ethikrat, um eine Stellungnahme zu bitten.
    Man könne doch schließlich nicht gestatten, dass nur noch gesunde Kinder zur Welt kommen. Wer kauft denn dann noch die lebenslang benötigten Pflegeleistungen und Medikamente.

    Traurig wie sich das sonst so progressive Deutschland hier mit allen Mitteln gegen gesunde Kinder wehrt, nur aus "ethischen" Bedenken, es könnte zu Ungleichheit führen.

    Dagegen gibt es ein einfaches Mittel: Die Früherkennung auf alle(!) Schwangeren ausdehnen, ohne das diese zuzahlen müssen. Schon ist kein Mensch mehr mit irgendwelchen Fehlern vorbelastet.

    Dass dies natürlich den Christdemokraten übel aufstößt, ersetzt man Gott nun auch noch bei der Schwangerschaft durch den Wissenschaftler, ist natürlich klar. Noch mal Jahrzehnte verschenken, nur weil man einem Aberglauben anhängt und vor allem noch mehr Menschen in ein Leben mit Behinderung zwingen, ist aber definitiv keine Alternative.

    Deshalb die Grundlagenforschung legalisieren und sämtliche auf Aberglauben basierenden Vorbehalte ein für alle Mal aus den gesetzbüchern streichen. Zeit wird es!

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    • vadeho
    • 21. Mai 2012 15:33 Uhr

    Sie sind mit der von Ihnen geäußerten Meinung ein Paradebeispiel für ein Selbst ohne weite Perspektive. Sie haben, vielleicht gar selbst gewählt, nur wenige Möglichkeiten der Erfahrung und der Erklärung dessen, was es gibt. Daher läuft in Ihrer Argumentation alles auf eine Dichotomie von Wissenschaft und „Aberglauben“ hinaus. Zum „Aberglauben“ stecken Sie, auch wenn Sie dies nicht explizit aussprechen, wahlweise alles hinzu, was irgendwie Werte setzt bzw. mit Werten argumentiert.

    Ihr Einleitungssatz entlarvt schon ihre ganze intellektuelle Armut. Sie halten von Ethik nichts? Das können Sie so sehen, aber Sie leben in einer Gemeinschaft, die historisch an moralischen Maßstäben gewachsen ist und Sie genießen ein Leben in relativer Sicherheit und wahrscheinlich nicht gerade geringem Wohlstand u.a. deshalb, weil viele der modernen Gesellschaften sich an diesen moralischen Gütern ausgerichtet und ausdifferenziert haben. So auch die unsrige. Warum? Weil diese Güter eine solide Basis für ein Miteinander sind und auf die eine oder andere Weise unser ganzes Selbstverständnis als Subjekte geprägt haben. Zudem bilden Sie zumindest teilweise den Hintergrund für die Gesetzgebung und Rechtsprechung und damit für die Akzeptanz oder zumindest die Legitimität von Herrschaft. Ohne diese moralischen Güter ist der Begriff Legitimität sinnlos.

    • vadeho
    • 21. Mai 2012 15:35 Uhr

    Ihr Zitat: „Schon ist kein Mensch mehr mit irgendwelchen Fehlern vorbelastet.“
    Ich:
    Wo beginnt ein Fehler, was ist das? Wer bestimmt das? Es ist Leben. Was würde das Kind denn sagen, wenn es alt genug ist, wenn es die Wahl hätte mit einer Behinderung zu leben oder lieber nie gelebt zu haben? Sicher würde es bei den Betroffenen verschiedene Ansichten über den Wert ihres eigenen Lebens geben. Das ist aber Ihre Entscheidung und abhängig von Ihren subjektiven Erlebnissen und Empfindungen und Niemand kann darüber urteilen. Sie schon gar nicht, da Sie sich nicht einmal die Mühe machen, soweit zu denken, dass ein Leben auch in einem imperfekten Körper geliebt werden kann. Und auch ein Wesen ohne Selbstreflexion kann genießen und hat einen Überlebens-“Trieb“. Und Sie können nicht behaupten, dass es keinen Menschen gäbe, der trotz eines von Ihnen festgesetzten „Fehlers“ das Leben genießt und liebt. Zuletzt, und das ist tatsächlich ein zynischer Hieb in Ihre Richtung, glaube ich nicht, dass ihre gedanklichen Fehler einfach verschwinden, wenn „fehlerhafte“ Babys nicht geboren werden. Es wäre vielmehr traurig, wenn diese Babys wegen Ihrer primitiven „fehlerhaften“ Schlüsse nicht geboren würden. Aber zum Glück sind nicht alle so eindimensional wie Sie.
    Tragischer Weise sind es jedoch meist diejenigen, die sich als fehlerfrei betrachten, die in dieser falschen Selbstgewissheit Ihre Lebensentwürfe anderen aufzwingen.

    • vadeho
    • 21. Mai 2012 15:36 Uhr

    Und Ihre Ideologie, den Fehler auszumerzen, führt nicht geradewegs ins Paradies. Der Unterwerfung unter die Ideologie der totalen Funktionalität, die den Nutzen vergöttert und Nichtnützliches, anstrengendes verachtet und diesem das Daseinsrecht ohne Debatte (denn die lassen Sie ja gar nicht erst zu; man lese Ihren Beitrag als Beweis) bestreitet. Egal, ob es sich um Leben handelt oder Nicht. Ungeborenes Leben ist erst der Anfang (und das spricht für sich!) in der Verselbstständigungskette dieser Ideologie, die sich im Denken Ihrer Anhänger als objektiv und rationalistisch feiert und begreift, dabei aber sich selbst täuscht und sich selbst über die Herkunft Ihrer eigenen Quellen betrügt. Denn diese Quellen sind auch Güter. Es wäre das von Menschen wie Ihnen einzugestehen und desweiteren zu erläutern, warum Ihre Güter vor allen Anderen Beachtung finden sollten? Dieser Vorrang ist nicht naturgegeben.
    Aber dort, wo gelebt wird, werden Sie niemals vollständige Kohärenz und vollständige Funktionalität finden. Sie werden zum Beispiel immer wieder vor Taten stehen, bei denen Menschen andere auslöschen, ob nun absichtlich oder im Wahn. Und Sie werden auch in diesen Fällen feststellen, dass Ihre Dichotomie zwischen krank und gesund real verschwimmt und nichts erklärt. Und dass Sie sie im Stich lässt.

    ...ist das hier. Wir hatten letztes Jahr ein Kind und während der Schwangerschaft Verdacht auf DS gehabt, uns aber entschieden dass wir das Kind genauso lieben werden, wie es ist, mit allen Stärken & Schwächen und uns daher entschieden den Test NICHT zu machen. Das haben wir kein Stück bereut & das Kind ist Gott sei Dank dann auch "heile" also ohne DS bzw. sonstiges zur Welt gekommen.

    Also Leute, wir haben alle unsere Stärken & Schwächen und wer nicht einsieht, dass diese permanent zunehmenden "Tests" irgendwann bald zur vollständigen Klassifizierung der Menschen durch regierende Kräfte ausgenutzt werden, strotz nur so vor blinder Naivität. Solange wir über die freiheitliche Gesellschaft reden dürfen jedenfalls solche Tests niemals zwangsweise, sondern ähnlich der Impfung stets nur durch freiwillige Zustimmung der Eltern geschehen. Wehret den Anfängen!

    schade, dass es noch keinen Test gibt, durch den man Behindertenfeindlichkeit rechtzeitig erkennen kann. Dafür würde ich auch viel Geld ausgeben. Aber wahrscheinlich ist dieses Phänomen eher umweltbedingt und es hilft nur eine frühzeitige Intervention.
    Trotzdem hoffen kann man ja.
    Denn nichts ist unmöglich --> Fortschritt!!
    herrlich :)

    auf Deine diskriminierende Hasstirade geantwortet haben, dem kann ich mich nur anschließend. erschreckend finde ich auch die 14 Leser_innen-Empfehlungen, und frage mich, wer hier noch so alles mit einer solch inakzeptabel ignoranten Haltung unterwegs ist - um diese Haltung dann mit den Federn der Progressivität zu schmücken. Ich sage dazu: Nein! Richtig und wichtig ist nicht, 'Anderen' sogenannte 'Fehler' zuzuschreiben. Richtig und wichtig wäre es, hier mal über gesellschaftlich re_produzierte Normen und Werte eine Auseinandersetzung anzustrengen; ein bisschen Nachdenken kann da nur weiterhelfen, Lesen bildet auch, und letztlich empfehle ich hier mal einen lebensechten Kontakt mit/zu den Menschen, denen Du hier so ohne Weiteres ein Recht auf Zugang und Leben zu/in dieser Welt aberkennst. (Mich überrascht auch die [unkommentierte] Vermessenheit daran). Ich sehe den Artikel in keinem anderen Kontext, als wenn es um 'homosexuell' oder sonstwie potentiell als 'Anders' konstruierte geborene (oder potentiell geborene) Kinder ginge und finde es auch sehr erschreckend, dass ein solch diskriminierender und ignoranter Kommentar noch immer hier stehen darf. Und nochwas: Menschen, die als Fussballfans geboren werden, kosten die Steuerzahlenden übrigens im Laufe ihres Lebens auch so Einiges.

    zu dieser lächerlichen [Zitat JLee] Dichotomie von vermeintlicher Progressivität und 'rückständigen' christlichen Werten. Ich bin nicht religiös und "dennoch" mensch genug erkennen zu können, dass [systematischer] Ausschluss vermeintlich 'Anderer' nicht nur - um das Wort hier wiederzugeben - unethisch, sondern auch zutiefst menschenfeindlich ist. Es geht hier nicht um christliche Werte, sondern um die Frage in was für einer Gesellschaft wir leben wollen. Ich für meinen teil bevorzuge eine Gesellschaft ohne Hinrichtungen.

    @JLee

    Leider verkennen Sie, dass die Ungleichheit zwischen den Menschen ihr Ende in jenem Bereich findet, in welchem der Wert des Menschen definiert wird. Gewiss lässt sich die Ungleichheit nuancieren und differenzieren, doch macht weder eine persönliche Individualität, noch eine Verschiedenheit in Psyche oder Physis, einen Unterschied im Wert des Menschen aus.

    Durch die Prävention von Geburten behinderter Menschen, wird mithin keine Gleichheit geschaffen, sondern eine Ungleichheit, weil man sich anmaßt den unantastbaren Menschenwert, so zu formen wie es einem beliebt und nötig ist - um legitim Richter und Henker zu spielen.

    Ihr Wunsch eine menschliche Spezies ohne "Fehler" zu züchten, möchte ich gar nicht näher analysieren, denn ich müsste dann aufwischen, was mir hoch käme.

    Ich sage Ihnen mal etwas: Die Fehler, mit denen andere Menschen behaftet sind, finden ihren Ursprung in der Wahrnehmung des die Fehler Wahrnehmenden. Jenen Menschen die Existenzberechtigung abzusprechen, denen Sie oder die Gesellschaft ein fehlerbehaftetes Wesen attestieren, spricht Ihnen, die eigene ab.

    Von einem behinderten Menschen, habe ich noch nie einen solch widerlichen Unfug gelesen wie von Ihnen. Und diese wollen sie ihrer Existenzberechtigung berauben? Wahnsinn.

    So,@JLee,ich springe Ihnen jetzt mal bei mit folgenden Argumenten:Wir tun auch jetzt schon alles,um unseren Kindern ein möglichst unversehrtes Leben zu gewährleisten,wieso an diesem Punkt aufhören.Das hat nichts mit der Anfeindung Behinderter zu tun,wenn sich eine Familie aus welchen Gründen auch immer außer Stande sieht,ein behindertes Kind großzuziehen.Sie können sich ja auch ganz bewusst für das Austragen entscheiden genauso wie Sie Ihrem Kind eine Fahrradhelm aufsetzen können oder auch nicht.(Die meisten Behinderungen sind übrigens gar nicht angeboren,sondern erworben.das Risiko kann auch auf diesem Weg nicht eleiminiert sondern nur reduziert werden)Und jedem,der jetzt sagt:Dann sollen sie eben gar keine Kinder kriegen!Es zeugt von unglaublichem Realitätsverlust zu behaupten,der Kampf mit Pflege- und Rentenkassen,die auf jeden Fall länger dauernde Fürsorge,der Mehraufwand an Zeit und Geld,den das IN JEDEM FALL mit sich bringt,sei vergleichbar oder gar nicht existent.Das ist ein höherer Schwierigkeitsgrad.Und keine Familie,die sich dieser Aufgabe nicht stellen will oder kann,ist hier zu verurteilen!Oder würden Sie, die hier Gift und Galle spucken,persönlich ganz konkret und verpflichtend einer solchen Familie sagen:"Tragt es aus,ich helfe Euch und kümmere mich"? Wenn éin solcher Test zur Verfügung steht, werde wir ihn wahrnehmen.Wenn Sie wissen wollen,wieso,schreiben Sie mir ruhig eine Nachricht.Ich erläutere es Ihnen auch gern ausführlicher als hier möglich.

  1. ... und das, obwohl das Down-Syndrom mit einer eher leichten geistigen Behinderung einhergeht. Ich will nicht in Abrede stellen, dass die Geburt eines behinderten Kindes eine Familie in eine tiefe Krise stürzen kann, und dass nicht jeder damit umgehen kann und möchte. Aber meine Eindruck von Menschen mit Down-Syndrom ist, dass diese nicht per se unglücklicher als andere Menschen sind - vielleicht eher im Gegenteil. Es gibt wahrlich schlimmere genetische Erkrankungen, auf die es sich zu testen lohnen würde, weil manche davon zunächst scheinbar gesunde Kinder nach Jahren qualvoll töten können.
    Menschen mit Down-Sydrom können eine große Bereicherung unserer Gesellschaft sein, wenn man sie teilhaben lässt und gut unterstützt. Ich finde es unethisch, ausgerechnet hier quasi standardmäßig vorgeburtliche Selektion zu betreiben. Wohin soll das führen? Letztlich kann jeder Mensch jeden Tag hilfsbedürftig werden - und dafür sind wesentlich häufiger Unfälle verantwortlich als angeborene genetische Defekte.
    Frühtests aufs Downsyndrom sind für mich vor allem auch Geschäftemacherei mit der Angst werdender Eltern.

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    • bayert
    • 21. Mai 2012 15:34 Uhr

    diese dienen ja auch dazu, den Gesundheitszustand des Fötus zu ermitteln.

    P.S.: Die meisten Behinderungen entstehen durch Krankheiten, Unfälle, oder durch die Geburt.

  2. Die "Lösung" bei einem positiven Test heißt zu 90% Abtreibung. Das ganze läuft also darauf hinaus, nicht-gesunde Kinder zu identifizieren und anschließend zu töten.

    Solche Programm hatten wir ja in Deutschland schon mal und außer den Kirchen hat damals auch niemand protestiert. Selbst die nach außen vorgetragenen 'Argumente' sind die gleichen, es geht um angebliche "Humanität" und in Wahrheit um die Kosten für behinderten Menschen. Unsere 'liberale' Welt will nur junge, gesunde und nützliche Menschen, alle anderen sollen verschwinden.

    Man muss sich auch klar machen, was dieser Test für Eltern bedeutet, die ihn _nicht_ machen und ein behindertes Kind bekommen. Die müssen sich selbst heutzutage schon anhören, "ob man das nicht frühzeitig hätte erkennen und was dagegen tun können". Wie soll das erst ín Zukunft werden.

    Die 'liberale' Welt hat ein ganz dünne Firnis und direkt unter der Oberfläche steckt die nachtschwarze Dunkelheit.

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    Hätten sie nicht mit konventionellen Argumenten antäuschen können bevor sie die Nazikeule bemühen?

    Ich will das meine Kinder gesund zur Welt kommen. Viele andere auch. Gewöhnen sie sich daran, den Fortschritt werden sie nicht aufhalten können.
    Vor allem in Fällen wie diesem, wenn es sich um etwas gutes handelt von dem unzählige Familien profitieren werden.

    nicht Kinder werden getötet sondern Föten abgetrieben. Und das macht, glauben Sie mir, sich niemand leicht.

    theodor groppe, für Ihren Kommentar. Ich sehe es wie Sie. Die "hauchdünne Firnis" ist ein gutes Bild. Ich bin schon seit längerer Zeit erschrocken von dem Euthanasiedenken vieler meiner Zeitgenossen. Ich bin Vater eines 20-monatigen (gesunden) Sohns. Meine Frau und ich hatten uns vor seiner Geburt ganz bewusst gegen eine Pränataldiagnostik entschieden – und standen mit dieser Entscheidung praktisch allein auf weiter Flur. Selbst gute Freunde sprechen offensichtlich Behinderten ein Lebensrecht ab, sofern es pränatal zu verhindern ist. Es gibt kein Recht auf das perfekte Kind, bald vielleicht aber eine Pflicht. (Ich sehe schon das Kleingedruckte in den Versicherungspolicen der Krankenversicherungen: "Die Supergesund AG schließt eine Übernahme von Therapiekosten für Vorerkrankungen, oder deren Folgen die den Versicherungsnehmern bei Vertragsabschluß bekannt waren, aus. Dies schließt auch pränatale ärztliche Diagnosen ein.")

    Ich will nicht in einer technokratischen Selektivgesellschaft leben. Aber sie wird leider kommen.
    Es ist schon beeindruckend, wie überlegen unsere westlichen Werte denen der sog. Schurkenstaaten sind.

    • Loreni
    • 21. Mai 2012 13:06 Uhr

    Die Kassen werden sehr schnell darauf kommen dass es günstiger ist, einen solchen Test zu bezahlen denn einen Menschen mit Behinderung. Finde die Vorstellung abartig, dass es irgendwann heißt "Entweder Sie machen den Test oder tragen die Folgekosten im Falle einer Behinderung eben selbst". Die armen Frauen.

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    • Ffm74
    • 21. Mai 2012 13:54 Uhr

    Auch die heutigen Tests sind schon kostengünstiger als die Folgenkosten eines behinderten Kindes. Trotzdem zwingen die Krankenkassen niemanden zu diesen Tests.

    • efm
    • 21. Mai 2012 13:11 Uhr

    Gerne würde ich "JLee" die Gelegenheit geben, meinen Sohn kennen zu lernen. Ich wäre sehr gespannt, ob "JLee" meinem Sohn mitteilen würde, daß er mit "Fehlern vorbelastet" ist und zu einem Leben mit Behinderung gezwungen wurde.
    Der Beitrag von "JLee" zeigt sehr schön, daß es nicht nur eine Frage der Gene ist, wie behindert ein Mensch ist.

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    Man darf nich den Wunsch nach einem Kind ohne handycap mit der Abneigung von solchen Kindern verwechseln.

    Ich finde es ist nur natürlich, dass Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder in irgendeiner Form krank sind. Man sollte diese Eltern nicht deswegen verurteilen. Genau so wenig, wie man jene verurteilen sollte, die sich für ein Kind mit einem solchen Gendefekt entscheiden.

    Letztlich muss die Mutter entscheiden, denn es geht um ihren Bauch.

    Ich als Mann würde aber vermutlich zu einer Abtreibung tendieren und Früherkennung von Krankheiten befürworten.

    • JLee
    • 21. Mai 2012 14:20 Uhr

    ... wenn Sie die Möglichkeit gehabt hätten, ihrem Kind seine Defizite zu ersparen, hätten Sie dies getan.

    Natürlich würden die Eltern behinderter Kinder diese nie gegen ein anderes eintauschen, klar dürfte aber auch sein, dass dies anders herum auch nie der Fall wäre.

    Will sagen: Sie lieben ihr Kind, weil es ihr Kind ist. Sein Zustand spielt dabei keine Rolle. Ob mit oder ohne Fehler, die Liebe ist die selbe.

    Deshalb zu fordern andere Paare dürften nicht entscheiden ob ihr Kind frei von Behinderungen ist, halte ich für abgrundteif widerwertig. Finden Sie sich damit ab, dass der Wunsch nach einem gesunden Kind nicht der Hass auf Behinderte ist und dieser schon gar nicht dadurch zunichte gemacht werden sollte, dass einige von Aberglauben getriebene Politiker ihr kurz vor dem Ableben stehendes Klientel bedienen wollen.

    Es gehört überigens zum Evolutionsprozess, dass genetische Defizite irgendwann ausgemerzt sein werden. Wahrscheinlich fordern Menschen wie Sie dann eine Quote an behinderten Kindern die geboren werden müssen.

    Ich kann Sie sehr gut verstehen. Ab wann ist ein Mensch "behindert"? Im Grunde sind es fließende Übergänge. Ich sehe auch Unterschiede darin, ob ein Krankheitsbild den betroffenen Menschen "behindert" oder die Mitmenschen, bzw. die Gesellschaft.

    Asthma oder Mukoviszidose "behindern" das Kind mit Sicherheit anders und stärker als ein Down-Syndrom.

    Auf dem Ultraschallbild meiner Enkelin sah der Arzt eine kleine Anomalie, die auch als Symptom bei Trisonomie 21 auftritt. Obwohl der Arzt versicherte, dass dieses Symptom in 99% der Fälle mit dem Wachstum des Fötus wieder verschwindet, diskutierten meine Tochter und ihr Mann darüber, was sie jetzt tun sollten.

    Sie kamen zu dem Entschluss, dass es ihr Kind sei, dass auch dieses Kind eine schöne Kindheit haben sollte, dass es nur ein wenig mehr gefördert werden müsste.

    Mein Enkelkind ist vor einigen Monaten gesund geboren. Was aber auch ein entscheidender Faktor der Überlegung meiner Tochter war:
    Wenn ich mein zweites Kind wegen einer Behinderung, die das Kind selber ja nicht einschränkt, abtreiben würde, hätte ich ein ganz schlechtes Gewissen auch meiner ersten Tochter gegenüber. Denn ich könnte dann den Gedanken nicht loswerden, sie durfte leben, weil sie "makellos" und "perfekt" ist. Darauf möchte ich meine Kinder und auch andere Menschen nicht reduzieren.

  3. Hätten sie nicht mit konventionellen Argumenten antäuschen können bevor sie die Nazikeule bemühen?

    Ich will das meine Kinder gesund zur Welt kommen. Viele andere auch. Gewöhnen sie sich daran, den Fortschritt werden sie nicht aufhalten können.
    Vor allem in Fällen wie diesem, wenn es sich um etwas gutes handelt von dem unzählige Familien profitieren werden.

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    • Sariko
    • 21. Mai 2012 14:15 Uhr

    Pränataldiagnostik ist ein schwieriges Thema und ich würde niemals eine Familie verurteilen, die sich gegen ein behindertes Kind entscheidet. Aber ich denke doch, dass man die Dinge beim Namen nennen muss:

    Es geht nicht darum, dass Kinder gesund zur Welt kommen. Es geht darum, dass kranke Kinder NICHT zur Welt kommen.

    Ich verstehe Ihren Wunsch nach einem "gesunden" Kind. Aber bitte lassen Sie sich nicht zu der Fehlannahme verleiten, dass dieser Test alle genetisch bedingten Behinderungen erkennen kann. Das Evolutions-Roulette ist der menschlichen Wissenschaft weit voraus. Dieser Test erkennt Trisomie21. Er sagt nichts über de-novo Genmutationen oder gar deren Auswirkung, er verspricht Ihnen nicht, dass das Kind während der Geburt nicht entscheidende Sekunden sauerstoff-unterversorgt sein wird oder dass es durch einen unglücklichen Unfall mit Kopfverletzung später doch noch behindert sein wird.
    Behinderungen per se können nicht verhindert werden. Warum ausgerechnet Trisomie21 Menschen aussortiert werden sollen, die sich bei guter Förderung sogar oft auf dem ersten Arbeitsmarkt behaupten können, muss uns wohl die Marketingabteung der Firma erklären, welche diese Tests anbietet.
    Sicherheitshalber sollten Sie sich auch mal den Blick aus einer anderen Perspektive gönnen: mein geistig behindertes Kind wird ziemlich sicher niemals Arzt oder Entwicklungshilfeminister. Aber es wird garantiert nie Neonazi, kriminell-gewalttätiges Bandenmitglied, Zuhälter, Waffenhändler oder auch nur Investmentbanker, der auf den Niedergang von Staaten spekuliert, um seinen Bonus zu vergrössern.

    Was Einer als Fortschritt definiert, definieren Andere als Rückschritt. Fortschritt bedeutet einerseits, verschiedener Meinung sein zu dürfen, aber auch, und das ist ganz zentral, verschieden sein zu dürfen. gesund oder krank, wer entscheidet das? und warum sollten die, die schon hier sind, darüber entscheiden, wie die aussehen, die nach uns kommen? und was sie tun? und wie glücklich sie sind? und wie glücklich sie Andere machen? Wie sollten wir das jemals wissen können?

    • Ffm74
    • 21. Mai 2012 13:54 Uhr

    Auch die heutigen Tests sind schon kostengünstiger als die Folgenkosten eines behinderten Kindes. Trotzdem zwingen die Krankenkassen niemanden zu diesen Tests.

    Antwort auf "Und dann? "
  4. 8. Föten

    nicht Kinder werden getötet sondern Föten abgetrieben. Und das macht, glauben Sie mir, sich niemand leicht.

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    • malera
    • 21. Mai 2012 23:42 Uhr

    Und da Sie es sich nicht leicht machen, weisen Sie eben lapidar auf einen sprachlichen Unterschied zwischen Kind und Fötus hin.

    Was sagen Sie denn damit - wenn Sie wirklich fähig und bereit sind, es sich nicht leicht zu machen?

    Dass Sie es sich damit ja schon breits leicht gemacht haben?

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