Berufswahl: Das Zitat... und Ihr Gewinn
Jean Cocteau sagt: Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.
Wer das Spieglein an der Wand fragte, welcher Beruf der sicherste im ganzen Land sei, bekam zeitweise die Antwort: »Lehrer!« Alle Zeitungen berichteten vom Lehrermangel, alle Politiker riefen nach neuen Pädagogen, und viele Abiturienten schlugen denselben Berufsweg ein: Lehramt. Etliche von ihnen konnten ihre pädagogischen Fähigkeiten später beim Umgang mit betrunkenen Fahrgästen gebrauchen, die sich in ihre Taxis verirrten. Freie Lehrerstellen? Fehlanzeige.
Wann immer Ihnen ein Beruf als der sicherste, eine Fortbildung als die gefragteste, eine Branche als die zukunftsfähigste verkauft wird, rate ich zur Skepsis. Denn es gibt eine »unübersehbare Zahl von Nachläufern«, wie Cocteau schreibt. Gut möglich, dass der heutige Mangel in ein künftiges Überangebot mündet.
Dieses Phänomen hat in der Wirtschaft einen Namen: Schweinezyklus. Was taten die Züchter, wenn es am Markt einen Mangel an Schweinen und folglich hohe Preise gab? Mehr Schweine züchten, um künftig noch mehr Gewinn zu machen. Da diese Idee nicht nur einem Züchter, sondern nahezu allen kam, waren einige Jahre später ein Überangebot, sinkende Preise und herbe Verluste die Folge.

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".
Und wie reagierten die meisten Züchter auf das Überangebot? Sie reduzierten die Zahl ihrer Tiere. Wer das nicht tat, wer also gegen den Strom schwamm, war gut dran: Ein paar Jahre später gab es nämlich wieder einen Mangel an Schweinen – und damit hohe Preise.
Daraus folgt: Wer heute ein (Zweit-)Studium antritt, sollte auch Fächer in Erwägung ziehen, die in den letzten Jahren überlaufen waren – und deshalb gerade nur von ganz wenigen angesteuert werden. Dasselbe gilt bei der Wahl einer Branche, einer längerfristigen Fortbildung oder auch beim Gründen einer Firma: Vor allem Märkte, die im Moment als überfüllt gelten, können nach einer Bereinigung wieder exzellente Chancen bieten – für den, der dann schon aufgestellt ist und nicht erst dem Trend hinterherhechelt.
Im Beruf gilt eben dieselbe Erfolgsregel wie beim Eishockey: Die besten Spieler stehen nicht dort, wo der Puck gerade ist, im Gedränge, sondern dort, wo er gleich sein wird – im freien Raum. Wer sich mehr auf seinen eigenen gesunden Weitblick und weniger auf die Einflüsterungen der Trendmacher verlässt, ist der Konkurrenz schon einen Schritt voraus.








der Gedanke, der mich seit Beginn meines Abiturs verfolgt.
Gelernt habe ich Mechniker, Maschinenbaustudium wäre die logische folge, aber das macht im Moment jeder.
Oder ist der Ingenieursmangel doch nur eine Erfundung der Industrie um die Löhne zu senken?
NIcht genaues weiß man nicht.
Naja, vielleicht habe ich durch Lehre und Beruferfahrung ja einen Vorteil.
...kannst du leicht herausfinden, wenn du die Job-Anzeigen liest und beim Arbeitsamt nachfragst.
Zählen solltest du aber nur die Angebote die feste unbefristete Stellen offerieren und nur bei konkreten Firmenanschriften. Viele Jobvermittler sammeln nämlich einfach Daten oder es steckt letztlich eine Leiharbeitsfirma dahinter. Dann Finger weg, das ist idR eine Sackgasse.
"Oder ist der Ingenieursmangel doch nur eine Erfundung der Industrie um die Löhne zu senken?"
Davon können Sie ausgehen. Das Interesse der Wirtschaft ist es immer, für ein Überangebot an Arbeitskräften zu sorgen. Und herrscht ein Mangel, wird nach dem Staat gerufen, er möge doch bitte die Schleußen öffnen. Die Wirtschaft handelt viel zu selten antizyklisch. Ausbilden, wenn genug Humankaptial vorhanden ist, um für schlechte Zeiten vorzusorgen, kennt Sie nicht. Dafür wird zu oft in Quartalen gedacht. Dem Geplärre der Wirtschaft sollte der Staat viel seltener nachgeben. Meist ist die Wirtschaft, nicht nur hier, selbst Schuld am eigenen Dilemma. Da sitzen hochbezahlte Strategen, die eigentlich wissen müssten, was wann eintreffen wird. Aber wie gesagt, meist interessiert nur das nächste Quartal. Von wegen Shareholder und so.
...kannst du leicht herausfinden, wenn du die Job-Anzeigen liest und beim Arbeitsamt nachfragst.
Zählen solltest du aber nur die Angebote die feste unbefristete Stellen offerieren und nur bei konkreten Firmenanschriften. Viele Jobvermittler sammeln nämlich einfach Daten oder es steckt letztlich eine Leiharbeitsfirma dahinter. Dann Finger weg, das ist idR eine Sackgasse.
"Oder ist der Ingenieursmangel doch nur eine Erfundung der Industrie um die Löhne zu senken?"
Davon können Sie ausgehen. Das Interesse der Wirtschaft ist es immer, für ein Überangebot an Arbeitskräften zu sorgen. Und herrscht ein Mangel, wird nach dem Staat gerufen, er möge doch bitte die Schleußen öffnen. Die Wirtschaft handelt viel zu selten antizyklisch. Ausbilden, wenn genug Humankaptial vorhanden ist, um für schlechte Zeiten vorzusorgen, kennt Sie nicht. Dafür wird zu oft in Quartalen gedacht. Dem Geplärre der Wirtschaft sollte der Staat viel seltener nachgeben. Meist ist die Wirtschaft, nicht nur hier, selbst Schuld am eigenen Dilemma. Da sitzen hochbezahlte Strategen, die eigentlich wissen müssten, was wann eintreffen wird. Aber wie gesagt, meist interessiert nur das nächste Quartal. Von wegen Shareholder und so.
Auch wenn der Rest stimmt, ist "Lehrer" als Berufswahl ein schlechtes Beispiel. Da gibt es Deutsch- und Englischlehrer, die wenig gebraucht werden - hingegen Physik- und Mathematiklehrer umso mehr.
ja, isser
kann sein dass sie zufällig zwischendurch mal Recht haben/bekommen:
In etwa wie eine still stehende Uhr auch 2 mal am Tag die richtige Zeit anzeigt.
Aber sonst läuft das Gejammer schon zu lange um glaubwürdig zu sein.
Entfernt. Gerade Kritik sollte sachlich formuliert werden. Die Redaktion/mak
und Fähigkeiten aussucht, und nicht nach dem Geschwätz von irgendwelchen Coaches.
Wer seine Berufswahl nach dem Trend (Gehaltstabellen) oder gegen den Trend (der hier im Artikel erläuterte Schweinezyklus) richtet, der wird dieses so oder so ganz schön bereuen.
Die tägliche Arbeit zwecks Einkommenssicherung ist in der Regel die neben Freizeit/Hobby häufigste Tätigkeit der ein Mensch (zumindest einer mit Arbeit) im Leben nachgeht, noch vor Schlafen, Essen, etc.
Wer grob ein Drittel seines Lebens etwas auszuüben gedenkt, was er nur oder vor allem unter monetären Gesichtspunkten gewählt hat, der wird diese Entscheidung in mehrfacher Hinsicht teuer bezahlen.
Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung, sowie einer Politik, die länderunabhängig nicht einmal ansatzweise die Antworten sucht, welche die fortschreitende Automatisierung und Vernichtung von menschlicher Arbeit eigentlich erfordert, halte ich Artikel wie diesen hier für oberflächliche Symptomherumpfuscherei - ganz in der Klasse der vielbeschworenen Fachkräftemängel, der, wie man auch überall dort wo dieser beklagt wird, stets in den jeweiligen Kommentaren lesen kann, überhaupt nicht existiert: dieselben Entitäten, die über den Fachkräftemangel jammern, erklären uns auch, daß der vielgepriesene Markt solche Mängel (Angebot und Nachfrage) über den Preis regeln würde. Die Preise steigen aber nicht.
Es herrscht also kein Mangel an Fachkräften, sondern ein Mangel an BILLIGEN Fachkräften. Übrigens auch bei mir daheim privat ist eine 1€ Jobber Stelle frei. Aber dieser verdammte Mangel ...
O.K., ich lasse mich zum Bier-Forensiker umschulen.
Ein Studium dauert im Regelfall heutzutage wesentlich länger als ein jeder dieser lächerlichen "Trends", die von sog. Wirtschaftsweisen mal so, und mal so beurteilt werden.
(Anscheinend erinnert sich keiner mehr an die Hiobsbotschaften aus 2009, ist ja eh ganze drei Jahre her)
Daher: Leute, studiert das, was euch interessiert.
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