Salafismus"Gott ist kein Diktator"

Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik, über den Umgang mit Salafisten.

DIE ZEIT: Herr Khorchide, Salafisten streben einen Gottesstaat an, der sich nach Regeln der islamischen Welt des 7. Jahrhunderts richtet. Warum gibt es in Deutschland Jugendliche, die das anziehend finden?

Mouhanad Khorchide: Diese Jugendlichen sind hier geboren, hier aufgewachsen, sie haben große Erwartungen an die Gesellschaft. Sie wollen ein »Ihr gehört dazu« hören. Stattdessen hören sie während ihrer Sozialisation ein »Wir, die Deutschen – ihr, die Muslime«. Verbunden mit einem negativen Unterton.

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ZEIT: Inwiefern?

Khorchide: Es heißt: Muslime schneiden schlechter in der Schule ab, die Arbeitslosenquote unter Muslimen ist höher als bei Nichtmuslimen...

ZEIT: ...manche Studien zeigen das.

Khorchide: Aber das hat nichts mit der Religionszugehörigkeit zu tun. Da werden soziale Phänomene islamisiert. Und das spiegeln die Jugendlichen wider. Fragt man sie: »Als was fühlt ihr euch?«, antworten sie nicht: »Als Deutscher«, oder: »Als Türke«, sondern: »Als Muslim.«

ZEIT: Aber bis in die radikale Ecke der Salafisten ist es dann doch noch ein weiter Weg?

Mouhanad Khorchide

wurde 1971 im Libanon geboren und ist in Saudi-Arabien aufgewachsen. Seit 2010 leitet er das Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster und bildet Lehrer für den islamischen Religionsunterricht aus. Demnächst erscheint sein Buch Islam ist Barmherzigkeit – Grundzüge einer modernen Religion (Herder Verlag)

Khorchide: Viele dieser Jungen und auch Mädchen sind auf Identitätssuche. Was die Rekrutierung für die Salafisten einfacher macht, ist eine Enttheologisierung bei den Jugendlichen. Ich habe während meiner Arbeit als Jugend-Imam Jungen getroffen, die haben mit Drogen gedealt und gleichzeitig gesagt, dass sie stolze Muslime sind. Sie haben einen Koran aus der Tasche gezogen und gesagt: »Den habe ich immer bei mir, mit dem bin ich stark.« Als ich sie fragte, was drinsteht, antworteten sie: »Ich kann kein Arabisch, ich weiß nicht, was drinsteht.« Die Jugendlichen greifen auf etwas zurück, das ihnen Halt geben soll, eine Identität. Aber es ist eine Schalenidentität, ohne Kern, ausgehöhlt.

ZEIT: In dieses Vakuum stoßen die Salafisten?

Khorchide: Und sie argumentieren dabei nicht einmal religiös oder theologisch. Die sprechen nicht über Gott oder darüber, wie man zu Gott findet. Sie sagen: »Die Ungläubigen hassen uns, die wollen uns nicht, weil wir Muslime sind. Haltet euch von ihnen fern.« Ihr Zugang zur Religion ist eigentlich ein Abschied von der Gesellschaft. Jugendliche, die sich an den Rand gedrängt und nicht angenommen fühlen, bekommen da ihre Bestätigung. Die Kategorie »Muslimsein« wird von ihnen als Erklärungsmuster für die eigene Ohnmacht und Perspektivlosigkeit verwendet: »Ich bekomme keinen Job, weil ich Muslim bin; ich bekomme schlechte Noten, weil ich Muslim bin.« Dass es bei der Sache auch um eigene Anstrengung geht, wird dann vernachlässigt.

Leserkommentare
    • Türke
    • 25.05.2012 um 7:05 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
  1. wegen einer relativ kleinen Gruppe "durchgeknallter" Spinner unsere Muslime, Millionen Mitbürger, in die Radikale Islamisten Ecke stellt dann ist das nicht nur noch Populismus. Wieso verbietet Frau Kraft nicht die durchgeknallte Gruppe "Pro Köln"?

    Diese "Ewiggestrigen" haben schließlich in unerträglicher Art und Weise provoziert.

    Mutti Kraft sollte sich diese rechte Gruppierung, mit der neuen NRW Regierung, einmal genauer ansehen und schnellstens verbieten.

    Das währe ein gutes Zeichen und ein Dank an die vielen Deutsche Muslime die SPD und Grüne gewählt haben.

    Eine Leserempfehlung
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    Ihn einem säkularisierten Staat kann es kein "Argument" geben,
    dass religiöse Gefühle verletzt worden seien. Bei allem Respekt

    Diese "Ewiggestrigen" haben schließlich in unerträglicher Art und Weise provoziert.

    Falsch.
    Sie haben in erträglicher Weise provoziert, denn das macht Provokationen hierzulande aus - man hat sie zu ertragen.
    Man darf gerne den Rechtsweg ausschöpfen, wenn man sich nicht alles gefallen lassen will, aber das ist ja nicht so schneidig wie Polizisten niederstechen und Todesfatwas aussprechen.

    Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Danke, die Redaktion/lv

    "Wieso verbietet Frau Kraft nicht die durchgeknallte Gruppe "Pro Köln"?"

    Weil Sie es nicht kann. PUNKT !

    "Diese "Ewiggestrigen" haben schließlich in unerträglicher Art und Weise provoziert."

    Diese Leute, was man auch immer von Ihnen halten mag, haben die gerichtliche Erlaubnis dafür erhalten. Sowas nennt man Rechtstaat. Mittel und Wege rechtlich dagegen vor zu gehen stehen einem jederzeit offen. Sowas nennt man auch Rechtstaat. Gewalt und Körperverletzung zählt nicht dazu.

    • Bus-x
    • 29.05.2012 um 23:05 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/kvk

    Ihn einem säkularisierten Staat kann es kein "Argument" geben,
    dass religiöse Gefühle verletzt worden seien. Bei allem Respekt

    Diese "Ewiggestrigen" haben schließlich in unerträglicher Art und Weise provoziert.

    Falsch.
    Sie haben in erträglicher Weise provoziert, denn das macht Provokationen hierzulande aus - man hat sie zu ertragen.
    Man darf gerne den Rechtsweg ausschöpfen, wenn man sich nicht alles gefallen lassen will, aber das ist ja nicht so schneidig wie Polizisten niederstechen und Todesfatwas aussprechen.

    Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Danke, die Redaktion/lv

    "Wieso verbietet Frau Kraft nicht die durchgeknallte Gruppe "Pro Köln"?"

    Weil Sie es nicht kann. PUNKT !

    "Diese "Ewiggestrigen" haben schließlich in unerträglicher Art und Weise provoziert."

    Diese Leute, was man auch immer von Ihnen halten mag, haben die gerichtliche Erlaubnis dafür erhalten. Sowas nennt man Rechtstaat. Mittel und Wege rechtlich dagegen vor zu gehen stehen einem jederzeit offen. Sowas nennt man auch Rechtstaat. Gewalt und Körperverletzung zählt nicht dazu.

    • Bus-x
    • 29.05.2012 um 23:05 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/kvk

  2. Ihn einem säkularisierten Staat kann es kein "Argument" geben,
    dass religiöse Gefühle verletzt worden seien. Bei allem Respekt

    10 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Kommentaren. Danke, die Redaktion/ls

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

    "Sekularisierter Staat" bedeutet auch Respekt vor dem Glauben Anderer.Provokationen müssen da nicht sein.

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Kommentaren. Danke, die Redaktion/ls

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

    "Sekularisierter Staat" bedeutet auch Respekt vor dem Glauben Anderer.Provokationen müssen da nicht sein.

  3. 4. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Kommentaren. Danke, die Redaktion/ls

    Antwort auf "unerträglich ?"
  4. 5. [...]

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

    Antwort auf "unerträglich ?"
  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich konstruktiv an der Debatte. Danke, die Redaktion/ls

  6. Ob sich die T-Shirt-Träger bewusst sind, dass "Lies!", in einer multilingualen Welt, verschiedene Bedeutungen beigemessen werden können?

    13 Leserempfehlungen
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    Zitat 8: Ob sich die T-Shirt-Träger bewusst sind, dass "Lies!", in einer multilingualen Welt, verschiedene Bedeutungen beigemessen werden können?

    Stimmt !
    Ich habe es zuerst auch "englisch" gelesen,
    zumal das von diesem Koran in den Händen
    auch impliziert war.

    Zitat 8: Ob sich die T-Shirt-Träger bewusst sind, dass "Lies!", in einer multilingualen Welt, verschiedene Bedeutungen beigemessen werden können?

    Stimmt !
    Ich habe es zuerst auch "englisch" gelesen,
    zumal das von diesem Koran in den Händen
    auch impliziert war.

  7. Entfernt. Bitte belegen Sie streitbare Tatsachenbehauptungen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/lv

    6 Leserempfehlungen

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