HochschulfusionMit heißer Nadel

Die TU Cottbus und die FH Lausitz sollen zu einer Hochschule verschmelzen. Kann das gut gehen?

Alles begann mit einem Anruf bei Walther Zimmerli, dem Präsidenten der TU Cottbus. In der Leitung war an jenem Tag Anfang Februar sein Kollege Günter Schulz von der örtlichen Fachhochschule. »Die Ministerin hat Pläne«, sagte Schulz. Danach war in der Cottbusser Hochschullandschaft nichts mehr wie vorher. Denn in der Lausitz wagt die Hochschulpolitik ein ambitioniertes Experiment: Brandenburgs parteilose Wissenschaftsministerin Sabine Kunst will Universität und Fachhochschule auflösen und schon zum Wintersemester 2013 in einer neuen »Energie-Uni« verschmelzen lassen.

Seit der Bologna-Reform verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen Fachhochschulen und Universitäten. Sie vergeben beide die gleichen Abschlüsse: Universitäten müssen beim berufsqualifizierenden Bachelor eher wie Fachhochschulen ausbilden, während die Fachhochschulen nun auch forschungsorientierte Masterstudiengänge anbieten. Nicht voll ausgelastete Universitäten und Fachhochschulen wie die in Cottbus geraten da zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. »An gefährdeten Standorten können Hochschulfusionen Sinn ergeben«, sagt Detlef Müller-Böling, ehemaliger Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Er hofft auch auf Synergieeffekte. Doch kann das gut gehen, wenn Universität und Fachhochschule unter einem Dach lehren und forschen?

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Immerhin entstammen die beiden einem grundsätzlich unterschiedlichen Bildungs- und Wissenschaftsverständnis und waren lange Zeit strikt voneinander getrennt. Wer schnell in den Beruf wollte, lernte an der Fachhochschule alles, was für die Praxis wichtig war. Die Forscher von morgen hingegen übten an den Universitäten den Blick aufs große Ganze. Doch seit Bologna werben auch Fachhochschulen beachtliche Summen Forschungsgelder ein und geben ihren Studenten teilweise so gutes Rüstzeug mit auf den Weg, dass diese es immer häufiger schaffen, an Universitäten zu promovieren. »Wir müssen weg vom Schubladen-Denken zwischen Universitäten und Fachhochschulen«, fordert daher Müller-Böling.

In Cottbus bescheinigte kürzlich eine Gutachterkommission der Hochschule Lausitz in einigen Bereichen wie der Biotechnologie ein »universitäres Niveau«. Die Forschungsleistung der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) stufte sie hingegen als unbefriedigend ein. Wissenschaftsministerin Kunst sieht daher ein »Parallelangebot«, das sie in der neuen Mischuniversität zusammenführen will. Dabei soll aber die alte Trennung zwischen Anwendungsorientierung und Forschungsschwerpunkt erhalten bleiben. Das Konzept ist noch äußerst vage, doch Kunst schwärmt bereits von einer »Hochschule neuen Typs« und kämpft bei Informationsveranstaltungen und Podiumsdiskussionen für ihren Plan.

Die Hochschule Lausitz will dabei sofort mitmachen. »Universität und Fachhochschule sind historische Begriffe, von denen wir uns lösen müssen«, sagt Präsident Günter Schulz. Er und seine Kollegen würden in einer fusionierten Hochschule vom höheren wissenschaftlichen Renommee eines Universitätssiegels profitieren. Vonseiten der BTU dagegen kommt vor allem Protest. Studenten sammeln Unterschriften gegen die Zusammenlegung, die Professoren haben ein Gegenkonzept ausgearbeitet. Ihre gemeinsame Furcht: Die BTU könnte auf das vermeintlich niedrigere Fachhochschulniveau heruntergezogen werden. »Wir würden den Status einer Volluniversität verlieren«, sagt Präsident Walther Zimmerli.

Das Einwerben von Forschungsgeldern etwa könnte schwieriger werden, wenn die FH mit im Uni-Boot säße. »Die Forschungsleistung wird schlechter durch die Integration der Fachhochschule«, glaubt auch Christoph Egbers, Leiter des Lehrstuhls für Aerodynamik und Strömungslehre und einer der Spitzenforscher an der BTU. Seit Jahren arbeitet Egbers daran mit, dass die Universität in die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgenommen wird. »Wenn die Fusion kommt, fallen wir da fast auf null zurück«, sagt er. Denn auch wenn FH-Professoren inzwischen mehr forschen als früher, veröffentlichen sie noch immer weniger Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften – ein wichtiges Kriterium für die DFG.

Leserkommentare
    • ludna
    • 29.05.2012 um 16:10 Uhr
  1. Langsam schimmert es in den Artikeln durch. Fachhochschulen und Universiäteten gibt es so langsam nicht mehr sondern nur verschulte Ausbildungsstätten mit Bachelore und Master "Studiengängen".

    3 Leserempfehlungen
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    Ich kann ihnen nur beistitimmen wir müssen diesen angelsäxischen Humbug bekämpfen.

    Bachelor und Mastere "Studiengänge" sind ein Werk des Teufels. In einer dieser unsäglichen Bullimieklausuren beschwerte sich der Korrektor doch tatsächlich das ich weder Rechtschreibung und Intrapunktion beherrsche. Zu Magister's Zeiten wurden noch noch die richtigen Schwerpunkte gesetzt!

    Ich kann ihnen nur beistitimmen wir müssen diesen angelsäxischen Humbug bekämpfen.

    Bachelor und Mastere "Studiengänge" sind ein Werk des Teufels. In einer dieser unsäglichen Bullimieklausuren beschwerte sich der Korrektor doch tatsächlich das ich weder Rechtschreibung und Intrapunktion beherrsche. Zu Magister's Zeiten wurden noch noch die richtigen Schwerpunkte gesetzt!

  2. Entweder diskutiert man die strikte Trennung zwischen FH und Uni oder wie hier eine Fusion. Beides extreme Varianten. Dabei könnte auch eine Kooperation bereits Synergieeffekte schaffen. Beide Hochschultypen könnten von einer Kooperation profitieren ohne dass eine Hochschule gewisse "Rückschritte" hinnehmen müsste. Wenn es überhaupt "Rückschritte" gibt. Ein Blick nach Basel oder nach Luzern in die Schweiz kann auch interessante Varianten aufzeigen.. In Luzern wird versucht gewisse Doppelspurigkeiten von Anfang an zu vermeiden und versuchen ihre Angebote (Studienrichtungen bezüglich Wirtschaft) voneinander zu unterscheiden. In Basel findet ebenfalls eine erfolfgreiche Kooperation statt:

    http://www.unibas.ch/inde...

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    Es sei noch angemerkt, dass die in Rede stehenden Hochschulen nicht am gleichen Ort sind. Zwar hat die Hochschule Lausitz eine Niederlassung in Cottbus, ca. 5 km von der Uni entfernt, der Hauptsitz liegt aber in Senftenberg, also ca. 40 km entfernt.

    Es sei noch angemerkt, dass die in Rede stehenden Hochschulen nicht am gleichen Ort sind. Zwar hat die Hochschule Lausitz eine Niederlassung in Cottbus, ca. 5 km von der Uni entfernt, der Hauptsitz liegt aber in Senftenberg, also ca. 40 km entfernt.

  3. Die Cottbuser Uni ist nicht, wie im Artikel suggeriert, unterausgelastet. Sie unterrichtet mit einem Etat von ca. 50 Millionen Euro 6.700 Studierende. Damit liegt sie als einzige mir bekannte TU unter 10.000 Euro je Studierende(r). An der TU München etwa werden ca. 14.500 Euro je Studierende(r) ausgegeben. Dort spricht aber niemand von Unterauslastung.

    Eine Leserempfehlung
  4. Es sei noch angemerkt, dass die in Rede stehenden Hochschulen nicht am gleichen Ort sind. Zwar hat die Hochschule Lausitz eine Niederlassung in Cottbus, ca. 5 km von der Uni entfernt, der Hauptsitz liegt aber in Senftenberg, also ca. 40 km entfernt.

    Antwort auf "Extremwege"
  5. Die erwähnte Zustimmung aus der Fachhochschule kommt hauptsächlich vom Präsidenten. Innerhalb der Hochschule gibt es etliche skeptische Stimmen, die das Vorhaben als reine Sparmaßnahme und damit als Frontalangriff auf die Lausitz als Ganzes sehen. Insbesondere sehen sie den Hochschulstandort Senftenberg in Gefahr.

    Eine Leserempfehlung
    • Rudi01
    • 29.05.2012 um 18:08 Uhr

    Zitat aus dem Artikel:
    "Seit der Bologna-Reform verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen Fachhochschulen und Universitäten. Sie vergeben beide die gleichen Abschlüsse:"

    Nein. Das ist ganz klar nicht der Fall. Die Abschlüsse heissen genauso. Und das ist es dann auch.

    Jeder Personalverantwortliche weiss natürlich ganz genau, dass ein Bachelor oder Master von der FH etwas ganz anderes ist, als ein Bachelor oder Master von der Uni.

    [...]

    "Universitäten müssen beim berufsqualifizierenden Bachelor eher wie Fachhochschulen ausbilden, ..."

    [...] Hier wird mal wieder alles durcheinander geworfen. Bachelor-Abschlüsse von FHs und Unis sind Qualifikationen für völlig unterschiedliche Berufsbilder und bescheinen ein völlig unterschiedliches Qualifikationsprofil. Und es ist schlichter Unfug, dass Unis nunmehr "wie Fachhochschulen" ausbilden sollen oder müssen.

    "...während die Fachhochschulen nun auch forschungsorientierte Masterstudiengänge anbieten."

    Auch das ist eine ganz massive Übertreibung. An den meisten Fachhochschulen spielt Forschung eine untergeordnete Rolle. Innovative, spannende, und nützliche Bachelor- und Master-Arbeiten gibt es dort ohne jeden Zweifel, aber das Anwenden von Forschungsergebnissen ist keine "Forschung".

    Wer einen "forschungsorientierten Masterstudiengang" belegen will, muss an eine Uni gehen.

    Kritik oder Fehlerhinweise sind uns herzlich willkommen, wir bitten Sie jedoch darum, auf haltlose Unterstellungen zu verzichten und sachlich und höflich zu bleiben. Danke, die Redaktion/fk.

    • ludna
    • 29.05.2012 um 19:32 Uhr

    Fusion heisst Stellenstreichung und Einsparung

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