InformationsgesellschaftAm Medienpranger
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"Ihre Zeitung hat Sarrazin sehr viel Raum gegeben"

Göring-Eckardt: Dann machen Sie Zeitung für eine Online-Elite?

Di Lorenzo: Es gibt erste Blätter, die werden so gesteuert: Man stellt die Themen ins Netz. Dann guckt man, welches am meisten angeklickt wird. Das Ergebnis entscheidet dann über die Zusammensetzung der Printausgabe.

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Schirrmacher: Wir haben kein Gespür mehr dafür, ob etwas relevant ist, ob etwas repräsentativ ist. Damit können wir alle nicht umgehen. Der Journalismus müsste einen Fuß in der anderen, der analogen Welt behalten. Wir zum Beispiel haben eine dauernde Hintergrundberichterstattung über Israel und den Nahen Osten. Da kann man sofort messen: Das ist nicht attraktiv. Aber es ist wichtig.

Di Lorenzo: Es ist nicht attraktiv, es sei denn, es handelt sich um ein Gedicht von Günter Grass.

Schirrmacher: Sie haben einen Abdruck in der ZEIT trotzdem abgelehnt, was ich sehr gut fand.

Di Lorenzo: Damit verzichtet man auf eine große Portion Klicks – und auf Zustimmung eines nicht unerheblichen Teils der Leser.

Schirrmacher: Wir haben uns bei der Frankfurter Allgemeinen viele Gedanken darüber gemacht, wie wir uns verhalten hätten. Zum Glück sind wir nicht in die Lage gekommen, weil Günter Grass uns das nie angeboten hätte. Etwas mal nicht zu machen – ich hoffe, wir hätten so gehandelt wie Sie – ist sehr wichtig. Ich habe auch Respekt vor den Menschen, die Einladungen in Talkshows ausschlagen.

Di Lorenzo: Neben der ökonomischen Verwertbarkeit von journalistischen Inhalten geht es auch um die elementare Erfahrung von Druck, dem Journalisten plötzlich ausgesetzt sind. Ein Beispiel: Wir haben vor einiger Zeit ein Pro und Contra zum Thema »Soll die Linkspartei vom Verfassungsschutz beobachtet werden?« gemacht. Ein relativ junger Kollege hat dabei die Pro-Position eingenommen. Innerhalb von sechs Stunden bekam er im Internet eine solche Dröhnung, dass ich mich frage: Macht er das noch mal? Ich würde ihn unbedingt dazu ermutigen wollen, auch wenn ich überhaupt nicht seiner Meinung bin. Meine Beobachtung ist: Journalisten haben zunehmend Angst, sich außerhalb des medialen Mainstreams zu stellen.

Göring-Eckardt: Manchmal kann man als Außenstehende den Eindruck haben: Eine Mehrheit der Meinungsmacher treffen sich und verabreden, was jetzt für eine Meinung dran ist, und dann schreiben das alle auf ihre Weise.

Di Lorenzo: Das ist natürlich nicht so, aber es ist schlimm genug, dass Sie es so empfinden müssen. Vor Jahren noch hat es solche Absprachen vereinzelt gegeben, zum Beispiel als Springer, Spiegel und FAZ gemeinsam Front gegen die Rechtschreibreform gemacht haben. Heute ist es nach meinem Gefühl die Angst vieler Kollegen vor dem Pranger, die zur Anpassung an den Mainstream führt.

Schirrmacher: Sie vergessen die SZ, die war auch dabei. Wir waren da alle einer Meinung, weil es um unser Handwerkszeug, die Sprache, ging. Die Redaktionen selbst waren es, die mit widersinnigen, weil unlogischen Sprachvorschriften nicht leben wollten. Sie müssen heute aber zwischen Print und Online unterscheiden. Online hat dieses automatische Feedback, das wie ein Plebiszit wirkt. Im Fall Sarrazin haben wir das dramatisch erlebt. Sein Buch erschien, und sofort kamen Leserkommentare: »Wieso, das Buch ist doch in Ordnung?« Und plötzlich sind auch die Medien umgeschwenkt.

Di Lorenzo: Bei Ihnen ist die Position auch gekippt.

Schirrmacher: Das ist nicht wahr. Ich darf Sie daran erinnern, dass das Feuilleton unserer Zeitung den Biologismus von Sarrazin überhaupt erst zum Thema gemacht hat. Wir sind von dieser Fundamentalkritik niemals abgewichen. Und das hat uns Proteste mancher Leser eingebracht.

Di Lorenzo: Aber Ihre Zeitung hat Sarrazin sehr viel Raum gegeben.

Schirrmacher: Ja, aus einem Grund: weil die Bundeskanzlerin, ohne das Buch gelesen zu haben, davon sprach, es sei »nicht hilfreich«. Damit hat sie eine intellektuelle Auseinandersetzung zu einer Machtfrage gemacht. Das gefiel uns nicht. Wir haben Sarrazin deshalb die Chance zu einem großen Gespräch gegeben, zu dem er mit seiner ganzen Sekundärliteratur im Rucksack ankam. Zeitungen sind, wie ich Ihnen nicht sagen muss, natürlich keine homogenen Organismen. Bei uns gingen die Meinungen zwischen Politik und Feuilleton auseinander.

Göring-Eckardt: Sie, Herr di Lorenzo, haben im Fall Sarrazin gegen den Mainstream der eigenen Leserschaft argumentiert, und dann waren Sie auch noch ganz freundlich zu Karl-Theodor zu Guttenberg. War die Idee: Wir stellen uns mal quer?

Schirrmacher: Freundlich? Da war ja nur dieses Interview.

Di Lorenzo: Ja, aber dass Sie, Frau Göring-Eckardt, das als freundlich empfinden konnten, was überhaupt nicht unsere Absicht war, ist natürlich zunächst einmal meine Schuld, vor allem weil ich mich auf diese unselige Kombination von Buch und Vorabdruck in der ZEIT eingelassen habe, was ich lieber hätte bleiben lassen sollen. Trotzdem ist der Fall Guttenberg für mich ein Paradebeispiel für das Phänomen, über das wir sprechen: Die Ablehnung war hier am Ende vielerorts genauso maßlos wie zuvor die Zustimmung. Das ist ein Muster, das sich wiederholt: Meines Erachtens begann es mit dem einheitlichen Runterschreiben von Kurt Beck, setzte sich fort bei Westerwelle und Guttenberg und reichte bis zu Christian Wulff. Natürlich haben alle schwere Fehler gemacht und sind völlig zu Recht kritisiert worden. Guttenberg und Wulff sind auch völlig zu Recht zurückgetreten. Aber die Art der Aburteilung – bei Wulff gab es da geradezu einen Wettlauf – empfinde ich als beängstigend uniform und hart.

Göring-Eckardt: Vielleicht hätte Wulff einfach früher zurücktreten sollen.

Schirrmacher: Die Dynamik dahinter ist Online. Die Hyperbolen entstehen, weil es einen Echtzeitjournalismus gibt – und eine Politik, die darauf in Echtzeit reagiert. Es ist etwas völlig anderes, ob Sie 24 Stunden bis zu den nächsten Abendnachrichten haben oder ob Sie in Echtzeit kommentieren und deshalb ständig neue Ansatzpunkte finden müssen, um Ihre Geschichte fortzuschreiben. Und das Entscheidende ist: Dann kommt die Belohnung in Form von Links, Tweets, Internetreaktionen, etwas, das Journalisten geradezu high macht. Wenn man sich die frühe Guttenberg-Berichterstattung, als man ihn noch hochschrieb, bei einigen Nachrichtenportalen anschaut, kann man feststellen: Es gab gar keine neuen Informationen, sondern nur narrative Versatzstücke. Durch das Netz gehen regelrechte Informationskaskaden, die mindestens einmal pro Stunde einen Adrenalinschub brauchen, auf den die Politik wiederum reagiert. Wir kennen das aus der Börsenwelt, wo Algorithmen in Millisekunden darüber entscheiden, welches Geschäft gemacht wird. Es gibt eine enorme Beschleunigung in der Politik. Nur so ist die Reaktion auf Fukushima zu erklären. Noch am Sonntag danach hat Röttgen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt: Wer jetzt dem Ausstieg aus der Atomenergie das Wort redet, geht zu weit. – Sie wissen, was am Montag und Dienstag passierte. Das ist Echtzeitjournalismus! Journalisten müssen sich dagegen imprägnieren.

Göring-Eckardt: Röttgen hatte damals das Ausmaß der Katastrophe einfach nicht verstanden. Sind wir denn nicht mehr bereit, die echten Krisen – Wirtschaftskrise, Währungskrise, Klimakrise – zu erkennen, weil wir nur noch in Echtzeit auf den Moment reagieren?

Leserkommentare
  1. Entfernt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

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    Nein, ich denke nicht die freiheitsliebenden Bürger sind überfordert. Ich bin der Meinung die Medien, Politiker und Banker leben in einem Elfenbeinturm.

    Dieses "interview" ist ja mal wieder ein guter Beweis, wie auch andere Offenbarungen wie Guttenberg, etc...

  2. Die Vision ist eine ganz einfache: Ich sage was ich denke und argumentiere. Du sagst was du denkst und argumentierst dagegen. Widerlegst du meine Argumente, übernehme ich deine. Widerlege ich deine Argumente übernimmst du meine.

    Ergebnis: Ein pragmatischer Mehrheitsbeschluss

    http://www.youtube.com/watch?v=r0G_vuWTOUw

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    Das funktioniert nur bei entsprechender Aufgeschlossenheiten den Argumenten gegenüber, was jedoch ab einem gewissen Punkt nicht mehr wirklich möglich ist.
    Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben.
    Argumentation ist gut und wichtig, aber die Frage ist auch mit wem und in welchem Rahmen. Das Hauptrisiko der Piraten ist der Populismus, denn dem folgt ein Schwarm, bzw. eine Herde am liebsten.

    • manu26
    • 28. Mai 2012 20:23 Uhr

    Wenn es nicht ein paar Menschen gäbe, die an das glauben, was da im Video präsentiert wird, wäre es zum Lachen. Ich jedenfalls wusste nicht, ob ich lachen oder nur den Kopf schütteln sollte, als ich es sah.

    Interessantes Gespräch. Wohl investierte Zeit es zu lesen. Meine Lieblingsstelle:
    "Wir müssen weiter – um es mit Habermas zu sagen – das Rückgrat des politischen Diskurses bleiben, und zwar in Medien, die uns nach der schwärzesten aller Diktaturen geschenkt worden sind, die nicht hysteriegetrieben sind, nicht von Konformität erdrückt werden, sondern im Prinzip eine potenzielle Freiheit, Unabhängigkeit und Vielfalt haben, die beneidenswert und ziemlich einzigartig in der Welt sind." (Di Lorenzo)
    Und das meine ich nicht ironisch, auch wenn es vielen leider ironisch anmutet.

    Die vielfältigen Kommentare sind leider weitestgehend ein Trauerspiel – wie so oft.

    • C4
    • 29. Mai 2012 8:56 Uhr

    "Widerlegst du meine Argumente, übernehme ich deine. Widerlege ich deine Argumente übernimmst du meine."

    Hört sich gut an, ist wohl aber leider ein Idealfall der reinen Lehre. In der Regel scheitert doch schon der Konsenz darüber, ob ein Argument widerlegt ist, oder nicht, an themenfremden Parametern, wie Ego, Ideologie, Parteilichkeit, persönlichen Interessen, etc.

    Und sollte es tatsächlich einmal zu einem rein sachlichen Austausch kommen, einzig verpflichtet dem Ringen um die hehre Wahrheit, wird man zumeist bald feststellen, wie komplex dieselbe tückischerweise daherzukommen pflegt, so dass ihr mit ja, oder nein, schwarz oder weiß, schlicht nicht beizukommen ist.

    Vielleicht helfen dialektischere Methoden?

  3. Immer wieder empfehlenswert, "Warum Mainstreammedien Mainstream sind":
    http://zmag.de/artikel/Warum-die-Mainstreammedien-Mainstream-sind

  4. Über die Entfernung meines Accounts würde ich mich freuen (wie auch über die Verschonung von Ihren Werbemails). Danke, der Kommentato/sk

    Sie bemitleiden Medienpranger und lassen nicht mal eine einfache Frage/Feststellung durch!?

    Besten Dank, liebe "Zeit"/mk

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

  5. di Lorenzo: Mir macht die Frage, wie heute öffentliche Diskurse organisiert werden, Sorgen. Ich beobachte in den deutschen Medien seit einiger Zeit einen besorgniserregenden Hang zum Gleichklang. Das Merkwürdige dabei ist, dass der Konformitätsdruck nicht von bösen Regierungen oder finsteren Wirtschaftsmächten ausgeübt wird. Vielmehr kommt er aus unserer eigenen Mitte, er geht von den Journalisten…aus.

    Ja, und? Was ist die Konsequenz daraus? - Hallo Frau Göring-Eckardt: Was ist jetzt ihre Frage?

    Göring-Eckardt: Was erwarten Sie von dieser neuen Partei?

    Fazit: Das Weglassen von Fragen auf merkwürdige Antworten nimmt immer mehr Raum ein.

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    ist mir auch als unerklärliche Merkwürdigkeit aufgefallen!

  6. Gespräch dem ich gerne noch eine kleine Anmerkung geben möchte-es ist auch wichtig überlebensfähig zu sein ohne INTERNET, es könnte ja auch mal aus irgend welchen Gründen nicht mehr funktionieren für einen Zeitraum und wir sollten uns eine Überlebensfähigkeit dafür erhalten, eine Art Präventation halt-Zeitungen könnten dann sicherlich immer noch erscheinen, ob die Partei der Piraten dann noch funktioniert ist fraglich-

  7. Das funktioniert nur bei entsprechender Aufgeschlossenheiten den Argumenten gegenüber, was jedoch ab einem gewissen Punkt nicht mehr wirklich möglich ist.
    Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben.
    Argumentation ist gut und wichtig, aber die Frage ist auch mit wem und in welchem Rahmen. Das Hauptrisiko der Piraten ist der Populismus, denn dem folgt ein Schwarm, bzw. eine Herde am liebsten.

    Antwort auf "Wo ist da die Vision?"
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    Menschen die sich für Liqiud Democracy entscheiden sind sich ihrer Verantwortung bewusst und somit können sie nicht als Herde wirken.

    (Populismus: http://de.wikipedia.org/wiki/Populismus

    "Populismus (lat.: populus, „Volk“) bezeichnet eine um „Nähe zum Volk“ bemühte Politik, die Unzufriedenheit, Ängste und aktuelle Konflikte ausdrückt oder instrumentalisiert, indem sie Gefühle anspricht und einfache Lösungen vorstellt.")

    Die Verantwortung ist es also, die ihnen erlaubt mit Vernunft
    und Diskussion eine Lösung zu finden und eben nicht auf eine populistische Meinung zu stimmen.

    "Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben."

    Gerade in Foren kann man Leute gut überzeugen. Entwicklungen und Standpunktänderungen bekommt man allerdings oft nicht mit, unterschiedliche Aliase usw. aber es gibt imho nur extrem wenige Foristen, die über lange Zeiträume durch totale Faktenresistenz auffallen. Die wollen dann idR auch nicht diskutieren, sondern nur streiten, die sogenannten "Trolle".

    Herdenmenschen sehe ich eher in denjenigen, die immer noch glauben, Fernsehen, die Tagesschau und die Konzernmedien würden objektiv berichten und urteilen.

    Herdenmenschen sehe ich in denen, die meinen, eine Meinung wäre besser, nur weil sie von einem bezahlten Journalisten stammt. In denen, die eine Partei wählen, weil deren Umfragewerte angeblich gestiegen sind.

    Herdenmenschen sehe ich in denjenigen, die sich zu Massenevents begeben, um in eine Millionenmasse einzutauchen, ob beim Fußball oder Volksfesten. Platzangst und Hysterie garantiert.

    Schwarmintelligenz ist das Gegenteil von Herdenmenschentum. Es geht hier eben nicht darum, eine jubelnde Masse zu erzeugen mit Emotionen und Spaß-Events, um den Druck abzulassen. Arbeiten und Sparen ist eine so harte Leitkultur, dass das Bedürfnis nach FUN groß wird und abgeleitet werden muss.

    Es geht darum, Bildung und Intelligenz von vielen Einzelnen zusammen zu führen über konkrete Projekte, um die beste und rationalste Lösung zu finden - immer im Sinne des Allgemeinwohls. Und das sogar ohne Geld. Siehe das wunderbare System Linux. Vielleicht gelingt so ein Modell auch mal im Journalismus...

    wird, liegt daran, daß so viel Lust am reinen Bashen besteht.
    Ein warmherziger Dialog ist da sehr selten, auch, wenn es ihn immer einmal wieder gibt. Bloß wenn die Positionen grundverschieden sind,ist das natürlich kaum möglich. Schade nur, daß dann meistens sehr schnell unter die Gürtellinie gezielt (und getroffen)wird bis hin zur bewußten Angstmache.
    Das Volk ist leider auch nicht besser, als die Medien. Wäre ja auch erstaunlich. Was mich aber am meisten verstört in letzter Zeit ist nicht die Böswilligkeit allein,sondern ihre plumpe, extrem primitive Form! Ich meine z.B. die Nazi-und Esoterik-Keule, die auch noch vom Unwissendsten und Gedankenärmsten an den unpassendsten Stellen hervorgeholt wird und immer noch ihre Wirkung tun kann, egal, wie blödsinnig das in dem Moment ist. Zumindest kann einem dann die Lust zum Weiterargumentieren vergehen. Leider haben die Medien dagegen bis jetzt noch nichts unternommen, sondern tuten im Gegenteil auch noch mit ins gleiche Horn, siehe G.G.

  8. http://zmag.de/artikel/Verschwoerungsfreie-Konformitaet?searchterm=konformi
    " ... Journalisten fluten in die formende Struktur der Konzern-Medien des Mainstream hinein - u. wieder heraus. Denn wie wir bereits in früheren ‘Media Alerts’* (Medienalarm) dargelegt haben: Unsere Konzernmedien sind nunmal so strukturiert, dass sie die Interessen der Konzerne / des Staats schützen u. stützen. Und dazu ist kein Komplott, ja nicht mal offene Einflussnahme, vonnöten. Die Uniformität der Berichterstattung ist Resultat einer schlicht (naturgesetzlichen) Reaktion: ‘menschliche Natur’ in Verbindung mit ‘formender Struktur’ des Staats-Konzern-Kapitalismus: Journalisten mit der richtigen Einstellung, der richtigen Ziel- u. Prioritätensetzung hüpfen in die Pyramidenstruktur der Medien hinein u. “finden ihren Platz” darin, während die andern wieder hinaustreiben (bzw. hinausgetrieben werden).
    ... "

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    http://zmag.de/artikel/Verschwoerungsfreie-Konformitaet?searchterm=konformi

    " ... Das heißt andererseits nicht, dass der Mainstream keine abweichenden Meinungen zuläßt. Ganz im Gegenteil: das System lebt ja geradezu von seinem toleranten Image. Denn in einer Gesellschaft, die vorgibt, demokratisch zu sein, muss die Propaganda-Maschinerie gelegentlich auch mal abweichende Meinungen integrieren. Diese allerdings nur homöopathischen Wahrheitsdosen sollen quasi wie eine Impfspritze wirken: sie immunisieren die Öffentlichkeit, damit diese die engen Grenzen unserer Pressefreiheit nicht mehr wahrnimmt. So gesehen sind jene ehrlichen Artikel von Abweichlern, wie sie gelegentlich an die Oberfläche des Mainstream (des Hauptstroms des Presseflusses also) schwappen, ebenso entscheidend für ein geschmiertes Funktionieren der Propaganda-Maschinerie wie die große Masse an macht-affirmativen journalistischen Artikeln. Und so finden durchaus auch Dissidenten ihren Platz in der Pyramide (ein paar wenigstens) - was aber überhaupt nichts daran ändert, dass am Ende eine Medienlandschaft rauskommt, die die öffentliche Meinung so verformt, dass diese tendenziell eher den Zielen der Staats-/Konzern-Macht nützt. ... "

    • agffm1
    • 28. Mai 2012 19:24 Uhr

    Mal ganz ehrlich gefragt: Mussten Sie das sehr interessante Gespräch überhaupt zu Ende lesen, um dieses völlig verquaste Proseminaristen-Geschwurbel als Antwort zu posten? Foucault et al. würden sich zurecht im Grabe umdrehen bei diesem fahrlässigen und undifferenzierten Gerede von "Macht", "System", "Staatsmacht" und "Konzernmacht". Und wäre es Ihnen zuviel abverlangt, wenigstens ein paar eigene Gedanken dazu zu formulieren?
    Ich für meinen Teil fand, das war ein hervorragendes und gedankenreiches Gespräch zwischen drei klugen Leuten, die ihr mediales Handeln ernsthaft hinterfragen und reflektieren. Vielen Dank an die Zeit! Es wäre schön, an dieser Stelle ab und an mehr mediale Selbstreflexion zu finden - die Massenmedien neigen sonst dazu, ihre eigene Rolle und ihre Wirkung zu vernachlässigen.

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