InformationsgesellschaftAm Medienpranger
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"Jeder Mensch ist heute ein Medium"

Di Lorenzo: In der harten Aburteilung liegt vielleicht auch ein Stück Ersatzhandlung. Gerade weil man uns Journalisten so oft vorwirft, wir seien verwechselbar geworden, wir hätten keine Meinung mehr, und weil es so schwer ist, bei den großen Problemen dieser Welt die Übersicht zu behalten, stürzen wir uns auf den Skandal Wulff oder die schlechte Amtsführung von Herrn Westerwelle. Da können wir endlich wieder klare Kante zeigen. Das führt zu dem grässlichen Eindruck, dass wir alle unter einer Decke stecken.

Schirrmacher: Man muss bedenken: Jeder Mensch ist heute ein Medium. Man ärgert sich darüber, dass dauernd über Wulff berichtet wird, googelt aber ständig danach.

Di Lorenzo: Das war eine Sucht: stündlich eine neue Wulff-Schandtat berichtet zu bekommen.

Schirrmacher: Wir müssen erkennen, dass der sogenannte Empfänger ein Medium geworden ist, das selbst senden kann. Ein Blog kann genauso wichtig sein wie ein Leitartikel in der FAZ oder ein Spiegel-Artikel. Wir alle begreifen erst allmählich die Wirkung dieser Technologie auf unsere Gesellschaft. Die Adaption des Menschen an diese Technologien kostet viele Opfer. Die unabhängigen, privat finanzierten Medien, auch die Buchhandlungen und Verlage, stehen in einem darwinistischen Überlebenskampf. Das Phänomen der Internetökonomie ist ja dieses Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Ganz wenige werden ganz groß, und viele Kleine, das ist meine größte Sorge, werden verschwinden. Denn die Finanzierbarkeit ist ja immer noch unklar. Im schlimmsten Fall sind Blog und Zeitung nichts anderes als die Galeerensklaven gigantischer Aggregatoren.

Di Lorenzo: Das Faszinierende und zugleich Beängstigende ist, dass zeitgleich zu diesen hochmodernen Technologien, die sich gerade entwickeln, bestimmte Muster immer gleich bleiben, im Guten wie im Schlechten. Wir sehen heute in digitaler Form einen Typus auferstehen, von dem wir annahmen, dass er mit unserer Generation untergegangen wäre: der deutsche Hauswart, der schimpft, maßregelt, denunziert. Das ist weniger technologiegetrieben als wohl eher eine anthropologische Konstante.

Schirrmacher: Für die klassischen Medien gibt es auch positive Effekte: Die Arroganz ist weg, jedenfalls bei den meisten; wir lernen selber ja auch dazu.

Göring-Eckardt: Ich kann Ihnen sagen, dass es trotz allem eine sehr unangenehme Erfahrung war, als ich als Studiogast in der Sendung von Günther Jauch zum Fall Wulff einer Phalanx von Bild und Spiegel gegenübersaß.

Di Lorenzo: Ich glaube, die Tonlage in den klassischen Medien ist immer noch sehr selbstgerecht, die Fehler machen immer nur die anderen. Das geht den Leuten auf den Geist. Die meisten Menschen im Land haben wie wir Journalisten gesagt: Es ist völlig richtig, dass Wulff zurückgetreten ist. Das ging so nicht mehr, es hatte sich zu viel angesammelt. Allerdings habe ich das Gefühl: Für die Medien, die die Affäre aufgedeckt, kommentiert und letztlich den Rücktritt bewirkt haben, war das ein Pyrrhussieg. Denn es ist den Menschen unheimlich, dass es eine Presse gibt, die so mächtig ist, dass sie jemanden aus dem Amt kegeln kann – und dass sie das womöglich nicht nur aus lauteren Gründen tut. Das empfinden viele als Amtsanmaßung.

Schirrmacher: Ich teile die Kritik, aber wenn man sich die Umfragewerte anschaut, stellt man fest: Das Stärkste, was gegen Wulff unternommen wurde, hat er selbst getan, nämlich sein Interview mit ARD und ZDF.

Di Lorenzo: Trotzdem ist es zu Exzessen gekommen, die auch Monate danach noch unheimlich wirken. Ein wichtiger Verlag stellt offiziell die Anfrage: Trifft es zu, dass Christian Wulff bei der Schülerratswahl an seinem Gymnasium in Osnabrück Schüler der Unterstufe mit After-Eight-Schokolade kaufen wollte? Die Vermieterin einer 40 Quadratmeter großen Ferienwohnung auf Sylt sah sich mit der Frage eines kritischen TV-Medienmagazins konfrontiert, ob sie mit David Groenewold bekannt sei und von ihm Blumen bekommen habe, und wenn ja, wie viele. Das kann man alles so machen. Ich habe auch großen Respekt vor investigativem Journalismus, wir haben bei der ZEIT gerade ein investigatives Ressort gegründet. Aber wenn solche Anfragen jetzt die Regel werden, haben wir bald einen Schnüffel- und Denunziationsstaat, in dem wir selber nicht mehr leben möchten.

Schirrmacher: Da sind wir uns einig. Ich füge aber hinzu: Wenn ich mir die Entwicklung in den USA anschaue, die Debatte um Vorratsdatenspeicherung und über Soziale Medien, könnte es sein, dass bald niemand mehr sicher ist.

Göring-Eckardt: Ich möchte zu einem anderen Thema kommen: den Frauen.

Di Lorenzo: Jetzt wird es aber gar nicht nett, oder?

Göring-Eckardt: Meine These: Die Männer Ihrer Generation, die heute die Schlüsselpositionen der Gesellschaft besetzen, sind den Weg vom Macho zum Softie und zurück gegangen.

Schirrmacher: Was?

Göring-Eckardt: Die Führungsriege dieser Generation, der Babyboomer, besteht – das wissen wir nicht erst seit der Initiative »Pro Quote« der Frauen im Journalismus – zum weit überwiegenden Teil aus Männern. Und am meisten von Altersarmut bedroht, nämlich zu 70 Prozent, sind: die Frauen. Woran liegt das? Schließlich sind die Frauen dieser Jahrgänge gut ausgebildet. Es war in dieser Generation nicht mehr unanständig, arbeiten zu gehen. Sicher ist die Kinderbetreuung noch nicht perfekt organisiert. Andererseits wäre in den Milieus, über die wir jetzt reden, selbst noch genügend Geld für das Au-pair-Mädchen und die Nanny vorhanden gewesen.

Schirrmacher: Die Frage stellt sich mir auch. Ich käme nie, ich kann das nur nach gewissenhafter Selbstintrospektion sagen, auf den Gedanken, Frauen arbeiteten nicht so gut wie Männer oder seien weniger leistungsfähig.

Göring-Eckardt: Sie meinen, das ist einfach irgendwie passiert? Sie müssen doch die Gründe analysiert haben!

Schirrmacher: Wir haben auf die normale Selektion gesetzt: Wer was werden will, wird sich schon melden. Das hat nicht funktioniert. Für unsere Zeitung kann ich feststellen: Das Korrespondentennetz war geprägt von Frauen – London, Peking, Washington, wo auch immer. In die Schlüsselressorts sind Frauen erst spät gekommen, ins mächtige Wirtschaftsressort beispielsweise oder in die Literaturredaktion, aber jetzt, mit einer gewissen Verspätung, geschieht es. Ich kann nicht sagen, dass Frauen verhindert worden sind.

Di Lorenzo: Ich glaube, es gibt zwei gegenläufige Tendenzen. In unserer privaten Sozialisation gibt es wohl so wenige Machos wie noch nie in der Geschichte. Im Beruf hinken wir sehr hinterher. Das hat mit zwei Realitäten zu tun. Die eine ist, dass Frauen einen Karriereknick erleben, sobald sie Kinder bekommen. Die zweite Realität ist, dass wir es im Beruf so sehr gewohnt sind, es mit Männern zu tun zu haben, dass unsere Fantasie ganz im Ernst nicht ausreichte, um uns in Führungsstellen auch Frauen vorzustellen und darauf hinzuarbeiten. Der Frauenanteil in den wichtigen Medien ist, offen gestanden, ein Witz und durch nichts mehr zu rechtfertigen. Das sage ich als einer, der früher gegen jede Quote war und dem alles politisch Korrekte erst einmal verdächtig ist.

Leserkommentare
  1. Entfernt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

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    Nein, ich denke nicht die freiheitsliebenden Bürger sind überfordert. Ich bin der Meinung die Medien, Politiker und Banker leben in einem Elfenbeinturm.

    Dieses "interview" ist ja mal wieder ein guter Beweis, wie auch andere Offenbarungen wie Guttenberg, etc...

  2. Die Vision ist eine ganz einfache: Ich sage was ich denke und argumentiere. Du sagst was du denkst und argumentierst dagegen. Widerlegst du meine Argumente, übernehme ich deine. Widerlege ich deine Argumente übernimmst du meine.

    Ergebnis: Ein pragmatischer Mehrheitsbeschluss

    http://www.youtube.com/wa...

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    Das funktioniert nur bei entsprechender Aufgeschlossenheiten den Argumenten gegenüber, was jedoch ab einem gewissen Punkt nicht mehr wirklich möglich ist.
    Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben.
    Argumentation ist gut und wichtig, aber die Frage ist auch mit wem und in welchem Rahmen. Das Hauptrisiko der Piraten ist der Populismus, denn dem folgt ein Schwarm, bzw. eine Herde am liebsten.

    • manu26
    • 28. Mai 2012 20:23 Uhr

    Wenn es nicht ein paar Menschen gäbe, die an das glauben, was da im Video präsentiert wird, wäre es zum Lachen. Ich jedenfalls wusste nicht, ob ich lachen oder nur den Kopf schütteln sollte, als ich es sah.

    Interessantes Gespräch. Wohl investierte Zeit es zu lesen. Meine Lieblingsstelle:
    "Wir müssen weiter – um es mit Habermas zu sagen – das Rückgrat des politischen Diskurses bleiben, und zwar in Medien, die uns nach der schwärzesten aller Diktaturen geschenkt worden sind, die nicht hysteriegetrieben sind, nicht von Konformität erdrückt werden, sondern im Prinzip eine potenzielle Freiheit, Unabhängigkeit und Vielfalt haben, die beneidenswert und ziemlich einzigartig in der Welt sind." (Di Lorenzo)
    Und das meine ich nicht ironisch, auch wenn es vielen leider ironisch anmutet.

    Die vielfältigen Kommentare sind leider weitestgehend ein Trauerspiel – wie so oft.

    • C4
    • 29. Mai 2012 8:56 Uhr

    "Widerlegst du meine Argumente, übernehme ich deine. Widerlege ich deine Argumente übernimmst du meine."

    Hört sich gut an, ist wohl aber leider ein Idealfall der reinen Lehre. In der Regel scheitert doch schon der Konsenz darüber, ob ein Argument widerlegt ist, oder nicht, an themenfremden Parametern, wie Ego, Ideologie, Parteilichkeit, persönlichen Interessen, etc.

    Und sollte es tatsächlich einmal zu einem rein sachlichen Austausch kommen, einzig verpflichtet dem Ringen um die hehre Wahrheit, wird man zumeist bald feststellen, wie komplex dieselbe tückischerweise daherzukommen pflegt, so dass ihr mit ja, oder nein, schwarz oder weiß, schlicht nicht beizukommen ist.

    Vielleicht helfen dialektischere Methoden?

  3. Immer wieder empfehlenswert, "Warum Mainstreammedien Mainstream sind":
    http://zmag.de/artikel/Wa...

    6 Leserempfehlungen
  4. Über die Entfernung meines Accounts würde ich mich freuen (wie auch über die Verschonung von Ihren Werbemails). Danke, der Kommentato/sk

    Sie bemitleiden Medienpranger und lassen nicht mal eine einfache Frage/Feststellung durch!?

    Besten Dank, liebe "Zeit"/mk

    22 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

  5. di Lorenzo: Mir macht die Frage, wie heute öffentliche Diskurse organisiert werden, Sorgen. Ich beobachte in den deutschen Medien seit einiger Zeit einen besorgniserregenden Hang zum Gleichklang. Das Merkwürdige dabei ist, dass der Konformitätsdruck nicht von bösen Regierungen oder finsteren Wirtschaftsmächten ausgeübt wird. Vielmehr kommt er aus unserer eigenen Mitte, er geht von den Journalisten…aus.

    Ja, und? Was ist die Konsequenz daraus? - Hallo Frau Göring-Eckardt: Was ist jetzt ihre Frage?

    Göring-Eckardt: Was erwarten Sie von dieser neuen Partei?

    Fazit: Das Weglassen von Fragen auf merkwürdige Antworten nimmt immer mehr Raum ein.

    30 Leserempfehlungen
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    ist mir auch als unerklärliche Merkwürdigkeit aufgefallen!

  6. Gespräch dem ich gerne noch eine kleine Anmerkung geben möchte-es ist auch wichtig überlebensfähig zu sein ohne INTERNET, es könnte ja auch mal aus irgend welchen Gründen nicht mehr funktionieren für einen Zeitraum und wir sollten uns eine Überlebensfähigkeit dafür erhalten, eine Art Präventation halt-Zeitungen könnten dann sicherlich immer noch erscheinen, ob die Partei der Piraten dann noch funktioniert ist fraglich-

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  7. Das funktioniert nur bei entsprechender Aufgeschlossenheiten den Argumenten gegenüber, was jedoch ab einem gewissen Punkt nicht mehr wirklich möglich ist.
    Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben.
    Argumentation ist gut und wichtig, aber die Frage ist auch mit wem und in welchem Rahmen. Das Hauptrisiko der Piraten ist der Populismus, denn dem folgt ein Schwarm, bzw. eine Herde am liebsten.

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    Antwort auf "Wo ist da die Vision?"
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    Menschen die sich für Liqiud Democracy entscheiden sind sich ihrer Verantwortung bewusst und somit können sie nicht als Herde wirken.

    (Populismus: http://de.wikipedia.org/w...

    "Populismus (lat.: populus, „Volk“) bezeichnet eine um „Nähe zum Volk“ bemühte Politik, die Unzufriedenheit, Ängste und aktuelle Konflikte ausdrückt oder instrumentalisiert, indem sie Gefühle anspricht und einfache Lösungen vorstellt.")

    Die Verantwortung ist es also, die ihnen erlaubt mit Vernunft
    und Diskussion eine Lösung zu finden und eben nicht auf eine populistische Meinung zu stimmen.

    "Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben."

    Gerade in Foren kann man Leute gut überzeugen. Entwicklungen und Standpunktänderungen bekommt man allerdings oft nicht mit, unterschiedliche Aliase usw. aber es gibt imho nur extrem wenige Foristen, die über lange Zeiträume durch totale Faktenresistenz auffallen. Die wollen dann idR auch nicht diskutieren, sondern nur streiten, die sogenannten "Trolle".

    Herdenmenschen sehe ich eher in denjenigen, die immer noch glauben, Fernsehen, die Tagesschau und die Konzernmedien würden objektiv berichten und urteilen.

    Herdenmenschen sehe ich in denen, die meinen, eine Meinung wäre besser, nur weil sie von einem bezahlten Journalisten stammt. In denen, die eine Partei wählen, weil deren Umfragewerte angeblich gestiegen sind.

    Herdenmenschen sehe ich in denjenigen, die sich zu Massenevents begeben, um in eine Millionenmasse einzutauchen, ob beim Fußball oder Volksfesten. Platzangst und Hysterie garantiert.

    Schwarmintelligenz ist das Gegenteil von Herdenmenschentum. Es geht hier eben nicht darum, eine jubelnde Masse zu erzeugen mit Emotionen und Spaß-Events, um den Druck abzulassen. Arbeiten und Sparen ist eine so harte Leitkultur, dass das Bedürfnis nach FUN groß wird und abgeleitet werden muss.

    Es geht darum, Bildung und Intelligenz von vielen Einzelnen zusammen zu führen über konkrete Projekte, um die beste und rationalste Lösung zu finden - immer im Sinne des Allgemeinwohls. Und das sogar ohne Geld. Siehe das wunderbare System Linux. Vielleicht gelingt so ein Modell auch mal im Journalismus...

    wird, liegt daran, daß so viel Lust am reinen Bashen besteht.
    Ein warmherziger Dialog ist da sehr selten, auch, wenn es ihn immer einmal wieder gibt. Bloß wenn die Positionen grundverschieden sind,ist das natürlich kaum möglich. Schade nur, daß dann meistens sehr schnell unter die Gürtellinie gezielt (und getroffen)wird bis hin zur bewußten Angstmache.
    Das Volk ist leider auch nicht besser, als die Medien. Wäre ja auch erstaunlich. Was mich aber am meisten verstört in letzter Zeit ist nicht die Böswilligkeit allein,sondern ihre plumpe, extrem primitive Form! Ich meine z.B. die Nazi-und Esoterik-Keule, die auch noch vom Unwissendsten und Gedankenärmsten an den unpassendsten Stellen hervorgeholt wird und immer noch ihre Wirkung tun kann, egal, wie blödsinnig das in dem Moment ist. Zumindest kann einem dann die Lust zum Weiterargumentieren vergehen. Leider haben die Medien dagegen bis jetzt noch nichts unternommen, sondern tuten im Gegenteil auch noch mit ins gleiche Horn, siehe G.G.

  8. http://zmag.de/artikel/Ve...
    " ... Journalisten fluten in die formende Struktur der Konzern-Medien des Mainstream hinein - u. wieder heraus. Denn wie wir bereits in früheren ‘Media Alerts’* (Medienalarm) dargelegt haben: Unsere Konzernmedien sind nunmal so strukturiert, dass sie die Interessen der Konzerne / des Staats schützen u. stützen. Und dazu ist kein Komplott, ja nicht mal offene Einflussnahme, vonnöten. Die Uniformität der Berichterstattung ist Resultat einer schlicht (naturgesetzlichen) Reaktion: ‘menschliche Natur’ in Verbindung mit ‘formender Struktur’ des Staats-Konzern-Kapitalismus: Journalisten mit der richtigen Einstellung, der richtigen Ziel- u. Prioritätensetzung hüpfen in die Pyramidenstruktur der Medien hinein u. “finden ihren Platz” darin, während die andern wieder hinaustreiben (bzw. hinausgetrieben werden).
    ... "

    8 Leserempfehlungen
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    http://zmag.de/artikel/Ve...

    " ... Das heißt andererseits nicht, dass der Mainstream keine abweichenden Meinungen zuläßt. Ganz im Gegenteil: das System lebt ja geradezu von seinem toleranten Image. Denn in einer Gesellschaft, die vorgibt, demokratisch zu sein, muss die Propaganda-Maschinerie gelegentlich auch mal abweichende Meinungen integrieren. Diese allerdings nur homöopathischen Wahrheitsdosen sollen quasi wie eine Impfspritze wirken: sie immunisieren die Öffentlichkeit, damit diese die engen Grenzen unserer Pressefreiheit nicht mehr wahrnimmt. So gesehen sind jene ehrlichen Artikel von Abweichlern, wie sie gelegentlich an die Oberfläche des Mainstream (des Hauptstroms des Presseflusses also) schwappen, ebenso entscheidend für ein geschmiertes Funktionieren der Propaganda-Maschinerie wie die große Masse an macht-affirmativen journalistischen Artikeln. Und so finden durchaus auch Dissidenten ihren Platz in der Pyramide (ein paar wenigstens) - was aber überhaupt nichts daran ändert, dass am Ende eine Medienlandschaft rauskommt, die die öffentliche Meinung so verformt, dass diese tendenziell eher den Zielen der Staats-/Konzern-Macht nützt. ... "

    • agffm1
    • 28. Mai 2012 19:24 Uhr

    Mal ganz ehrlich gefragt: Mussten Sie das sehr interessante Gespräch überhaupt zu Ende lesen, um dieses völlig verquaste Proseminaristen-Geschwurbel als Antwort zu posten? Foucault et al. würden sich zurecht im Grabe umdrehen bei diesem fahrlässigen und undifferenzierten Gerede von "Macht", "System", "Staatsmacht" und "Konzernmacht". Und wäre es Ihnen zuviel abverlangt, wenigstens ein paar eigene Gedanken dazu zu formulieren?
    Ich für meinen Teil fand, das war ein hervorragendes und gedankenreiches Gespräch zwischen drei klugen Leuten, die ihr mediales Handeln ernsthaft hinterfragen und reflektieren. Vielen Dank an die Zeit! Es wäre schön, an dieser Stelle ab und an mehr mediale Selbstreflexion zu finden - die Massenmedien neigen sonst dazu, ihre eigene Rolle und ihre Wirkung zu vernachlässigen.

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